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BEIFUSS-AMBROSIE
Ambrosia artemisifolia - Compositae
VON AMBROSIEN- ODER KLEIN TRAUBENKRAUT
Dess Ambrosien- oder kleinen Traubenkrauts haben wir zu unser Zeit drey
Geschlecht:
l. Das erst und recht Ambrosienkraut der Alten/ ist ein staudecht Kräutlein einer Ehlen lang/ hat ein dünne
holtzechte Wurtzel einer Spannenlang unnd auch lenger/ von deren wachsen herfür fünff oder sechs/ auch weniger und mehr kleiner
Stenglen mit Holkälen underscheiden/ mit viel Nebenästlein/ die seynd oben an den stengeln lenger unnd grösser/ auch tieffer
zerschnitten/ den öbersten Beyfuss oder Wermuthblätlein gleich/ zwischen den Blätlein wachsen herfür viel runder/ rauher/
stachlechter Knöpfflein oder Säcklein/ die seynd zusammen gedrungen wie ein Träublein/ die kommen nach den kleinen
zugeschlossenen wolriechenden Blümlein/ wann die zu jhrer Zeitigung kommen/ findet man darinn ein runden schwartzen Samen/
welcher am Geschmack nicht unlieblich ist. Das gantz Gewächs ist weisslechtig/ und hat ein lieblichen/ süssen und anmütigen
Geruch/ wie die Traubenblüth. Es wird bey uns in den Lustgärten gezielet/ in Langedock aber wächst es vor sich selbst in den
Feldern.
ll. Das ander Geschlecht dess kleinen Traubenkrauts/ ist dem jetztgemeldten gleich/ die Bletter/ Stengel/ und
die runden Säcklein seynd aber kleiner/ wie auch dz gantz Steudlein: Der wolriechend lieblich Geruch/ dessgleichen auch der
Geschmack/ können von dem obgemelten nicht underscheiden werden/ unnd wächst solches vor sich selbst in den Feldern.
lll. Das dritt Ambrosienkraut hat kleinere Bletter dann die andern/ seynd der Gertwurtz gleich/ doch lenger und
breiter: Die stenglen seynd dünn mit kleinen Nebenästlein/ die hangen oben voller kleiner Körnlein oder Blümlein/ seynd auch
getrungen/ aber viel kleiner als an den zweyten jetztgemelten/ der Geruch und Geschmack ist den andern gleich. Die Wurtzel weiss
und holtzechtig:wächst gern an den dürren und sandechtigen Orten. (Diese meins erachtens kompt mit dem wilden Stabwurtz uberein/
darvon in dem nachfolgenden Capitel gehandelt wird.
Von den Namen der Ambrosienkräuter
Es haben viel vermeint/ die wilde salbey sey das rechte Ambrosienkraut der Alten/ wie auch etliche
die Hirtzwurtz darvor gehalten haben/ aber wie ein grosser Jrrthumb das sey/ kann auch ein geringverstendiger leichtlich mercken/
sintemal diese beyde Kräuter so ein gleichheit mit der Beschreibung dess Ambrosienkrauts der Alten haben/ als die Nessel mit dem
Maieran. AMATUS LUSITANUS jrret nich weniger als die andern/ der den Reynfahrn vor das AMBROSIAM DIOSCORIDIS helt/ dann derselbig
hat an seinen Stengeln kein getrungenen Samen wie die Treublein/ reucht nicht süss und lieblich wie der Wein/ oder Rebenblüth/
sondern hat einen widerwillischen starcken Geruch/ wie die anderen Wurmkräuter/ unnd bringet seine Blumen oben an den stengeln
wie die Kronnen/ und ist in summa nicht ein einige gleichheit an dem Reynfahrn/ die mit der Beschreibung DIOSCORIDIS uberein
stimmet/ derowegen auch dieser Author darmit angelauffen ist/ wie er dann in seiner Censur dergleichen Jrrthumb noch viel hat.
l. Das Ambrosienkraut heisset Lateinisch/ AMBROSIA, BOTRYS ARTEMISIA, ARTEMISIA BOTROIDES, und bey dem GESNERO
HERBA VINOSA. Hochteutsch/ Ambrosienkraut/ klein Traubenkraut.
ll. Das ander Geschlecht heisset bey den Kreutlern AMBROSIA CAMPESTRIS. Hochteutsch/ Feld Traubenkraut.
lll. Das dritte Geschlecht wird von den Kräutlern genant AMBROSIA TENUIFOLIA. Unnd Hochteutsch/ klein
Ambrosienkraut.
Von der Krafft/ Eygenschafft und Wirckung der Ambrosienkräuter
Die Ambrosienkräuter haben ein Krafft zusammen zu ziehen und hindersich zu treiben/ derowegen sie
die Wunden und Geschwer vor entzündung verhüten/ so man sie zerknitsche und Pflastersweiss darüber legt.
Eusserlicher Gebrauch dess Ambrosienkrauts
Dieweil wir keine gewisse Erfahrung nicht haben dess jnnerlichen Gebrauchs dess Ambrosienkrauts/
wöllen wir allein den eusserlichen Gebrauch so viel uns bekannt ist/ anzeigen.
Ambrosienkraut in Wein gesotten und mit der durchgesiegenen Brühen den Halss warm gegurgelt/ heylet allerley
Geschwer und Geschwulst dess Halss/ und hebt widerumb auff das abgefallen Zäpfflein.
Ambrosienkraut dienet wider die ubrigen Mutterflüss/ Dampffbäder oder Behungen darvon gemacht/ und den Laum
darvon in die Mutter empfangen durch ein Trechter. Die Brüh von dem gesottenen Kraut dienet auch wider die Bauchflüss/ und die
Roteruhr in Clistiren gebraucht.
DIOSCORIDES schreibt/ dass die Jnwohner dess Lands CAPPADOCIAE, Kräntz auss dem Ambrosienkraut machen.