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1. BERTRAM
Anacyclus pyrethrum - Compositae
VON DEM BERTHRAM
Deß Berthrams haben wir heutiges Tags zwey underschiedliche Geschlecht.
l. Die erst und reechte Berthram oder der Alten PYRETHRUM, hat ein schlechte unnd
glatte Wurtzel/ fast eines Fingers dick unnd einer Spannen lang/ am Geschmack sehr
hitzig unnd brennend. Die Bletter seynd den Blettern deß
Garbenkrauts so ähnlich/ daß
sie/ wann sie noch jung seynd/ nicht wohl von einander underscheyden mögen werden.
Die Stengel werden anderthalben Spannen lang/ unnd auch bißweilen
lenger/ am ende derselben erscheinen im end deß
Meyens allererst im zweyten Jahr nach dem sie gepflantzet oder gesäet worden ist/
schöne/ grosse und gestirnte Blumen/ den Johannesblumen ähnlich/ allein daß
die Blum grösser ist und dicker/ unnd außwendig
mit rotfarben Sprengcklein gemalet/ gleich wie an den Maßlieblein
zu sehen ist. Jnnwendig ist eine Blum mit einem goldtgeelen Apffel gefüllt/ gerings
herumb mit weissen Blätlein besetzt/ darauß
wirdt der Samen/ welcher im Hewmonat zeitig wirdt/ darauß
zielet man junge Pfläntzlein/ wiewol er sich selbst besamet so man den Samen außfallen
lässet. Dieses Gewächs wird bey uns in den Gärten gezielet/ und ist gut auffzubringen/
dann es ein jedes Erdtreich annimpt. Es wächßt
viel in Jtalien in dem Appenninischen Gebirg von sich selbst/ aber dasselbe ist
nicht so hitzig unnd räß
als der so auß
den Orientischen Orten zu uns gebracht wird.
ll. Das zweyte
Geschlecht ist erstmals auß
Jtalien zu uns in diese Land gebracht worden/ da es auch wie ein ander frembd gewächs
in den Gärten gezielet wird. Die Wurtzel ist weiß/
lang und <fingers dick/ zaselechtig eines scharpffen und räsen brennenden Geschmacks.
Die Bletter sind schmal/ klein unnd tieff zerspalten/ den Blettern deß
Krottendills ähnlich. Von der Wurtzel kommen herfür v. oder vi. Stengel fast einer
Elen lang/ die haben jhre Nebenzweiglein darauff wachsen Crönlein mit vielen kleinen
Stielen/ dem Dillen oder Nadelkörffel ähnlich mit vielen weissen Blümlein geziert
die haben ein räsen und bittern geschmack. Es wird auch dieses Gewächs allein bey
uns in den Lustgärten gepflantzet/ dann von sich selbst wächst es nit in diesen
Landen. Dieses aber muss einen guten wolgebauweten Grundt haben/ bedarff guter wartung
und pflegung/ dann es nit so gern und freuwdig fot wächst wie das erste Geschlecht.
Von
den Namen deß
Berthrams.
Der Berthram
wird Lateinisch PYRETHRUM, PYRINUM, PYROTHUM, PYRITHES ARTIMONIUM genannt. Von den
Kreutlern SALIVARIS HERBA, PES ALEXANDRINUS unnd auch von etlichen DENTARIA, dieweil
es heutiges Tags den mehrentheil vor das Zahnwehe gebraucht wirdt. Hochteutsch Berthram/
Berchthram/ Gemeuerwurtz/ Pertrem/ Zahnwurtz/ Speychelwurtz unnd Geyferwurtz.
Von
der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß
Berthrams.
Die Berthramwurtzel
ist fast hitzig mit einer brennenden räse und schärpff/ derwegen ist sie warm und
trucken uber den dritten Grad/ sie machet dünn/ durchtringt und treibet den Schweiß
gewaltig/ wird derwegen nicht unbillich zu allen kalten feuchten Gebrechen/ innerlich
unnd eusserlich gebraucht. Das zweyte geschlecht hat gleiche Krafft unnd wirckung.
Es wirdt allein die Wurtzel gebraucht.
Jnnerlicher
Gebrauch der Berthramwurtzel.
Berthramwurtzel
oder den Samen darvon in Wein gesotten/ unnd ein guten Becher voll der durchgesiegenen
Brühen darvon warm getruncken/ löset allen kalten Schleim im Leib ab/ zeucht denselben
zusammen/ unnd führet jhn durch den Harn und Stulgang auß.
Solchen Tranck mit Zucker temperiert und süß
gemacht/ ist ein nützliche Artzeney vor die erkalte und verstopffte Brust/ die mit
kaltem/ zähem/ wiederspenstigem Schleim beladen ist/ dann er löset denselbigen ab/
machet außwerffen/
erwärmet unnd stärcket die Brust/ und ist uber die maß
eine heylsame Artzeney vor das keichen unnd schwerlich äthmen. Wie auch so nachfolget:
Nimb guter frischer Berthramwurtzel vier loth/ Zittwan i.loth/ Süßholtz
ein halb loth/ Römischen Kümmel/ Dillsamen/ Alantwurtzel/ Ysop/ Römischen Quendel/
jedes ein quintlein. Stoß
alle gemeldte Stück zu einem reynen Pulver unnd schlags durch ein subtil härin Sieblein/
vermisch darnach darmit xxviii.loth guts verscheumpts Honigs/ unnd temperiers zu
einer Latwergen/ gib darvon allen Morgen unnd Abendt einer gemeinen Castanien groß/
laß
sittiglich im Mundt zergehen/ und laß
mit Lüpfflein allgemächlich hinab schleichen/ beharr es ein zeitlang/ es thut treffentliche
hülff.
Berthramwurtzel
zu einem subtilen Pulver gestossen/ und deß
Pulvers ein Löffel voll mit Bastard/ oder einem andern guten süssen wein getruncken/
bewegt unnd reitzet die untüchtigen erkalten Männer zun ehelichen Wercken/ und hilffet
jnen wieder in den Sattel.
Gepülvert Berthramwurtzel
ein quintlein mit gutem weissen Wein zertrieben unnd getruncken/ ist wieder die
gifftigen Biß
der Zißmäuß.
Berthramwurtzel
vier loth/ mit zwey loth Entzianwurtzel und acht loth Feinzucker/ alles klein zerschnitten/
mit einer Maß
Wassers in einer verlutierten Kannten oder Zinnenfläschen/ vier Stunden lang in
einem Kessel mit Wasser gesotten/ darnach wann es kalt worden ist/ durchgesigen/
und allen Morgen nüchtern ein guten Becher voll warm darvon getruncken/ und ein
zeitlang beharret/ ist bein bewehrte Artzeney wider das Quartan oder viertäglich
Feber.
Eusserlicher
Gebrauch der Berthramwurtzel.
Berthramwurtzel
ist bey uns in den gebrauch kommen/ daß
man sie am allermeisten vor das Zahnwehethumb brauchet/ und das gleichwol mit nutz/
dann der zähe/ kalt unnd phlegmatische Schleim/ so sich under die Zähn unnd Biller
setzet/ unnd Zähnschmertzen erwecket/ wirdt von dieser Wurtzel gewaltig herauß
gezogen/ so man die im Mundt wol käuwet und darinn haltet/ welches auch der Poet
MACER mit folgenden Versen bezeuget.
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Dieweil aber diegemeldte Wurtzel durch ihr hefftigs brennen die Zung unnd den Mundt
verletzet/ unnd die Haut auffetzet/ wickeln etliche die Wurtzeln in ein Tüchlein/
unnd käuwen daran/ darnach legen sie es uber die Zähn/ zeucht es nicht desto weniger
viel Schleim auß.
Berthram in Essig
gesotten/ und die durchgesiegene Brühe so warm man kan/ im Mund gehalten/ hat gleiche
Wirckung. Gemelde Artzeney vertreibet auch die Geschwulst der Zungen/ welches obgemeldter
Poet gleichfalls mit folgenden Versen gedencket:
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Ein andere Artzeney wieder das Zahnwehe: Nimb Berthram/ Roßmüntz
und Dostenkraut/ jedes gleichviel/ seuds in Essig/ und halt die durchgesiegene Brühe
im Mundt/ so warm du es leiden kanst.
Oder nimb Berthram/
weissen Jngber/ weissen Seuffsamen/ Pfefferkörner/ Bergsaltz oder Ritersaltz/ Pfefferkraut/
jedes i.loth. Stosse diese stück zu einem reynen Pulver/ unnd reibe die Zähn darmit/
es zeucht allen kalten Schleim auß/
und stillet den Schmertzen der Zähn.
Jtem/ Nimb Berthramwurtzel/
Steffenskörner zu pulver gestossen/ jedes gleichviel/ mach ein wenig Wachs weych
unnd vermisch dz Pulver darmit/ und kleibs außwendig
und inwendig uber den Zahn der dir wehe thut/ es legt den schmertzen.
Seindt aber die
Zähn hol/ so nimb Berthramwurtzel unnd das Mittel oder Marck von einem Gallapffel/
machs zu Pulver eins so viel als deß
andern/ vermenge es mit ein wenig Brosam von einem frischen Brodt/ mach kleine Kügelein
darauß/
und stosse die in die Zahnlöcher/ und laß
ein gute weil darinnen/ das the einmal oder etlich/ so wirdt der schmertzen nachlassen.
Oder nimb gepülvert
Berthramwurtzel und Galbensafft jedes gleich viel/ stoß
es in einem Mörser durcheinander/ unnd gieß
frische Wolffsmilchsafft/ das vor sich selbst herauß
lauffet/ im stossen mit zu/ biß
ein Teyglein gibt/ darauss mach Kügelein/ und steck die in die Zähn/ es hilfft.
Oder nimb gepülverten
Berthram i. quintl./ schwartzen gepülverten Coriander ein quintlein/ guten Theriack
i.loth/ gerectificierten brannten Wein ein wenig/ vermisch solches wol durcheinander
zu einem harten Teyglein/ und mache bequeme Kügelein darauß/
thue dieselbige in die holen Zähn.
Berthram und
Salbey in Wein gesotten/ und die durchgesiegene Brüh warm im Mund gehalten/ stille
auch das Zahnwehe. Etliche sieden die Berthramwurtzel mit halb Essig und Wasser/
unnd etliche mit Wasser allein unnd gebrauchens. Es werde aber gebraucht gleich
wie es wölle/ so ist es dienlich und gut.
Die Zähn selbest
machen außzufallen.
Nimb Berthram/ Schampanierwurtz oder weiß
Nießwurtz/
deß
auffgetruckneten Saffts EUPHORBII, deß
auffgetruckneten Saffts SCAMONII, jedes i.quintlein. stoß
die zu Pulver/ temperiers darnach mit Essig zu einem Sälblein/ lasse das Zahnfleisch
unnd den schmertzhafftigen Zahn bicken mit einer Flieten/ unnd reibe dasselbige
ort deß
Tages offtermals darmit/ es hilfft/ ist aber ein starck Mittel/ derwegen sol es
nicht an das gesundt ort angestrichen werden/ es machet sonst die guten Zähn auch
außfallen.
Die alten haben
den Berthram sehr im gebrauch gehabt/ die kalten Feuchtigkeiten unnd zähen Schleim
auß
dem Haupt unnd Hirn zu reynigen/ die Wurtzel wie oben gemeldet im Mund wol gekäuwet/
welches nicht allein DIOSCORIDES unnd PAULUS AEGINETA, sonder auch der Poet SERENUS
mit folgendem Vers bezeuget/ als er spricht:
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Berthramwurtzel mit Feigen in Essig oder in süssem Wein gesotten/ unnd darmit den
Halß
gegurgelt/ unnd warm im Mundt gehalten/ reynigt das feuchte Hirn/ und zeucht den
zähen und kalten phlegmatischen Schleim herauß.
Berthramwurtzel
an Halß
gehenckt und auff blosser Haut getragen/ auch offtermals daran gerochen/ ist ein
gute hülff wider die fallende Sucht/ welche Artzeney dem Poeten AEMILIO MARCO nicht
unbewust gewesen ist/ der in folgenden Versen von dem Berthram also spricht:
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Nimb gepülvert Berthramwurtzel/ gepülverten Mastix/ jedes gleich viel/ vermisch
die mit zerlassenem Wachs/ unnd mach kleine Zeltlein darauß
wie die Feigbonen/ die käuwe allen Morgen nüchtern sehr wol im Mundt/ so ziehen
sie ein kalten schleim herauß/
den speihe auß/
das verhütet den Schlag unnd fallende Sucht/ macht ein leichtfertig gesund Haupt/
und verhütet das Gesicht vor Flüssen und anderen Zufällen.
Wider die Lämbde
oder oder unbeweglichheyt der Zungen: Nimm Berthram und langen Pfeffer/ siede die
mit Wein/ seihe sie darnach durch ein Tuch/ thue Maieransafft nach deinem gefallen
darzu/ und halt solches so warm du es leiden kanst im Mundt: wann es nun ein Schleim
gezogen und kalt worden ist/ so speihe es auß/
unnd nimb wieder von gemeldter Artzeney/ das thu offt/ es hilfft sehr wol.
Berthram gestossen/
unnd in gebrandtem Wein gebeytzet/ unnd die lame Zung darmit bestrichen/ bringt
wiederumb die verlorne Sprach.
Berthram mit
Veielwurtz unnd weissem Senffsamen/ jedes gleichviel in Wein gesotten/ unnd mit
der durchgesiegenen Brühen den Mund warm gewäschen/ unnd so warm es zu leiden im
Mund gehalten/ ist gut wieder die Geschwulst der Zungen.
Wieder den Hauptnagel/
das ist wieder das schmertzlich wehethumb deß
Haupts der einen Seiten/ so man HEMICRANIAM nennet. Nimb Berthramwurtzel/ Steffenskörner/
Pfefferkörner/ Mastix/ jedes gleichviel zu reynem Pulver gestossen/ vermischs mit
dem Marck von kleinen Roseinlein unnd zerlässenem Wachs/ unnd mach kleine Zeltlein
darauß
in grösse der Feigbonen/ die keuwe allen Morgen nüchtern wol im Mundt/ so ziehen
sie den bösen Schleim herauß
darvon der schmertzen kompt/ den speihe auß/
unnd beharr das ein Tag etlich/ es hilffet wol.
Wider die Lembde/
das Parlyß
und schlagsüchtige Glieder: Nimb Berthram groblecht zerstossen iiii.loth/ Baumöle
xvi.loth/ guten firnen weissen Wein xii.loth. Seude diesse sittiglich miteinander
uber einem Kolfewerlein so lang biß
der Wein sich verzehret/ als dann seihe es durch ein Tuch/ unnd behalts zum gebrauch.
Mit diesem Oele schmier alle Tag die relambten Glieder zweymal/ nemblich deß
Morgens unnd deß
Abents wann der Magen wieder nüchtern worden ist.
Dieses Oele fürdert
den Schweiß
den Leib darmit gesalbet/ erwärmet die Spannadern/ unnd alle kalte Gewerb der Glieder.
Obgemeldter massen gebraucht bringet wieder zu recht die schwinnende Glieder/ so
durch den Frost und Winterkält dahinden blieben ist.
Das gemeldt Oele
verhindert das schaudern oder den Frost der Feber/ so man den gantzen Rückgrad und
unden die Solen an den Füssen warm damit salbet/ ohngefährlich ein Stundt zuvor
ehe einen das Feber ankompt.
Es vertreibet
auch den schmertzen der Lenden unnd Nieren von kält verursacht/ so die schmertzhafftigen
ort darmit warm gesalbet werden. Obgemeldte wirckungen alle seindt dem Poeten AEMILIO
MACRO nicht unbewußt
gewesen/ welcher sie fleisig mit nachvolgenden Versen beschrieben hat/ wie folget/
sprechende:
XXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Der Rauch der angezünden Berthramwurtzel/ vertreibt die Schlangen und andere gifftige
Thier.
FLORENTINUS bey
dem CONSTANTINO von dem Feldtbaw LIB.13.CAP.8. lehret mit folgender Artzeney die
Schlangen und alle andere gifftige Gewürm und Thier zu vertreiben: Nimb Berthram/
Lasersafft/ Nardensamen/ Galbensafft/ Hirtzhorn/ Ysop/ Schwebel/ Haarstrangwurtzel
unnd Geyßklawen/
diese stück vermisch durcheinander unnd stosse sie klein/ temperier sie darnach
mit scharpffem Weinessig/ unnd mach Kügelein darauß/
deren leg ein nach dem andern auf glüende Kolen/ unnd reuche darmit/ so bleibt kein
gifftig Thier in derselben gegne.
Berthram in guten
Wein gelegt unnd in die Sonn gesetzt/ gibt ein scharpffen und starcken Essig.
Zu verhüten daß
das Bier nicht sauer werde/ sondern frisch und gut bleibt/ so sol man ii. oder iii.loth
Berthramwurtzel klein schneiden/ unnd ein gute Handvoll Tausentgüldenkraut darzu
thun/ auch klein geschnitten/ und soll sie in einem saubern leinin Säcklein in das
Bier hencken.