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BORSTENHIRSE, KOLBENHIRSE U/A
Setaria -
Gramineae
VON DEM
FENCH ODER FUCHßSCHWANTZ.
THEOPHRASTUS der hat den Fench dem dritten Geschlecht deß
Getreydts oder Kornfrucht zugerechnet/ COLUMELLA hat jhnen erstlich der
Hülsenfrucht oder dem Zugemüß
zugesellet/ hernachmals aber hat er demselben seinen Platz auch under Getreydt
geben unnd eyngeraumet/ denselben Platz wöllen wir jhm auch gern lassen/
unangesehen daß
GALENUS denselben LIB.6.SIMPL. dem Zugemüß
oder der Hülsenfrucht auch zugeschrieben hat/ und haben desselben zwey zame
Geschlecht.
I. Das erst und gemeinest Geschlecht hat ein vielfaltige und zasechtige
Wurtzel/ oder ein Wurtzel von vielen Zaseln oder kleinen Würtzlein/ das Graß
oder viel mehr die graßechtige
Bletter/ seindt viel rauher/ schärpffer unnd spitzer weder die Bletter deß
Hischens. Die Halmen oder Stengel sein rundt/ haben viel Gleych oder Gewerb
etwann auf die zehen an einem Stengel/ unnd hat ein jedes Gewerb oder Knopff ein
langes/ schmales Blatt/ die Aeher seindt nicht wie anderer Frucht Aeher/ auch
nicht zertheilet wie deß
Hirschens/ sondern gantz rundt gestalt wie die Moß
oder Lieschkolben die in den Weihern wachsen/ die seindt bißweilen
weiß/
unnd etwann braun oder schwartz/ mit unzehlichem kleinem Samen außgefüllt/
welcher so er außgetroschen
wirdt dem Hirschen so ähnlich und gleich ist/ daß
sie kümmerlich voneinander können underscheiden werden/ der underscheidt aber
ist allein darinn/ daß
der Fenchsamen ein wenig kleiner ist dann der Hirschen. Der Fench wächset gern
in rauhen und sandechtigen Orten/ derowegen die jenigen so jnen säen wöllen/
sollen allwegen ein leicht sandtechtig und steinechtig Erdtreich darzu erwehlen/
das hübelechtig und bergechtig seye/ da nicht viel Wasser zukommen kan/ so gehet
es bälder auff dann der Hirschen/ und wächst frewdig/ also daß
er innerhalb vierzig Tagen zur Zeitigung kommet/ unnd eyngeerndet mag werden. Jm
Algew/ Hegew/ Waßgauw
unnd andern mehr dergleichen rauhen Orten/ ist diese Frucht sehr gemein und
wirdt in grosser menge gepflantzet/ wirdt im Glentzen gesäet und im Sommer.
ll. Das ander Geschlecht ist grösser unnd lustiger anzusehen/ beide am
Stengel/ Blettern und den kolbechtigen Aehern die schön zottechtig seindt/ das
wirdt allein in den Gärten gezielet/ unnd wächset gern in einem jeden Grundt
solches ist erstlich auß
der Landtschafft INDIA in Hispanien/ und von dannen in unser Teutschlandt
gebracht worden.
lll. Noch wächset bey uns hin unnd wider ein Geschlecht dieser Frucht/
das ist viel kleiner dann das erste zame Geschlecht/ hat schmäler unnd kürtzer
Bletter/ die seindt auch rauher als die Bletter deß
zamen Fenchs/ die knodtechtigen Hälmer oder Stengel werden Elen hoch mit
Holkeelen. Die Aehren seindt rauhe/ rotferbig uns auch kleiner dann deß
zamen.
Von den Namen deß
Fenchs.
Der Fench wirdt Lateinisch genannt/ ELYMUS oder HELYMUS. MELINE oder
MELYNE MELINUS, unnd von DIOCLE, MELFTUGUM, von PLINIO und andern PANICUM,
PANICA, und PANICULA. Hochteutsch/ Fench/ Pennich/ Heydelpennich/ Panikorn/
Fuchsschwantz/ Heydel/ Heydelfench und Butzweytzen.
ll. Das zweyte Geschlecht wirdt von den Kreutlern Lateinisch genannt/
PANICUM VILLOSUM, PANICUM INDICUM, PANICUM HISPANICUM, und PANICULA HISPANICA.
Hochteutsch/ Jndianischer Fench/ Jndianisch und Hispanisch Panickorn.
lll. Das wildt Geschlecht wirdt von den Kreutlern PANICUM SYLVESTRE,
PANICULA SYLVESTRIS, und von etlichen auch GRAMEN MANNAE SYLVESTRE genannt/
andere wöllen ein ISCHAEMUS darauß
machen. Teutsch heisset es wilder Fench/ und Panikorn/ und nennens auch etliche
wildt Manngraß/
oder wilden Himmelthauw.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und
Eygenschafft deß
Fenchs.
Fench oder Panikorn/ ist kalter Natur im ersten unnd trucken im zweyten
Grad wie der Hirschen/ nehrt sehr wenig/ machet windt/ ist hart zu dauwen/
machet ein dick Geblüt unnd dessen sehr wenig/ ist alten Leuten nichts nütz/
stopfft den Bauch mehr als der Hirschen. Der wildt Fench hat die Krafft unnd
Eygenschafft wie der zam/ kület aber und stopffet mehr.
Jnnerlicher Gebrauch deß
Fenchs.
Unangesehen daß
der Fench schwerlich zu verdauwen und grobe Nahrung gibt/ und den mehrentheil
von dem Bauwersvolck unnd dem gemeinen Mann zu der Speiß
gebraucht wirdt/ kann derselbige doch durch künstliche bereytung auch vor die
Krancken nützlich bereytet werden/ daß
der nicht allein gut und leichtlich zu verdauwen/ sondern auch gute Nahrung
gibt/ unnd ein löblich gesundt Geblüt machet. Es ist der Fench etlichen Völckern
in THRACIA so gemein daß
sie den täglich in jrer Speiß
gebrauchen/ daher auch XENOPHON IN LIB.EXPEDICIONIS CYRI 7. Dieselbigen
MELINOPHAGOS, das ist Fenchfresser genannt hat. Das gemein Volck in Franckreich
unnd Teutschlandt/ sonderlich aber an denen Orten da deß
Fenchs die menge geziehlet wirdt/ machen gute Brey darauß
jhr Gesind und Taglöhner darmit zu speisen/ dann es eine gute Speiß
ist wie der Hirschen vor grobe starcke Leuth/ als Trescher/ Holtzflötzer/
Schmidt unnd andere die schwere arbeyt thun müssen/ dann es settiget baldt. Die
Franzosen kochen den mit Wasser/ Butter oder Schmaltz/ sieden den zu einem Brey/
saltzens darnach/ unnd wann sie den anrichten so bestreuwen sie jhnen mit klein
geschnittenem Leuchel und Dillkraut/ ist ein ziemlich gut essen vor das Gesindt/
sie thun auch bißweilen
ein wenig Essig dareyn daß
es sawrechtig wird/ so ist es in heisser Zeit etwas anmütiger zu essen.
Unser Bauwersvolck das etwas verleckter ist/ sieden den Fench mit Milch
zu einem Brey/ thun Buttern unnd Saltz so viel genug ist darzu/ unnd speisen
darmit jhr Haußgesindt/
ist kein böß
essen/ gibt sehr gute Nahrung und speiset wol.
Fench in der speiß
genützt/ ist denen dienlich die Blut speyen/ stätige Bauchflüß
haben/ und die zu ubermässig geneigt seindt zu der Unkeuschheit/ deßgleichen
auch denen so schwache Nieren haben/ unnd so mit dem Samenfluß
beschweret seindt/ denen der natürlich Samen ohn jren Willen oder aber deß
Nachts im Schlaff entgehet. Es dienet auch denen so mit kalten Catharren und
Hauptflüssen beladen seindt.
RASIUS der rathet daß
man den Fench mit Milch kochen soll/ doch daß
er zuvor ein zeitlang in Kleyenwasser geweychet worden seye/ so soll er ein gute
unnd löbliche Nahrung geben.
Pfennichkernen sauber gewäschen/ darnach mit einer guten feyßten
Fleischbrühen zu gesetzt und zweymal so viel Mandelmilch zu gegossen/ zu einem
bequemen dünnen Breylein gesotten/ ist ein gute Speiß
vor die/ die Hauptwehethumb haben von der Gallen. Solche Breylein seindt auch
dienlich den Lungensüchtigen/ und denen so Blutspeyen.
Fenchbreylin gesotten mit frischer Geyßmilch
oder gestählter Kühemilch/ seindt fast dienlich wider den roten Außlauff
unnd alle andere Bauchflüß.
Dienen auch wider die Geschwer der Nieren und der Blasen.
Man kann auch gleich wie auß
dem Hirschen allerhandt gute Eßlein
darauß
bereyten.
Fenchsamen zu Pulver gestossen unnd mit rotem Wein getruncken/ dienet
wider die rote Ruhr/ unnd alle andere Bauchflüß
deß
tags zweymal gebraucht.
Eusserlicher Gebrauch deß
Fenchs.
Wider das Hauptwehe von kälte: Nimb Fenchsamen der nicht gescheelt ist
zwo Handtvoll/ Rockenkleyen/ Saltz/ jedes eine Handtvoll/ Salbeyen/ Maieran/
jedes ein halbes Händtlein voll/ Anißsamen/
Lorbeern groblechtig zerstossen und Fenchelsamen/ jedes ein loth/ röschte sie in
einer Pfannen/ thue die darnach in ein bequemes Säcklein/ und legs so warm uber
das Haupt so warm du es erdulden magst.
Fenchsamen der nit gescheelt ist ii.theil/ mit kraussem Balsamkraut und
roter auffgedörter Rosen/ jerde i.Handtvoll geröscht/ darnach in ein leinin
Säcklein gethan unnd uber den Magen gelegt leget dz kotzen und erbrechen: Wann
das Säcklein kalt wirdt so wärme es wider auff einem heissen Ziegelstein mit
gutem Weinessig besprengt/ und legs wider auff/ das thue so lang biß
das brechen nachlässet.
Ungescheelten Fenchsamen zwey theil/ mit Saltz/ Kleyen und Dillsamen/
jedes ein theil in einer Pfannen geröschet/ darnach in ein Säcklein gethan unnd
warm uber den Magen gelegt/ vertreibt den Schmertzen von Winden unnd Kält
verursachet.
Fenchsamen ii.theil mit einem theil Saltz obgemeldter massen geröscht/
vertreibt den Schmertzen und stechen der Seiten in einem Säcklin warm
ubergelegt. Gleicher gestalt gebraucht stillet es allen Schmertzen/ er seye am
Leib wo er wölle/ von Kält unnd schleimiger zäher Feuchten verursachet
vertreibet auch das krimmen.
Ungescheelten Fench ii.theil/ mit Saltz/ Rockenkleyen und Mattkümmel/
jedes i.theil/ obgemelter massen geröscht unnd warm uber den Leib gelegt/
vertreibet das auffblehen desselben und zertheilet die Winde.
Wider das Krimmen und Reissen in den Därmen: Nimb ungescheelten
Fenchsamen vier Handtvoll/ Chamillenblumen/ Fischkümmel/ Dillsamen/ Rauthen/
Poleyenkraut/ jedes i. Handtvoll/ Saltz zwo Handtvoll/ Anißsamen/
Wolgemuth jedes ein halb Handtvoll/ röschte solche Stück zuvor klein geschnitten
uber dem Feuwer in einer eisenen Pfannen/ thue sie in ein bequemen Sack/ und
lege den so warm du es leiden kanst uber den Bauch.
Wider die ubrige feuchtigkeit der Durchschlechten oder der Purpeln/
streuwe reyn gepülverten Fench auff die Leilachen darauff die Krancken ligen.
Wieder das eusserlich schweren verwundung der Nieren und deß
Rückens/ vom ligen in langwirigen Kranckheiten: Nimb Fenchmeel ein gut theil/
Rosen oder Myrrhenöle ungefehrlich auff sechs loth/ seude die zu einem Pflaster/
streichs auff ein leinen Tuch und legs uber.
Fenchmeel mit Wein und dem sauwren Honigsyrup/ ACETO MULSO, mit
genugsamem Buttern unnd ein wenig Terpentin zu einem Pflaster gesotten/
vertreibet den schmertzen und geschwulst der Gemächt/ auff ein Tuch gestrichen
unnd warm ubergelegt.
Ungescheelten Fench ii.theil/ mit einem theil Saltz in einer Pfannen
geröscht unnd in ein Säcklein gethan/ ist gut wider die Gelüst zum Stulgang/
welches mit einem andern Namen der Arßzwang
genannt wirdt/ warm uber den Hindern gelegt oder aber darauff gesessen/ so
derselbig von Kält ist verursacht worden.
Fenchsamenmeel unnd Bonenmeel/ jedes iii. Untzen mit genugsamer Geyßmilch
unnd Schweinenschmaltz zu einem Pflaster gesotten/ vertreibt alle schmertzen sie
seyen am Leib wo sie wöllen unnd auch die Schmertzen deß
Zipperleins und der Gliedtsucht.
Fenchbrodt.
PANICACEUS PANIS.
Man hat auch vor alten Zeiten auß
dem Fenchmeel Brod gebacken/ wie DIOSCORIDES LIB.2.C.86. bezeuget/ wie es dann
von jhme under das Getreydt oder Kornfrücht ist gesetzt worden/ welche
gewohnheit heutiges Tages noch auff uns geerbt ist/ und wirdt sonderlich in
thewer Zeit an den obgemeldten Orten da deß
Fenchs viel gezielet wirdt von dem gemeinen Mann Brodt darauß
gebacken/ das wirdt aber trucken/ ungeschlacht unnd zerriebelt sich baldt/
sintemal es kein fette oder schleimerichkeit in sich hat/ die dasselbig zusammen
haltet wie anderer Getreydt Brodt. Solches Brot kület sehr/ trucknet und machet
den Leib fest/ ist schwerlich zu verdauwen/ der groß
Hunger aber/ welcher wie man zu sagen pflegt ein guter Koch ist/ der machet daß
es leichtlich verdauwet wirdt/ darzu auch Gott der Herr/ ein Herr der Natur/
seinen Segen gibt.