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WIESEN-KÜMMEL
VON DEM WEISS ODER MATTKÜMMEL
Der Weisskümmel oder Weisenkümmel/ hat eine lange/ schlechte und glatte Wurtzel/ wie Pastenach/ inwendig gar holtzechtig. Der Geschmack vergleichet sich etlicher massen der Bibernellen/ doch viel milter und nicht so scharff. Das Kraut oder Bletter seindt der geelen oder roten Pestenach Bletter ähnlich. Die Stengel seindt rundt/ knöpffechtig mit Gleichlein/ inwendig hol/ auff die anderthalb Elen lang/ wie wol sie auch zwoer elen lang gefunden werden/ sonderlich wo er feysten Grundt erlanget. Oben an dem Stengel und Nebenästlein desselbigen gewinnet er schöne Kronen/ die blühen weiss wie der Körbel/ die kommen erst im andern Jahr nach dem der Samen ist auffgangen. Jm Brachmonat wann die Blümlein abfallen/ folget der Samen hernach der ist rundt/ langlecht unnd grauwfarb/ eines scharpffen guten Würtzgeruchs. So der Samen zeitig wirdt und abfelt so verdirbet das Kraut/ Stengel und wurtzel miteinander/ erjünget sich also Jährlich vom aussgefallenen Samen wider. Er wächset auff den dürren Wiesen/ die in der Höhe liegen/ in starckem Erdtreich/ als im Schwartzwald/ im Schweitzerland/ im Neckerthal/ im Sarthal/ und auch in dem Wormbser unnd Altzheymer Gauwe. Etliche pflantzen auch in die Gärten/ so wird der viel grösser und bequemer zur Speiss/ wie die Pestenach/ den soll man im Meyen in guten reinen und wolgedingten Grund säen/ gegen dem Auffgang der Sonnen gelegen/ under andere Küchenkreuter/ dann also wächst er viel besser.
Von dem Namen dess Mattkümmels
Der Wiess oder Mattkümmel heisset Lateinisch/ CARUM, CAREUM, CARIUM, und CAROUM. Bey den Kreutlern
und Simplicisten/ CARNABUM oder CARNABADIUM SIMEONIS SIMEONIS SETHY SEU ACTUARII, zum underscheid dess Pfefferkümmels/ welcher
bey dem NICOLAO MYREPSO CARNABADIS oder CARNABADIUM genant wird/ Also das CARNABADIUM NICOLAI ist Pfefferkümmel/ und CARNABUM
oder CARNABADIUM SIMONIS SETHY und ACTUARII, ist Matt- oder Wiesskümmel/ welches man in Lesung der gemelten Authorn fleissig in
achtung haben soll. Bey dem ATHENAEO LIB.9.DIPNOSOPHISTARUM wird der Wiesskümmel PASTINACA MAJOR genannt/ so doch PASTINACA bey
dem GALENO, DIOSCORIDI, wie auch bey allen Alten und newen Artzten ein ander Gewächs ist/ darvon in seinem Orth besonders wird
gehandelt werden. Die gemeinen MEDICI und Apotecker nennen den Wiesskümmel INDECLINABILITER CARUM, etliche aber CAREO SEMEN, zu
underscheid dess gantzen Krauts/ dass sie CARUM nennen.
Hochteutsch/ Feldkümich/ Wiesenkümmel und Mattkümmel/ dieweil er in grassechtigen Feldern/ und sonderlich in
den Matten oder Wiesen hin und wider wächst. Er wird auch Wegkümmel genant/ dieweil er auch bissweilen neben den Strassen/ an
den grassechtigen Wegen gefunden wird. Andere und auch mehrentheil unserer Teutschen/ sonderlich aber die Haussmütter und Köch/
nennen diesen Kümmel Fischkümmel und Speisskümmel/ dieweil sie den fast in aller Speiss/ und sonderlich aber im Fischsieden
gemeiniglich gebrauchen.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Mattkümmels
Der Mattkümmel hat ein Eygenschafft unnd Krafft zu stärcken und zu erwärmen/ den zähen Schleim
dünn zu machen/ die jnnerliche Verstopffung zu eröffnen/ die Wind und Bläst zu zertheilen. Jst warm und trucken im dritten
Grad/ wird derowegen beyde jnnerlich und eusserlich in der Artzeney und Küchen heylsamlich genützt.
Jnnerlicher Gebrauch dess Mattkümmels
Es ist der Mattkümmel fast in allen Nationen EUROPAE, sonderlich aber in unserm Teutschland mehr
gebräuchlicher/ ja auch fast nützlicher in seiner Acht/ als einige Specerey oder Gewürtz/ so man auss Arabien oder Jndien zu
uns bringet. Etliche backen denselbigen mit dem Brod/ andere kochen den in den Suppen bey den Erbsen/ Hammlfleisch und andern
Speisen. Die Köch bedörffen dessen in der Küchen zu Fischen und Fleisch/ unnd ist warlich der Kümmel ein edel unnd nützlich
Condiment zu den Fischen/ jhnen die ubrige Feucht zu attemperiren/ unnd deren Schädlichkeit zu benemmen/ derowegen die
Haussmütter und Köch wol daran thun/ dass sie die Fisch und Krebs mit dem Mattkümmel absieden/ kommen dessen nicht allein
näher zu mit geringerem Kosten/ sondern ist auch viel gesünder/ dann die falsche gestossen Würtz/ die man jetzunder auch in
Reichsstätten/ mit vielen Centnern und in grosser Menig machet.
Er erwärmet und stärcket den Magen/ die Leber/ Miltz unnd alles Eyngeweid/ Vertreibet das Keichen und
Engigkeit der Brust/ so vom bösen Wetter unnd Dämpffen in den Bergwercken/ oder anderswoher verursacht werden. Er zertheilet die
Bläst im Leib die ubersich steygen/ stillet das Krimmen im Leib/ vertreibet die Harnwinde/ benimmet den Schwindel/ stärcket das
blöde Hirn/ und macht es widerumb gesund. Ferner stärcket der Wiesskümmel die Däuwung/ macht die Speiss bald abdäuwung/
bringet lust zum Essen/ vertreibet die Winde und Geschwulst dess Magens unnd Gedärms/ macht ein wolriechenden Mund/ unnd dienet
wider die Unfruchtbarkeit der Weiber/ so von zu viel Feuchtigkeit jhren Ursprung hat. Es dienet auch wider die auffblähung dess
Miltzes unnd der Mutter vor sich selbst/ oder aber in der Speiss genützt.
Jn den Salsen gebraucht/ erwecket die Begierd zur Speiss/ und bringet wider den verlornen Appetit. Es ist ein
heylsame Artzeney den Alten betagten Leuten/ so der täglich in der Speiss genützt wird.
Mattkümmel mit dem Brod Teyg eingerührt/ und gebacken/ ist nicht allein anmütig zu essen/ sondern auch
nütz/ denen so mit der windigen Wassersucht und allen oberzehlten Kranckheiten beladen seynd.
Mattkümmel gepülvert/ unnd ein quintlein mit Wein getruncken/ vertreibt das auffstossen dess Magens und den
Klux. Jn allen Speisen genützet/ thut unnd wircket er dessgleichen. Dienet wider die gebrechen der Nieren/ treibet auss den
Stein/ Sand und Griess/ und eröffnet die verstopffung der Nieren und Blasen.
Ein gut Pulver vor den Stein/ mach also: Nimb Wiesskümmel anderthalb Loth/ Bibernellenwurtzel/ bereit
Bocksblut/ gebrant Hasenfell/ jedes ein Loth/ Peterleinsamen/ Pfrimmensamen/ jedes ein halb Loth/ weissen Zucker sechsthalb Loth:
Mach aus allen obgemelten Stücken ein rein Pulver/ unnd behalts in einem beschlossenen Büchsslein. Wann es nun die Notturfft
erfordert/ so gib einem der den Stein hat/ ein halb Loth von diesem Pulver mit sechs Loth gutem weissem fürnem Wein/ unnd ein
Loth gedistillirt Rettichwasser zertrieben/ warm zu trincken/ das legt den grossen Schmertzen und Wehthumb dess Steins/ unnd
treibet denselben auch gewaltiglich auss.
Wiesskümmel in weissen Wein gesotten/ und von der durchgesigenen Brühen dess Morgens und Abends jedesmal ein
gemein Tischbecherlein voll warm getruncken/ ist den jenigen eine gut heylsame Artzeney/ die die Speiss nicht bey jhnen behalten
können/ reiniget den weibern die Mutter/ und fürdert die Monatliche reinigung. Es hat auch Krafft/ die blöde/ erkalte Leber zu
erwärmen/ derselbigen verstopffung/ wie auch der Nieren und Blasen zu eröffnen/ und sie von allem Schleim und anderm Unrath zu
reinigen. Dienet wider die Harnwinde und das Tröpfling Harnen: erwärmet auch die erkalte Mutter/ die mit Winden und Blästen
beladen ist.
Welcher Mensch den Schwindel hat/ der nemme Mattkümmel/ und beytze den drey Tag in gutem starckem Weinessig/
darnach lass er jhnen widerumb trucknen werden/ und nemme darvon allen Abend/ wann er zu Beth gehen will/ ein halbs Löffelein
voll/ und käuwe den lang im Mund/ also dass er im käuwen dz Haupt von seinem Geruch möge gestärckt werden/ darnach schluck er
den hinab/ und schlaff darauff eyn/ und wiewol es eine geringe Kunst scheinet zu seyn/ so ists doch nützlich zum offtermal
bewehrt worden.
Ein guter Tranck zur fürderung der Monatblum: Nimb Wiesskümelkraut zwo Handvoll/ Beyfusskraut anderthalb
Handvoll/ Pfefferkraut eine Handvoll/ Haselwurtzkraut und Wurtzel mit einander ein halb Handvoll. Diese Stück schneide klein/
thue sie in eine Kannten/ schütte darüber anderthalb Elsasser Mass frisch Brunnenwasser/ darnach verkleibe den Ranfft der
Kannten wol mit einem Teyg/ setze die darnach in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse es also vier Stunden nach einander in
stätem Sud sieden/ darnach thu die Kannten herauss/ seihe es durch ein Tuch/ und gib einer bresthafften Jungfrawen oder Frawen/
denen der Monatblumen verstanden ist/ dess Morgens nüchtern ein Becherlein voll warm zu trincken/ und auch eins dess Abends/ wann
sie zu Beth gehen will/ und treibs ein Tag etliche nach einander an/ biss der Tranck gar getruncken/ es hilfft.
Zu dem erharten knollechtigen Miltz: Nimb der Wurtzeln von Wiesskümmel ein halb Loth/ Wiesskümmelsamen/
Zaunrüben oder Stickwurtz/ Rötwurtzeln/ dess GUMMI AMMONICI, jedes anderthalb quintlein. Diese Stück mache zu einem reinen
subtilen Pulver/ schlags durch ein härin Sieblein/ von diesem Pulver gib dem Miltzsüchtigen dess Morgens nüchtern jederweiln
auff einmal ein quintlein mit halb Essig und halb Wasser zu trincken/ es hilfft und bewahret/ dass die Erhartung nicht weiter
uberhand nimbt.
Vor das schmertzlich Krimmen und Reissen im Leib: Nimm acht Loth Wiesskümmel groblecht zerstossen/ thu darzu
gut und zeitig Baumölen sechzehen Untz/ guten fürnen Wein acht Untz. Lasse diese Stück sittiglich mit einander sieden/ in einem
doppelen Geschirr/ so lange biss dass der Wein sich verzehret/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und thue das durchgesigene Oele
warm durch ein Clistierzeug zu dem Krancken/ und lass es jhnen zum wenigsten ein par Stunden bey jhm behalten. Das magstu einmal
oder etliche thun/ dann es ist ein Experiment.
Eusserlicher Gebrauch dess Wiesskümmels
Wiesskümmel mit gleichem theil Lorbeeren groblecht zerstossen/ in ein Leinen Säcklein eingeriegen/
dass es nicht zusammen lauffet/ darnach auff einem heissen Zigelstein mit Wein besprenget/ gewärmet/ und also warm auff die
Scheytel dess Haupts gelegt/ als warm es zu leiden ist/ stillet den kalten Hauptfluss.
Vor den Schmertzen der Lungen ein löbliche Artzeney: Nimb Wiesskümmel sechs Loth/ Anisssamen/ Wermuthkraut/
jedes vier Loth. Stosse diese Stück zu einem reinen Pulver/ und thue darzu sechs Loth Brossem von einem weiss Brod/
unverscheumpten Honig acht Loth/ Terpentin vier Loth. Diese Stück alle lasse sieden in genugsamem weissem Wein/ so lange biss der
Wein schier eingeseudet. Mache darauss ein Pflaster/ das streich auff ein Tuch/ unnd legs dem Krancken so warm ausswendig/ so wol
hinden als da vornen auff die Lunge/ als warm es zu leiden ist/ das stillet den Schmertzen in kurtzer zeit/ und soll mans dess
Tages zweymal uberlegen/ und das allwegen erfrischen. Dienet auch wider die Schmertzen der Brust und Seiten/ und hilfft dem
Keichen unnd schweren Athem.
Wiesskümmel gepülvert/ und mit dem gesistillirten Wasser von Eychöpffeln temperirt wie ein Pflaster/
hangenden Brüst der weiber/ auff ein Tuch gestriechen und ubergelegt/ macht sie wider fest und geschlacht.
Wiesskümmelkraut mit den stengeln wol gesotten/ vertreibt das zittern der Glieder/ dieselben darmit gebadet
und wol gebähet/ auch offtermals darmit gewäschen.
Wiesskümmel in zwey theil Baumölens gesotten/ und in einem theil weissen Wein/ biss der wein sich verzehret/
darnach den Magen mit dem Oelen gesalbet/ und warme Tücher daruber gelegt/ stillet und vertreibet das Magenwehe. Oder
Fischkümmel in ein Säcklein eingeriegen/ darnach in halb Oelen unnd Wein sieden lassen/ folgends mit zweyen Tellern
aussgetruckt/ und warm also auff den Magen gelegt/ hilfft sehr wol. Dienet auch wider den Schmertzen der Blasen/ vom Stein oder
andern Ursachen herkommend/ und fürdert den verstandenen Harn. Oder nimb Wiesskümmelkraut zwo Handvoll/ Römischen Wermuth/
Chamillenblumen/ Steinklee/ Kraussmüntz/ Ackermüntz/ zamer Poley/ jedes ein Handvoll/ Wiesskümmel/ Foenigreck/ Leinsamen/ alle
ein wenig groblechtig zerstossen/ jedes eine Handvoll. Rote Rosen/ Jndisch Spicanarden/ Camelenhew/ wild Pastenachsamen/
Anissamen/ Fenchelsamen/ Dillsamen/ jedes ein halbes Händlein voll/ Galgan/ Zitwan/ jedes ein halb Loth/ alles klein gestossen/
unnd ein wenig groblecht gestossen Nägelein/ Muschatnüss/ Muschatenblüth/ jedes ein quintlein/ auch ein wenig klein gestossen.
Die obgemelte Kreuter soll man klein schneiden/ darnach mit allen andern Stücken vermischen/ folgends in zwey Leinen Säcklein
die gross genug seynd/ einreihen mit einem Faden/ dass die gemelten Stück nicht zusammen lauffen. Diese Säcklein soll man
darnach in halb Wasser unnd gutem fürnenem Wein sieden/ folgends je eines nach dem andern gebrauchen/ doch zuvor mit zweyen
Tellern hart ausstrucken/ und darnach uber den Magen warm legen. Wann eins kalt wird/ soll man das ander aufflegen/ und also je
eines umb das andere abwechseln/ unnd allwegen wider in der obgemelten Brühen wärmen. So aber die Brühen wollte abgehen/ soll
man allwegen wider Wein und Wasser zugiessen. Diese Säcklein seynd ein uberauss fürtreffentliche Artzeney/ in allen
Schmertzendess Magens.
Wiesskümmel in ein Säcklein gethan/ mit einem Faden geriegen/ in Wein gesotten/ darnach aussgetruckt/ ist
eine heylsame Artzeney wider den Schmertzen der Nieren und Lenden/ so warm es zu leiden ist/ ubergelegt. So man ein wenig Baumöls
zu dem Wein thut/ stillet es den Schmertzen desto eher.
So einem Menschen der Harn verstanden were/ also dass einer gar nicht harnen könde/ der nemme ein newen
Zigelstein/ der noch nicht genetzet worden seye/ und mach denselbigen glüendig heiss/ unnd seude Wiesskümmel in gutem altem
Wein/ darnach schütte den Wein mit dem Wiesskümmel auff den glüenden Ziegelstein/ unnd sitze darüber wol bedeckt/ dass der
Dampff zu dir gehen mag/ so wird dir der Harn bald wider kommen.
Vor das gerunnen Blut vom Schlagen/ Stossen oder Fallen verursacht/ soll man gepülverten Wiesenkümmel von
stundan warm uber den Schaden binden/ und je bälder es nach dem Schlagen oder Fallen geschicht/ je eher es hilffet.
Vor das Krimmen und Schmertzen in Därmen: Nimb Wiesskümmelkraut drey guter Handvoll/ Rossmarein/
Chamillenblumen/ dess edlen Steinklees/ Poleyenkraut/ Römischen Wermuth/ Dosten oder Wolgemuth/ Rauthen/ jedes ii. Handvoll/
Wiesskümmel/ Aniss/ Fenchelsamen/ Dillkraut oder Samen/ jedes ein Handvoll/ Eybischwurtzel zerquetscht/ Leinsamen/ Foenigreck/
jedes ein halbes Händlein voll/ alle ein wenig groblecht gestossen. Die Kreuter soll man zerschneiden/ darnach mit den andern
Stücken wol vermischen/ in zween Säck die gross genug seynd/ mit einem Faden einreihen/ dass sie nicht zusammenlauffen: Folgends
soll man die in halb Wein unnd Wasser sieden/ darnach widerumb ausstrucken/ und soll je einen umb den andern so warm es zu leiden
ist/ uber den Bauch und schmertzhafftig Ort legen/ wird der Schmertzen sich bald zertheilen und stillen. So dir von der Brühen
abgehen will/ so füll wider Wasser und Wein zu/ so viel von nöten ist.
Ein Schweissbad von dem Wiesskümmelstrow/ das ist/ von dem gantzen Kraut/ mit Wurtzeln und Stengel/ wann der
Samen abgefallen ist/ gemacht/ und darinn trucken gebadet/ treibt den Schweiss gewaltig/ und dienet also offtermals genützt/
wider die Wassersucht.
Ein Säcklein mit Wiesskümmel gefüllt und geriehen/ darnach ein Chamillenölen gewärmet/ und wider
aussgetruckt/ vertreibt die Mutterkrimmen/ wie auch die Nachwehen im Kindbeth/ warm ubergelegt.
Wider den Aussgang der Mutter/ soll man Wiesskümmel auff glüende Kolen werffen/ ein Rauch darvon machen/ unnd
denselben durch ein bequem Jnstrument in die Mutter empfahen.
Wiesskümmel klein gestossen/ durch ein Sieblein geschlagen/ und mit gutem Weinessig zu einem Sälblein
temperirt/ heylet den Grind dess gantzen Leibs gewaltig/ die geschädigten Orth dess Tages zweymal wol darmit gesalbet/ und
angestrichen.
Die feuchten und schmertzhafftige verwunde Feigblatern zu heylen: So nimb Wiesskümmel/ feuchte denselben wol
mit Wein an/ darnach wirff denselben auff einen heissen Ziegelstein/ empfahe den Dampff durch ein heimlich Gemachstuel von unden
auff/ das legt den Schmertzen/ unnd trucknet den Fluss wunderbarlich und heylet.
Wann die Rossz rinnende und fliessende Augen haben: Nimm Wiesskümmelsamen/ Weinrauthen/ Gundelreb/ alles
auffgetrucknet und gedörret: Stoss diese Stück zu einem groblechten Pulver/ thue darzu so viel frischer Eyerdotter/ so viel du
vermeynest genug zu haben/ dass es ein Teyg geben mag/ arbeits im Mörserstein wol durch einander/ darnach thue es in ein
unverglasurten Hafen/ den verlutir allenthalben wol/ dass er Fewer halten möge/ darnach setze jhnen in ein Haffners Ofen/ lass
den darinn stehen/ biss der Hafen gebrend seynd/ darnach thu den Hafen auff/ nimb die Materi herauss/ mach ein rein Pulver
darauss/ schlags durch ein Härin Sieblein/ unnd behalts zum Gebrauch. Wann du nun einem Rossz helffen wilt/ so blase jhm dess
Tags zweymal von diesem Pulver in die Augen/ das beharrz biss sich der Fluss gestillt unnd aussgetrücknet hat.
Kümmelzucker
Die Apotecker pflegen den Wiesskümmel mit Zucker zu uberziehen/ den braucht man aber nicht allein zur
Gesundheit/ sondern den mehrentheil zun Bancketen unnd Schlafftrüncken. Die Medici vermischen den mit Hauptpulver und
Magenpulver/ Wiewol er auch allein gebrauchet/ zu vielen Leibs Gebrechen dienlich ist.
Er dienet wol dem erkalten Hirn und Haupt/ dem blöden Gehör/ raumpt die Brust/ und vertreibt dz Keichen/
hilfft dem Husten von kalten Flüssen verursacht: Er mehret den säugenden Weibern die Milch/ zertheilet die windigen Bläst der
Mutter/ legt den Schmertzen der Lenden/ erwärmet den kalten Magen/ und dienet wider die Blödigkeit desselben/ hilfft der
Däuwung/ wehret dem Auffblehen und Krimmen/ dann er zertheilet die Wind/ derowegen ist er denen fast dienlich/ die mit der
windigen Wassersucht beladen seynd/ und stätig Krimmen haben auss Winden. Er dient auch wider alle Gebrechen der Nieren/ dann sie
führen auss Griess und Sand/ und verhüten den Stein. Er ist fast nütz den Weibspersonen/ die nicht genugsam gereiniget werden:
Hilfft die Fisch/ kalte Speisen und Frücht abdäuwen: Er eröffnet alle Verstopffung/ treibt den Harn/ und stillet das Bauchwehe.
Wiesskümmelwasser
Es wird der Wiesskümmel selten distillirt/ und ist sein Wasser in der Apotecken gar nicht im Gebrauch/ ohnangesehen/ dass es ein heylsames Wasser ist/ derowegen ich mir es auch hab in Brauch zu bringen/ vor vielen Jahren belieben lassen. Die beste Zeit aber seiner distillierung ist/ wann die Blümlein anfahen zum Samen zu stossen/ die öbersten Kronen mit allen Blettern und der Wurtzel klein gehackt/ darnach sänfftiglich in BALNEO MARIAE abgezogen/ folgends gerectificirt.
Jnnerlicher Gebrauch dess Wiesskümmelwassers
Es dienet das gedistillirt Wasser vom Wiesskümmel obgemelter massen abgezogen/ wider dz auffblehen dess
Miltzs/ reiniget die Nieren unnd Blasen/ treibet fort die verstandene Monatblum/ und reiniget die Kindbetterin nach der Geburt.
Morgens und Abends/ jedesmal vier oder fünff Loth auff einmal getruncken.
Eingemacht Wiesskümmelwurtzel
Man pfleget auch heutiges Tags die Wurtzel von dem Wiesskümmel ehe der Stengel zur Blumen stösset/ dieweil
die Wurtzel noch mürb unnd jung ist/ mit Zucker einzumachen/ unnd uber Jahr zu mancherley Leibs Gebresten zu behalten: Die soll
aber allerdings künstlich eingemacht werden/ wie man die Bibernellen und Wegwartwurtzeln einzumachen pflegt/ darvon du dann
genugsam bericht an den gemeldten Orten finden wirst.
Die Armen die mögen diese Wurtzel wie folget mit Honig einmachen: Nimb der jungen mürben Wiesskümmelwurtzel/
so viel du wilt/ wäsche dieselbigen unnd reinige sie fein sauber/ schneide sie darnach in zwey oder drey gleiche Theil eines
Fingers lang/ unnd lass sie ein wenig in Wasser sittiglich sieden/ darnach thu dreymal so viel Honig darzu/ dz wol verscheumpt
sey/ als der Wurtzeln seyndt/ lass sittiglich ferner wie ein Syrup einsieden/ und behalte sie in einem steinernen Hafen zum
gebrauch.
Ein andere weiss mit geringerem Kosten diese Wurtzeln einzumachen: Nimb der Wurtzeln nach deinem gefallen/
seuber die wohl und zerschneide sie/ wie gemeldt/ zu Stücken/ nach dem du sie gross oder klein haben wilt: Thu sie in ein sauber
Geschirr/ schütte Wasser darüber/ lass sie sittiglich sieden biss sie ein wenig weich werden/ doch nicht zu viel/ leg sie
darnach auff ein sauber Leinin Tuch biss sie wol trucken werden/ als dann thue sie in ein steinen Krug/ unnd geuss ein frischen
gesottenen Most zum drittentheil eingesotten darüber/ dz er uber die Wurtzeln gehe/ lass also drey oder vier Tag stehen/ darnach
thue die Brühe von den Wurtzeln/ die von dem Safft unnd Wasser der Wurtzeln die sie noch in sich gehabt/ etwas dünner worden
ist/ dieselbig lass widerumb sittiglich zu rechter dicke/ als dann schütte sie widerumb uber die Wurtzeln und bewars zum
gebrauch. Also mag man allerhand Wurtzeln vor Reiche und Armen zum gebrauch der Artzeney einmachen$unnd in Steinen Sieburger
Häfen uber Jahr behalten.
Die eingemacht Wiesskümmelwurtzel dess Morgens nüchtern gessen/ bekompt wol dem blöden kalten Magen/
stärcket denselbigen/ fürdert die Däuwung/ ist denen nützlich die stätig mit Lendenwehe beladen seind/ und dient fast zu
allen obgemelden Kranckheiten/ wie die vom Samen erzehlet seindt. Man vermischt auch diese Wurtzel mit andern Latwergen und
Conserven/ zu vielerley dess Leibs Kranckheiten. Es wirdt aber heutiges Tags diese eingemachte Wurtzel mehr zum Bancketen/
Schlafftrüncken und Uberfluss gebraucht.
Wiesskümmelwurtzel Conservenzucker
Auss der Wurtzel dess Wiesskümmels macht man auch ein nützlichen Conserven zucker: Nimb der Wurtzeln
sauber gewäschen/ wol geseubert/ unnd zu dünnen Scheublein geschnitten ein Pfundt/ thue die in ein saubers Kesslein/ schütt
Wasser darüber so viel genug ist/ lass sittiglich auff einem Kolfeuwerlein sieden/ biss das wasser schier gar eingesotten/
darnach stoss wol mit einem Hültzenen Stösser/ in einem Steininen Mörselstein/ biss die Wurtzeln gar weich werden unnd
zertrieben wie ein Brey/ die streich darnach durch ein härin Sieblein oder Tuch/ thue ferner darzu zwey pfund guten Feinzucker/
lass wider sittiglich sieden zu bequemer dicke einer Latwergen/ die bewar darnach in einem Steininen Geschirr oder Zuckerglass
uber Jahr. Die Armen mögen an statt dess Zuckers drey theil verscheumpt Honig nehmen.
Der Conservenzucker ist sonderlich dienlich vor den Husten zertheilet und löset ab den zähen und groben
Schleim/ eröffnet die verstopffung der Brust/ dient wider das Keichen/ reinigt die Lung/ unnd macht wol ausswerffen. Es mag auch
zu allen anderen Kranckheiten/ wie von den wurtzeln meldung geschehen/ nützlich gebraucht werden. Unnd ligt nicht daran/ es werde
dieses Conserva mit Zucker oder mit Honig gemacht/ unnd ist in kalten Gebrechen der Brust und Lungen besser/ so es mit Honig
gemacht wirdt.
Wiesskümmel Wein
Es hat weder DIOSCORIDIS, oder andere alte Lehrer dess Wiesskümmelweins gedacht/ wiewol es fast ein
gesunder Wein ist/ derwegen er auch zu unser zeit von etlichen Aertzten bereitet wird. Es ist aber kein besser weiss denselben zu
bereiten/ dann wie wir die von dem Römischenkümmel angezeigt haben.
Der Wiesskümmelwein raumpt die Brust unnd Lungen/ vertreibt das Keichen und den Husten/ zertheilt und
vertreibet die windigen Bläst dess Magens/ der Därm/ unnd Mutter/ und dient wider alle Blödigkeit dess kalten Magens/ hilfft
der Däuwung/ wehret dem auffblähen/ und verhütet das Krimmen unnd Därmgegicht. Er dienet denen so mit der windigen Wassersucht
beladen seyndt. Er dienet auch wider den schmertzen der Nieren/ unnd Lenden/ eröffnet die Verstopffung der Harngänge/ führet
auss Sandt unnd Griess. Er hilfft den Weibspersohnen die nicht genugsam gereiniget werden/ unnd die Kindbetterinnen/ unnd
verhütet vor den Mutterkrimmen und nachwehen.
Andere machen den Wiesskümmel also wie filgt/ und brauchen den vor den Stein/ unnd ist in der Warheit ein
bewehrter Tranck denselben ausszuführen/ dann es ein edler Steinwein ist: Nimb dess gedörrten Wiesskümmelkrauts wann es anfahen
will zum Samen zu stossen/ mit den stengeln/ Wurtzeln/ und aller Substantz zwey theil/ nach dem du dess Weins viel oder wenig
machen wilt/ und weissen steinbrech ein theil/ Diese Kreuter zerschneid klein/ vermisch sie durcheinander/ und schlag sie in ein
bequemes Fässlein mit Häselen spänen eyn/ fülle das darnach mit gutem Most zu/ unnd lass darüber verjähren/ so hastu ein
bewerten Steinwein.
Wiesskümmel gedistillirt Oele
Auss dem Wiesskümmel zeucht man auch ein fast köstlichs Oele auss/ allerdings wie auss dem Pfefferkümmel/ das wirdt innerlichen mit bequemen gedistillirten Wassern unnd andern Säfften/ oder aber mit Wein zu mancherley Leibs gebrechen gebraucht/ wirdt auch mit andern Artzeneyen heylsamlich vermischt/ als mit Syrupen/ Conserven/ Latwergen unnd Pillulen/ je nach gelegenheit einer jeden Schwachheit/ welches die erfahrne Aertzt wol wissen. Eusserlich wirdt es mit Oelen/ Salben/ und dergleichen vermischt/ derselben Kräfften zu stärcken und zu mehren.