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ADONISRÖSCHENVON DEM ADONIO
Das schön unnd lieblich Gewächs/ das wir Brunet Rösslein oder Adonis Rösslein nennen/ bringet von einer zasechtigen Wurtzeln vier oder fünff Stengel/ die fast einer Ehlen lang seyn/ mit vielen Nebenästlein alle geschraufft/ oder mit Holkelen underscheiden/ an der Farbe grünlechtig. Es hat kleine zarte Blätlein/ der Chamillen oder Krottendill gleich/ doch etwas grösser/ feyster unnd sattgrüner. An den Gipffeln der Stengel und Nebenästlein kommen gegen den Meyen unnd im Brachmonat herfür die schöne liebliche menigfarbige Rösslein oder Blumen/ die sich der Blumen dess Hanenfuss in der Gröss vergleichen. Diss Kreutlein hat ein schweren Geruch/ doch lieblicher unnd anmühtiger dann der Krottendill. Der Geschmack ist scharpffechtig mit einer Truckne. Es wächst in vielen Orten Teutschlandts/ sonderlich aber im Wormbser unnd Altzeyer Gaw/ in den gebauwenen Feldern under dem Weitzen/ Korn unnd Speltz. Es wirdt aber auch von wegen seiner schönen unnd lieblichen Menigfarben Rösslein/ in den Gärten zum Lust gezielet.
Von dem Namen der Brunetrösslein
Es vermischen etliche die Brunetrösslein mit dem Feldtrösslein/ welches nicht einen geringen Jrrthumb
bringet/ sintemal diese Gewächs einander fast gleych seyn/ ist aber doch ein grosser Unterscheidt darunter/ der wol zu mercken
ist/ wie solches an seinem Ort von den Feldtrösslein weiter sol angezeiget werden. Die Kreutler nennen die Brunetrösslein
ADONUM/ ADONIDEM/ und ADONIDIS FLOREM der Poeten.
Weil dann aber die Brunetrösslein vor sich selbst wie andere Blumen sich öffnen unnd auch offen bleiben/ biss
sie von sich selbst auch wider abfallen/ setze ich nicht in ein geringen Zweiffel/ dass dieses Gewächs Geschlecht der Anemone
Rösslein seyn sol/ ohnangesehen/ dass viel hochgelehrter Männer sie vor ein ANEMONE halten/ unnd sie ADONIS FLOREM nennen/
welche nichts anders ist dann ANEMONE. Nun wol an ich wil mit diesen nicht viel streiten/ unnd unser Brunetrösslein/ jhr ANEMONE
lassen seyn/ aber sie werden mir auch nicht vor ungut haben/ dass ich diese schöne Blum auss dem THEOPHRASTO mit dem Namen FIAMMA
oder FIAMMULA tauffe/ von wegen seiner schönen Feuwerfarben/ wie diese Blum dann auch auff den heutigen Tag von vielen Feuwer
Rösslein genannt wirdt.
Von der Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Brunetrösslein
Die Brunet- oder Feuwer-Rösslein haben noch zu unser Zeit keinen Gebrauch in der Artzney/ werden allein zum
Lust von wegen jhrer Schönheit in den Gärten gezielet/ unnd zun Streusslein und Kräntzlein von den Jungfrauwen gebraucht. Sie
mögen doch mit der Zeit von Tag zu Tag wol in Brauch kommen/ dann sie haben eine Krafft zu erwärmen und zu trucknen/ im zweyten
Grad. Ein Schweissbad von dem Kraut gemacht treibet den Schweiss gewaltig/ und führet die böse kalte Feuchtigkeit auss.