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BIRKE
Betula - Betulaceae


VON BIRCKEN

Die Bircken seyn jederman wolbekandt/ etliche bleiben klein/ etliche aber wachsen ziemlich hoch in die Höhe/ in jhrer Jugendt seyn sie mit einer braunen Rinden bekleidet/ wann sie aber alt werden/ so wird die Rinde weiss. Die Bletter seyn etwas kleiner dann am Buchbaum/ breyt und spitzig/ ein wenig zerkerfft/ glatt und grün/ an den Zweygen wachsen langlechte Zäpfflein wie an den Haselstauden/ das Holtz ist gar zähe und biegig/ wird zu vielen Sachen genützet/ fürnemblich aber ist es ein edel Gewächs für die böse ungerathene Kinder/ dieselbige darmit fromb zu machen. Sie wachsen uberall in Wälden/ an steinigen und unfruchtbarn Bergen. Kommen im Aprill herfür.

Von den Namen
    Bircken heisst Lateinisch/ BETULA.

Von der Natur/ Krafft und Eygenschafft der Bircken
    Die Rinde an den Bircken erweichet unnd zertheilet/ aber die Bletter sollen gleiche Krafft haben wie das schwartze Pappelbaumlaub.

Jnnerlicher Gebrauch
    Im Anfang dess Lentzen reist man die Rinden mit einem Messer auff/ so fleusst ein süsses Wasser darauss/ [das man Birckenwasser nennet/ darmit die Hirten offtmals jren Durst leschen.] welches gut seyn soll den Stein/ der Nieren und Blasen zu brechen und ausszutreiben/ wann man darvon trincket. [allwegen frü sechs Loth/ unnd das offt getruncken/] auch die Geelsucht darmit zu vertreiben.
    [Der Safft wird im Anfang dess May gesamlet/ an die Sonnen gesetzt welcher dann pflegt zu jähren wie ein Most/ und auff diese weiss kan man jhn fast das gantze Jahr uber gut behalten.
    Er wird auch gelobt in der Wassersucht/ offt mit Holderblutwasser getruncken. Etliche pflegen diesen Safft mit fleiss zu distilliren.]

Eusserlicher Gebrauch
    Etliche nemmen diesen Safft oder das Wasser besprengen das Kraut darmit/ so sie in die Käss thun wollen/ so sollen keine Maden in Käsen wachsen.
    Gemeltes Wasser/ [so auss diesem Safft distillirt wird/] wird auch sehr gebraucht/ die Flecken unnd Zittermäler darmit zu vertilgen/ ist auch gut wider die Fäule dess Mundes/ [so man den Mund darmit aussschwencket/ wird auch als eine gute Reynigung unnd Heylung der Wunden gehalten. Solches thut auch das Wasser auss dem grünen Laub gebrandt.]
    Dieser Safft ist auch gut wider die Bauchwürm/ so man ein Tüchlein darinn netzet/ unnd auff den Nabel legt.
    Der Safft so auss dem angezünden Holtz fleust/ uber die Augen gestrichen/ vertreibt die Flecken in Augen.
    Zu den rothen Augen eine gute Artzeney: Nimb eine frische Bircken Ruth/ zünde sie an/ legs auff ein Becken/ lass also brennen/ so gibt es auff dem Becken ein feisten Safft/ darmit bestreich die Augenwinckel.
    Etliche schlechte Leut lassen diss Laub sieden in einem Wasser/ und baden darinnen für die Räude.
    Es haben die Alten diese weisse Rinde gar sehr an statt dess Papiers gebraucht/ und darauff geschrieben.