2 / 47
ARNIKAVON MUTTERWURTZ (LUCIANSKRAUT)
Dieses Kraut beschreibet LOBELIUS in seinen OBSERVATIONIBUS und ADVERSARIIS UOVIS/ dass
es ein schönes Gewächs sey/ seine Wurtzel vergleicht sich der Wurtzel dess grossen Baldrians/ aussgenommen dass sie kleiner ist/
unnd mit vielen Faseln behencket/ bey nahe dem DORONICO gleich/ eines räsen/ scharpffen/ durchtringenden/ bittern/ unnd doch
Wurtzigen Geschmacks/ dem NARDO gantz gleich/ auss welcher Wurtzel ein Stengel herfür tritt/ einer Elen hoch/ bissweilen auch
nidriger/ an welches Giepffel ein Gestirnte Goldgelbe Blum herfür kompt/ gantz lustig unnd schön anzusehen/ der Rindtsaugblumen
oder Johannsblumen fast gleich. Seine Bletter seyn lang/ breit unnd bleichgälb/ mit vielen Aederlein durchzogen/ der Entzian so
gleich unnd ähnlich/ dass sie in der erst vor die Entzian möchte angesehen werden.
LOBELIUS schreibet/ dass er es in AGRO NARBONENSI habe antroffen/ es wächst auch in den fäuchten Wiesen/ auff
den hohen Gebirgen. [Jn Schweytzerland und Elsess.]
[Das Kraut DAMASSONIUM beschreibet DIOSCORIDES/ dass es Bletter habe dem Wegrich ähnlich/ allein dass sie
schmäler seyn/ unnd gegen die Erden gebogen: Die Wurtzel sey der schwartzen Nieswurtz etwas gleich/ ein wenig feyst/ zanger und
eines guten Geruchs/ auss welcher ein schmaler Stengel wachse/ mehr dann Elenbogen lang/ an welchem dünne weisslechte Blumen
herfür kommen: MATTHIOLUS saget/ dass es goltgelbe Blumen trage/ unnd seine Bletter seyn etwas schmäler und weycher dann dess
Wegrichs Bletter.]
Von den Namen
Mutterwurtz wirdt [von PNEGELLEREN in den Bürden wilder Wegrich] Lateinisch genennt CALTHA
ALPINA/ dieweil es für ein Art der Ringelblumen gehalten wirdt: RONDELERIUS hhelt es für ein Geschlecht dess NARDI GALLICAE/
andere sagen/ es sey ein SPECIES dess NARDI CELTICAE. GESNERUS nennet es CALTHAM ALPINAM. [Bey den Sachsen und Seestätten wirdt
es WOLVELEY geheissen bey dem gemeinen Mann: aber von den MEDICIS/ ARNICA.
[Lucianskraut wirdt auch genennet Waldblume: Lateinisch DAMASSONIUM/ ALISMA/ CHRYSANTHEMON LATIFOLIUM/ PLANTAGO
ALPINA. Die Schweitzer nennen es Mutterwurtz. Teutsch wirdt es genennet Laugenkraut/ Johanneskraut.]
Von der Natur und Wirckung
LOBELIUS schreibet/ dass es den Harn sehr und gewaltig ausstreibe. GESNERUS meldet/ dass die
Wurtzel niessent mache.
Bey den Sachsen braucht es das gemeine Volck/ denen so hoch hinunter gefallen/ oder so sich sonst etwan mit
Arbeit verletzt haben: Nement ein Handtvoll/ sieden es in Bier/ drincken dess Morgendts einen Trunck warm davon/ decken sich zu/
unnd schwitzen: Wo sie sich dann verletzt haben/ empfinden sie an dem verletzten Ort grossen Schmertzen/ auff zwo oder drey
Stundt/ unnd werden also curirt: Haben sie sich aber nicht verletzt/ empfinden sie keine Veränderung.
Auch zu Dantzig in Preussen ist es sehr in grossem Brauch/ und ob wol bey jhnen es nicht wächst/ wirdt es doch
auss Nieder Sachsen in Fässern dahin gebracht.
[Ein Quintlein dieser Wurtzel oder mehr mit Wein getruncken/ ist gut den jenigen/ so von einer Kröten gebissen
seyn/ oder opium gessen haben.
Das Kraut wie ein Pflaster auffgelegt/ sänfftiget die Geschwülst. Ist sonsten gar nicht im Gebrauch der
Artzeney wie auch DODONAEUS bezeuget.]