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ASTERVON STERNKRAUT
Sternkraut hat seinen Namen von den Blumen/ welche sich den
Sternen vergleichen: hat ein lange zasechte Wurtzel/ reucht ein wenig nach Näglein/ darauss zween/ oder mehr Stengel wachsen/
bissweilen auch einer/ gantz geradt/ steiff und holtzecht/ haben oben gestirrnte glitzende Blumen/ die seyn formirt wie die
Camillen Köpff/ haben jnnwendig einen gelben Apffel/ mit purpurfarben [oder braunblauw] Blettlein besetzt. Die Bletter sind
langlecht auffgespitzet/ rauw und schwartzgrün/ am Geschmack ein wenig bitter. Der Same ist lockecht/ verfleucht von dem Windt.
ll. Das ander Geschlecht ist diesem mit seinen gelben Blumen gantz gleich.
lll. Das dritte unnd vierdte Geschlecht/ Bergsternkraut genennt/ werden von LOBELIO in seinen ADVERSARIIS
beschrieben/ dass das Männlein ein zasechte Wurtzel habe/ wie die SUCCISA, das ist Teuffels Abbiss/ darauss ein starcker/
gerader/ schmaler stengel wachse/ fast einer Ehlen hoch/ darauff ein schöne grosse Blum ankomme/ an Gröss/ Farb unnd Gestalt wie
die Alantblume/ seine Bletter sind etwas braunlecht/ an der Grösse unnd Gestalt wie der ASTER ITALICUS.
lV. Das Weiblein ist dem Männlein an der Blumen und Grösse dess Stengels fast gleich/ allein dass der Stengel
unnd die Bletter rauh/ haarecht/ und länger seyn/ wie die kleine Hundszunge.
Es werden noch andere Geschlecht der Sternkreuter mehr von C. CLUSIO beschrieben/ darvon zu lesen ist lib.3.
OBSERVATIONUM, PANNON. CAP.29. Dessgleichen auch von LOBELIO in OBSERVAT. FOLIO 187.188. wie dann ach in ADVERSARII MFOLIO
147.148.
V. Das erste Geschlecht hat ein schwartze zaserechte Wurtzel/ Stengel die Elenhoch/ rundt unnd rothlechtig/ die
mit wenig blettern umbgeben/ welche lange und schmal/ ein wenig zerkerfft/ auch scharpff unnd bitterechtig sind: Der Stengel wirdt
in etliche Nebenästlein zertheilt/ auff welchen im Hewmonat ein grosse gestirnte glitzende gelbe Blum/ welcher ein kleiner
eckechtiger samen folget. Das ander ist das gelbe Sternkraut hievor gesetzt:
Vl. Das dritte ist mit Wurtzel/ Stengel und Bletter der ersten gleich/ allein dass der Stengel/ wie auch die
Bletter/ so den Stengel umbfangen/ wüllechtig/ lang und ein zwerch Finger breyt sindt: Die Blum ist gross unnd gelb.
Vll. Das vierdte hat auch Wurtzel den vorigen gleich/ dessen Stengel eines Schuchs hoch/ steiff und grün/ mit
schmahlen/ schwartzgrünen und steiffen Bletter umbgeben: Die Blum ist der vorigen gleich/ jedoch kleiner.
Vlll. Das fünffte hat ein ziemliche Wurtzeln/ mit weissen Fässlein besetzt/ auss welcher etliche härige
Stengel Spannen hoch herfürbrechen/ und sind bey der Wurtzel viel schmahle Bletter/ wie an den blauwen Masslieben/ etwas
wollechtig/ am Geschmack bitter: Auff jedem Stengel ist ein breyte Blum/ mit einem gelben Apffel so mit kleinen blauwen Blettlein
ringsweiss besetzt ist/ so endlich in ein Locken vergehet.
Die vier erste findet man umb Wien in den Bergächtigen Wiesen/ wie dann auch im Schweitzerlandt: Das fünffte
in den schweitzerischen/ Moerischen unnd Oestereichischen grassechtigen Gebürg.
Sternkraut blühet in angehendem Herbst: Wirdt funden auff den wilden Gebirgen/ in Thälern und Waldwiesen.
[Unden im 139. Cap. der ll. Section findestu noch ein Sternkraut.]
Von den Namen
Sternkraut wirdt im Latein genennt ASTER ARTICUS oder STELLA ATTICA, von seinen gestirrnte Blumen:
BUBONIUM/ INGUINALIS, das ist Bruchkraut/ dieweil es zu den Brüchen gebraucht wirdt. Teutsch Wegekraut/ Bruchkraut/
Schattenkraut. Es meldet LONICERUS, dass die Blume dess Nachts scheine wie ein Stern am Himmel/ also dass es von etlichen für ein
Gespenst werde angesehen.
Natur/ Krafft und Wirckung dess Sternkrauts
Sternkraut hat ein külende Natur an sich/ fast wie die Rose/ doch nicht sehr: Es verzehrt auch
und truckne auss/ wie auss seiner Bitterkeit abzunemmen ist. GALENUS schreibet jhm ein vermischte Natur zu.
Jnnerlicher Gebrauch dess Sternkrauts
Die Blumen in Wasser gesotten/ unnd getruncken/ dienen wider das Halssgeschwer/ ANGINA genennt/
unnd wider die fallende Sucht den jungen Kindern.
Eusserlicher Gebrauch
Sternkraut ist gut wie ein Pflaster ubergeleggt/ wieder die grosse Hitz dess Magens: wider die
hitzige Geschwulst der Augen/ dess Gemächts: wider den Aussgang dess Hindern/ wie MATTHIOLUS auss dem DIOSCORIDE vermeldet. Man
saget auch/ dass diss Kraut soll die Schmertzen der Gemächt stillen/ wenn es nur an denselbigen Ort wirdt angebunden.