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SCHWARZKÜMMEL
Nigella - Ranunculaceae
VON DEM NARDENSAMEN/ ODER SCHWARTZEN CORIANDER

Die Alten haben dess Nardensamens nur ein Geschlecht beschrieben/ aber wir haben zu unser zeit sechs
underschiedliche Geschlech/ die doch fast alle einerley Krafft und Wirckung haben/ allein dass eines das ander in der stärcke und
güte ubertrifft.
l. Das erst und warhafftig Nardenkraut oder NIGELLA der Alten/ hat ein harte
kleine und holtzechtige Wurtzel/ die zur Artzeney gar untüchtig ist. Die Bletter sind zerspalten/ wie die Bletter dess
Taubenkropffs/ seynd aber grüner. Der Stengel ist Ehlen hoch/ mit vielen Nebenästlein. Am obertheil der stengel/ dessgleichen
auch oben an den Nebenzweyglein/ bringt es ein liecht oder weissblawe Blumen/ die seynd rund/ einem Rädlein gleich/ darauss
werden runde Köpflein wie die Flachsbollen/ mit vi.Fachen underschieden. Jn einem jeden Fach ist der Samen ordentlich auff
einander gesetzt/ von farben schwartz/ wie der Raden oder Kornnägleinsamen/ eines sehr anmütigen Wurtzgeruchs. Das Kraut aber/
die Wurtzel unnd Stengel/ haben gar keinen Geruch/ darab sich dann als an einem sonderlichen Mirackel höchlich zu verwundern ist.
Dieses Gewächs muss mit sonderlichem fleiss in den Lustgärten gezielet werden. Er liebet ein feysten wol erbawenen Grundt.
ll. Das zweyte Geschlecht/ ist dem jetztgemeldten in allen dingen gleich/ unnd ist
kein anderer Underscheidt/ dann dass jenes ein schwartzen Samen/ unnd dieses ein geelfarben Samen bringet/ der ist so wol lieblich
unnd wolriechend als der ander.
Lll. Das dritte Geschlecht ist gleich wie das nechst gemeldet in allen dingen
gestalt/ aussgenommen die Blum die ist schön manigfaltig und gedoppelt/ sehr lustig anzusehen/ und müssen auch diese zwey
Gewächss/ wie das erste Geschlecht mit dem schwartzen Samen in den Lustgärten gepflantzet werden/ unnd erfordern auch ein
wolgebawen feyst Erdtreich.
Das vierdt Geschlecht/ ist grösser an der gantzen Substantz als die vorigen/ unnd
ist auch so viel die gestalt anlanget lieblicher/ aber viel geringer am Geruch/ das wirdt von dem Samen wie die andern Geschlech
gezielet/ und in den Lustgärten gepflantzet/ dann es nicht in diesen Landen von sich selbst wächset. (Dieses hat man jetzunder
in den Gärten/ so allein mit Blumen von der vorigen underscheiden ist/ dann dieses schön rund und gedoppelt ist oder gefüllt/
welches ich von meinem Bruder IOHANNE BAUHINO, Fürstl. Wirtenbergischer ARCHIATRO, auss jhrer Fürstlichen Gnaden Garten erstlich
bekommen hab.)
V. Das fünffte Geschlecht hat ein Wurtzel/ die ist dem erstgemeldten unnd auch
den andern gleich/ dessgleichen auch die Bletter/ allein dass sie mehr spitziger und zerspalten sind/ schier wie das Dillkraut/
Aschenfarbgrün: Der Stengel wirdt auff die zwo spannen lang/ hat etliche Nebenzweiglein. Die blumen sind den zamen fast gleich/
doch so viel die Farben belangt/ schöner unnd blawer. Die Köpfflein oder Bollen sind oben auss gespitzet mit vier oder fünff
kleinen Hörnlein/ darinnen der Samen verschlossen ist/ der hat ein fast lieblichen und anmütigen Geruch/ und wird im Augustmonat
zeitig. Dieses Gewächs ist ein wild Geschlecht dess Nardenkrauts/ dann es wächst von sich selbst ungepflantzet in den Korn und
Fruchtfeldern.
Vl. Das sechst Geschlecht/ ist dem jetztgemeldten wildten Nardenkraut fast
durchauss gleich/ so viel die Wurtzel/ Kraut und Blumen anlangen thut/ die Häuptlein aber unnd Bollen werden langlechter mit
eingebogenen Spitzen/ gleich wie die Bollen oder Häuptlein am Ackeleyenkraut/ darinnen der Samen sich verhaltet/ der ist auch wie
der vorig/ eines guten unnd ziemlichen Geruchs. Es wächset auch diss Geschlecht vor sich selbst in den Fruchtäckern/ ist aber
nicht so gemein wie das erst. Jn Franckreich ist es viel gemeiner als bey uns/ sonderlich in den Fruchtäckern und Roynville und
Eposs.
Von den Namen der Nardenkreuter
Es werden diese Nardenkreuter mit diesem Namen von den Teutschen darumb also genannt/ dieweil die Samen
einen fast lieblichen Würtzgeruch haben/ gleich wie der Jndianisch Narden.
l.
Lateinisch/ MELANTHIUM, GITH, NIGELLA und NIGELLA ROMANA, zum Underscheid der anderen Gerschlechten/ die die Alten beschrieben.
Hochteutsch wird es genant/ schwartzer Coriander/ schwartzer Kümich/ Römischer Coriander/ Nardenkraut/ Nardensamen/ S.
Catharinen Blum und Schabab.
Es ist vor diesen Nardensamen und das recht MELANTHIUM viel Jahr her/ von vielen
MEDICIS und Apoteckern der Samen dess Nardenkrauts oder Kornägleinsamen/ fälschlich gebraucht worden/ und wiewol dieser Jrrthumb
zeitlich genug durch gelehrte Männer ist offenbaret worden/ und nunmehr so klar am Tag/ gleich wie die helle Sonne umb den
Mittag/ so seynd doch noch viel Unerfahrne in der Erkandnuss der Kreuter so in diesem Jrrthumb verstockt/ dass man sie darvon
nicht bringen kan.
ll. Das zweyt Geschlecht/ heisset bey den Kreutlern MELANTHIUM LUTEUM, oder
MELANTHIUM CITRINUM, NIGELLA CITRINA, und CHRYSOMELANTHIUM. Hochteutsch/ geeler Kümich/ geeler Nardensamen/ unnd geeler
Römischer Coriander.
lll. Das dritte Geschlecht heisset bey den Kreutlern/ MELANTHIUM CITRINUM
MULTIFLORUM, MELANTHIUM LUTEUM MALFLORUM, und NIGELLA CITRINA MULTIFLORA. Hochteutsch/ doppel geel Nardenkraut.
lV. Das vierde Geschlecht/ heisset bey den Kreutlern/ MELANTHIUM DAMASCENUM, und
NIGELLA DAMASCENA. Teutsch/ Damascenisch Nardensamen.
V. Das fünffte Geschlecht/ ist das wild Nardenkraut/ welches in den Fruchtäckern
bey uns in Teutschland/ in Braband/ Flandern unnd Franckreich/ allenthalben vor sich selbst ungepflantzet wächset: und wiewol
keiner von den Alten dieses beschrieben/ gedencket doch seiner der alte Artzet HIPPOCRATES LIB.1.DE MORIB. MULIEB. Und LIB. DE
STERILIBUS, unnd nennet es MELANTHIUM EX TRITICO.OCTAVIUS HORATIANUS nennets GITH QUOD IN SEGETE NASCITUR, das
ist so viel als MELANTHIUM SEGETALE, wie es dann heutiges Tages auch von unsern Kreutlern neben andern Namen genennet wird.
Sonsten heisset es MELANTHIUM ARVENSE, NIGELLA FEGETALIS, SEU ARVENSIS, MELANTHIUM AGRESTE, NIGELLASTRUM, NIGELLA SYLVESTRIS und
AGRIOMELANTHIUM. Hochteutsch/ wild Nardenkraut/ und Sanct Catharinen Rädlen/ das ist/ ROTULA DIVAE CATHARINAE. VALERIUS CORDUS
hat fälschlich CYMINUM SYLVESTRE auss diesem Kraut gemacht. So jrren auch die nicht wenig/ die das gemein Nardenkraut vor das
MELANTHIUM SEGETALE HIPPOCRATIS halten/ und ist jhr Argument nicht genugsam/ dass sie fürgeben/ ob schon das Nardenkraut kin
Gleichnuss oder Gestalt mit dem rechten Nardenkraut habe/ so seye doch der Samen dem Nardensamen gleich/ zu dem/ so wachss es
under dem Weytzen unnd anderm Getreyde/ derowegen müsse HIPPOCRATES dieses Gewächss vor das MELANTHIUM EX TRITICO verstanden
haben/ welches/ so es statt haben solt/ würden wir der Kreuter mehr finden/ die mit jhren Samen dem Nardensamen würden gleich
seyn. Wann sie aber der Sachen besser und fleissiger werden nachdencken/ unnd unser wild Nardenkraut/ (das der gemein Mann Sanct
Catharinen Rädlen nennet/ und nicht allein under dem Weytzen/ sondern auch in allen andern Fruchtäckern heuffig wächset/ )mit
dem ersten unnd wahren Nardenkraut vergleichen und conferiren werden/ so werden sie befinden und bekennen müssen/ dass es ein
wahres MELANTHIUM seye/ sintemal solches von sich selbst in dem Weytzen unnd Fruchtfeldern wächsst.
Vl. Das sechst Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern/ MELANTHIUM SEGETALE
ALTERUM,MELANTHIUM AGRESTE ALTERUM, und NIGELLA SEGETALIS ALTERA genannt. Teutsch/ das zweyt wild Nardenkraut.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft der Nardensamen
Alle Nardensamen haben ein wärmende unnd trucknende krafft/ sie zertheilen un treiben auss/ seindt
warm unnd trucken in dem anfang dess dritten Grads. Der Samen wirdt allein in der Artzeney gebraucht/ die Wurtzel unnd das Kraut
werden als untüchtig verworffen.
Jnnerlicher Gebrauch dess Nardensamens
Nardensamen in Wein gesotten/ unnd von der durchgesiegenen Brühen Morgens unnd Abends/ jedesmal ein
Becher voll warm getruncken reyniget unnd erwärmet die Brust und Lungen/ erweychet den zähen dicken Schleim und Lungenkoder/
macht den leichtlich ausswerffen/ benimpt das Keichen unnd das schwerlich Aethmen/ bringt den seugenden weibern viel Milch/
vertreibt die Bläst im Leib/ miltert das Krimmen unnd Leibwehe/ treibet den Harn/ fürdert die Monatblum der Weiber und
widerstehet allem Gifft von Thieren. Man muss aber diesen Tranck etlich Tage nacheinander beharren. So man denselben mit Zucker
süss machet/ so ist er dester dienlicher und besser.
Man pfleget auch den Nardensamen groblecht zerstossen mit dem Brotteyg zu
vermischen unnd ins Brodt zu backen/ welches Brodt dann in den jetzt gemeldten Schwachheyten fast dienlich zu niessen ist.
Nardensamen zu Pulver gestossen/ unnd ein quintlein schwer mit Weinmeth oder
Honigwein/ eyngetruncken/ mehret den Seugammen die Milch uberflüssig.
Vor das schwerlich und tröpfflingen harnen: Nimb Nardensamen ii.untz groblecht
zerstossen/ Feinzucker vi. Loth/ thu diese stück in ein geschraubte Fläschen/ oder ein gläsin Geschirr/ schütt darüber ein
Mass guten alten weissen Wein/ verlutier das Geschirr wol/ unnd lass darnach vier Stunden in einem Kessel mit siedenden Wasser
sieden: darnach thue daws Geschirr herauss/ unnd wann es Kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch: von diesem Tranck trinck
alle Morgen nüchtern/ dessgleichen auch dess Abends zwo Stunden vor dem Nachtmal/ jedesmal/ vier untz warm.
Gepülverten Nardensamen ein quintlein mit einem halben Loth gestossenem
Feinzucker in einem Trüncklein Weins zertrieben unnd warm getruncken/ ist ein heylsame Artzeney wider das Keichen und engigkeit
der Brust.
Nardensamen ein Esslöffel vol genommen/ zu einem subtilen Pulver gestossen/ unnd
mit süssem Wein getruncken/ ist ein treffentliche Artzeney vor die Lebersüchtigen: dient auch wider den schmertzen der Lenden/
so man ohngefährlich auff ein untz frisch Brunnenwasser damit vermischt.
Nardensamen zu Pulver gestossen/ unnd i.quintlein mi Wein getruncken/ dient wider
di vergifftung der bissz unnd die gifftigen Thier.
Nardenkrautsamen zu Pulver gestossen/ und ein halb Loth darvon mit Wein
getruncken/ dient wider die bissz der Wisel. So man aber dieses Pulver von Candischem Diptam darmit vermischt/ darnach mit Wein
trinckt/ so wirckt diese Artzney dester kräfftiger.
Wann ein Schlang ein Ochsen oder Rindt/ oder aber ein ander vierfüssig Thier
gebissen hat/ so nimb Nardensamen/ Rosszpeterleinwurtzel oder Samen/ jedes ii. oder iii. Loth/ stoss zu Pulver unnd zertreibs mit
xx.untzen Weins/ unnd schütt es dem Thier eyn durch ein bequemes Geschirr.
Vor die Massleyd dess Rindtviehes nimb gestossenen Nardensamen fünff Loth/
Baumölen zwölff untz/ dass zertreib mit xx.untzen Weins durcheinander unnd schütt es dem Viehe warm eyn.
Wann ein Schaff von einer Schlangen oder anderem kriechenden vergifften Thier
gebissen worden were/ so schütte oder giesse jhm iii. Loth gepülverten Nardensamen mit warmem Wein zertrieben eyn.
Nardensamen gepülvert und ein quintlein darvon mit Wasser getruncken/ ist gut
wider die bissz der gifftigen Erdspinnen/ die man PHALANGIA nennet.
Der Nardensamen dienet von wegen seiner gantzen Eygenschafft wider die
Quotidian und Quartan Feber/ derowegen sie in allen Artzeneyen zu solchen Febern dienlich/ vor andern sollen gebraucht werden.
Etliche nemmen dess gepülverten Nardensamens i.quintlein/ vermischen darmit ein halbes quintlein gepülverten Peterleinsamen/ un
zertreibens mit Wein zu einem Träncklein/ gebens also denen so mit gemelten Febern beladen/ ehe sie der Gebrechen anstösset/
warm zu trincken/ unnd lassen sie darauff niderlegen und schwitzen.
Der geele Nardensamen/ wie auch dess wilden beyde Geschlecht so von sich selbst in
Fruchtfeldern wachsen/ haben gleiche krafft und wirckung mit dem ersten unnd schwartzen. Der Damascenisch Nardensamen aber/ wiewol
er auch gleiche wirckung mi dem obgenannten hat/ so ist er doch viel geringer und schwächer, OCAVIUS HORATIANUS lobt den
Ackernardensamen/ das ist/ den wilden/ wider die Geelsucht/ so man den ein wenig röste und zu trincken gebe.
Eusserlicher Gebrauch dess Nardensamens und Krauts
Nardensamen zu Pulver gestossen und mit Essig temperirt und die Stirn und Schläff damit bestrichen/
dient wider das Hauptwehethumb. So man blauw Lilienölen mit dieser Artzeney vermischt/ so wird sie dester kräfftiger. Der Samen
zu einem subtilen Pulver gestossen/ unnd darvon in die Nasen gethan/ thut dessgleichen/ und dienet wider das Hauptwehthumb so von
kälten verursacht worden.
Nardensamen auff Kolen gelegt/ und den Rauch davon in die Nasen empfangen/ stillet
den Catharr unnd kalten Hauptfluss/ vertreibt also den Schnuppen. Oder nimb Nardensamen ein hallb Loth/ Anisssamen ein quintlein/
zerstosse diese zween samen nur ein klein wenig/ röste sie darnach in einem Pfännlein/ und befeuchts im rösten ein wenig mit
gedistillirtem Maieranwasser/ binds folgends also heiss in ein Tüchlein/ unnd halte es vor die Nasen und riech daran.
Oder nimb schwartzen Coriander oder Nardensamen zwey theil/ dess Wecholter GUMMI
SANDARACAE ein wenig groblecht zerbrochen ein theil/ vermische das durcheinander/ wirff darvon auff glüende Kohlen/ unnd empfahe
den Rauch in die Nasen.
Ein anders: Nimb Nardensamen ein Loth/ roten Storax/ weissen Weyrauch/ jedes ein
halb Loth/ Costenwurtzel/ Muschatennüss/ Cypressnüss/ jedes ein quintlein/ Paradeissholtz/ Wechholter Gummi/ jedes anderthalb
quintlein. Mach ein groblecht Pulver darauss/ unnd räucher darmit wie gemeldtet. Oder nimb Nardensamen zwey Loth/ weissen
Weyrauch/ dess auffgetrückneten Saffts Ladani/ Wechholter Gummi/ jedes i.Loth/ Mastix/ roten Storax/ Paradeissholtz/ jedesd ein
halb Loth/ stosse diese Stück groblechtig/ und leg darvon auff glüende Kolen/ unnd empfahe den Dampff in die Nasen. Oder nimb
Nardensamen drey Loth/ Pfefferkümmel ii.Loth/ Thymiankraut/ Ackermüntz/ dürren Ysop/ jedes ein Händlein voll/ siede diese
Stück in Wasser/ und empfahe den Dampff durch ein Trechter in die Nasen.
Ein gutes Knöpfflein daran zu riechen/ dass den Hauptfluss stillet/ trucknet/
unnd den Husten vertreuibt: Nimb schwartzen Coriander drey quintlein/ Poleyenkraut/ Neptenkraut/ Dosten oder Wolgemuth/ jedes ein
quintlein/ mach ein grobes Pülverlein darauss/ und binds in ein Seiden Tüchlein/ daran soltu stätig riechen/ und es bey dir
tragen.
Wann die Nasen in dem Catharr gar verstopfft/ oder der Schnuppen nicht auss der
Nasen wil/ so weyche schwartzen Coriandersamen in Wein/ und zedel denselben also nass und feucht auff einen heissen Zigelstein/
und empfahe den Dampff unnd Rauch darvon in die Nasen.
Den verlornen Geruch wider zu bringen: Nimb Nardensamen/ den röste ein wenig ob
dem Fewer/ darnach binde jhn in ein Seiden Tüchlein/ unnd rieche offt daran: Nimb auch dess Morgens nüchtern/ jederweilen dess
gepülverten Nardensamens in die Nasen/ dass du darvon niesen mögest/ das thut sehr wo/ und ist manchem Menschen der seinen
Geruch verloren hat/ mit dieser Artzeney geholffen worden. Oder nimb Nardensamen i.Loth/ Veielwurtzel ein halb Loth/ stosse diese
zu einem subtilen Pulver/ und schlags durch ein rein härin Sieblein und behalts: darnach nimb ferner Stechasblumen/
Lavanderblumen/ Neptenkraut/ Maieran/ Lorbeerbaumbletter/ Chamillenblumen/ jedes ein halbs Händlein voll. Seude diese Stück in
genugsamem Wasser/ biss der dritte theil eyngeseudet/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und thue dz obgemelte Pulver darein/ und
vermisch die wol durcheinander/ darvon suppe etlichmal ein wenig in die Nasen/ es reyniget das Haupt sehr wol/ unnd bringet den
verlornen Geruch wider.
Ein ander geheim Experiment: Nimm reyn gestossenen Nardensamen/ vermische den mit
altem Baumöl/ neige das Haupt hindersich so weit du kanst/ und thue drey oder vier Tröpfflein in die Nasen/ und fasse den Mund
voll Wasser/ darmit das Oele nicht in den Mund fliessen möge.
Oder nimb Nardensamen ein Nacht in Essig gebeytzet/ und dann wieder getrucknet
iii.quintlein/ dess auffgetruckneten saffts LADANI ein halb Loth/ Lerchenschwamm/ Paradeyssholtz/ Bibergeil/ jedes vier drittheil
eines quintleins/ dess auffgetruckneten Saffts OPOPANACIS, gleich so viel. Stosse die gemelte stück zu einem subtilen Pulver/
thue sie in ein jrrdin Geschirrlein/ und noch ferner darzu vi.Loth aussgepressten Maieran Safft/ rhürs wol durcheinander/ lasse
es darnach trucknen an der Sonnen. Darvon nim iii.quintlein/ zertreib die in iii.Untzen gedistillirtem Maieranwasser/ darvon thue
darnach ein gut theil in die Nasen/ mit hindersich geneigtem Haupt/ und darmit diese Artzeney desto besser wircken möge/ so nimb
den Mund voll Wassers/ dass sie dir destoweniger in Mund fliesse: die reyniget das Haupt sehr wol/ und eröffnet die verstopfften
Gäng zum Hirn/ und bringt den verlornen Geruch wider.
Oder nimb Nardensamen ein halb Loth/ weiss Niesswurtz vier Scrupel/ oder vier
drittheil eins quintl. Veielwurtzel/ Bibergeil/ jedes zwen Scrupel/ Maieran/ Berthram/ Cubeben/ Cardamömlein/ jedes ein halbs
quintlein/ Langenpfeffer sechs Grän. Mach auss gemelten Stücklein ein subtiles Pülverlein/ schlags durch ein reynes härin
Sieblein/ darnach vermisch in einem Mörselsteinlein drey Granen Alexandrinischen Bissem darmit/ unnd behalts zum Gebrauch in
einem verschlossenem Büchsslein. Darvon thue jederweilen dess Morgens nüchtern ein wenig in jedes Nassloch.
Nardensamen zu reynem Pulver gestossen/ und mit Veielwurtzölen in die Nasen
gegossen/ vertreibet die anfahende Starrfell.
Rein gepülverten Nardensamen mit Essig zertrieben/ und in die Nasen eingesupt/
vertreibt die Geelsucht in den Augen/ so es etliche Tag dess Morgens nüchtern also gebraucht wird. Die jetztgemelte Artzeney in
die Ohren geträufft/ tödtet die Würm darinn.
Vor die eyterende Geschwer der Ohren: Nimb Nardensamen ein halb Loth/ lebendigen
Schwebel/ Myrrhen/ der Rinden von süssen Granatöpffeln/ jedes i.quintlein: Stoss diese zu einem reynen subtilen Pulver/ vermisch
darnach mit Rosenöl/ Veielwurtzöl/ Geyssen Unschlit/ jedes i.Loth/ temperirs wol durcheinander/ und giesse darvon warm alle Tag
zweymal in die Ohren. Man muss aber allwegen zuvor den Eyter mit warmem Meth abwäschen.
Nardensamen dess Morgens nüchtern wol und klein mit den Zähnen zerkäuwet/ und
uber die Geschwer der Augen gelegt/ heylet dieselben.
Nardensamen zu Pulver gebrent/ und mit Wasser temperirt/ wie ein Sälblein
angestrichen/ machet die aussgefallenen Augbrauwen widerumb wachsen/ Auch an andern Orten machet es das Haar wachsen.
Nardensamen mit Kyffernholtz in Essig gesotten/ leget den Schmertzen der Zähn/
warm im Mund gehalten/ und die Zän damit gewäschen. Nardensamen geröscht/ zu Pulver gestossen unnd mit Baumöle temperirt wie
ein Sälblein/ und in und umb die Zähn gestrichen/ legt auch den Schmertzen der Zähn. Oder stosse geröschten Nardensamen zu
Pulver/ und temperier den obgemelter massen mit gutem Weinessig/ und thue das in die holen Zähn/ und streich sie auch darmit an/
es hilfft wol.
Nardensamen mim Mund wol gekäuwet/ und auch das Pulver darvon in das Zahnfleisch
gerieben/ stillet den Schmertzen der Biller und desselben.
Zu der erlahmeten Zungen: Nimb gepülverten Nardensamen/ vermisch gleich so viel
gestossen Cristallen oder Steinsaltz darunter/ und reibe die Zung wol darmit/ das wird viel Schleim und Speichel ziehen/ unnd die
Zung wider stärcken.
Vor das sorglich Halssgeschwer: Nimb Nardensamen ein halb Loth/ dess GUMMI
SERAPINI anderthalb quintlein/ Berthram ein quintlein. Stoss diese Stück zu Pulver/ und mach mit vier Loth Honig ein Mixtur
darauss wie ein Sälblein/ damit bestreich inwendig das Geschwer mit einer Federn.
Nardensamen zu Pulver gestossen/ unnd mit Essig ein Pflaster darauss gemacht/ das
vertreibet den Schmertzen der Weiber Brüst/ der von gerunnener Milch verursacht wird/ ubergelegt.
Gepülverter Nardensamen mit Wermuthsafft zu einem Pflaster temperirt/ und uber
den Nabel gelegt/ tödtet und vertreibet die Würm. Etliche nemmen zu dem Nardenpulver/ i.halb theil gepülverten Aloepatick/ ein
Ochsengall/ und machen ein Pflaster darauss mit Honig/ so viel darvon von nöten ist/ und legens uber/ das ist an Jungen und Alten
bewehrt. Oder: nimb Nardensamen vier Loth/ bereyten Coriander zwey Loth/ Rockenmeel/ Feygbonen/ jedes v.quintlein/ Aloepatick/
Saffran/ rote Corallen/ jedes i.quintlein/ Wermuth/ Mastix/ jedes ein quintlein. Stoss diese Ding zum einen reynen Pulver/ und
thue darzu Wermuthsafft acht Loth/ Weinrauthensafft vier Loth/ guten Weinessig so viel von nöten ist/ dass es ein Pflaster werden
möge/ das streich auff ein Tuch und legs uber.
Wann ein Mensch Blutäuglein in sich getruncken hette/ demselben gib folgende
Artzeney eyn: Nimb Nardensamen ii.Loth/ Kressensamen/ Stabwurtz/ Costenwurtz/ Wermuth/ jedes i.Loth. stoss zu einem reinen Pulver/
unnd schlags durch ein Sieblein. Darvon gib auff einmal ein quintlein/ oder auch bissweilen zwey mit gutem Weinesig zertrieben/ zu
trincken.
So ein Zissmauss ein Rindvieh gebissen hette/ soll man nemmen vier Loth
gepülverten Nardensamen/ mit gutem Wein zertrieben/ und dem Viehe in die Nasen schütten. Die Wund aber soll man mit Hundsdreck
salben/ welche Artzeney dann auch den Menschen dienlich ist/ als HIPPOCRATES unnd HIEROCLES bezeugen.
Nardensamen zu Pulver gestossen/ und mit Honig zu einem dicken Teyg temperirt/
darnach in ein langes Leinin Säcklein eingemacht/ unnd wie ein Mutterzäpfflein zu sich genommen/ fürdert die verstandene
Monatblumen der Weiber.
Nardensamen auff ein Glut gelegt/ und den Laum zu sich durch ein Trechter in die
Mutter empfangen/ treibet fort das Bürdlein.
Nardensamen gestossen/ unnd mit Essig wie ein Pflaster ubergelegt/ vertreibet die
Laub oder Linsenstecken/ Raude/ Grindigkeit/ alte Geschwulst/ Beulen und harte Flegmatische Geschwer.
Nardensamen gepülvert/ unnd mit altem Harn/ wie ein Pflaster vermischt und
ubergelegt/ vertreibet die Kreenaugen/ oder den Nagel/ wenn sie vorhin gerings herum auffgelöset seind.
Nardensamen gestossen unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ heylet die Katzenbissz.
Nardensamen auff glüende Kolen gelegt und darmit gereuchert/ vertreibet die
Schlangen und andere gifftige Thier.
AETIUS der Griechische Artzet schreibet/ wann einer von einer Viperschlangen
gebissen worden seye/ unnd ein Loth Nardensamen auff einmal einnemme/ der sol dess Bissz nicht sterben.
Nardensamen in Säcklein in die Truhen zwischen die Kleyder gelegt/ tödtet die
Schaben/ unnd verhütet dieselben dass die Schaben nicht darein kommen.
Desselbengleichen den Samen under die Küssen gelegt/ vertreibet er die Flöh und
Wandleuss.
Nardensamen in Meerzwibelessig gesotten/ und die Gemach darmit besprenget/ tödtet
und vertreibet die Flöch. Das Kraut in Wasser gesotten unnd die Gemach darmit begossen/ thut dess gleichen.
Nardensamen unnd Wermuth vertreiben unnd tödten die Schnacken/ die Gemach darmit
bereuchet.
Schwartzen Corianders/ oder Nardensamenöle
MELANTHINUM OLEUM
Das Oele auss dem schwartzen Coriander/ oder Nardensamen/ Lateinisch MELANTHINUM OLEUM, wirdt bereitet wie das Sesamölen. Dieses Oele ist gut wider die
Leussucht/ die von langwüriger Kranckheit verursacht worden ist. Das Angesicht mit diesem Oele bestrichen wirdt glat darvon.