1 / 420-421
FLOCKENBLUME_A
Centaurea - compositae
siehe auch Flockenblume
VON DEN STEBENKRAEUTERN.
Der Stebenkräuter die von den Gelehrten zu unserer Zeit vor das rechte STOEBE
der Alten gehalten werden/ deren haben wir 2. Geschlecht.
I. Das erste Geschlecht hat eine lange weisse Wurtzel/ mit wenig Zaseln behenckt/ eines kleinen Fingers dick und bißweilen auch
dicker/ die untersten Blätter so von der Wurtzeln herauß wachsen/ sind der grossen Hispanischen Scabiosen/ oder den
Wegwartenblättern fast ähnlich/ die sind weich/ wollechtig und weißgläntzend/ die obersten Blätter aber an den Stengeln und
Nebenästlein sind viel kleiner/ schmäler und weniger zerschnitten/ und etwas spitzig und stechend. Die Stengel/ deren es zween
oder drey von der Wurtzel herfürkommen hat/ die sind rund/ einer Ellen hoch und auch bißweilen höher/ die haben viel
Nebenästlein/ auff welchen schüpechtige Häubtlein erscheinen/ wie die Häubtlein der Flockenblumen/ darauß wachsen schöne
purpurrohte/ flockechtige Blumen/ allerdings den Flockenblumen ähnlich. Wann diese vergehen/ folget der Saamen in weissen
Hülßlein verschlossen/ dem wilden Safftansaamen gleich/ außgenommen/ daß er viel kleiner ist/ wie der Saamen des vierdten
Geschlechts der Flockenblumen/ der Geschmack dieses Krauts ist bitter/ trucken und zusammenziehend. Es wächset an ungebauenen
Orten neben den Strassen/ an den Rechen und Enden der Aecker und WEingärten/ zwischen der Statt Worms und Franckenthal/ und auch
in mehr dergleichen Orten/ doch nicht allenthalben/ wird auch von etlichen in den Gärten gezielet.
II. Das zweyte Geschlecht/ hat Blätter die sind breit/ lang und in viel kleiner Blättlein tieff und
vielfältig zerspalten/ von Farben weiß und glantzend/ den Blättern der zweyten Flockenblumen ähnlich/ außgenommen/ daß sie
vollkommlicher sind/ ist sonst mit den Stengeln/ schüpechtigen/ glantzenden Köpfflein/ dem gemeldten Gewächs so gleich und
ähnlich/ daß man sie kaum von einander unterscheiden kann/ auußgenommen/ daß dieses durchauß vollkommenlicher ist/ und die
Stengel grösser und höher. Es wird dieses Gewächs in den Gärten gezielet vom Hispanischen Saamen.
Von den Namen der Stebenkräuter.
Es wird das Stebenkraut von dem DIOSCORIDE zu seiner Zeit/ als ein
bekandtes und gemeines Kraut gar nicht beschrieben/ dieweil aber diese Kräuter mit der Description THEOPHRASTI ziemlich überein
kommen/ wollen wir es auch mit andern Gelehrten von den Stebenkräutern nicht absönderen/ sondern es auch mit dem Namen STOEBA
der Alten tauffen. Das Stebenkraut wird von DIOSCORIDE und THEOPHRASTO, wie auch von GALENO Lateinisch/ STOEBE oder STAEBA, PHLEUM, PHLEO, und COYMBAS
genandt. Hochteutsch/ Stebenkraut.
I. Das erste Geschlecht dieses Krauts/ wird von den Kräutlern STOEBE MAJOR. [STOEBE MAJOR, FOLIIS CICHORACEIS,
MOLLIBUS, LANUGINOSIS, C. B. STOEBE SALMANTICA PRIOR, CLUS. HISP. & HIST. SALMANTICA PRIOR, LOB IC. HISPANICA, CAM.
APHYLLANTHES PRIMA, DOD. SCABIOSA SEU STOEBE SALMANTICA PRIOR, LUGD. STOEBE ARGENTEA MINOR, GER.] Hochteutsch/ groß Stebenkraut genandt.
II. Das zweyte Geschlecht wird von den Kräutlern STOEBE MINOR. [STOEBE CALYCULIS ARGENTEIS, C. B. STOEBE
SALMANTICA ALTER, CLUS. HISP. LUGD. TERTIA, CLUS. HIST. ARGENTEA SALMANTICA MINOR, LOB. ICON. APHYLLANTHES QUARTA DOD. PAPAVER
SPUMEUM, CAESALP.] Hochteutsch/ klein Stebenkraut
genandt.
Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft des Stebenkrauts.
Die Stebenkräuter/ und sonderlich aber das grösser und erste beschriebene Geschlecht/ hat eine Krafft zu
wärmen/ zusammen zu ziehen und hefftig zu trucknen/ dann wie GALENUS bezeuget/ hat es eine Krafft und Eigenschafft zu trucknen/
biß in den Anfang des dritten Grads.
Innerlicher Gebrauch des Stebenkrauts.
Die Blätter und den Saamen des Stebenkrauts gesotten/ und die abgesigene Brüh wie ein Clistier zu sich
genommen/ kommt zu Hülff der Rotenruhr/ wie solches DIOSCORIDES, GALENUS und PLINIUS bezeugen. Weitere Erfahrung haben wir nicht
von diesen Kräutern/ sintemal sie in dem Gebrauch der Artzney nicht bekandt sind/ oder auch genützet werden.
Eusserlicher Gebrauch der Stebenkräuter.
DIe gesottene Brühe von dem Stebenkraut und Saamen/ warm in die Ohren getrauffet/ ist gut wider die
schwärende und eiterende Ohren.
Stebenkraut frisch gestossen und wie ein Pflaster übergeleget/ heilet die Strichmasen der Augen/ und stopffet die Blutflüß.