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WOLFS-EISENHUT (GELBER STURMHUT)
Aconitum vulparia - Ranunculaceae
VON WOLFFSWURTZ
Es seynd der Wolffswurtz viel Geschlecht observiert worden. I. Das erste
Geschlecht auß der vorgestellten beschreibet DIOSCURIDES LIB. 4. cap. 73. daß es drey oder vier Blätter habe/ den Schweinsbrodt
oder den wilden Cucumernblättern ähnlich/ allein daß sie kleiner seyen/ auch rauch und härig/ [wie auch die Stiel daran sie
hangen/] der Stengel ist rauch und einer Spannen hoch: Die Wurtzel hat eine Gestalt wie ein Scorpionenschwantz/ und glitzet wie
ein Alabaster. MATTHIOLUS saget, sie seye weiß/ ziemlich lang und dick.
II. Das ander Geschlecht/ ist dem ersten mit seiner Wurtzel bey nahe gleich/ allein daß auß den Seiten dieser
Wurtzel/ zwo andere Wurtzel herauß wachsen/ wie zween Arm anzusehen. Sie ist weiß/ glitzend und mit vielen Gleichen abgetheilet/
unden auß einem Sorpionenschwantz gleich: die Blätter seyn den vorigen etwas verwandt/ allein daß sie mehr rund sind/ und nicht
so gar rauch: Der Stengel ist ein wenig rauch/ und gestreimet/ an welchen zwo oder drey goldgelbe Blumen wachsen/ mit kleinen
Blättlein rings umher besetzet/ den Blumen des DORONICI fast gleich.
III. Das dritte Geschlecht ist den vorigen auch gleich/ seine Wurtzel vergleichet sich durchauß einem
Scorpionen/ die Blätter seyn gleich dem Schweinsbrodt/ oder Erdäpffeln: An den Faseln der Wurtzel seyn dicke Knollen/ gleichwie
an dem Rechgroß/ welche sich wiederum weiter außbreiten in andere Knollen/ auß welchen andere Stengel und Blätter herfur
wachsen/ so dem andern GEschlecht etwas ähnlich seyn: Seine Blume ist goldgelb/ gleich wie die Goldblume/ CHRYSANTHEMUM genennet.
IV. Die vierdte Wolfswurtz/ so da ist ACONITUM MATTHIOLI II. hat Blätter dem Ahorn gleich/ außgenommen daß
sie mehr und tieffer zerkerffet sind/ und auch schwärtzer/ sein Stengel vergleicht sich dem Garen/ glatt und Ellen hoch/
bißweilen auch höher/ bringt seinen Saamen in langen Schotten. MATTHIOLUS schreibet/ daß es oben an den Stengeln bleichgelbe
spitzige Hütlein trage/ darauß schwartzer ecketer Saamen werde/ [in unterschiedlichen Schotten verschlossen.] Die Schotten
vergleichen sich dem Agleyschelffen/ seyen jedoch kleiner. Die Wurtzel ist schwartz und zasecht.
V. Das fünffte ACONITUM ist dem vierten an Blättern und Stengeln vast gleich/ seine Wurtzel ist dicker/
zasecht/ neben den Blättern auß den Gleichen hat es kleine Stielen wachsen/ an welchen seine Blumen erscheinen/ gleich wie
Rosen/ mit fünff runden breiten Blättern rings umher besetzt.
VI. Das sechste ACONITUM hat ein Wurtzel den vorigen bey nahe gleich/ allein daß sie mit mehr Faseln behafftet
und auch schwärtzer ist/ die Blätter sind des Hanenfüßblättern verwandt/ doch rauch und viel grösser/ mit weissen Mackeln
besprenget: An den runden Stengeln erscheinen feine gelbe Blümlein/ vast wie ein Rose anzusehen.
VII. Das siebende ist mit Blätteren und Wurtzeln den vorigen auch gleich/ hat einen feißten gestreiften
Stengel/ mit purpurbraunen Blumen besetzet/ den Rittersporen etwas gleich.
Das letzte ACONITUM überkomt in der erste ein kleine/ dicke/ zwiebelechte Wurtzel/ gleichwie die FUMARIA PLINII, welche sich mit
der Zeit in etliche Knollen zertheilet/ welche gleich als zusammen gewachsen seyn. Die Blätter werden schwartzlecht/ dem grossen
Storckenschnabel vast gleich: Der Stengel ist dünn und rund/ zweyer Schuh hoch/ an welchen goldgelbe oder auch bleichgelbe Blumen
erscheinen/ wie an dem Leinkraut/ nach welchen ein ecketer Saame in den Schöttlein erfolget.
Von andern Geschlechtern der aconitorum vielmehr/ kan man lesen MATTHIOLUM in seinem COMMENT. in diosc.
deßgleichen auch C. Clusium, lobelium, und andere mehr.
Das erste Geschlecht wird auf kahlen hohen Gebürgen funden/ an schattigen Orten/ unter den Felsen und
Steinklüfften.
Die andere mit ist den zerkerften Blättern/ werden im Feld fünden/ und in den Gärten gepflantzet/ zum Theil auch in tieffen
Thälern. Sie blühen im Junio und Julio.
Von den Namen.
Das erste Geschlecht der Wolfswurtz wird
Lateinisch
genennet ACONITUM.
Die ander Geschlecht werden genennet ACONITA LYCOCOTONA ,
oder CYNOCTONA, das ist/ Hundsgifft oder Hundstod: Item LUPARIA, dieweil die
Wölff und Hunde von diesem Kraut sterben.
Von der Natur/ Krafft und Eigenschafft der Wolfswurtz.
Von dem ersten Geschlecht/ so ACONITUM PARDALIANCHES genennet wird/ schreibt GALENUS, daß es ein gifftiges und
tödliches Kraut seye/ welches jederman in Speiß und Tranck meiden soll/ welches auch PLINIUS bezeuget/ und vermeldet auch
darneben/ wann jemand solches Kraut einnemme/ der Gifft geessen hatte/ so jage es das Gift aus/ und töde den Menschen nicht: Da
es aber kein Gift bey dem Menschen antreffe/ so bringe es denselbigen um das Leben/ und setzet darbey: MIRUM ESSE QUOD DUO VENENA,
QUAE AMBO EXITIALIA SUNT, IN HOMINE COMMORIANTUR, UT HOMO SUPERSIT.
So viel die andere Geschlecht belangt/ seyn
sie auch gar gifftige Kräuter/ und keines wegs in Leib zu gebrauchen/ dann es schreibet GALENUS, daß es auch die Wölffe tödte.
[Man dörret und stost die Wurtzel zu Pulver/ mischets mit Fleisch/ das streuet man in Wälden/ so alsdann die Wölffe/ Füchs und
Hunde darvon essen/ so müssen sie sterben.]