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BIBERNELLE
Pimpinella - Umbelliferae
Wir haben nicht underlassen können unsers Bibernellen dem Macedonischen
Peterlein nachzusetzen unnd zu beschreiben/ sintemal dieselbigen wahre
Geschlecht deß
rechten Steinpeterleins seindt/ und das nit allein der Form und gestalt halben/
sondern auch der Krafft und Tugendt/ die es mit dem waren Macedonischen
Peterlein gemein hat/ unnd darinnen demselbigen im wenigsten nit weichet/ und
ligt daran nichts daß
er in MACEDONIA nicht wächset/ dann der Allmächtige GOtt nicht allein MACEDONIAM
und EPYRUM, sondern auch EUROPAM und andere desselben Landtschafften/ und
insonderheit unser liebes Teutschlandt/ mit köstlichen Kreutern versehen/ also
daß
andere frembde Nationenn uns dieses orst nicht zu verweisen haben/ welches
unsere Bibernellen/ die rechte wahre PETROSELINA seynd/ zeugnuß
geben.
Dass wir nun widerumb zu unsern Bibernellen oder Steinpeterlein kommen/
so haben wir in Teutschlandt drey underschiedliche Geschlecht.
l. Das erste und grösser Geschlecht under diesen dreyen/ hat eine lange/
glatte/ weisse Wurtzel/ wie die Wurtzel deß
gemeinen Gartenpeterleins/ die ist am Geschmack räß
unnd zanger wie der Jngber/ die gibt ein scharpffen/ hitzigen/ geelechtigen
Safft von sich/ wann sie verletzet oder verwundet wird. Die Bletter seynd satt-
oder schwartzgrün/ zerschnitten unnd underschieden biß
zum mittelsten Stenglin/ zu beyden seiten anzusehen/ wie der grosse Peterlin/
oder kleinen Pastenachenbletter. Gegen dem Meyen wächset von der Wurtzel herfür/
ein knöpffechtiger/ langer/ holer Stengel/ mit vielen Nebenzweiglein/ darauff
Kronen oder Dolden wie Schatthütlein/ mit vielen weissen Blümlein: denen kompt
hernach ein wolriechender Samen/ dem gemeinen Peterlinsamen ähnlich/ ist aber
doch hitziger und schärpffer auff der Tungen. Es wächst in steinechtigen Matten/
auff den Rechen der Weinberg/ und andern graßechtigen
orten in den Zwingern und Baumgärten.
ll. Das ander Geschlecht der Bibernellen hat ein lange/ dünne Wurtzel/
ohn Zaseln oder Nebenwürtzlein/ die ist am Geschmack schärpffer und hitziger
auff der Zungen. Dz Kraut Blumen und Stengel ist dem jetztgemelten aller gestalt
nach gleich/ allein daß
viel kleiner ist/ und die Stenglin und Rippen etwann braunroth seynd. Es blühet
wie das vorig Geschlecht im Meyen. Der Samen vergleicht sich dem falschen und
grossen Ammeysamen/ ist wolriechend/ schärpffer und zangerer/ dann der Samen deß
ersten Geschlechts. Es wächst auff den steinechtigen Bergen/ und graßechtigen
sandechtigen Rechen/ die in der höhe liegen.
lll. Das dritte Geschlecht ist mit Wurtzel/ Stengel/ Blumen und Samen/
sampt seinem Geruch und Geschmack dem zweyten gleich/ allein daß
es noch etwas räser und schärpffer ist. Die Bletter sind sehr klein zerkerfft
unnd zerschnitten/ schön krauß/
schier anzusehen wie der krauß
Peterlein/ ist dz scharpffest und stärckest under allen Bibernellen. Es wächset
an steinechtigen Bergen/ fürnemlich aber in Felsen und Seeinklüfften/ deßgleichen
auff den Mauren und alten Gebäuwen/ darinn sich die Wurtzel dermassen hinein
dringet/ und zwischen die Fugen der Felsen verkräucht/ also daß
man sie nimmer gantz herauß
bringen mag/ dann ich sie biß
in die anderthalb Elen lang herauß
gegraben/ und doch das ende nie erreichen mögen. Es werden die gemelten Kreuter
und Wurtzeln auch von etlichen in den Gärten gezielet/ daß
man die in der Küchen gebrauchen mag/ und werden also durch die Pflantzung etwas
zärter/ und zur Speiß
bequemer.
Von den
Namen der Bibernellen.
Die Bibernell hat keinen andern Namen bey den Alten dann PETROSELINUM,
dann sie der rechte Steinpeterlein ist. Die wird von NICOLAO MYREPSO PENPINELA
genannt/ vo IOANNE RUELLIO PAMPINARIA, von HERMOLAO BARBATO, BIPINELLA, von
andern PIMPINELLA, PAMPINULA, BIPENNULA, BIPINNELA, PAMPINELLA, PINPINELLA, und
BIMPINELLA. Von SIMONE IANUENSE wird sie genannt/ PETRASINDULA und SAXIFRAGIA.
Von den kreutlern und Simplicisten TRAGOSELINUM, APIUM HIRCINUM, PETROSELINUM
HIRCINUM, PIMPINELLA HIRCINA, von wegen jhres starcken Geruchs/ unnd zum
underscheid deß
Herrgottsbärtlein/ das auch PIMPINELLA genannt wird.
Jtem/
SAXIFRAGIA HIRCINA, PIMPINELLA ALBA, und PIMPINELLA SAXIFRAGA.
Hochteutsch/ Bibernell/ Bibinell/
Steinpeterlein und Bockspeterlein.
l. Das erste Geschlecht wird von den Kreutlern TRAGOSELINUM MAIUS, und
PIMPINELLA MAIOR genannt. Hochteutsch/ groß
Bibernell und grosser Bockspeterlein.
ll. Das ander wird gemeiniglich PIMPINELLA von den Medicis und Apoteckern
ohn einen ferneren Zusatz genannt. Von den Kreutlern aber TRAGOSELINUM MINUS,
und PIMPINELLA MINOR. Hochteutsch/ klein Bibernell/ kleiner Bockspeterlein und
kleiner Steinpeterlein.
lll. Das dritte Geschlecht wird von den Kreutlern genannt/ PIMPINELLA
PETRAEA, TRAGOSELINUM PETRAEUM, PIMPINELLA SAXATILIS, PIMPINELLA CRISPA, und
TRAGOSELINUM SAXATILE. Hochteutsch/ Steinbibernell/ Steinpeterlein/
Mauwerpeterlein/ und krauß
Bibernell.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft der Bibernellen.
Der hannig und scharpff hitzig Geschmack der Bibernellen geben genugsame
anzeigung daß
sie warmer unnd truckner Natur seind/ unnd haben auch darneben eine Krafft dünn
zu machen/ abzulösen und zu eröffnen/ unnd ist das grösser Geschlecht warm und
trucken im anfang deß
dritten/ und die zwey kleiner warm und trucken im dritten Grad. Es werden die
Kreuter/ Wurtzel unnd Samen heylsamlich von diesem Gewächs in der Artzeney
gebrauchet: Mögen derowegen als rechte und wahre Steinpeterlein inn die
Artzeneyen unnd COMPOSITIONES, an statt deß
Macedonischen Peterleins vermischet werden/ und sonderlichn die zwey kleiner
Geschlecht/ under welchen das krause so auff den Felsen wächset/ das allerbeste
und stärckest ist/ welches dann auch allezeit soll vor den andern erwöhlet
werden/ sintemahl es auch kräfftiger ist/ dann der Macedonische Peterlein der
bey uns gezielet wirdt/ welcher seine stärcke durch die veränderung deß
Luffts den mehrentheil verleurt.
Jnnerlicher
Gebrauch der Bibernellen.
Unser Bibernell/ sonderlich aber seine Wurtzel/ gedörret und gepülvert/
mag von dem gemeinen Mann und von menniglich vor Pfeffer in der Speiß
genutzt werden zur Gesundtheit/ dann sie der Speiß
nicht allein ein guten Geschmack gibt/ sondern sie bewahrt den Menschen vor
allerhandt Gifft/ unnd ist dem gantzen Leibe fast dienlich zu gebrauchen/ dann
sie erwärmet den Magen/ die Leber/ die Nieren unnd Blasen/ unnd stärcket sie:
Eröffnet die Verstopffung derselbigen/ ist heylsam den Engbrüstigen unnd
Wassersüchtigen bey dem Fleisch und sonst auch wie die Peterleinwurtzel
gesotten/ unnd dient allen kalten unnd feuchten Kranckhweiten. Es soll diese
Wurtzel in Sterbensläuffen/ fürnemlich in allen Speisen unnd Tranck genützet
werden/ sonderlich aber im Frühling/ Herbst und Winter/ dann sie thut nicht
allein allem Gifft hefftigen Widerstandt/ sondern sie behütet den Menschen vor
der Pestilentzischen Contagion/ reyniget das Geblüt/ unnd stercket das Hertz
gewaltiglich.
Das rohe Bibernellenkraut wann es noch jung ist brauchet mann auch zur
Speiß
und zum Salat/ dem Magen den verlornen Appetit zur Speiß
wider zu bringen/ unnd alle böse schleimige Feuchte darinnen zu verzehren/ den
Harn zu fürdern/ die Nieren unnd Blasen vom Grieß/
Sandt unnd Stein zu reynigen.
Bibernellenkraut Eurtzel und Samen/ wie und welcher gestalt man
dieselbige gebrauchen kan/ es sey in Speyß/
Tranck/ Geträncken/ Pulvern oder Latwergen/ so ist sie allezeit dienstlich/ wie
die gewisse unnd langwirige erfahrung bezeuget/ den Harn zu treiben Sandt und
Grieß
außzuführen/
den Stein zu zermalen und außzuführen/
die innerliche verstopffung zu eröffnen/ den schmertzen deß
Lendenwehes zu miltern und hinzunemmen/ die Nieren/ Blasen und Geburtglieder zu
reynigen: Jn welchem allem unser Bibernell die Eppichkräuter weit ubertrifft/
dann er auch in seiner Eygenschafft und Wirckung hitziger und truckner ist. Es
benimpt auch diese Wurtzel oder Samen den schmertzen der Eyngeweidt/ treibet den
Schweiß
gewaltig/ führet die faulen Feuchten durch den Schweiß
auß
dem Leib/ kräfftiget unnd stärcket die Natürliche Wärmbde/ darinn das Leben
stehet.
Bibernellenwurtzel zu Pulver gestossen/ unnd ein quintlein desselben mit
Wein zertrieben unnd warm getruncken/ erwärmet die erkalte Brust/ vertreibet den
kalten Husten/ unnd machet außwerffen
den kalten zähen Schleim unnd Lungenkoder.
Es ist auch fast dienlich folgende Artzeney: Nimb gepülvert
Bibernellenwurtzel ii. Loth/ Fenchelsamen/ Rauthen/ Römischenkümmel/ Süßholtz/
jedes i.loth. alle gemeldte Stück stoß
zu einem subtielen Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ und mach mit xii.
Untz verscheumpten Honigs ein Latwerglein darauß/
und brauch deß
Morgens und deß
Abendts einer Castanien groß/
laß
solche sittiglich im Mund zergehen/ und folgends allgemächlich mit Lüpflen
hinein schleichen.
Oder mach folgende Latwerg: Nimb weiß
Bibernellenwurtzel dritthalb loth/ gescheelte Lorbeern/ Wechholderbeern/ jedes
anderhalb loth/ Alantwurtzel ein halb loth. Stoß
gemelte Stück zu Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ und mach mit xii.
Untz verscheumpten Honigs ein Latwerg darauß/
die gebrauch wie die vorgemeldte.
Wider die verwundung der Brust/ Brustgeschwer und den Eyter so sich umb
die Brust gesammlet hat: Nimb weiß
Bibernellenwurtzel iii.loth/ Die zerschneidt klein/ thue sie in ein sauber
Geschirr/ schütte darüber ein maß
frisch Brunnenwasser/ lasse darnach sittiglich uber einer Glut zum halben theil
einsieden/ seihe die Brühe durch ein sauber Tuch/ und thu ferner darzu drey
ächtmaß
guten Weins/ unnd vierzehen Untz Honigs/ lasse widerumb sittiglich auff einer
gelinden Glut sieden/ und verscheumps wol/ darnach so seihe es durch ein
Claretsack/ und behalts zum Gebrauch. Gib dem Krancken Morgens und Abends ein
gemeinen Tischbecher voll darvon zu trincken/ so warm er es trincken kan/ das
hilfft nit allein den obgemeldten Gebrechen/ sondern es ist auch fast dienlich
wider alle kalte Gebrechen der Brust und Lungen/ es vertreibet den alten Husten/
benimpt das Keichen und schweren Athem/ und ist ein heylsamer gesunder Tranck
den jenigen die den Athem nit nolen können/ sie stehen dann oder sitzen
auffrecht.
Wider das keichen und schwerlich äthmen/ und vor alle kalte Gebrechen der
Brust: Nimb Bibernellenwurtzel drey loth/ Angelickwurtzel/ Nesselwurtzel/ jedes
i.loth/ Stabwurtz/ Bergpolium/ Erdkifer/ Spitzsalbeyen/ jedes ein halb loth.
Zerschneit alle obgemelte Stück klein/ thu sie in ein Kannten oder Zinnenfläsch/
schütte darüber ein Maß
guten Meth/ verkleib die Kanten oder Fläschen wol/ daß
nichts außriechen
mag/ unnd stelle sie in ein Kessel mit siedendem Wasser/ lasse dieselbigen Stück
vier Stunden lang mit stätem Fewer sieden/ darnach wann es kalt worden ist/ so
seihe es durch ein sauber Tuch/ unnd laß
den Krancken alle Morgen und Abend ein Becherlein voll darvon warm trincken.
Wider die Schwindtsucht unnd Lungensucht PHTHISIS genannt/ ist folgende
Latwerg offtermals probirt worden: Nimb Bibernellen zu einem subtilen Pulver
gestossen vier loth/ vermischs mit xii.loth verscheumptem Honig zu einer
Latwergen/ darvon gib dem Lungensüchtigen alle Morgen nüchtern ein halb loth/
und lasse jhnen drey Untz gedistillirt Bibernellenwasser darauff trincken.
MARCUS GATTINATIA und MATTHAEUS SYLVATICUS bereyten diese Artzney also: Nimb
Bibernellen zu reynem Pulver gestossen/ und mach mit Rosenzucker ein Latwergen
darauß/
darvon sol der Lungensüchtig alle Morgen frühe nüchtern ein halb loth essen/ und
acht loth deß
gedistillirten Bibernellenwassers darauff trincken/ und halten solches zu
gemeltem Gebrechen vor ein sonderlich Experiment.
Andere nemmen Bibernellensafft/ Drachenwurtzsafft/ jedes ein loth/
vermischen darunder iii. Loth Rosenzucker/ und stellens in die Sonn/ biß
es ein dicke einer Latwergen uberkompt/ unnd brauchen deß
Morgens darvon ein halb Loth/ unnd trincken drey Untz frisch gedistillirt
Bibernellenwasser darauff.
Wann einer ein stechen umb das Hertz hette von Geblüt oder anderswoher/
es were von fallen oder stossen/ der seude Bibernellenkraut unnd Wurtzel mit
Wasser den halben theil ein/ seihe dann die gekochte Brühe durch ein sauber
Tuch/ und trinck deß
Morgens nüchtern und deß
Abends wann er zu Beth gehen wil/ jedesmal ein Becherlein voll warm darvon/ er
genieset.
Bibernellenkraut und Wurtzel auff alle Manier gebraucht und jnnerlich
genützt/ bekompt treffentlich wol allen Mängeln und gebrechen der Augen.
Den undäuwigen bösen erkalten Magen wider zu recht zubringen unnd
zustärcken/ mach folgende Latwerg: Nimb Bibernellenwurtzel vii.loth/ Chamelenhew
vier loth/ brennender Nesselbletter/ Florentinisch Veielwurtz/ wilder
Galganwurtz/ jedes zwey Loth. Stoß
alle diese Stück zu einem reynen Pulver/ schlags durch ein subtil härin Sieblein
durch/ unnd mach mit lxxii. Untzen verscheumpts Honigs ein Latwergen darauß/
darvon brauch alle Morgen nüchtern einer halben Castanien groß/
zwo Stunden vor dem Essen. Du magst auch bißweilen
ein Löffel voll dieser Latwergen nemmen/ und dieselbig mit Wein oder Essig
zertrieben/ ein Salsen darauß
machen/ und mit anderer Speiß
essen/ dann sie hilfft treffentlich wol abdäwen.
So einer nicht wol däuwen mag/ und jhm der Magen erkalt ist/ der nemme
ii. Loth Bibernellwurtz/ und i. Loth Pfeffer/ mach ein subtil Pulver darauß/
und trinck deß
Morgens nüchtern i.quintlein mit Wein zertrieben. Man mag auch gemelt Pulver mit
allen Speisen vermischen/ unnd zu gemelten Gebrechen gebrauchen.
Bibernell mit fürnem Wein gesotten und getruncken/ vertreibt den
Schmertzen der Lenden: ist auch sonderlich gut vor den bösen Husten/ unnd
reyniget die Brust und Lungen. Die Wurtzel zu Pulver gestossen/ unnd mit Wein
getruncken/ hat gleiche Wirckung. Das Pulver mit Wein oder Essig getruncken/
tödtet und treibet auß
die Würm.
Bibernellenkraut und Wurtzel ein gute Handvoll klein zerschnitten/
darnach in ein Kannten oder geschraubte Fläsch gethan/ darüber geschütt ein Maß
Weins/ die Kannt oder Fläsch darnach wol verlutirt/ folgends in ein Kessel mit
siedendem Wasser gesetzt/ und zum wenigsten iii. Stunden darinn lassen sieden/
darnach durchgesigen/ Abends und Morgens jedesmal ein guten Becher voll warm
darvon getruncken/ treibet unnd führet auß
den Lendenstein. Die Wurtzel zu Pulver gestossen/ und i.quintlein mit gutem Wein
zertrieben/ wircket deßgleichen.
Beyde obgemelten Artzeneyen treiben auch den Harn/ unnd wehren das
schwerlich harnen.
Ein anderer herrlicher Tranck wider den Stein und die gemelte Gebrechen/
mach also: Nimb Bibernellenwurtzel/ gemeins Peterlinsamen/ jedes vi. Loth. Thue
diese Stück in ein sauber Geschirr/ und schütt darüber ii. Maß
frisch Brunnenwasser/ lasse die auff einem linden Kolfeuwerlein sittiglich mit
einander sieden/ biß
der drittheil verzehret ist: darnach seihe es durch ein Tuch/ thue ferner zu der
durchgesigenen Brühen xii. Honigs/ und laß
widerumb sittiglich den drittentheil einsieden/ folgends seihe es wider durch/
unnd trinck Morgens und Abends jedesmal auff die vier Untz warm darvon/ es
hilfft sehr wol.
Bibernellensamen gepülvert/ und i.quintlein mit Wein zertrieben/ warm
getruncken/ ist auch ein gewisse hülff zu den obgemelten Gebrechen.
Ein fast bequemes und bewertes Pulver vor den Stein und verhaltenen Harn:
Nimb Bibernellenwurtzel/ Krebsstein/ jedes ii Loth/ weiß
Steinbrechsamen i. Loth. Stoß
diese Stück zu einem subtilen Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ unnd
behalts zum Gebrauch. Darvon gib dem Krancken ein quintlein schwer mit Wein warm
zu trincken. Oder: Nimb Bibernellenwurtzel vier Loth/ gemein Peterleinwurtzel
vier Loth/ Meerhyrssen/ Spargenwurtzel/ jedes anderthalb Loth/ fürnen Wein/
frisch Brunnenwasser/ jedes ein halb Maß.
Zerschneid alle Stück klein/ thue sie in ein Kannten oder Fläsch/ schütte den
Wein und Wasser darüber/ machs beheb zu/ stells in ein Kessel mit Wasser/ und laß
vier Stunden mit stäter Hitz darinn sieden/ darnach seihe es durch/ unnd trinck
Morgens und Abends/ jedesmal vier Untz warm darvon.
Wider den Schmertzen der Blasen/ den verhaltenen Harn und das
Tröpfflingen harnen: Nimm Bibernellensamen v. Loth/ Foenugrecksamen
xv.quintlein/ rösche diese zween Samen ein wenig in einem Eisenen Pfännlein uber
einer Glut/ biß
sie ein wenig braun werden/ thu darnach darzu Myrrhen i.quintl. und xii. guter
außerlesener
Pfefferkörner. Stoß
alle diese Stück zu einem subtilen Pulver/ und schlags durch ein reynes
Sieblein/ behalts darnach zu dem gebrauch. Darvon gib i.quintl. schwer in einem
Lendenbad mit Wein warm zu trincken/ so wird er bald besserung empfinden.
Zu der verstopffung und verschliessung der Blasen/ und dem verhaltenen
Harn: Nimm Bibernellenwurtzel vier Loth/ gemein Peterlinwurtzel/ Steinbrech
jedes ii. Loth. Zerschneide diese Stück klein/ thue sie in ein Kannten/
Feinzucker acht Loth/ frisch Brunnenwasser/ guten fürnen Wein/ jedes ein halb Maß/
verlutier den Ranfft der Kannten wol mit einem Rockenteyg/ und laß
vier Stunden in einem Kessel mit siedendem Wasser sieden/ dann seihe es durch/
und gib dem Krancken Morgens und Abends/ jedesmal auff die vier Untz warm darvon
zu trincken. Oder: Nimb Bibernellensamen/ Bibernellenwurtzel/ der Körnlein so
man in den Feigen findet/ jedes i. Loth/ guten außerlesenen
Myrrhen ein halbs quintlein/ und x. Pfefferkörner der schwärsten/ Peterleinsamen
i.loth. stoß
diese Stück zu einem reynen Pulver und schlags durch ein Sieblein/ behalts zum
Gebrauch/ unnd wann es die Notturfft erfordert/ so gib eins gülden schwer
darvon/ mit Wein zertrieben/ warm zu trincken in einem Wasserbad.
Bibernellenwurtzel in dem allerbesten fürnen Wein gesotten/ und die
durchgesigene Brühe getruncken/ ist ein bewerthe Artzeney wider die Harnwinde/
und den verhaltenen Harn vom Stein verursacht.
Wider das hefftig Krimmen und Leibwehe: Nimb Bibernellenwurtz/
Bibernellensamen/ gescheelte Lorbeern/ Pfefferkörner/ jedes i. Loth. Mach ein
reyn Pulver darauß/
schlags durch ein Sieblein/ und vermischs mit xii. Loth Honigs zu einer
Latwergen/ und brauchs mit folgendem Tranck: Nimk Fenchelwurtzel/
Bibernellenwurtzel/ Meußdornwurtzel/
Weinrauthen/ Poleyenkraut/ jedes ein Loth. Seuds in ii. ächtmaß
Wassers/ unnd einer ächtmaß
fürnen Wein zum dritten theil eyn/ darnach seihe es durch/ und nimb darvon auff
die iii.untz/ und zertreib einer Castanien groß/
der obgemelten Latwergen darinn/ und laß
den Krancken warm trincken/ so offt es die Notturfft erfordert.
Bibernellenkraut und Wurtzel in Wein gesotten/ und Morgens unnd Abends/
jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll warm darvon getruncken/ ist gut wider
das Auffstossen und erstickung der Mutter. Die Wurtzel zu Pulver gestossen/ und
dessen eines Gülden schwer/ mit warmem Wein deß
Morgens nüchtern getruncken/ hat gleiche Wirckunf. Diese Artzeney fürdert auch
die weibliche Monatblumen/ welches etliche Weiber vor ein sonderlich Experiment
halten.
Bibernellenwurtzel deß
Morgens nüchtern genützt/ oder nur in dem Mund gehalten in Sterbensläuffen/
lasset den vergifften Lufft nicht hineyn in den Leib dringen.
Die gemelte Wurtzel in Wein gesotten/ und darvon getruncken/ vertreibet
das vergifft und böß
Pestillenzisch Geblüt vom Hertzen. Jn Wein gehenckt/ täglich darvon getruncken/
unnd zum offtermal erdrischet/ ist ein heylsame Praeservatif vor der Pestilentz.
Ein gut Pulver welches vor der Pestilentz verhütet: Nimb
Bibernellenwurtzel ii.Loth/ Tormentillwurtzel/ Diptamwurtzel/ jedes i.Loth. mach
darauß
ein reyn Pulver/ seihe es durch ein härin Sieblein/ und brauch Morgens nüchtern
einer Haselnuß
groß
darvon/ mit einem schnitlein Brots/ in einem fürnen Wein geweycht.
Bibernellenwurtzel ein halbs quintlein gepülvert genommen/ und mit drey
Loth Sauwerampfferwasser/ und zwey Loth guten Wein zertrieben/ und Morgens
nüchtern getruncken/ verhütet den Menschen denselben Tag vor der vergifften
Jnfection der Pestilentz. Oder mit einem quintlein guten Andromachischen
Theriack vermischt/ darnach mit iiii. Loth guten Weinessig/ und ii. Loth
gedistillirtem Bibernellenwasser zu einem Schweißtranck
temperirt/ unnd warm getruncken/ sich darauff nidergelegt/ und ein Stund oder
drey wol darauff geschwitzt/ treibet alles Pestilenzischs Gifft mit gewalt durch
den Schweiß
hinauß.
Ein ander bewerthe Artzeney wider die Pestilentzische vergifftung: Nimb
Bibernellenwurtzel gepülvert iii.quintlein/ Angelickwurtzel gepülvert ein halb
Loth/ Cardomönlin ein drittheil eines quintleins/ Zimmetrinden ein halbes
quintlein/ Campffer/ Einhoen/ jedes x. Grän/ deß
besten Theriacks/ deß
besten Metridats/ jedes ii. Loth/ gedistillirt Wechholteröl auß
den Beeren i.quintlein. alle gemeldte Stück sol man durcheinander vermischen/
und in einem Mörser wol stossen/ darnach zum gebrauch verwahren. Wann nun ein
starcker Mensch mit dieser Seucht ergriffen wirdt/ soll er davon nemmen
anderhalb quintlein/ Negleinblumenessigoder sonst guten kräfftigen Weinessig/
und Bibernellenwasser/ oder Angelickwasser/ jedes vier loth. Solches sol er wol
durch einander vermischen unnd warm trincken/ darnach zum wenigsten drey Stunden
wol darauff schwitzen/ das treibet gewaltig alles Pestillenzisch Gifft durch den
Schweiß
unnd den Harn hinweg. Einem schwachen oder mittelmässigen Menschen nimb der
gemelten Latwergen ein quintlein/ und deß
Essigs und gedistillirten Wassers/ jedes drey loth/ und mache ein Schweißträncklein
darauß/
und gebrauchs wie zuvor gemeldet.
Wider alles eingenommen Gifft: Nimb Bibernellenwurtzel im abnemmenden
Liecht gegraben/ Tormentilwurtzel/ außerlesene
Zimmatrinden/ jedes ein loth/ Paradeißholtz/
weissen Calecutischen Jngber/ jedes i.quintlein/ Muschatenblüth ein halbes
quintlein. Vermische die gemeldte Stück/ und mach ein reyn Pulver darauß/
schlags durch ein subtieles härin Sieblein/ unnd behalts wol vermacht in einem
ledernen Säcklein. Wann nun sich einer besorgt daß
jhme vergeben worden/ oder er etwann Gifft gessen und getruncken hette/ sol man
jhme ein halb loth von diesem Pulver mit dem besten Wein eingeben/ so schadet
jhm das Gifft nit. Dieses Pulver ist probirt worden von deß
Königs auß
Engellandts Leibartzet.
die frisch Wurtzel der Bibernellen zerschnitten/ und in einem steininen
Mörser mit Wein zerstossen/ darnach hart außgeprest
unnd durchgesigen/ ist ein heylsame Artzeney wider alle Bissz der Schlangen und
anderen gifftigen Thier iii. oder vier Untz darvon getruncken.
kraut unnd Wurtzel ii.Handtvoll zerschnitten/ unnd inn einer maß
Weins den halben theil
eingesotten/ darnach durchgesiegen/ unnd mit nachfolgendem Pulver eingenommen/
ist auch ein uber die massen kräfftige Artzeney wider alle Bissz der gifftigen
Thier. Das Pulver wirdt also bereytet: Nimb Entzian/ deß
edelen Gamänderleins/ der langen Osterluceywurtzel/ jedes ein loth/ mach ein
subtil Pülverlein darauß/
unnd schlags durch ein härin Sieblein/ darnach behalts zum gebrauch. Wann es nun
die notturfft erfordert/ nemme deß
obgemeldten Trancks drey untz/ unnd zertreib darinn ein quintlein deß
gemeldten Pulvers/ und gebe es den Geschädigten warm zu trincken/ und thue das
etlich Tag nach einander/ es führet alle vergifftung gewaltig auß.
Wann einer zu hart mit der Quecksilbersalben in der Franzosen Chur
geschmiret worden were/ oder Quecksilber eingenommen hette/ der seude
Bibernellenkraut und wurtzel in Wein zum halben theil ein/ seihe es durch ein
Tuch unnd trincke deß
Morgens nüchtern iii,stunden vor dem Morgenjmbß/
deßgleichen
auch Abends vor dem Nachtjmbß/
jedes mal vier untz warm darvon/ und beharr dasselbig ein Tag oder etlich/ es
hilfft jhnen gewiß/
dann diese Artzeney ein sonderlich experiment ist/ unnd etlichen darmit
geholffen ist worden/ denen mann das Quecksilber in den Adern hat sehen hin und
her lauffen. Diese Artzeney ist auch dienlich den Goldtschmiden/ wann sie mit
Quecksilber vergülden/ sollen sie dieselbig gebrauchen wider den vergifften
Rauch deß
Quecksilbers. Die gedörrt Wurtzel von Bibernellen zu Pulver gestossen/ und
darvon ein quintlein mit gutem warmen Wein getruncken/ hat gleiche wirckung. Es
ist auch fast dienlich/ daß
man das Kraut und Wurtzel in Wein lege/ und stätig darvon trincke.
Es ist auch die Bibernell ein gewisse Artzeney/ Frantzosen Kranckheit zu
heylen/ dann sie die böse und gifftige Boßheit
derselben verbessert/ unnd von Grundt herauß
heylet/ so man die ein Monat/ v. oder vi. Wochen/ je nach gelegenheit der
Kranckheyt gebrauchet/ mit gebürlichen Purgationen und Schweißträncken/
deßgleichen
auch gemeine Tränck zur Speiß
und den Durst zu leschen darvon bereytest/ allerdings wie man die SALSAM
PARILLAU zu bereyten pflegt. Du wirst auch viel mehr mit der Bibernellen außrichten/
dann mit der SALSA PARILLA. Aber wir Teutschen thun wie die Affen/ was frembd
und seltzam ist/ beliebt uns mehr/ als das jenig so bey uns wächst und gemein
ist.
Wann einen dz Feber anstösset/ sol er von stund an so baldt/ jhm immer
möglich iii. Untz Bibernellensafft warm trincken/ und darauff schwitzen/ so wird
es jhn verlassen. So auch einer das Tertian oder oder ein ander Feber hette/ der
soll dreymal nach einander allwegen auff den Tag/ wann jhn das Feber anstossen
wil/ so viel deß
gemeldten Saffts trincken und schwitzen/ so verlasset jhnen das Feber. Wann aber
einer den Safft nicht haben könde/ als im Winter/ der nemme ii. Handvoll
Bibernellenkraut unnd Wurtzel/ oder die Wurtzel allein/ zerschneid die klein/
und seud die in einer Maß
guten Weins zum halben theil ein/ seihe dann die Brühe durch ein Tuch/ und
trincke an statt deß
Saffts vier untz deß
gemelten Trancks. Die gedörrte wurtzel zu Pulver gestossen/ und deß
Pulvers i.quintlein/ iii. Untz Bibernellenwasser getruncken/ hat gleiche
Wirckung.
Wider das Tertian Feber: Nimb drey Bibernellenkrautbletter/ stosse die zu
Pulver/ und gibs dem Krancken mit vi.loth Cardenbenedictenwasser zu trincken/
ehe jhn das Feber pflegt anzustossen/ oder gleich im anfang wann jhn das Feber
ankompt. Oder nimb Bibernellenkraut und Wurtzel/ die noch frisch und grün seynd/
zerschneide sie klein/ und stosse die in einem Mörser mit Wein/ darnach druck
den Safft auß
durch ein Tuch/ und trinck darvon iii. Untz gleich/ wann dich das Feber
anstossen wil/ das wirstu uber dreymal nicht thun/ das Feber wird dir gar außbleiben.
Diese Artzeney hat auch manchmal das viertäglich Feber vertrieben.
Ein Speißtranck
in allen Febern sehr gut und heylsamlich zu trincken: Nimb Bibernellenwurtzel
sauber gereyniget unnd gewäschen/ an der Zahl iiii. Wegwartenwurtzel an der Zahl
ii. Fenchelwurtzel/ Fenchelsamen/ geschaben Süßholtzwurtzel/
jedes ii.loth/ sauber gewäschen Gersten iiii. Loth. Hirtzzungenbletter.
Zerschneid die Wurtzeln unnd Bletter klein/ thu sie mit der Gersten und
Fenchelsamen in ein Kannten/ oder groß
Zinnen Fläschen/ schütte darüber iii. Maß
frisch Brunnenwasser/ verlutier die Kannten oder Fläsche beheb/ stelle sie in
ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse die iiii. oder v. Stunden mit stätem
Fewer also sieden/ darnach wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/
so hastu ein treffentlich gut Trinckwasser/ darvon magst du zun Jmbsen unnd
darzwischen nach Durst trincken/ wann du aber das Feber hast/ soltu dich
desselben/ wie auch alles anderen geträncks enthalten/ biß
das Feber hinüber ist.
Ein guter Wundtranck: Nimb Bibernellenkraut ii. Handvoll/ Heydnisch
Wundkraut/ Sanickel/ jedes i. Handvoll. Zerschneid gemelte Stücklein/ thu sie in
ein Kannten/ geuß
darüber ein Maß
Weins oder Bier: verlutir die Kannt/ und lasse diese Stück vier Stunden lang in
einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach seihe den Tranck durch ein Tuch/ und gib
dem verwunden alle Morgen und Abend v. oder vi. Loth darvon zu trincken/ er
heylet sehr und bald.
Oder nimb Bibernellenkrautwurtzeln die frisch unnd grün seynd/ schneide
die klein/ stosse sie darnach in einem steininen Mörser wol mit Wein/ presse
darnach den Safft auß/
und gib dem Verwunden alle Morgen und Abend vier Loth darvon zu trincken.
Ein anderer köstlicher Wundtranck/ der alle frische Wunden fürderlich
heylet/ den mach also: Nimb klein Bibernellenkraut anderthalb Handvoll/ spitz
Wegrichkraut/ Güldenruth/ die Rinden von den wilden Rosenstöcken/ Eglentier
genannt/ jedes i. Handvoll/ roten Manglot/ Harthewblümlein und bletter/
Ochsenzungen/ weiß
Wintergrün/ oder Leberblümleinkraut/ Meyblumenkraut/ Specklilgenbletter/ klein
Monrauten/ Rheinfahrn/ S.Künigundkraut/ Cardenbenedicten/ groß
Fünffingerkraut/ jedes ein halbe Handvoll. Alle gemelte Kreuter schneid klein/
mische sie wol durcheinander/ nimb darvon das halb theil/ thue sie in ein
Kannten/ unnd geuß
darüber guten fürnen Wein/ frisch Brunnenwasser/ jedes ein halb maß/
oder aber so der Verwund nicht Wein trincken dürfft/ ein maß
Bier. Verklebe die Kannten wol/ daß
nichts außriechen
mag/ und lasse vier Stund mit stätem Fewer in einem Kessel mit siedendem Wasser
sieden/ darnach wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein sauber Tuch/ und
behalts wol vermacht in einem Keller oder külen Ort/ und gib dem Verwunden alle
Morgen und Abendt/ jedesmal v. oder vi. Loth darvon zu trincken. Wann dieser
Tranck verbraucht/ so siede widerumb einen frischen auß
den ubrigen Kreutern.
Ein ander herrlicher Wundtranck zu allen Wunden deß
Haupts fast dienstlich: Nimb der kleinen Bibernellenkraut ii. Handvoll/
Betonienkraut/ Schlüsselblumen/ oder das kraut darvon/ jedes anderthalb
Handvoll/ Eisenkraut/ Wegwarten/ Güldenruth/ Sinnaw/ Wechholterbeern ein wenig
zerstossen/ Maßliebleinkraut/
Linden oder Häselnmispel mit den Blettern/ Benedicten. Rosenbletter/ Sanickel/
jedes i. Handvoll/ Steinlindenblüth/ Meyenblümlein/ Tausentgüldenkraut/ jedes
ein halbes Händtlein voll/ Benedictenwurtzel/ Angelickwurtzel jedes ein Loth.
Solche stück alle zerschneide klein/ vermisch sie wol durcheinander/ unnd nimb
darvon das drittheil/ thu es in ein Kannten/ und schütte darüber guten firnen
Wein/ frisch Brunnenwasser/ jedes ein halb Maß:
verlutir die Kant/ unnd laß
vier Stunden lang obgemeldter massen sieden/ seihe es dann durch/ und gebrauchs
gleicher gestalt/ Morgens unnd Abendts.
Ein köstlicher Wundtranck zu den Fisteln unnd den Krebs zu heylen: Nimb
klein Bibernellenkraut anderthalb Handtvoll/ Betonienkraut/ Adermenig/ Wegdritt/
Steinbibernellenkraut/ jedes ein Handtvoll. Zerschneide diese Stück klein/ und
lasse sie in vier Massen Wassers den drittentheil eynsieden/ darnach seihe die
Brühe durch ein Tuch/ unnd druck die Kreuter hart auß:
thu sie in ein Kesselein/ und thu darzu xxvi. Untz Honigs/ setze es uber ein
Kolfewerlein/ laß
sittiglich sieden/ und verscheums im sieden wol/ wann es nun keinen schaum mehr
giebt/ so hebs vom Fewr unnd seihe es durch ein weiß
Wüllin Tuch/ behalt es wol vermacht/ unnd gieb dem Schadhafften Menschen deß
Morgens nüchtern iii.untz warm darvon/ und lasse jhn darauff drey stunden fasten
deß
Abends drey stunden vor dem Nachtessen gib jhm widerumb so viel/ unnd beharr
biss der Patient heyl wirdt.
Ein anderer guter Wundtranck die Fistel zu heylen: Nimb der kleinen
Bibernellenkraut/ krauß
Bibernellenkraut/ jedes anderthalb Handtvoll/ Baldrian/ Adermenig/
Cardenbenedictenkraut/ Tormentillenkraut und Wurtzel/ Rheinfahrn/ jedes i.
Handtvoll/ Anißsamen/
Steinpeterleinsamen/ jedes ein halb loth/ hanffkraut viii.loth. Alle gemelte
stück schneide klein/ und siede es in zwo massen guten weissen Weins/ unnd in
einer maß
Brunnenwassers den drittentheil eyn/ darnach preß
das Gekreut hart auß/
unnd seihe den Tranck durch ein Tuch/ thue darzu xii.untz Honigs/ laß
es widerumb uber einer Glut sittiglich sieden/ daß
es nicht uberlauff/ unnd verscheums wol im sieden/ wann es nun verscheumpt ist/
so seihe es wider durch/ und behalts zum gebrauch. Von diesem Tranck gieb dem
Schadhafften alle morgen unnd abendt iii.untz darvon warm zu trincken/ allwegen
iii.stunden vor dem Essen.
Wann ein Rossz oder Gaul bauchschlechtig oder dämpffig ist/ so nim
Bibernellenwurtzel/ FOENUM GRAECUM, gemein Saltz/ jedes xvi. Untz/ Entzian viii.
Untz. Diese Stück mach zu einem reinen Pulver/ thue das in einen Kessel/ schütte
darüber drisch Brunnenwasser/ laß
sie wol miteinander sieden/ biß
ungefehrlich auff die v. mass uberbleiben/ darvon gib dem Rossz allen tag ein
halb maß
zu trincken/ so warm es zu leiden ist: das beharr ix.tag nach einander/ so wirdt
das Rossz wider gesundt: unnd so etwas von diesem Tranck uberbleibt/ so gibs jm
den zehenden tag vollends zu trincken.
Eusserlicher gebrauch der Bibernellen.
Bibernellenkraut und Wurtzel gestossen unnd den Safft außgedruckt/
vertreibet die Masen und Flecken im Angesicht/ dasselbig offtermals darmit
bestrichen/ und von jm selber wider lassen trucken werden.
Bibernellenwurtzel im Mundt wol gekewet/ vertreibet das Zahnwethumb/ und
zeucht einen grossen Schleim unnd Unrath herauß.
Die Wurtzel zerschnitten und in Wein gesotten/ denselben aldann durchgesiegen
unnd im Mundt gehalten/ so warm als man kan/ und offtermals wider ernewert/ hat
gleiche wirckung/ und vertreibt auch den schmertzen der Biller.
Steinpeterleinkraut oder die krauß
Bibernell/ hat ein wunderbarliche/ heimliche unnd verborgene Krafft/ den
seugenden Weibern die Milch zu bringen/ dann wann sie nur das Kraut außwendig
auff die Brust legen/ so bringet es in sechs stunden die Milch so gewaltig/ daß
man das Kraut wider hinweg thun muß.
Bibernellenwurtzel sol die empfengnuß
verhindern/ so man die bey sich trägt auff blosser haut.
Die gemeldte Wurtzel auff blosser Haut am Halß
getragen/ sol den Menschen bewahren daß
jhnen die Pestilentz nicht anstosse. Und so auch einer inficirt wirdt/ sol er
vor allen dingen erstlich ein Bibernellenwurtzel an Halß
hencken/ darnach ein Schweiß
unnd Giffttranck einnemmen/ drey stunden darauff schwitzen/ so soll jhme diese
vergiffte Seucht nichts schaden/ welches glaubwürdige Leuth betheuwren war seyn/
die es erfahren haben: Dieweil dann solches ohne allen Aberglauben zugehet/ mag
man es versuchen/ dann viel verborgener heymlichkeit in der Natur sind/ die wir
mit der Vernunft nicht erreichen mögen/ wie dann solches die tägliche erfahrung
bezeugt.
Bibernellenkraut und Wurtzel und frisch Leinkraut/ durcheinander
gestossen/ und uber die Pestilentz oder Zinnblater wie ein Pflaster gebunden/
machet sie auffgehen/ zeucht das Gifft herauß/
und heylet sie.
Frisch Bibernellenkraut gestossen und wie ein Pflaster uber den Nabel
gebunden/ machet die schwangeren Weiber leichtlich geberen/ unnd treibet fort
die ander Geburt/ das Bürdlein genannt.
Bibernellen gestossen/ den Safft darvon außgedruckt/
heylet Wunden und Schäden/ so man den Safft darein thut oder mit Tüchlein hinein
legt/ unnd das Kraut darüber bindet wie ein Pflaster. Gleicher gestalt das Safft
in die Wunden gethan/ und das Kraut darüber gelegt/ stillet das Gliedwasser/ und
ist ein gewiß
Experiment.
Ein gut Wundpflaster: Nimb grün Bibernellenkraut xvi.Untz/ Sanickelkraut/
Ehrenpreiß/
alle frisch und grün/ jedes viii.Untz. Zerstoss diese Kreuter wol in einem
Mörser/ thu sie darnach in ein Pflasterpfann/ und noch ferner darzu/
Böckenunschlit xvi.untz/ Schweinenschmaltz viii.untz. Lasset diese gemelte Stück
mit einander sieden mit stätigem rühren daß
es nicht anbrenne/ biß
daß
alle Safftigkeit der Kreuter verzehret ist/ darnach seihe es durch ein Tuch und
preß
hart auß:
Thue weiter darzu frisch unnd neuw Wachs acht Untz/ Pinhartz/ Terpentin/ jedes
vi.untz. Lasse diese Stück durch einander auff einer Glut sittiglich zergehen/
darnach thue sie vom Fewer/ und wann sie ein wenig uberschlagen seind/ so rühre
iiii.loth reyn und subtil gepülverte und durchgesiebete Bibernellenwurtz dareyn/
so hast du ein herrlich gut Wundpflaster zu allen frischen Wunden und Stichen
erfahren.
Bibernellenwurtzel zerschnitten und gestossen/ darnach wie ein Pflaster
ubergelegt/ zeucht Spreissen/ Bein/ Dornen unnd andere dergleichen ding auß
den Wunden/ oder so die sonst in der haut stecken.
Bibernellenwurtzel zu reinem Pulver gestossen/ unnd mit
Bibernellenkrasutsafft unnd einem Eyerweiß
durch einander getemperieret wie ein Sälblein/ unnd uber den Brandt vom Fewer
gelegt/ heylet denselbigen wunderbarlich.
Bibernellenkraut und Wurtzel also grün in einem Mörser gestossen/ den
Safft darvon außgedruckt/
heylet die Fistel und Krebs/ den Safft dareyn gethan/ und das Kraut wie ein
Pflaster ubergebunden.
Den Krebs zu heylen: Nimb Bibernellenkraut und Wurtzel/ jedes ii. theil/
Christwurtzel ein theil. Stosse diese Ding klein/ vermisch mit Baumöle wie ein
Pflaster/ unnd legs deß
Morgens und Abends uber biß
der Schaden weiß
wird. Darnach nimb Widderunschlit/ Wachs/ jedes zwey theil/ zerlaß
uber einer Glut/ und thue darnach reyn gepülverten Weyrauch darzu/ vermischs
unnd rührs wol durch einander/ unnd mach Pflasterzapffen darauß/
darvon streich auff ein Tuch/ und legs deß
Tags zweymal uber biß
es heyl wirdt.
Wider den Krebs der Mannsruthen/ und der heymlichen orthen der Weiber:
Nimb Bibernellenkraut ii.theil/ Adermenig/ Hundszungenkraut/ jedes ein theil.
Stoß
diese Kreuter grün durcheinander/ druck den Safft darauß/
den leg mit Fäselen von zartem leininem Tuch in den Schaden/ und binde die
Kreuter darüber wie ein Pflaster. Du solt auch die gemeldte Kreuter in halb
Wasser unnd Wein sieden/ und den Schaden deß
tags zweymal darmit außwäschen.
Es ist in Warheit die Bibernellen ein fürtrefflich heylsams Wundkraut/
das nicht allein die frischen Wunden/ sondern auch die alten Schäden wie die
Namen haben mögen/ heylet/ derwegen soll es in alle Wund- unnd Schädenpflaster
genommen werden/ sonderlich aber zu den Hauptwunden/ sintemal die erfahrung
bezeugt/ daß
es sonderlich heylsam ist/ die Hauptwunden zu heylen. Es bezeugen etliche/ so
einer biß
in die Hirnschale verwundt were/ dem sol man den frischen außgedruckten
Safft von der Bibernellen dareyn trauffen/ das soll die Wunde baldt und ohne
Schaden heylen/ das haben sie an Hanen versucht/ wie folget: Sie haben einen
Hanen die Hirnschal oben auffgestochen/ doch nicht gar durch biß
in das Hirn/ darnach den Safft von der Bibernellen in die Wunden getraufft/ das
haben sie einmal oder etlich gethan/ so seye die Wunden wider geheylet.
Bibernellen gedistillirt Wasser.
PIMPINELLAE AQUA STILLATITIA.
Die beste Zeit die
Bibernellen zu distillieren/ ist im Brachmonat wann sie in voller Blüht ist/
dasd Kraut mit der Wurtzel und aller seiner gantzen Substantz klein gehackt/ mit
sanfftem Fewer IN BALNEO MARIAE abgezogen/ darnach in der Sonnen sein gebürliche
zeit/ rectificirt. Wann man aber dasselbige kräfftiger haben wil/ so sol man
nemmen der auffgetruckneten Bibernellenwurtzeln/ unnd deß
Samens von derselben/ jedes iiii. Loth. Das groblecht zerstossen/ folgends in
ein Kolbenglaß
thun/ unnd ein Maß
deß
gemeinen Bibernellenwassers darüber schütten/ darnach ein blinden Helm darauff
setzen/ die Fugen deß
Kolbens und Helms wol verlutiren/ und dann Tag unnd Nacht in ein warm BALNEUM
MARIAE setzen: Wann das geschehen/ sol man dann ein Helm mit einem schnabel
darauff setzen/ und den andern hinweg thun/ und zu andernmal sänfftiglich
distilliren/ so wirdt das Wasser sehr kräfftig zu nachfolgenden Kranckheiten.
Jnnerlicher
Gebrauch deß
Bibernellenwassers.
Bibernellenwasser obgemeldter massen gedistilliert/ unnd Morgendts unnd
Abendts/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ führet auß
das Grieß/
Sandt und Stein/ treibet den Harn/ reiniget die Nieren/ Harngäng und die Blasen
von dem Unrath unnd Schleim/ darvon der Stein zu wachsen pfleget.
Erwärmet den Weibern die erkalte Mutter/ sänfftiget das krimmen
derselben/ unnd bringt den Weibern die Monatblumen. Es vertreibet den Schmertzen
der Lenden/ ist heylsam unnd nützlich im Seitenstechen/ reiniget das Geblüt/
machet weit umb die Brust/ und benimpt alle Beschwerung deß
Hertzens/ vertreibet die Winde und Bläst im Leib/ unnd dienet wider Gifft.
Bibernellenwasser allen Morgen ii.loth getruncken/ verwahret den Menschen
denselben Tag vor der Pestilentz/ unnd stärcket das Hertz. Es ist sehr rathsam
daß
ein jeder Mensch in Sterbensläuffen neben andern täglichen Praeservativen je zu
acht Tagen einmal dess Morgens/ oder Nachmittag/ wann der Magen nüchtern worden/
sechs loth deß
Wassers trincke/ unnd zum wenigsten ein par stunden darauff schwitze/ dann es
alle verborgene Gifftigkeit durch den Schweiß
unnd Harn außführet.
Ein wenig Bibergeyl in Bibernellenwasser gesotten unnd getruncken/
vertreibet das lauffende Gicht in Gliedern/ oder wann der Krampff die Glieder
zusammen zeucht. Ein drittheil eines quintleins gepülverten Bibergeyls mit iiii.
oder v. Loth Bibernellenwasser vermischt unnd warm getruncken/ hat gleiche
Wirckung.
So ein Mensch ein stechen hat umb das Hertz/ es seye von Geblüt oder
anderer Feuchten/ oder aber von fallen oder stossen verursachet/ der Trinck deß
Morgens und Abendts v. oder vi. loth Bibernellenwasser/ ein Tag oder drey vier/
er wirdt gute besserung davon befinden.
Wieder die verstandene Monatblumen: Nimb gedistilliert Bibernellenwasser
viii. Loth/ weissen Feinzucker ein halb loth/ gestossenen Saffran ii. gran.
Vermisch durcheinander unnd laß
zergehen/ unnd gibs dem Weibe Morgens nüchtern iii. Stunden vorm Essen warm zu
trincken/ unnd deß
Abendts wann sie zu Beth gehen wil wiederumb so viel/ es hilfft wunderbarlich.
Wider den Lendenstein ein bewehrt Wasser: Nimb die öbersten Gipffel von
der Bibernellen mit der Blüht und dem Samen/ Peterleinsamen/ Eppichsamen/
Eppichkraut/ Rosszhub mit den Wurtzeln/ jedes i.Pfundt/ Drachenblut ii. Loth/
Saffran i.quintl. Zerstoß
die Samen groblecht/ die Kreuter schneid klein/ vermisch es alles durcheinander/
und befeuchts mit starckem Weinessig/ lasse sie darnach ein Tag oder acht mit
einander beytzen/ darnach distilliers durch ein gläsinen Distillierzeug/ und
behalts wolvermacht. Von diesem Wasser gieb iiii.loth/ zu trincken/ das treibet
den Stein gewaltig fort.
Wieder die Pestilentz ein köstlich gut Wasser: Nimb Bibernellenwurtzel
ii. loth/ Angelickwurtz i. loth/ Paradeißholtz/
weissen Weyrauch/ Myrrhen/ jedes i.quintlein/ Muschatenblüht ein halb quintlein/
Theriack/ Methridat/ jedes i. loth/ Malvasier/ oder in mangel desselbigen deß
allerbesten fürnen Weins vi.untz/ Ehrenpreyßwasser/
Taubenkropffwasser/ Cartenbenedictenwasser/ Angelickwasser/ jedes iii. Untz. Die
wurtzeln und andere dürre Stück/ stoß
groblecht/ schütt den Wein und die gedistillierte Wasser darüber/ vermisch es
wol durcheinander/ laß
ein Tag oder viii. beytzen/ darnach distilliers durch ein gläsinen
Distillierzeug/ unnd behalts zum gebrauch. Wann es nun die notturfft erfordert/
daß
einer mit der Pestilentz inficiert würde/ so nimb deß
gemeldten Wassers vi. Loth/ unnd zertreib darinn ein halb quintlein deß
allerbesten Theriacks/ gib es dem inficirten auff einmal warm zu trincken/ unnd
lasse jhnen iii. Stunden darauff schwitzen/ das treibet alle Pestilentzische
Vergifftung gewaltig durch den Schweiß
hinweg.
Ein köstlich Wasser wieder den Stein der Nieren unnd der Blasen: Nimb
Bibernellensamen ii.theil/ Eppichsamen/ gemeinen Peterleinsamen/ Senffsamen/
Garafelwurtzel/ jedes i.theil. Zerstoß
alle gemeldte Stück groblecht/ unnd besprenge sie mit ein wenig Essigs/ darnach
vermische sie wol mit genugsamem frischem Bocksblut/ unnd distilliers in BALNEO
MARIAE mit sanfftem Fewer/ in einem gläsinen Geschirr. Dieses Wasser verwahr in
einem Glaß
wolvermacht/ unnd gib darvon wann es die notturfft erfordert vier loth auff
einmal zu trincken/ es treibt gewaltig und bricht den Stein.
Von der Bibernellen kann man auch ein herrlichen Wundtranck distillieren/
den man uber Jahr nützlich an statt eines gesottenen Wundtrancks gebrauchen mag:
Nimb Bibernellenkraut vi.Handtvoll/ Sanickel vier Handtvoll/ Engelkraut/
Heydnisch wundkraut/ Jngrün/ jedes iii.Handtvoll/ braunen Fingerhut/ Eglentier
Rosenbletter/ Walwurtzel/ blauwer Gauchheyl/ jedes ii. Handtvoll/
Tormentillkraut mit der Wurtzel/ spitzen Wegerich/ Naterzüngleinkraut/ deß
grossen Fünffingerskrauts/ klein fünffingerkraut/ jedes anderthalb Handvoll/
Küttenbaumbletter/ Rheinblumen/ jedes i. Handtvoll/ Bockenholtz das klein
gedrehet ist vi. loth/ wildt Angelickwurtzel/ Baldrianwurtzel/ jedes iii.loth.
Alle gemeldte Kreuter unnd Wurtzeln sollen frisch unnd grün seyn/ die sol man
klein zerschneiden/ unnd mit Bockenholtz vermischen/ die sol man darnach in ein
Cucurbit oder VESICAM thun/ unnd acht oder neun maß
frisch Brunnenwasser darüber schütten/ unnd mit sanfftem Fewer drey maß
darvon distillieren/ so hat man ein bewerten Wundtranck/ der alle Wunden vom
Grundt herauß
heylet. Darvon gibt man dem verwundten Morgens unnd Abends iiii. oder v.loth
auff einmal zu trincken.
Eusserlicher Gebrauch deß
Bibernellenwassers
Bibernellenwasser vertreibet die Masen unnd Flecken im Angesicht/ unnd
machet dasselbig schön/ hübsch und glat/ offtermals damit gewäschen/ und
widerumb von sich selbst lassen trucken werden. Es machet auch schöne unnd
weisse weyche Händ: machet auch ein hell unnd scharpff Gesicht/ so man die Augen
offtermals damit wäschet/ und jederweilen ein Tröpfflein oder drey in die Augen
thut.
Bibernellenwein.
PERTOSELINITES. VINUM EX PIMPINELLA.
Den Bibernellenwein sol
man bereyten wie den Wein von der Angelickwurtz/ mit rohem oder gesottenen Most/
wie wir genugsame anweisung von dem Angelickwurtzwein gegeben haben.
Der Bibernellenwein ist ein heylsamer Tranck Winterszeit wann die
Pestilentz regiert/ und der Lufft faul unnd vergifft ist/ dann er demselben
wiederstandt thut/ unnd den Menschen vor der Pestilentzischen Contagion
verwaret. Sonst dient er wider das schwerlich ähtmen/ erwärmet die kalte Brust
und den Magen/ erwecket den appetit zur Speiß/
hilfft wol däuwen/ treibet den Harn/ reyniget das Geblüt/ unnd ist ein fast
heylsamer Tranck denen so Fisch/ Melonen/ Cucumern und andere kalte Speisen
geniesen/ dann er verbessert die schädlichkeit derselben. Es mag auch dieser
Wein zu allen oberzehlten innerlichen Gebrechen/ wie die in dem innerlichen
Gebrauch der Bibernellen erzehlet seindt/ mit grossem nutz gebraucht werden.
DIOSCORIDES LIB.5.C.51. machet den Bibernellenwein nicht auß
den Wurtzeln/ sondern auß
den Samen/ wie folget: Man nimpt deß
zeitigen frischen Bibernellensamens/ gestossen/ gesiebt/ unnd in ein leinen
Tüchlein gebunden xviii.loth/ und sencket das in achzig pfundt newes Mosts.
Dieser Wein macht ein Lust zu essen/ unnd ist den Magensüchtigen gut: auch ist
er gut wieder die Gebrechen darvon der Harn schwerlich gefangen wirdt/ oder
wieder das schwerlich Harnen.
Ein ander köstlicher Wein von mehr stücken/ wieder die obgemeldten
Gebrechen/ unnd wider das keichen und schwerlich äthmen: Nimb Bibernellenwurtzel
vi.loth/ Bibernellensamen iii.loth/ Alantwurtzel/ Liebstöckelwurtzel/ jedes ein
loth/ Pfefferkörner/ Myrrhen/ jedes ein halb loth. Stoß
diese stück groblecht und thu noch ferner darzu ii. Pfundt guten Feinzucker/
unnd i.pfundt Jungfrawenhonig/ unnd mach diese Stück mit Hanbüchen Spähnen oder
andern Spänen in ein xvi. mässiges Fäßlein
eyn/ darnach fülle es mit einem guten Most zu/ unnd lasse den darüber verjähren/
so ist er bereyt: uber v. oder vi. Monat lasse denselben ab/ unnd handel
allerdings darmit wie hiebevor von den andern Kreuterweinen gesagt worden ist/
damit du jhnen uber Jahr zu gebrauchen hast.
Bibernellenmeth.
MUSA EX PIMPINELLA VEL PETROSELINO.
Man kann auch auß
der Bibernellenwurtzel ein herrlichen Meth zu vielen Leibsgebrechen machen. Der
dienet insonderheit wider die erkalte Brust/ den kalten Husten/ keichen unnd
schwerlich äthmen: wider die verstopffung der Nieren/ Harngäng unnd der Blasen/
treibt den Harn/ führet auß
das Grieß
unnd Lendenstein. Er wird bereit wie der Meth von der Angelickwurtz.
Auffgetruckneter Bibernellensafft.
PIMPINELLAE
SUCCUS EXICCATUS.
Auß
dem Kraut unnd Wurtzeln sampt der gantzen Substantz der Bibernellen kann man
auch ein nützlichen Safft bereyten/ den man uber Jahr wie die Bibernellen zu
gebrauchen hat/ vor sich selbst oder mit andern Artzeneyen zu vermischen/ der
wirdt bereytet wie der Wermuthsafft/ unnd ist aber der jenig der kräfftigst/ der
von dem dürren Kraut gemacht wirdt.
Bibernellen
Extract.
PETROSELINI VEL PIMPINELLAE EXTRACTUM.
Auß
dem dürren Kraut und Wurtzel macht man ein herrlichen Extract/ wie wir oben den
Extract auß
dem Wermuth haben lernen machen/ der dient zu allen innerlichen gebrechen/ darzu
die Bibernell gebraucht wirdt/ davon gibt man auff einmal ein dritttheil eines
quintleins mit Wein oder Bibernellenwasser/ oder aber mit eim andern bequemen
Wasser oder Safft/ je nach der Kranckheit gelegenheit. Es wirdt auch derselbig
heylsamlich mit anderen Artzeneyen in vielen Kranckheyten vermischet/ wie
solches DOCTORIBUS PRACTICIS wol bewust ist. Sonst ist dieser Extract ein
köstliche Artzeney/ nicht allein die Tertian Feber/ sondern auch die Quartan zu
vertreiben/ wann man deß
Extracts nimbt ein drittheil eines quintleins/ unnd Bibernellenwasser ii.loth/
vermischt solches durcheinander/ unnd gibt’s dem Krancken eyn/ wann jhn das
Feber anstossen wil/ das muß
er aber einmal oder drey thun/ es hilfft jhm gewiß.
Außgezogener
Bibernellensyrup.
SYRUPUS
EXTRACTIONIS PIMPINELLAE.
Der außgezogen
Bibernellensyrup/ wirdt auß
der dürren Wurtzel der Bibernellen bereyt unnd außgezogen/
allerdings wie wir den Zimmetsyrup zu machen gelehrt haben. Dieser Syrup dienet
wider alle Gebrechen darzu die Bibernell innerlichen in Leib gebraucht wirdt.
Darvon gibt man auff einmal nit mehr als ein Loth mit seinem gedistillirten
Wasser oder vor sich selbsten. Er wird auch mit andern Artzeneyen vermischt.
Jnsonderheit aber ist gemeldter Syrup ein heylsame Artzeney denjenigen so in der
Frantzosen Chur zu viel mit der Quecksilbersalben seynd geschmieret worden/ so
sie etliche Tag nacheinander deß
Morgens unnd Abendts dieses Syrups ein Loth mit vier Loth Bibernellenwassers
trincken/ biß
sie besserung befinden. Er dienet auch denen so Quecksilber gessen oder in Leib
geschlungen hetten/ dann er benimpt demselben alle gifftige Schädlichkeit und Bößheit/
also daß
es dem Menschen nicht schaden kann.
Eyngemacht Bibernellenwurtzeln.
RADICES
PIMPINELLAE CONDITAE.
Es wirdt heutiges Tages die Bibernellenwurtzel in allen wolgrüsten
Apotecken eyngemacht funden/ unnd wirdt auch sonsten von vielen Haußmüttern
zu täglichem gebrauch gleichfalls bereitet/ wie folget: Nimb der miltesten/
festen unnd geschlachtesten Bibernellenwurtzeln/ lasse sie in einem kalten
Brunnenwasser wol erweychen/ daß
du sie von aller Unsauberkeit reynigen mögest/ schneide dieselbige auff/ unnd
nimb das hültzen Hertz oder Marck herauß/
dann schneide sie zu kleinen Stücken nach deinem Gefallen/ lasse die mit Wein
oder Wasser gemächlich sieden/ daß
sie lind werden/ und jhre Hannigkeit unnd schärpffe ein wenig verlieren: darnach
so bereyte ein Syrup von Honig oder Zucker mit frischen Brunnenwasser/ siede jhn
zu rechter und bequemer dicke/ als dann wirff die Wurtzeln dareyn/ und laß
ein wenig mit einander sieden/ unnd hernachmals kalt werden/ dann thu sie in ein
steinin oder ander bequem Geschirr/ und behalts zum täglichen gebrauch. Wiltu
aber daß
solche eyngemachte wurtzeln dester anmütiger werden/ magstu ein wenig
Zimmetrinden/ Näglin und Muschatnüß
klein gespalten und zerschnitten darzu werffen. Oder mag einer solche Wurtzeln
eynmachen wie die Wißkümmelwurtzel/
wie wir solches hiebevor an seinem Ort gelehret haben/ welches die beste weiß
ist/ dann da bleibet alle Krafft bey den Wurtzeln.
Die eyngemachten Bibernellenwurtzeln seyndt sonderlich dienstlich die
erkalte Brust und erkalten Magen zu erwärmen/ zu dem fürdern sie die däwung/
reynigen den undäwigen schleimigen Magen von aller Unreinigkeit/ sie stillen das
Leibwehe unnd das Krimmen/ erwärmen den erkalten Weibern die Geburtglieder/ sie
seynd nützlich in allen Phlegmatischen und kalten Kranckheiten: insonderheit
aber thun sie treffenlichen Widerstandt dem bösen und vergifften
Pestillenzischen Lufft/ unnd bewahren den Menschen vor der Infection dieser
vergifften Seucht/ deß
morgens und abends jedesmal auff ein halb loth der gemeldten Wurtzeln gessen.
Bibernellenwurtzeln Conservenzucker.
RADICUM PIMPINELLAE CONSERVA.
Der Conservenzucker von
der £wurtzel wirdt gemacht wie der Conservenzucker von der Angelick. Die wurtzel
von allem unrath geseubert/ darnach zu kleinen dünnen scheublein zerschnitten/
mit Wasser gesotten biß
sie weych werden/ folgends durchgestrichen unnd mit iii. theil Feinzucker zu eim
CONSERVAE bereyt/ allerdings wie wir hiebevor von der Engelwurtz gethan haben.
Dieser Conservenzucker dient zu den obgemelden innerlichen Gebrechen/ auch zu
denen wie die von der Bibernellenwurtzel erzehlet seindt.
Bibernellenwurtzel mit Zucker
uberzogen.
RADICES PIMPINELLAE SACCHARO INCRASSATAE.
Es wirdt auch die
£wurtzel heutiges Tages von etlichen mit Zucker uberzogen$die zerschneiden sie
in lange viereckechtige Stücklein wie die Zimmetrhören$wiewol sie auch von
etlichen gantz genommen werden$die uberziehen sie mit Zucker wie andere Confect.
Solche seyndt zu allen Gebrechen zu gebrauchen/ wie die eyngemachten
Bibernellenwurtzeln.
Bibernellensamen mit Zucker uberzogen.
PIMPINELLAE SEMEN SACCHARO INCRASSATUM.
Weiter wirdt auch der
Bibernellensamen von etlichen fleissigen Apoteckern mit Zucker uberzogen$wie man
den Aniß/
Wißkümmel
unnd Fenchelsamen uberziehen pflegt. Der wirdt mit den Magenpulvern sampt andern
Cinfecten nützlich vermischt. Vor sich selbst aber allein genützt/ zertheilet er
die Bläst unnd Wind deß
Magens/ legt den schmertzen desselben/ unnd wirdt zu allen kalten Phlegmatischen
Kranckheiten heylsamlich genützet/ er miltert allen schmertzen im Leib und
stillet das Krimmen/ dienet wider den schmertzen der Nieren von kälte
verursacht/ führet auß
das Grieß/
reynigt die Nieren unnd Blasen/ erwärmet die erkalte Mutter unnd Geburtglieder.
Er ist auch sonderlich gut den Menschen vor der vergifften Pestillentzischen
Contagion zu verhüten/ deß
Morgens und Abends/ deßgleichen
auch wann man auß
in die Lufft gehen wil/ ein wenig in Mundt genommen/ gekeuwet/ und dann hinab
geschluckt.
Bibernellenküchlein oder Täflein.
TABULAE EX PIMPINELLA.
Auss der Wurtzeln der £
macht man auch kräfftige Zuckertäfflein: Man nimpt xii. Untz guten Feinzucker/
zerlasset denselben mit Bibernellenwasser/ unnd seudet den wider zu bequemer
dicke/ darnach rühret man drey loth Bibernellenwurtzeln zu reynem Pulver
gestossen dareyn/ vermischts wol unnd geusset Täfflein darvon. Diese Täfflein
dienen wider alle oberzehlten Gebrechen/ wie die von der Bibernellen erzehlt
seindt/ seindt aber fürnemlich gut den bösen Pestilentzischen Lufft zu
corrigiren/ und den Menschen vor solcher vergifftung zu verhüten/ so man deß
Morgens jederweilen so man außgehen
will ein Täfflein in Mundt nimpt/ sittiglich zergehen lasset/ unnd darnach hinab
schlucket. Sie machen auch ein wol riechenden Mundt/ unnd vertreiben den
abscheulichen stinckenden Athem.
Außgeprest
Bibernellensamens öle.
SEMINIS PIMPINELLAE OLEUM EXPRESSUM.
RAYMUNDUS LULLUS lehret
in seinem Buch von den Wassern$wie man auß
dem Samen deß
Bibernellenkrauts ein nützlich Oele bereyten sol/ auff folgende weiß:
Leg Bibernellensamen in gutem roten Wein etlich Tage lang/ lasse den wider
trucken werden/ unnd zerstosse den/ unnd drucke das Oele darvon durch ein
Pressen nach dem gemeinen brauch/ so gibt es ein herrlich Oele. Dieses Oele
nüchtern getruncken/ bricht den Stein in der Blasen unnd Nieren/ führet auß
das Grieß/
es komme gleich von welcherley ursach es wölle. Es machet auch ring unnd leicht
die schweren unnd müden Glieder deß
Menschen damit geschmiret.
Gedistillirt Bibernellenöle.
PIMPINELLAE
OLEUM STILLATITIUM SEU CHYMICA ARTE EXTRACTUM.
Auß
dem dürren Kraut/ Wurtzel/ Stengel und Samen/ das ist/ auß
der gantzen Substantz/ wirdt auch durch die Destillation ein uberauß
fürtreffentliches Oele außgezogen/
wie auß
dem Wermuth/ Engelwurtz unnd andern Kreutern: das dient zu allen innerlichen
Kranckheiten/ darzu die Bibernellen gebraucht wirdt/ unnd gibt man darvon zwey
oder drey Tröpfflein mit zwey Loth Bibernellenwasser/ oder mit Wein oder aber
mit einem andern bequemen gedistillierten Wasser oder Safft: Es wirdt auch
dieses Oele mit Pillulen/ Latwergen/ Syrupen/ Confecten und andern Artzeneyen zu
mancherhand Gebrechen heylsamlich vermischt/ und nützlich gebraucht/ wie das die
DOCTORES PRACTICI zu vermischen wissen.
Bibernellensaltz.
PIMPINELLAE SAL.
Das Saltz wirdt von der
gantzen Substantz deß
dürren unnd zu Aeschen gebrandten Bibernellenkrauts/ wie von dem Wermuth unnd
andern Kreutern außgezogen.
Darvon giebt man wieder die Pestilentz ein drittheil eines Quintleins mit
Angelickwasser zertrieben/ unnd lasset den Jnficirten darauff drey Stunden
schwitzen. Sonst wirdt es auch zu vielen erzehlten Gebrechen gebraucht/ unnd mit
anderen Artzeneyen vermischt.