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ANEMONE
Anemone - Ranunculaceae
VON DEM ANEMONE BLUMEN UND SEINEN GESCHLECHTEN
Der Anemone Rösslein/ wie DIOSCORIDES schreibet/ seyn zweyerley
Geschlecht/ eines ist wild/ das ander zam. Der Zamen bringen etliche braunrote Blumen/ etliche weisse oder milchfarbe/ etliche
purpurfarb. Sie haben alle Bletter den Coriander Bletter ähnlich/ mit kleinen Kerfflein zertheilt und zerschnitten/ zu der Erden
gebogen/ unnd haben schmale/ rauhe haarechtige Stengel/ daran zuöberst Blumen wachsen/ wie die Blumen dess Magsamens/ unnd in der
Mitten schwartze oder blawe Köpfflein. Die Wurtzel ist in der Gröss einer Oliven oder grösser/ mit etlichen Gleychen
zertheilet. Die wilden Anemone Rösslein seyndt grösser/ unnd haben breytere unnd härtere Bletter dann die zamen. Haben längere
Köpfflein/ braunrote Blumen/ unnd viel schmaler zaselechte Wurtzeln: Die unter diesen schwartze Bletter haben/ seyndt zangerer
unnd schärpffer. Beyde Geschlecht seyndt zanger/ räss unnd scharpff/ derhalben jhrer Wurtzel Safft in die Nasen gegossen/
reiniget das Haupt/ so viel DIOSCORIDES.
Zu unser Zeit haben wir der Anemonerösslein zam und wildt xx.Geschlecht.
l. Das erste Geschlecht dieser unser Ordnung nach/ hat Bletter wie der Hanenfuss/ mit runden/ dünnen Stengeln/
darauff wachsen schöne weisse Blumen/ in der Gröss der Rosen/ ein jede mit fünff Blettern besetzt. Bissweilen ist das weiss in
diesen Blumen unden bey dem Stiel mit Purpurfarb oder Braunroth vermischet. Die Stengel seyndt zwo biss in drey Spannen hoch/ die
Wurtzel ist dünn/ hat viel Zaseln/ wie die Meisterwurtz/ oder die Wurtzel dess Hanenfuss. Es wächst in hartem ungebawetem
Erdreich/ hin und wider in dem Wormbser unnd Alzeymer Gauw/ bey Oberflerschheim/ unnd andern vielen Orten. Darneben aber wirdt sie
auch von etlichen wegen der schönen Blumen in den Gärten gezielet.
ll. Das zweyte Geschlecht der Anemone Rösslein/ hat ein knorrechtige Wurtzel/ mit Gleychen zertheilet und
underscheiden/ gleich der Naderwurtz/ ist ausswendig schwartz unnd jnnwendig weiss. Im angehenden Frühling kommen herfür die
Bletter/ die seynd anfenglich purpurfarb/ hernachmals aber werden sie bleichgrün/ zerkerfft und zerschnitten/ den understen
Blettern dess Corianders/ oder viel mehr den Blettern dess Ruprechtkrauts ähnlich/ die seynd gegen der Erden gebogen. Darzwischen
wachsen herauss ii. oder iii. glatter blosser Stengel einer Spannen lang/ an dem kommen uber der Helfft herauss/ dreyfache
zertheilte Bletter/ die seynd kleiner und auch tieffer zerschnitten als die understen/ so von der Wurtzel herfür wachsen. An
jedem Stengel kompt oben gegen den Mertzen/ ein schöne weisse Blumen herauss/ mit zwölff oder dreyzehen biss in vierzehen oder
funffzehen Blätlein umb den Apffel besetzt/ die seynd ein wenig hindersich gekrümpt unnd vornen kumpff/ das Mittel jnwendig der
Blum ist geel/ wie der Apffel oder Mittel dess Sternkrauts: Nach der Blumen folgen rauhe/ schiepechtige Köpfflein wie am
Hanenfuss/ darinn ist der Samen verschlossen.
Dieser Rösslein findet man noch zwey Geschlecht/ die seynd mit Wurtzeln/ Blettern und Stengeln/ dem
jetztgemelten durchauss gleich/ allein ist der Underscheid an den Blumen/ die seynd an einem schönen Himmelblauwe/ und an dem
andern roth. Alle diese Geschlecht müssen bey uns in den Gärten/ als frembde Gewächs gezielet werden. In Braband seynd sie
gemein/ zu Brüssel und Mecheln da sie von dem Herrn JOHANNE BOYSOTO, und dem edlen Herren Georgen von Rye/ in jhren Lustgärten
fleissig gepflantzet werden. Sie kommen auff von dem Samen/ und werden auch von der Wurtzeln gemehret/ dann so man die Wurtzel
entzwey bricht/ und zertheilet sie bey den Gleychen/ und stecket dieselbige im Frühling oder im Herbst in den Grund/ so wachsen
schöne und neuwe Stöcklein darvon/ und viel eher alss von dem Samen.
lll. Das dritte Geschlecht hat ein runde Wurtzel/ gleich in der Grösse einer unzeitigen Olive/ wie man die im
Saltzwasser zu uns bringt/ und das/ so sie noch jung ist/ mit der Zeit aber so sie älter wird/ wird sie knorrechtig/ dicker unnd
grösser mit etlichen Gleychen zertheilt/ unnd hat wenig Zaseln oder Nebenwürtzlein. Im Anfang dess Frühlings stossen herfür
die Bletter/ die vergleichen sich dem Sanickel oder dem Hanenfuss/ seynd doch kleiner/ und unden gegen der Erden etwas
purpurfarbig: Wann sie aber etwas grösser unnd älter werden/ theilen sie sich in tieffere Schnitt auss/ und werden schmäler und
breiter. Zwischen diesen Blettern kompt gleich bald herfür/ ein blosser/ wollechtiger Stengel eines Schuchs oder Fuss lang/ der
gewinnt in der Mitte drey schmale/ zerschnittene Blätlein/ darauss folget bald ein schöne purpurfarb mit roth vermenget/
gestirnete Blum/ mit zwölffen biss in vierzehen oder fuffzehen spitzen Blätlein besetzt/ das Mittel jnwendig ist mit kleinen
schwartzen Härlein umbgeben. Wann die Blumen abfallen/ so folgen langlechte/ wollechtige Köpfflein/ in der Gröss der Köpfflein
am Hanenfuss/ darinn ist sein wollechtiger leichter Samen verschlossen/ der/ so er zeitig wird/ bald vom Wind hinweg getrieben und
verwehet wird. Dieses Gewächs/ wiewol es vor sich selbst gnugsam bey uns in Teutschland/ von sich selbst wächst/ so wird es doch
von wegen der schönen lieblichen Blumen/ auch in die Lustgärten gepflantzt. Sonst wächst deren viel im Kreychgaw/ und im
Wormbsergaw/ in ungebawenen Orten die der Sonnen wol gelegen seyn.
2. Dessen findet man noch ein ander Art/ die ist dem jetztgemelten durchauss gleich/ und ist kein Underscheid
darunder/ dann dass die Blum an diesem gantz weiss/ und an dem andern roth Purpurfarb ist. Beyde diese Geschlecht wachsen gern/
unnd werden leichtlich von der Wurtzel gemehret/ so man dieselbig in den Gleichen enzwey bricht/ und in Grundt stecket.
lV. Das vierde Geschlecht hat ein lenger Wurtzel/ die ist krum und gleychechtig/ der Graffeywurtzel/ oder einem
Corallenzincken an der Gestalt gleich/ an der Farb braunschwartz/ jnwendig aber ists weiss/ bricht gern unnd ist mürb/ hat wenig
Zaseln/ liegt uberzwerch in der Erden. Die Bletter seynd grösser/ dicker und feyster/ darzu an der Farb grüner als die
nechstgemelte/ auch mit mehren Schnitten zertheilt. Der Stengel ist der vorigen gleich/ oben schier am End bey der Blumen/ hat es
drey kleiner und zerkerffter Blätlein/ in der Mitten tieff zerschnitten. Die Blum so im Aprillen herfür kompt/ ist schön
violenfarb/ doch ein wenig weisslechter/ mit sieben Bletter umb den Apffel oder Mittel besetzt/ vergleicht sich fast in der
Grösse der Klapperiosen: Den Blumen folgen nach wollechtige Köpfflein/ wie an der Nechstgemelten.
V. Das fünffte Geschlecht/ ist der jetztgemelten durchauss mit Wurtzel/ Bletter unnd Stengel gleich/ allein
ist der Underscheid an den Blumen/ die an dieser Weiss/ und an der andern blaw ist. Noch findet man auch deren ein ander
Geschlecht/ den beyden gemelten an aller Form und Gestalt gleich/ ausserhalb der Blumen die schön roth purpurbraun ist. Diese
alle drey werden von den zertheilten oder gebrochenen Wurtzeln gepflantzt/ wie die obgemeldten.
Vl. Das vi. Geschlecht hat ein gleichechtige Wurtzel eines kleinen Daumen gross/ die Bletter seyndt den
jetztgemelten fast gleich/ die Blumen ist schön gefüllt/ an der Farb roth wie die Klapperrosen/ mit x. oder xii. grossen zu sich
gekrümbten Blätlein ausserhalb besetzt/ jnnwendig aber mit kleinern Blätlein gefüllet. Blühet im Aprillen und Mertzen wie die
obgemelden. Dieses schöne Geschlecht wächst nicht bey uns/ dann in den Gärten gepflantzet/ ist erstmals von Constantinopel zu
uns in Teutschlandt gebracht worden.
VII. Das siebende Geschlecht hat ein dicke und in etliche Knöpff oder Knorren
zertheilte Wurtzel/ der Erdnußwurtzel Bulbocastani, nicht ungleich/ außwendig ist sie schwartz und rauch/ inwendig aber
weiß und fest/ mit vielen Zaseln oder Nebenwürtzelein behenckt: die ist eines unlieblichen und zusammenziehenden Geschmacks.
Auß der Wurtzel kommen herfür viel Blätter/ die vergleichen sich dem Sanickel/ sind doch harter und aderlechtiger/ in drey
Unterscheid tieff zerschnitten/ und gerings herum gekerfft/ oben satt oder schwartzgrün/ und auf der untersten Seiten
liechtgrün/ die fahen vor dem Winter an zu grünen/ gleich wie alle andere Anemonerößlein/ die haben einen scharpffen
brennenden Geschmack auf der Zungen. Zwischen denen wächst im angehenden Frühling einer oder zween Stengel herfür/ die sind
haarechtig/ bloß/ auf eines Schuhs lang und auch bißweilen länger: Oben nahe bey dem Ende wachsen drey kleine Blätter um den
Stengel/ darauf folget die breite Blume/ welche sich einer schönen gefüllten Rosen vergleicht/ die ist mit vielen Blättern
besetzt/ unter denen zwölff oder dreyzehen als die äussersten/ die grösten sind/ an der Farb grünlecht/ die innern aber sind
kleiner glitzend/ von einer liechtbraunen Purpurfarben/ und um den Apffel oder Mitten schier als gewickelt. Es ist auch die
schöne Anemonerose/ die schönste und gröste unter allen andern/ und ist auch von Constantinopel in diß Land gebracht worden/
die wird bey uns sonderlich mit guter Pfleg und Wartung in den Lustgärten gezielet: ist doch biß daher wenig bekannt gewesen. In
Braband aber ist sie gemeiner.
Das achte Geschlecht/ hat runde breite Blätter gerings um mit kleinen Schnittlein gekerfft/ hart und fest/ die
stehen auf langen Stielen/ sind oben sattgrün/ unten aber gemeiniglich Purpurfärbig/ wie die Blätter der Erdscheiben/ eines
sehr hitzigen Geschmacks: Die Wurtzel ist knollechtig und langlecht/ der gemeinen Tormentill gleich mit etlichen anhangenden
Zäselein/ auswendig schwartz/ inwendig weiß/ fest und eines unlieblichen Geschmacks/ mit Bewegung zum Unwillen/ als wann sie
würgen wolte/ und folgends ein wenig auf die Zunge beissend. Dieses Anemone Geschlecht hat der weitberühmte Philosophus
Carolus Clusius erstlich gefunden in Portugall/ auf steinechtigen Hübeln wachsend/ bey dem Wasser Tago, und auch
zwischen den Dornen/ welcher es auch obgemeldter Massen beschrieben hat/ dem wir auch solches zu dancken haben.
Das neundte Geschlecht hat eine krumme Wurtzel überzwerch in der Erden wachsend/ unten mit kleinen
Nebenwürtzlein: daran dicke neue Schoß sich erzeigen/ allerdings anzusehen wie die Wurtzel des weissen Waldhänleins/ deren sie
sich dann am besten vergleicht. Die Blätter dieses Gewächs sind gleich dem steinklee/ gerings um mit zarten Schnittlein
zerkerfft/ doch breiter und grösser/ die stehen auf Stielen die einer Spannen oder anderthalb hoch sind. Oben an den stielen
wachsen herfür schöne Blumen von acht Blättern/ die sind erstlich weiß/ darnach wann sie anfahen zu verwelcken/ werden sie
leibfarb. Dieses Gewächs wird auch wie ander fremd Gewächs/ in Teutschland nur in den Lustgärten gezielet.
Das zehende Geschlecht hat eine dicke und in etliche Gleich abgetheilte knollechtige Wurtzel/ auswendig
runtzelechtig/ schwartz/ mit vielen kleinen Nebenwürtzlein behenckt/ inwendig weiß am Geschmack der Constantinopolitanischen
gleich. Die Blätter dieses Gewächs vergleichen sich den Blättern der Erdkastanien: Die Stengel werden eines Schuhs lang/ daran
wachsen am Obertheil nahe bey den Blumen drey kleiner zerspaltener Blättlein/ wie an den andern Geschlechten der
Anemonerößlein/ die Blumen sind schön gefüllt/ den gefüllten Blumen der Maßlieben gleich/ an der Farb einem satten Scharlach
gleich. Es ist auch dieses Gewächs aus Constantinopel zu uns gebracht/ und erstlich in Niederland bekannt worden/ darnach folgens
hin und her in Ober-Teutschland zu pflantzen geschickt worden. [Dieses soll von dem sechsten Gschlecht nicht unterscheiden
werden.]
XI. Das eilffte Gechlecht hat eine lange Wurtzel gleich der Rapuntzeln/ eines kleinen Fingers dick/ gerings um
mit Zaseln oder Nebenwürtzlein behenckt/ am Gechmack sehr scharff. Die Blätter sind tieff zerschnitten/ wie die Wurtzel der
Wolffswurtz. Die Stengel sind einer Spannen oder anderthalben lang/ dicklechtig/ haarig/ und holkälich/ grad und inwendig hole/
die tragen oben Purpurweisse Blumen.
Das zwölffte Geschlecht hat ein Wurtzel in der Grösse einer Oliven/ rundlecht und satt/ am Geschmack räß
und scharff. Die Blätter vergleichen sich den Blättern des Corianders/ allein daß sie tieffer zerschnitten oder zerspalten
sind. Die Stengel sind haarechtig/ dünn mit Holkälen/ tragen oben Purpurfarbe Blumen von sechs Blättern besetzt/ in der Grösse
des wilden Magsaamens/ die haben in der Mitten ein schwartzes Knöpfflein. Diese beyde Gewächs wachsen überflüssig in dem
Waßgäu/ auf den ebnen Bergen da die Sonn wol hinkommen kan. [Die 12. Figur kommt mit dieser Beschreibung nicht überein/ sondern
die 12. Figur ist dritten Geschlechtes.]
Das dreyzehende Geschlecht hat ein schwartzlechtige runde Wurtzel/ in der Grösse einer Oliven/ zanger und
scharff im Geschmack/ die Blätter seyn klein zerschnitten wie des Fenchels/ die ligend auf der Erden/ der Stengel ist rauch eines
Schuhs lang/ und bißweilen länger mit vielen Nebenästlein/ an den Enden der Stengel und ästlein trägt es schöne Purpurfarbe
Blumen von vier Blättern/ daraus werden kleine Böllelein oder Knöpfflein/ in welchen der Saamen verschlossen ist: Dieses
Geschlecht wächst auf ungebauenen Feldern/ und an den Rechen bey den Strassen.
Das vierzehende Geschlecht hat auch eine langlechte runde Wurtzel/ wie ein Oliven/ die Blätter sind etwas
breiter/ die Stengel mit den Nebenästlein dem vorigen gleich/ die Blumen schön geel von vier Blättern/ daraus Knöpfflein
werden wie am vorigen/ darinnen es seinen Saamen bringt. Es wächst in ungebauenen Feldern wie das erste/ ist aber nicht so
gemein.
Das fünffzehende Geschlecht hat eine Wurtzel eines ziemlichen Fingers dick/ mit vielen Nebenwurtzeln wie die
Christwurtzel/ an der Farb schwartz: Die Blätter beyde die von der Wurtzel und am Stengel wachsen/ deren es viel hat/ die sind in
drey Theil tieff zerschnitten/ und gerings um zerkerfft wie die Blätter am Wasser-Hanenfuß/ die sind Obern Theil kleiner/ an der
Farb sattgrün/ weich und haarechtig. Der Stengel wird einer Spannen lang/ und auch bißweilen länger/ ziemlich dick/ mit weisser
Wollen bekleidet: Oben am Stengel bringet es im End des Mertzens eine schöne milchweisse Blum/ von sechs oder sieben Blättern
besetzet: In der Mitte hat es ein erhabenes Häubtlein oder Knöpfflein/ mit vielen geelen Fäselein gezieret: Wann die Blumen
abfallen/ wird aus dem Knöpfflein der Saamen/ der ist glatt und klein/ und in ein weiß Wollen gewickelt.
XVI. Das sechszehende Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzel/ Blätter und Stengel allerdings gleich/
allein ist die Blum schön Purpurbraun. Beyde diese Gewächs haben einen unlieblichen und scharffen Geschmack. Sie wachsen im
Gebirg/ zwischen Moterhaufen dem Jaghauß und dem Kloster Stürtzelbrunn.
[Weil man noch etliche Anemonerößlein hat/ mit Blumen unterscheiden/ hab ich etliche hieher setzen wollen.
Und ist die erste von Farben blau: die andere ist Leibfarb/ darunter rothe Streimen vermischet sind: die dritte ist Scharlachfarb:
die vierdte ist ein kleine Blum/ so Goldgelb ist: die sechste ist gefüllt/ von Farben weiß/ und in der Mitten gelb/ welche ich
noch nicht mit der Wurtzel gesehen hab.]
Von den Namen der Anemone Rösslein
Es sind viel der Gelehrten/ die das Anemone Rösslein für das ADONIDEM der Poeten halten/ unnd
lasset sich gleichwol ansehen/ dass der Poet OVIDIUS 10.METAMORPH. mit folgenden Versen unser Anemone Rösslein abmahlet und vor
Augen stellet/ als er die Blum ADONIDIS also beschreibet:

Der alte Poet BION SMYRNEUS sagt in dem EPITAPHIO ADONIDIS/ dass das Anemone Rösslein
von den Trähern VENERIS/ als sie den ADONIDEM beweinet hab/ entsprungen unnd gewachsen seye. So schreibt NICANDER/ dass Anemone
gewachsen seye von dem Blut dess ertödten ADONIDIS: Darauss dann leichtlich abzunemmen ist/ dass die Blum ADONIDIS oder ADONIUM
der Poeten/ und das Anemone Rösslein ein Gewächs ist/ dabey wir es auch bewenden lassen.
Lateinisch heisst es weiter ANEMIUM/ PHAENIS/ FREMIUM/ bey dem PLINIO unnd THEODORE GAZAE/ wiewol in etlichen
Exemplaren PLINII vor FREMIUM PHAENIUM gelesen wirdt. Bey dem PYTAGORAE wirdt es ATRACTYLIS genannt/ wiewol auch im Griechischen
Exemplar ADRACTYLIS gelesen wirdt. Sonst wirdt es von DIOSCORIDE genannt MECONIUM/ das ist/ PAPAVERCULUM/ BARBYLA/ ORCI TUNICA/
unnd von den Kreutlern/ HERBA VENTI.
Dann es hat auch dieses Kraut seinen Namen bekommen Anemone/ ID EST, A VENTO/ das ist/ von dem Windt/ dann die
Blum thut sich nimmer auff/ es wehe dann der Windt/ wie PLINIUS bezeuget.
Hochteutsch/ Anemone Rösslein unnd Windtrösslein/ wie ich jhr den Namen vor dreyssig Jahren geben habe/
welcher Name im Massgaw sehr gemein worden ist.
Von der Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Windröslein
Die Anemone oder Windrösslein seynd räss und scharpff am Geschmack/ heisser unnd truckner Natur.
Haben ein Krafft zu eröffnen/ an sich und zu sich zu ziehen: unnd mögen doch fast nützlich jnnerhalb und ausserhalb dess Leibs
gebraucht werden.
Jnnerlicher Gebrauch der Windrösslein
Die Bletter und Stengel der Windrösslein/ mit Gerstenmüsslein gesotten/ macht den Seugerinnen
viel Milch. Gleicher Gestalt genützt/ fürdern sie auch die Monatblumen der Weiber. Die Wurtzeln in Wasser gesotten/ unnd
Morgends unnd Abends von der durchgesigenen Brühen getruncken/ fürdert gleichfalls die Monatblumen.
Eusserlicher Gebrauch dess Windrössleins
Windrösslein Wurtzeln mit süssem Wein gesotten und ubergelegt/ heylet die Hitz unnd Geschwulst
der Augen/ erklären das Gesicht/ vertreiben alles was das Gesicht verfinstert/ und die Narben der Augen. Gleicher Gestalt
gebraucht/ reiniget sie die faulen unreinen Schäden und Geschwär.
Die Wurtzel zu einem reinen subtilen Pulver gestossen/ und mit Honig vermischt wie ein Sälblein/ vertreibt die
Flecken in den Augen/ darmit zum offtermale geschmiret.
Windrösslein mit der Wurtzel an den Halss gehenckt/ unnd 45 Tag also getragen/ vertreibt in gemelter Zeit alle
Flecken der Augen wunderbarlich.
Der aussgetruckte Safft von den Windrösslein Wurtzeln in die Nasen gezogen/ reinigen das Haupt/ führen den
zehen Schleim gewaltig auss.
Die Wurtzel also roh im Mund gekeuwet/ zeucht die kalt und zehe Feuchtigkeit auss dem Haupt. Die Wurtzel zu
Pulver gestossen/ und mit gleichem Gewicht von Korbfeygen in einem Mörser gestossen/ darnach kleine/ runde oder vierechtige
Zeltlein darauss formirt/ und jeweilen eins wol im Mund gekeuwet/ zeucht auss den Schleim unnd die Flüss von den Zähnen.
Die Bletter in Wasser gesotten/ heylet den Grind oder Reude/ und alle Unsauberkeit der Haut damit gewaschen.
Windrösslein Kraut unnd Blumen gestossen/ und wie ein Pflaster uber die Brüst gelegt/ machet viel Milch/ unnd
zeucht dieselbig herbey.
Windrösslein Wurtzel zwey Theil/ Zisererbsen Meel/ Feygbonen Meel/ unnd die Brosamen von Rückenbrodt/ jedes
ein Theil/ mit genugsamem Schweinenschmaltz gestossen/ unnd ubergelegt wie ein Pflaster/ heylet und zertheilet die rohen
ungekochten Geschwülsten und Knollen/ die kein Schmertzen haben.
Baumwollen in dem Safft der Windrösslein genetzt/ unnd Mutterzäpfflein darauss gemacht/ und zu sich in die
Scham gethan/ bringet den Weibern die verstandenen Monatblum wider.
Ein köstlich Pflaster/ zu den blutigen Wunden/ zerstossenem oder zerquetschtem Fleisch/ mach auss der Lehr
AETII also:Nimb der auffgetruckneten Windrösslein/ unnd thu die schwartzen Bützlein darvon/ und stoss sie zu reinem Pulver/
darvon nim acht Untz Griechisch Bech/ ix. Untz unnd ii. Quintlein dess weychen oder flüssigen Kinhartz/ Wachs/ jedes iiii.Untz/
Baumöl ix.Untz/ lass das Griechisch Bech mit dem Baumöl uber einem linden Fewrlein von Kinholtz sittiglich sieden/ biss sie sich
vereinigen und dick werden: Im sieden rührs mit einem Spathel von Dosen oder Kiferholtz: Darnacch thu das Hartz darzu/ lass
widerumb sieden/ biss es nit mehr anklebt/ thu folgends das Wachs darzu/ und wann das zergangen ist/ so hebs ab vom Fewr/ und thu
das Pulver von den Windrösslein darein: Unnd wann es erkaltet/ so behr es wol mit den Händen/ die du zuvor mit Baumöle
schmieren solt/ unnd brauch kein Wasser darzu.Diss Pflaster heylet (wie AETIUS schreibet/ der es EMPLASTRUM EX ANEMONE nennet) die
bösen alten Geschwär und Schäden/ die sich nit schliessen wöllen. Dessgleichen der vergifften Thierbiss. Dient auch zu den
geschwollenen unnd schmertzhafftigen Knochen. Dessgleichen zu den Kröpffen/ Fistulen/ Blutgeschweren/ Oberbein/ Speckdrüsen oder
Knollen/ holen Geschweren/ zeitigen Apostem/ umbsich fressenden Schäden und dergleichen Geschweren.