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ACKER-VERGIßMEINNICHT
Myosotis arvensis - Boraginaceae
VON DEM BLAWEN MÄUßÖHRLEIN UND
BLAWEN AUGENTROST.
Das blauw Mäußöhrlein/ welchs da ist das rechte MURIS AURICULA DIOSCORIDIS, hat
ein kleines/ zasechtiges Würtzlein/ von welcher sechs oder sieben haarechtiger Stengel
auch mehr unnd weniger herfür wachsen/ die seyndt unden her ein wenig roth unnd
hol/ einer Spannen lang/ mit vielen schmalen unnd langechtigen/ wollechtigen oder
haarechtigen Blätlein besetzt/ Am obern Theil der Stengel gewinnt es viel kleiner/
blauwer Blümlein/ die kommen auß kleinen haarechtigen Häußlein/ ist eines trucknenden
Geschmacks/ es wächst hin unnd wider in den gebauwenen Feldern.
ll. Dieses Krauts
findet man noch ein ander Geschlecht/ das hat grössere unnd feystere Bletter/ die
seynd nicht haarechtig wie das vorige/ aber linder/ die Stengel werden nicht viel
uber Spannen hoch/ die fünffblättrige Blümlein seynd auch grösser von Farben hüpsch
unnd schön liechtblauw oder Himmelblauw/ fast lustig anzusehen/ den blümlein deß
blawen Gauchheyls ähnlich. Dieses Geweächs findet man in grosser menge in den Feuchten/
Graßechten Wälden/ deßgleichen an den Gräben/ unnd auff den feysten feuchten Matten
am gantzen Reinstromb/ deßgleichen auch in den Kraut- unnd Zwibelgärten uberflüssig.
Von den Namen
dieser Kreuter.
Das erste Geschlecht
dieser Kreuter ist das ware und rechte Mäußöhrlein DIOSCORIDIS, LIB.2.C.68. und
wird von jhme Lateinisch MYOSOTA, MYOSOTIS, MYOTUM unnd AURICULA MURIS genanndt.
Von den Kreutlern aber AURICULA MURIS DIOSCORIDIS, AURICULA MURIS COERULEA, zu dem
Underscheyd deß gemeinen Mäußöhrleins mit den geelen Blumen/ und auch PILOSELLA
COERULEA. Teutsch/ blauw Mäußöhrlein.
ll. Das zweyte
Geschlecht ist meines Erachtens von den Alten nicht beschrieben worden/ dann uns
noch keiner Description zu Hand kommen/ die sich zu diesem Kreutlein schicken wöllen.
Von den Kreutlern wird es Lateinisch/ EUFRASIA COERULEA, BET SYLVESTRIS, und BETA
PRATENSIS, genannt. Zu Teutsch/ blauwer Augentrost/ Wilder Mangoldt/ Wiesen Mangoldt/
unnd Graß Mangoldt.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft deß blawen Augentrosts.
Das blaw Mäußöhrlein
hat die Natur unnd Eygenschafft zu trucknen im zweyten Grad/ ohne einige empfindliche
Wärmbde/ und wird heutigs Tags sehr wenig in der Artzeney gebraucht. Der blaw Augentrost
aber ist temperierter Küle und Wärmbde/ wird heutiges Tages allein in der Küchen
gebraucht/ wie andere Muß oder Kochkreuter.
Jnnerlicher
Gebrauch deß blauwen Mäußöhrleins und blauwen Augentrosts.
Das blauw Mäußöhrleinskraut
ist im Frühling der ersten Kreuter eins/ die man mit dem Feldlattich/ Rösselnkraut
und den Rapuntzeln zun Saläten samblet/ wird auch vor sich selbst allein zu Saläten
gebraucht/ so bald der Schnee abgeht/ und ist fast anmütig zu essen. Sonst hat dieses
Kreutlein so viel uns bewust ist/ noch gar keinen Gebrauch in der Artzeney/ jnnerlich
zu nutzen/ gleich wie auch zun Zeiten DIOSCORIDIS unnd GALENI.
Der blauw Augentrost
wirdt gleichfalls zun Saläten genutzet/ ist auch mürber unnd lieblicher als das
vorig/ dieweil es feyster und Safftiger ist/ derowegen es nicht allein zu den Saläten/
sondern auch zu den Suppen unnd Müssern wie andere Kochkreuter gebrauchet wirdt/
so lang biß es anfahet zu blühen/ und gibt gute anmütige Suppen unnd Müßlein/ gleich
wie die Lämmerweyd oder Schafflattich.
Eusserlicher
Gebrauch deß blauwen Mäußöhrleins und blauwen Augentrosts.
Die Wurtzel deß
blauwen Mäußöhrleins getrucknet/ und zu einem reinen Pulver gestossen/ trucknet
die fliessende Geschwer der Augen/ so man es in die Winckel der Augen strewet.
Mäußöhrleinkraut
und Wurtzel mit einander gestossen/ ist gut zu dem Außgang deß Affters/ eusserlich
wie ein Pflaster darüber gelegt.
Der blauw Augentrost
gestossen und wie ein Pflaster uber die zugeschlossene Augen geleget/ miltert den
hitzigen Augenschmertzen und zeucht die Hitz heraus.
Der gemeine Bauwersmann
haltet vor gewiß auß langer Erfahrung/ so jemandt im Augstmonat seine Augen mit
dem Safft deß blauwen Augentrost bestreiche/ soll er das gantze jar vor allem Augenwehe
behütet und bewahret werden.
Den Safft dieses
Krauts in die Augen gethan/ schärpffet und erkläret das dunckel unnd finster Gesicht/
also daß der jenig so es täglich brauchet ein helles unnd scharpffes Gesicht uberkommet.