3 / 93-96
APFELBAUMVON AEPFFELN
Der Apffelbaum ist allenthalben.jederman wol bekannt/ es seyn aber
desselbigen so viel/ unnd mancherley Geschlecht/ dass es unmüglich ist/ selbige alle zu erzehlen unnd zu beschreiben/ wie dann
unser Author derselbigen sehr viel hat abreissen lassen welche allzumal mit jhrem Namen beschrieben seyn/ darvon in gemein soll
gehandelt werden. Sie wachsen auss jhrem Stamm wie auch andere Bäum mit vielen Aesten/ mit einer glatten Rinden beckleidet/ so
ausswendig grauw ist/ jnwendig aber wachsgelb: Die Blätter seyn gemeiniglich runnd und langlecht/ Die Blüet ist fast an allen
weiss in etlichen Leibfarbroth: Die Aepffel seyn rund/ etliche auch lang/ etliche breyt/ am Geschmack entweder süss/ saur oder
weinecht/ haben in der Mitte jhre Kern wiewol auch etliche ohn Kern erfunden werden: Sie werden auch zu unterschiedlichen Zeiten
reiff/ dann etliche zeitigen umb S.Johannestag/ etliche in folgenden Monaten/ fast biss in Winter hinein.
Sie werden aber fürnemlich in zwey Geschlecht abgetheilet/ so also dass etliche
zam seyn/ etliche wildt/ so man Holtzöpffel nennet.
Etliche Apffelbäum werden auffgepflantzet/ etliche werden auff die Stämme
gepfropfft/ wil man schöne rothe Aepffel haben/ soll man die Zweyge auff Maulbeern pfropffen. Es werden auch die wilden Aepffel
durch das pfropffen zam gemacht.
Von den Namen
Die Aepffel werden Lateinisch genennt MALA oder POMA. Der Apffelbaum heist Lateinisch MALUS oder
POMUS.
(Damals bekannte Apfelsorten: Magdalenen-, Roth S.Johanns-, Kohl-, Sommer-, Süss-, Wein-, Blut-, Münch-Apfel,
Breytling, Säuwrling, Breitling, Honigling, Schaaffmäuler, Mecherling, Roth Sommersbickling, Störmling, Holtzstörmling, weiss
gross Holtzöpffel.)
Jnnerlicher Gebrauch
Simeon Sethi schreibet/ dass die saure Aepffel den jenigen gut seyn/ welchen der Mage von vieler
Feuchtigkeit verderbt ist.
Welche einen Weinechten Geschmack haben/ sind auch dem Magen gut/ erfrischen denselbigen/ seyn eines anmütigen
Geschmacks/ werden nützlich in den Fiebern im Mund gehalten/ denselbigen darmit zu erfrischen.
Es werden auch die Sauweröpffel in Butter gebraten/ unnd den Krancken dargereichet/ ist jhnen ein liebliche
Speiss.
Die süssen Aepffel erweichen etwas den Leib/ und laxiren/ bekommen wol den jenigen/ so einen kalten Magen
haben/ unnd von giffthigen Thieren gebissen seyn.
Fast alle Aepffel haben die Eygenschafft/ so man den aussgepressten Safft mit ein wenig Saffran vermischet unnd
trincket/ widerstreben sie dem Gifft/ und treiben die Würm auss dem Leib.
Eusserlicher Gebrauch
Ein süsser Apffel unter heisser Aschen gebraten/ unnd uber das Aug gelegt/ stillet die Schmertzen
und Wehetagen desselbigen:
Zu dem stechen der Seiten thut man in ein süssen Apffel gestossenen Weihrauch/ lesset jhn unter der Aschen
braten/ und legt jhn uber.
Es wirdt auch darauss die wolriechende Salb POMADA genant/ gemacht.