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BERG-FLOCKENBLUME
Centaurea montana - Compositae
VON DER WALDKORNBLUMEN.
Die Waldkornblumen hat ein grauweisse Wurtzel/ von vielen kleinen Würtzlein/ die von einem Haubt herauß wachsen. Die Stengel/ deren es drey oder vier hat/ sind nicht viel über Spannen hoch/ mit langen/ breiten/ weissen/ rauhen und unzertheilten Blättern/ von unten an biß oben auß besetzt/ mitten auß denselbigen kommen oder wachsen in dem Brachmonat herfür/ schöne Purpurblaue Blumen/ in aller Form und Gestalt wie die Blauen Kornblumen/ außgenommen/ daß sie grösser und vollkommenlicher und zarter von Blättlein sind/ die kommen aus rauhen/ schüpechtigen Knöpfflein/ die sind auch den Knöpfflein oder Häubtlein der Kornblumen ähnlich. Dieses Gewächs wachsen viel bey uns in den hohen Wäldern und im Gebebirg/ als im Waßgaw/ Westwald/ Ostwald/ Schwartzwald/ deßgleichen im Idar und im Spessart/ in Franckreich und in Niderland wird es wie ein ander fremd Gewächs in den Lustgärten gezielet.
Von den Namen der Waldkornblumen.
Was die Waldkornblumen bey den Alten gewesen/ oder wie sie geheissen/ und ob sie auch von ihnen beschrieben
worden seye/ weiß ich nicht/ sintemal zu unserer Zeit noch keiner ist gewesen der solches angezeiget/ so haben wir auch bey den
alten noch nie einige Description funden oder gelesen/ die einige Gelichheit mit diesem Gewächs hätte. So wollen wir derowegen
mit ihrem gemeinen Namen uns begnügen lassen. Von den Kräutlern wird es genandt/ CYANUS MAJOR, CYANUS SYLVATICUS, CYANUS
MONTANUS, und VERBASCUM CYANOIDES, dieweil die Blätter etlicher massen sich den Blättern des wullkrauts vergleichen. [CYANUS
MONTANUS LATIFOLIUS, VEL VERBASCUM CYANOIDES, C. B. CYANUS MAJOR, MATTH. DODO. GAL. & POST. LOB. ICON. CAST. LUGD. CAM. GER.
EYST. FLORE GRANDI, CAES. SYLVESTRIS, LON. MONTANUS, GESNER. HORT. VERBASCULUM, TRAGO.] Italiänisch heisset es/ CYANO MAGGIORE,
CYANO SALVATICO, und CYANO MONTANO. Frantzösisch/ BLAVEOLE GRANDE. Englisch/ Great blew botel. Flämmisch und Brabändisch/
Grote/ tamme Corenbloem. Hochteutsch/ Waldkornblum und Bergkornblum.
Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Waldkornblumen.
Die Natur oder Complexion der Waldkornblumen/ ist noch niemand eigentlich bewust/ sintemal sie in der Artzney
wenig gebrauchet wird/ doch düncket uns/ daß sie etlicher massen eine wärmende Krafft und Eigenschafft habe/ mit einer
Trückne.
Gebrauch der Waldkornblumen.
Der gemeine Baursmann brauchet die Waldkornblumen vor die innerlichen Brüch im Leibe/ das Kraut in Wein
gesotten und getruncken/ oder aber das gestossen Pulver von dem Kraut und Wurtzel mit Wein genützt.
Wann einer hoch gefallen wäre/ und gerunnen Blut bey ihm hätte/ oder Blut speye/ der nehme ein gute Handvoll
Waldkornblumenkraut und Wurtzel/ schneide das klein/ und stosse es wol in einem Mörser/ zertreibe es darnach mit 16. Untzen
gedistilliert gülden Güntzelwasser/ und drucke es hart aus durch ein Tuch/ und gebe es zween Tage nach einander Morgens und
Abends dem gefallenen zu viermalen warm zu trincken. Etliche geben das gestossene Pulver von dem Kraut und der Wurtzel/ in diesem
Fall mit Wegerichwasser zu trincken.
Die erfahrenen Wundärtzte brauchen auch dieses Kraut zu ihren Wundträncken/ die Wunden und Brüch damit zu
heylen.
Das gebrante Wasser von der gantzen Substantz des Krauts gedistilliert/ dienet auch zu den gemeldten Gebrechen.