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VON KOSTENHEYLWURTZ
Es kan dieses gegenwertig Kraut sich der Panaxwurtz gar nicht verleugnen/ und sonderlich dem zweyten Geschlecht hiebevor beschrieben/ mit welchem es ein Gleychheit und Gemeynschafft hat. Es hat ein ziemlich grosse Wurtzel Daumensdick Eschenfarb mit etlichen Nebenwürtzlein behenckt/ die hat eine dicke/ feyste Rinde/ eines bitteren Geschmacks/ unnd ziemlichen doch nicht unlieblichen Geruchs. Der Stengel ist knollechtig und Gleychechtig/ rund wie der Stengel deß Fenchels/ der ist fast zweyer Elen hoch. Die Bletter der zweyten Heylwurtz/ und ein wenig eyngeschrumpfft/ die liegend undenher auff der Erden. Oben am Gipffel desselbigen/ deßgleichen an den Nebenzweyaglein gewinnet es schöne/ runde Dolden oder Cronen/ die blühen geel/ darauff folget ein breyter langlechtiger Samen/ der stehet bloß. Dieses Gewächß unnd sonderlich seine Wurtzel/ ist erstlich auß Windischland under dem Namen der Kostenwurtz zu uns gebracht worden/ heutigs Tags aber kann man der genugsam auß Apulien von dem Berge GARGANO haben/ darauff sie ein grosser Mennige wächst. Bey uns wird sie in Teutschland in den Lustgärten gezielet: Sie wächst gern an denen Orten da die Sonn wol hinkommen kan/ in einem Erdreich das mittelmässig und nicht zu feyst ist.
Von den Namen der Kostenheylwurtz.
Die Wurtzel dieses Krauts wird heutiges Tages fälschlich vor den wahren COSTUM verkaufft/ unnd auch
von vielen darvor gehalten/ so er doch mit dem COSTO kein gemeinschafft hat/ sondern ist ein Geschlecht PANACIS, dannether wir jhm
den Namen geben. Von dem PANACE und COSTO, wie er dann PANACES COSTINUM von uns genannt wird/ unnd Kostenheylwurtz. Von den
Kreutlern und Simplicisten wird er COSTUM ILLYRICUM genannt/ und COSTUM ADULTERINUM.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Kostenheylwurtz.
Die Kostenheylwurtz hat eine Krafft zu erwärmen und zu trucknen/ wie das zweyte Geschlecht der
Heylwurtz/ unnd wird heutiges Tages nit allein die Wurtzeln dieses Gewächß/ sondern auch das Kraut und die Bletter in der
Artzeney gebraucht.
Gebrauch der Kostenheylwurtz.
Wiewol diese Heylwurtz ein newes und bißhero unbekantes gewächß gewesen/ dessen Tugend wenigen
bekant/ so ist es doch in kurtzen Jahren durch täglichen Gebrauch so weit kommen/ und zu nachvolgenden Kranckheyten heylsam zu
seyn/ durch die tägliche Erfahrung erlehrnet worden/ und mag man diese Wurtzel in Wasser oder Wein gesotten/ oder dieselbe zu
Pulver gestossen gebrauchen. Sie ist gut wider den Schwindel/ das langwirige Hauptwehe/ Schlaffsucht/ die grosse Kranckheyt oder
den fallenden Siechtagen/ Krampff/ Schlag und alle Gebrechen/ so von kalter Ursach jhren Ursprung haben.