1 / 96-102
SCHÖLLKRAUTVON DER SCHELLWURTZ
Die Schellwurtz oder Schwalbenkraut/ hat seinen Teutschen Namen empfangen von den
Schwalben/ wie hernach wirdt angezeigt werden: Und ist aber solch Kraut ein rechtes Sommer Gewächs/ hat eine Wurtzel Fingersdick/
die ist ausswendig schwartz/ mit vielen Nebenwürtzlein oder Zaseln/ anzusehen als wann sie unden abgebissen seye: So man die von
einander bricht ist sie innwendig geel/ und giebt ein dicken/ zehen/ rotgeelen Safft von sich/ einer schönen satten Saffranfarben
gleich/ der ist eines starcken geruchs und scharffen bittern Geschmacks auff der Zungen. Jm Anfang dess Frühlings wachsen von
dieser Wurtzel herfür/ viel runder/ harechtiger/ knöpffechtiger/ mürber und weisser Stengel/ mit vielen Zincken unnd
Nebenästlein/ die haben Bletter den Ackeleyen Blettern beynahe gleich/ doch ein wenig grösser/ linder unnd zärter/ welche so
sie abgebrochen werden von dem Kraut/ vergleichen sie sich dem Eychenlaub/ von Farben Eschenfarb auff der letzten Seiten/ auff der
andern bleich oder Schweitzer grün: Trägt in der höhe viel schöner geeler Blumen/ allerdings anzusehen wie die geelen Stein
Violen: So diese abfallen/ wachsen an deren statt hernach/ lange/ runde Schötlein oder Hörnlein/ wie die Schötlein an den
Nägel Violen/ darinn der schwartzgeel Samen verschlossen ist/ dem Magsamen sich vergleichend/ ist aber kleiner. Das Kraut/
Stengel und Blumen so man die verletzt/ geben sie ein zehen/ geelen Safft/ der ist uber die mass scharpff unnd bitter auff der
Zungen. Es bedarff dieses Gewächs keines pflanzens/ dann es säet sich Jährlich selbst/ und wechst allenthalben hauffechtig bey
andern Unkreutern/ in dürem magerm und und steinechtigem Grundt/ Sonderlich aber in den Zwingern/ an den Mauwren und alten
Gebäuwen.
(Das ander Schellwurtz so ich hieher gesetzt hab/ ist von dem ersten sonderlich mit seinen Blettern
underscheiden/ weil an dieser die Bletter dem jungen Eichenlaub gleich sind: Die Blumen sind auch etwas anders/ dann sie etwas
gelber/ und die Blätlein etwas zerkerfft/ wiewol es an der Figur verfälet ist. Dieses hab ich erstlich auss Herrn Philip Stephan
Sprengers/ Churfürstlichen Hoffapoteckers zu Heidelberg Garten gehabt. Wann es in die spält der mawren gesäet wird/ behält es
seine Gestalt/ so es aber in ein gut Erdreich fället/ so wirdt es allerding dem gemeinen gleich.)
Von dem Namen der Schellwurtz
Schellwurtz oder Schellkraut hat seinen Namen von dem Griechischen unnd Lateinischen Wort
CHELIDONIUM ohn allen zweiffel bey uns Teutschen bekommen/ als wolt man vor CHELIDONIUM Chelenwurtz sagen/ allein mit zuthun eines
eintzigen Buchstabens S. das zuvor gesetzt wirdt/ ist der Namen Schellwurtz oder Schellkraut erwachsen/ dz ist/ Schwalbenwurtz
oder Schwalbenkraut/ wie dann dieses Gewächs erstlich von den Griechen/ und dann auch von den Lateinischen seinen Namen von der
Schwalben empfangen hat/ unnd uns darumb/ dass es blühet umb die zeit/ wann die Schwalben im Frühling widerumb zu uns kommen/
Oder wie PLINIUS unnd ARISTOTELES wöllen/ dass es den Namen CHELIDONIUM, das ist/ Schwalbenkraut/ daher bekommen/ dass die alten
Schwalbendas verlohren Gesicht mit diesem Kraut wider bringen/ welches man warhafftig erfahren mag/ wie sie glaublich fürgeben/
So man mit einer scharpffen Nadel/ den jungen Schwalben im Nest die Augen verletzt/ sol als dann die alte Schwalb von stund an
dieses Kraut bringen/ und darmit den jungen widerumb zu jhrem Gesicht verhelffen/ also dass sie gäntzlich widerumb gesehend
werden. Aber der Hochberühmte und alte Wundtartzt CORNELIUS CELSUS, der uber die mass wol von allen eusserlichen und innerlichen
Mängeln der Augen geschrieben hat/ hältet die Meynung PLINII unnd ARISTOTELIS für ein Fabel/ und zeiget an/ dass die Geblüt
der jungen Schwalben wie auch etlicher anderer Vögel/ als der zamen unnd wilden Tauben/ auss sonderlicher verborgener
Eigenschafft/ dem Gesicht dermassen nützlich seye/ dass das Gesicht solcher Vögel durch innerliche Wirckung/ ob sie gleich mit
unvollkommenem Gesicht auss der Schalen schlieffen/ darvon von Tag zu Tag gescherpffet und gemehret werde/ und zu rechter
vollkommenheit kommen/ ob gleich gemeldt Kraut nicht gebraucht wirdt. Nun dass wir wider zu unser Schellwurtz kommen/ so ist es
gewiss dass sie von den Schwalben jhren Griechischen/ Lateinischen und Teutschen Namen bekommen hat welches auch der Poet AEMILIUS
MACER mit diesen folgenden Versen bezeuget/ als er spricht:
Coecatis pullis lumina mater hirundo
(Plinius ut scripsit) quamuis sint Eruta, reddit.
Hana nascidicunt auibus venientibus illis,
Et desiccari solito dum more recedunt.
Inde(?) nomen habet Chelidonia: Nam(?) Chelidon
Dicitur haec volucris Graecorum more vocari.
Bey den Lateinischen Authoren wirdt die Schellwurtz genannt/ CHELIDONIUM und CHELIDONIUM MAGNUM, CHELIDONIA MAIOR, HIRUNDINARIA MAIOR, PANDIONIA RADIX, PHILOMEDIUM, OTHONIUM, FABIUM, CRATAEA, AUBIUM, HERBA LUCIS, HERBA IMPERIGINARIA, HERBA HIRUNDINIS, und bey dem APULEIO HIRUNDININA. Die Apotecker und gemeinen Aertzt nennens CELIDONIUM und CELIDONIAM und ESCLARAM. Hochteutsch/ Schwalbenkraut/ Schellwurtz/ Schellkraut/ Goldtwurtz und Gilbkraut.
Von der Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Schellkrauts
Der starcke Geruch/ und scharpff/ bitter unnd hannig Geschmack dieses Krauts/ geben gnugsame
Anzeigungen/ dass er hitziger unnd truckner Complexion seye. Jst heiss unnd trucken im dritten Grad/ hat sonderliche Krafft zu
reinigen/ lösen und zu säubern. Wirdt nützlich/ beyde innerlich und eusserlich gebraucht.
Jnnerlicher Gebrauch der Schellwurtz
Das Schellkraut führet auss die geel Gallen/ beyde durch den Stulgang und den Harn/ auff alle
weiss gebraucht.
Schellkrautwurtzel gesäubert/ unnd mit Anissamen in weissem Wein gesotten/ und darvon etliche Tag Morgens und
Abendts jedesmal ein Mackelbecherlein voll warm getruncken treibet auss die Geelsucht/ unnd eröffnet die Verstopffung der Leber.
Oder nimb Schellwurtzel die wol geseubert ist/ Menwenkraut Wurtzel zam oder wildt/ Nesselwurtzel/ jedes drey
Loth/ weissen firnen Wein ein halb Mass oder zwey Krämer Pfund/ frisch Brunnenwasser ein Krämer Pfund/ weisser Zucker viii.Loth.
Alle diese Stück thu zusammen in ein Kannten/ doch dass die Wurtzeln zuvor klein geschnitten seynd/ unnd verkleyb den Ranfft mit
einem Tüchlein in einem Teyglein von Eyerweiss gemacht/ wol bestrichen/ also dass nichts herauss riechen mag/ Setz in ein Kessel
mit siedendem Wasser/ und lass zum wenigsten drey stunden mit stätigem Fewer sieden/ darnach lass erkalten/ und seihe es durch
ein Tüchlein. Von diesem Tranck gieb dem Krancken allen morgen unnd abendt drey Untz warm zu trincken/ so lang der Tranck wehret:
Es treibet die Geelsucht gewaltig durch den Harn unnd Schweiss/ man söll auch diese Artzney in einem Schweissbad eynnemmen.
Schellkraut frisch gestossen unnd den Safft aussgetruckt/ und darvon Morgens und Abendts jedesmal ein Loth mit
vier Loth Nesselseiden Wasser getruncken/ und etlich Tag nacheinander also beharret/ hilfft wider die Geelsucht. Schellkraut Safft
obgemeldter massen mit einem Trüncklein Meth vermischet/ unnd etliche tag nacheinander getruncken/ hat gleiche Wirckung.
Schellwurtz gepülvert/ und i.quintlein mit einem trüncklein Weinessig zertrieben unnd getruncken/ ist ein
besondere gewisse Hülff/ die verstopffung des Miltzes zu eröffnen. Dieses mit Wasser getruncken/ dienet wider die rote ruhr:
auch wider das Hüfftwehtum SCLATICAM.
Schellkrautwurtzel klein gehackt unnd also grün zerstossen/ und einer Welschen Nuss gross in warmem wein/ oder
in einer Zisererbsen Brühen zertrieben/ und nüchtern getruncken/ darauff zum wenigsten vier stunden gefastet/ ist ein bewehrte
Artzeney vor das Feber.
Schellwurtz gereyniget/ und mit Rettich jedes gleich viel klein zerschnitten/ in Wein gesotten/ darnach
durchgesiegenunnd getruncken/ ist eine bewehrte Kunst den verstandenen Harn wider zubringen.
Schellkrautsafft frisch aussgetruckt/ und ii. oder iii.Loth getruncken/ dient wider die gerunnen Milch im Leib.
Schellkrautwurtzel gesäubert/ unnd klein geschnitten ein Handtvoll in einer halben Mass Rosenessig auff das
halbe theil eingesotten/ darnach durchgesigen/ und in der Brühen zerrieben drey loth guten Alexandrinischen Theriack/ unnd dieses
Trancks ein Pfenning Glässlein voll getruncken/ nidergelegen/ unnd biss in die drey Stunden geschwitzet/ den Schweiss darnach mit
warmen Tüchern abgetrucknet/ ist eine bewehrte Artzeney/ so jemandts die Pestilentz hette angestossen.
Ein ander: Nimb Schellkraut mit den Wurtzeln fein saubeer gereyniget/ zwo guter Handvoll/ Salbeyen/
Weinrauthen/ Wermuth/ jedes eine Handtvoll. Lass diese stück mit einander in einer Mass weissen Weins den dritten theil
einsieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd nimm von der durchgesiegenen Brühe vier Loth/ unnd zertreibe darinnen ein
Quintlein guten Alexandrinischen Theriack/ unnd gieb es dem Jnficierten Menschen/ unnd lasse jhnen wie obgemeldet darauff
schwitzen.
Ein andere Artzeney: Nimb Schellkraut mit der Wurtzel anderthalb Handvoll/ Wermut/ Weinrauthen/ die öbersten
Gipffel von Brombeer stauden/ jedes ein Handvoll: Thue solche stück zerschnitten in ein saubern Hafen/ geuss darüber ein halb
Mass starcken Weinessig/ lass wol vermacht sieden dass kein Dampff herauss gehe/ trucks darnach wol auss/ unnd seihe es durch ein
Tuch/ behalts folgendts in einem wolvermachten Glass zum Gebrauch. Wann einem Menschen diese Seucht anstiesse/ so nimb dess
gemeldten Trancks vier Loth/ unnd zertreib darin ein quintlein guten Theriack/ gib es dem Krancken warm zu trincken/ und lass
jhnen/ wie obgemeltdet/ darauff schwitzen.
Ein anders: Nimb Schellkrautwurtz fünff loth/ Taubenkropff drey loth/ Weinrauthen anderthalb loth/
Wechholterbeern zerquetscht ein loth/ guten weinessig ein Mass/ lass diese Stück in ein Kanten gethan wol sieden in einem Kessel
mit wasser audd die drey stunden lang/ wie hieoben darvon gelehrt ist/ darnach lasse es kalt werden/ und seihe es durch/ folgendts
verwahr es wolvermacht zu obgemeldtem gebrauch. Wa es nun die Noth erfordert/ so nim dess Trancks vier loth/ unnd zertreib darinn
i.quintlein guten Theriack/ das brauch dann wie die vorigen Tränck.
Andere nemmen Schellkraut mit der Wurtzeln/ Weinrauten/ jedes ii.Handvoll/ guten weinessig ein Mass/ lassens in
obgemelter massen sieden/ darnach wann es kalt worden/ seihen sie es durch ein Tuch/ und verwahrens in einem Violglass wol
verstopfft/ und dem/ welchen die Pestilentz hat angestossen/ geben sie vier Löffel voll mit einem quintlein guten Theriack oder
Metridat vermischt/ und lassen jhnen wol darauff schwitzen/ und ist solche Artzeney ein Augenscheinliche hülff.
Etliche nemmen der Wurtzeln von Schellkraut fein wol und sauber gereinigt ein Pfundt/ lebendigen schwebel klein
gestossen/ Saffran/ Tormentillwurtzel/ jedes zwey Loth/ Entzian/ Bibernellenwurtzel/ jedes dritthalb loth/ Weinrauthen/
Meussöhrleinkraut mit den wurtzeln/ jedes ein Handtvoll. Diese Kreuter und wurtzeln zerschneiden sie klein/ vermischens durch
einander/ thun sie in ein Wolgewässerten Hafen/ schütten darüber zwo Mass guten scharpffen weissen weinessig/ unnd lassens
sieden in einem wol verlutierten Hafen/ biss der drittetheil eyngesotten ist/ darnach seihen sie es durch ein Seihetuch/ nemmen
von diesem Tranck wann es die Nohtturfft erfordert/ auff drey oder vier Löffel voll/ unnd zertreiben darinn der Latwergen vom
gülden Eye/ gutes Alexandrinischen Theriacks/ jedes ein halbes quintlein/ gebens also dem Jnficierten Menschen warm zu trincken/
unnd lassen jhnen biss in die drey stunden darauff schwitzen/ das treibt alle Pestilentzische Vergifftung gewaltig auss.
Ein ander wirdt von etlichen also gemacht: Sie nehmen dess grünen Schellkrauts mit den Wurtzeln drey
Handtvoll/ dess besten Weinessigs drey ächtmass/ lassens also in einem verlutierten Hafen den halben theil eynsieden/ unnd geben
dem Jnficierten Menschen ein Pfenning Glässlein voll dess durchgesiegenen Trancks/ darinn ein halbes quintlein folgender
Latwergen zertrieben ist/ unnd lassen jhnen wo müglich darauff schwitzen/ unnd im fall der Krancke nicht schwitzen kann/ tödtet
dieser Tranck doch alles Pestilentzisch Gifft/ unnd nimmet jhm seine kräffte/ also dass sie dem Menschen nicht schaden kann. Die
Latwerg aber bereyten sie also: Sie nemmen dess besten unnd ausserlesen GUMMI EUPHORBII anderthalb Loth/ Mastix der schön unnd
ausserlesen ist/ drey Quintlein/ Schaaffgarben Blüht ein halb Händtlein voll/ guten Saffran sechs Grän. Alle gemelde Stück
stossen sie zu reinem Pulver/ vermischens darnach wol/ unnd feuchtens an mit gesottenem Küttensafft ohn Zucker/ stossens wol
durcheinander/ biss dass es eine harte Latwerg wirdt/ unnd sich bören lässet wie das gülden Eye/ das heben sie auff zum
Gebrauch.
Schellkraut mit der Wurtzel in rotem wein gesotten/ und darvon morgens unnd abendts getruncken/ stillet den
unmässigen Fluss der gülden Adern.
Wann ein Rossz eine Feder gessen hat/ so gib jhm ein handvoll Schellkraut klein zerschnitten mit dem Futer
vermischt/ zu essen. Das Futer aber sol Gersten seyn/ die sol zuvor eine halbe stundt in einem kalten Wasser erquellt seyn/ unnd
ist solches vielmals probirt worden. Und ist solches mittel auch gut/ wann das Pferdt den Husten hat.
Eusserlicher Gebrauch der Schellwurtzel oder Schellkrauts
Es haben die Alten ein köstliche Augen Artzeney von dem Schellkraut bereitet. Sie haben die
geelen blümlein frisch gesamlet/ und den Safft darvon aussgepresst/ denselbigen darnach mit gutem Honig in einer küpfferen
Pfannen zu ziemlicher dicke eines Syrups gesotten/ und zu mancherley Gebresten der Augen uber Jahr auffgehoben. Dann dieser Safft
in die Augen gethan/ erläutert das dunckel Gesicht/ und benimpt alle Unsauberkeit derselbigen/ wie dann solches der Poet MACER
auch gedenckt/ und diese Artzeney fleissig beschreibet LIBR.DE VIRTUTIBUS HERBARUM, da er also spricht:
Floreniis succus cum melle coquatur in ore
Igne levi, spurnam donec proiecerit omnem,
Et quasi crassitiem mellis decoctio sumat.
Virilius nullum dicunt ocultis midi amen
Quos caligo nocet, si sinc ho saepe peruncti.
Gemeldte Artzeney heylet auch die Geschwer/ Fistel und alle Schädigung der Augenwinckel.
Etliche gebrauchen diesen Safft mit gedistillirtem Schellwurtzwasser/ oder aber von andern nützlichen Blumen und Kreutern
gedistillirten Wassern zertrieben/ je nach Gelegenheit der Mängel der Augen.
Etliche pflegen diesen Safft von den Schellkrautblumen ausszupressen/ unnd in flachen küpfferen Geschirrlein/
mit einem seidenen Tüchlein uberspannet/ an der Sonnen auffzutrucknen/ unnd uber Jahr oberzehlter massen nützlich zu gebrauchen.
DIOSCORIDES aber lehret den safft auss dem Schellkraut also zu bereiten: Jm angehenden Sommer/ presst man einen Safft auss den
Blettern/ Stengeln unnd Wurtzeln dieses Krauts/ unnd dörret den im Schatten/ unnd machet kleine Kügelein darauss. Solcher Safft
wirdt nicht allein für sich selbst/ sondern auch in vielen andern heylsamen COLLYRIIS unnd Augen Artzeneyen vermischt/ unnd
eusserlich als ein sehr kräfftige trucknende Artzeney/ von allen erfahrnen MEDICIS gebraucht.
Etliche bereyten das dunckel Gesicht zu scherpffen unnd zu erläutern ein solch COLLYRIUM: Sie nemmen ein theil
aussgepresstes Schellkrautsaffts/ unnd vermischen darunter ii.theil wol verscheumpts Honigs/ unnd thun darvon zum offtermal drey
oder vier Tröpfflein in die Augen/ unnd ist eine nützliche Artzeney.
Andere machen vor die Dunckelheit und die Flecken in den Augen zu vertreiben ein COLLYRIUM wie folget: Sie
nemmen dess frischen Saffts von dem Schellkraut das wol gereiniget ist ein Loth. Vermischen darunder frisch Fenchelkrautsafft/ der
Gallen von einem Geyren/ und gutes sauberen Honigs/ jedes ein loth/ und vermischens/ brauchens darnach obgemeldter massen.
Frisch Schellkrautsafft mit gleichem theil gutes weins vermischt/ und darvon dess Tages etlich mal in die Augen
etliche Tröpfflein gethan/ erläutert die Augen wol/ und kompt zu hülff dem dunckeln blöden Gesicht.
Vor das dunckel Gesicht und die Flecken in den Augen zu vertreiben/ mach folgendts köstliches Augenwasser:
Nimm Schellkrautsafft frisch aussgetruckt zwey Pfundt/ Honig sechzehen loth/ zwo Gallen von Feldthünern. Vermisch solche Stück/
thue sie in ein distillir Zeug/ und distillier ein Wasser darvon/ das ist ein heylsam Artzeney/ dess Tages einmal oder vier in die
Augen gethan. Oder mach nachfolgendt köstlich Augenwasser.
Nimm dess frischen aussgetruckten Schellwurtzsaffts zwey Pfundt/ Fenchelwurtzelsafft frisch aussgepresst/ gut
lauter Honig/ jedes ein Pfundt. Eine Gall von einem Hasen. Vermisch es durcheinander/ und distillier ein Wasser davon/ das brauch
wie das nechstgemeldte. Oder nim dess frischen aussgepressten Schellwurtzsaffts drey Pfundt/ frischen lauteren Honig ein Pfundt/
Wassereppichsafft/ Tausendtgüldenkrautsafft/ jedes ein halbes Pfundt. Vermische es durcheinander/ und distillirs fleissig durch
ein küpfferen distillier Zeug/ darnach behalt es zu gemeldtem Gebrauch. Oder nimb frisch Schellwurtzel/ unnd wäsch die wol auss
einem lautern guten weissen Wein/ stosse dieselben dieweil sie noch nass vom Wein seyn in einem messinen Mörser/ mit einem
messinen Mörselstein/ biss sie zu Muss werden/ darnach trucks hart durch ein Tuch auss/ unnd was herauss gehet/ darvon thue dess
Tags zweymal etliche Tröpfflein in die augen.
Ein ander Augenwasser vor das blöde Gesicht/ unnd Dunckelheit der Augen: Nimb frisch Schellkrautsafft/
Fenchelsafft/ Stabwurtzsafft/ jedes zwey Loth/ frisch lauter Jungfrawen Honig vier Loth/ vermisch es wol durcheinander/ unnd
behalts zum Gebrauch. Darvon thue dem der den Mangel hat mit einem Federlein/ dess Morgens/ nach Mittag/ unnd dess Abendts/
jedesmal ein wenig in die Augen/ es hilfft wol. Oder nimb Schellwurtzkrautsafft/ Fenchelkrautsafft/ Jungfrawen Honig jedes zwey
Loth/ vermischs wol in einem bequemen Geschirrlein/ und hebe es auff in einem küpfferin Fläschlein zum Gebrauch. Oder nimb
Schellkrautsafft frisch aussgetruckt zwey Loth/ Rautensafft/ Fenchelsafft/ Eisenkrautsafft/ jedes ein Loth/ gepülverten Zucker
Candit dritthalb quintlein/ vermische es wol durcheinander/ unnd behalte es in einem küpfferin Fleschlein/ und brauchs so es die
Nohturfft erfordert/ wie oben gemeldet.
Schellkrautblumen in Rosenwasser mit ein wenig Honig gekocht/ biss die schier eyngesotten sind: Lass erkalten
und trucks hart durch ein Tüchlein auss/ behalts unnd thu das dess Tages dreymal mit einem Federlein in die Augen/ es stercket
unnd erläutert das dunckel Gesicht wunderbarlich.
KYRANNIS lobet sehr den Safft von Schellkraut mit einer Gallen von einem Hanen unnd Honig vermischt/ zu dem
finstern und dunckeln Gesicht/ dasselbige zu scherpffen unnd zu erläutern.
Schellkrautwurtzel klein geschnitten/ unnd wol in Wasser gesotten/ darnach aussgetruckt und durchgesigen/ unnd
die Augen offtermals darmit bestrichen/ nimpt hinweg die Flehmen und Fell der Augen.
Ein gut Wasser das dunckl Gesicht zu erklären unnd zu scherpffen: Nimm Schellkrautsafft/ Fenchelsafft/ guten
weissen firnen Wein/ jedes ein Pfundt/ lass sittiglich uber einem linden Kolfewerlein in einer küpfferin Pfannen den drittentheil
eynsieden/ darnach distillirs und behalts zu obgemeltem Gebrauch.
Schellkrautsafft ein theil/ guten firnen weissen Wein/ und Jungfrauwen Honig/ jedes ein halb theil
durcheinander vermischet/ unnd obgemeldter massen gebrauchet/ hat gleiche Krafft.
Vor die Flecken und Fell der Augen ist nachfolgendt COLLYRIUM oder Augenwasser bewehrt erfunden/ dess Tages
dreymal ein wenig darvon in die Augen gethan:Nimm frisches Schellkrautsafft/ vier Loth/ Frawenmilch anderthalbs Loth/ dess GUMMI
SAGAPENI ein halbes Loth. Diese Ding vermische wol durcheinander/ und behalts zu obgemeldtem Gebrauch in einem Glässlein wol
vermacht/ aber besser ist es in einem küpfferin Fleschlein.
Ein ander experiment: Nimm Schellkrautwurtzel die frisch und noch grün ist/ Zerstoss dieselbige unnd feuchte
sie wol an mit Rosenwasser/ lass eine Nacht in einem küpfferin Geschirrlein stehen/ Morgens mischs wol durcheinander/ thu es in
ein spitz leinen Säcklein/ henck es auff und setz ein Geschirrlein darunder/ was nun vor sich selbst herauss treufft das hebe
auff und behalts in einem Glässlein/ damit bestreich die Flecken dess tags zweymal.
Vor die roten Augen und die Flecken darinn/ ein köstlich bewehrt Wasser/ das mach also: Nimb
Schellkrautbletter/ Fenchelkraut/ Eisenkraut/ und Weinrauthen/ jedes gleichviel ein gut theil/ stoss diese stück in einem
messinen Mörser mit einem messinen Stempffel zu Muss/ darnach truck das Safft auss/ und nim dessen xxiiii.untz/ thu darzu der
frischen Rosenknöpfflein daran die Rosen gestanden viii.untz/ Zucker Candit vi.untz/ der besten bereyten Tutien/ Drachenblut zu
Pulver gestossen/ jedes vier untz/ vermische diese stück wol durcheinander/ thu sie in ein distillier Zeug von Kupffer gemacht/
und distillier davon ein Wasser/ das behalt zu obgemeltem gebrauch.
Ein anders: Nim Schellkraut mit der Wurtzeln also grün unnd frisch/ vier Handvoll/ Fenchelkraut/ Eisenkraut/
Weinrauthen/ Bethonienkraut/ Augentrost/ deren jedes ii.Handvoll/ alle frisch/ und grün gesamlet: stoss diese alle wol in einem
Mörser/ geuss ein halb ächtmass weissen Wein darüber/ darnach press den Safft auss mit einem Kälterlein/ vermisch darmit
gestossen Jngber/ Fleischschleim SARCOCOLLA genandt/ Aloepatick/ Myrrhen/ alles gepülvert/ jedes ii.loth/ Saffran ein quintlein/
Jungfrauwen Honig ein pfundt: Alle gemeldte stück vermisch wol durcheinander/ unnd distillirs mit sanfftem Fewer durch ein
Gläsinen distillirzeug/ das Wasser heb auff. Der Schellkrautsafft mit weissem Wein/ jedes gleichviel vermischt/ unnd darin ein
wenig gepülverten Aloepatick zertrieben.
Schellkrautblumen ein Handvoll in Rosen Wasser gesotten ohngefehrlich auff ein Trinckbecherlein voll mit zwey
Loth Honigs/ biss es halber eyngesotten ist/ unnd darnach durch ein Tüchlein getruckt/ unnd zum Gebrauch behalten/ ist ein
heylsames Augenwasser/ das dunckel oder finster Gesicht damit zu stärcken/ dess Morgens/ nach Mittag umb zwo Uhren/ unnd dess
Abendts/ jedesmal ein Tröpfflein oder drey in die Augen gethan.
Schellkraut mit der Wurtzel grün und frisch zerschnitten/ darnach in einem Mörser gestossen/ den Safft
darnach durch ein leinin Tüchlein aussgetruckt/ unnd einem Gaul darvon in ein Aug gespritzet/ vertreibet jhnen die Fell so darin
gewachsen seyndt.
Wann ein Gaul ein Fell im Aug vom schlagen uberkommen hette/ so nimb Schellkraut mit der Wurtzeln/ wäsche es
sauber unnd stoss wol in einem Mörser/ truck den Safft auss durch ein Tuch/ nimb dessen vi.loth/ guten weinessig ii.loth/ Saltz
ein Loth/ rein gestossenen Jngber ein halb Loth/ guten frischen Honig ii.Loth/ vermisch es wol durcheinander/ und spritz dem Gaul
dess tags dreymal in das Aug/ es hilfft und ist offtermals pribiert.
Schellkrautwurtzel dienet wider alle Gebresten der Augen an den Gäulen/ sonderlich aber wider die Fell und das
rinnen/ so man dieselbig den Gäulen anhenckt.
Schellkraut mit der Wurtzel reyn geseubert und mit so viel frischem eisenkraut in einem Mörser wol gestossen/
unnd im stossen mit Rosenwasser wol befeuchtiget/ darnach aussgetruckt/ vertreibt die röte der Augen/ dess Tags ein mal oder drey
in die Augen gethan.
Vor die trieffenden Augen/ mach nachfolgendes COLLYRIUM: Nimb Schellkraut zwey theil/ Eisenkraut ein theil oder
ein Handvoll/ alles klein geschnitten/ gepülverten weissen Weyrauch ein Loth/ gestossenen Pfeffer ein halb Loth: Vermisch diese
Stück wol durcheinander/ thue solche in ein bequemes Geschirrlein/ schüttdarüber ein guten weissen wein dass der ein wenig
darüber gehe/ lass acht Tag verdeckt stehen/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und behalts zum gebrauch: darvon alle Tag drey oder
vier Tröpfflein/ drey oder viermal in die Augen gethan/ es hilfft.
Schellkraut in Wein und Wasser gesotten/ und den dampff davon in die Augen empfangen/ kompt denen zu hülff die
dess Nachts nicht sehen können.
Schellkrautsafft frisch aussgetruckt/ und darinn ein wenig Eydechsen Kaat zertrieben/ und in die Augen gethan/
hilfft dessgleichen wider die Nachtblindheit.
Vor das Sternfähll oder starrblindtheit: Nimm Schellkrautsafft/ Dürrwurtzsafft/ jedes ii.loth/ Jungfrawen
Honig vier loth/ vermischs/ und thu darvon dess Tags drey oder viermal/ jedes mal drey oder vier Tröpfflein in die Augen.
Vor die schwerende unnd Feuchte Augen: Nimb Schellkrautsafft iii.loth/ Fenchelsafft ii.loth/ Ochsengallen/
Wolffsgallen/ jedes anderthalb loth/ breyte Tutia i.loth/ vermischs wol durcheinander/ und thu es dess Tags zweymal in die Augen.
Vor den schmertzen der Augen: Nimb Schellwurtzkraut zwo Handvoll/ Fenchelkraut/ Mangoldt/ Eisenkraut/ jedes ein
Handvoll: Stoss klein in einem Mörser/ und trucke den Safft auss durch ein Tuch/ davon thue dess tags drey oder vier Tröpfflein
in die Augen.
Schellkraut mit wein gesotten/ und Pflastersweiss uber die zugethanen Augen ubergeschlagen/ leget die
Geschwulst unnd schmertzen der Augen. Solches thut auch Schellkraut in wasser gesotten/ unnd die Augen darmit gebähet. Mit dieser
Kochung auch die Augen gewäschen/ und jedertweilen ein Tröpfflein oder vier darein gethan/ stillet die rinnende trieffende
Augen.
Vor der Schwindel: Nimb Schellkraut ii.theil/ Wegerichtkraut/ Ephew/ jedes i.theil: stosse diese Kreuter/ thue
darzu ein wenig Essig und Chamillenöle so viel genug ist/ dass es werde wie ein Pflaster/ und legs uber das Haupt/ es hilfft wol/
doch sol man das Haar vorhin abscheren.
Schellkraut gestossen/ und den aussgetruckten Safft in die Nasen gesupt/ reiniget das Haupt von allem zähem
schleim/ bringt also widerumb den verlornen Geruch. Gleicherweiss gebraucht/ vertreibt es den Hauptnagel HEMICRANIAM.
Schellkrautwurtzel gestossen unnd in weissem wein gesotten/ unnd den warmen Dampff davon in den Mund empfangen/
reiniget das Haupt von allen kalten Feuchtigkeiten. Diese Kochung auch offtermals warm gegurgelt/ thut dessgleichen/ und hebt
widerumb auff das abgefallen Zäpfflein.
Schellwurtzkraut gestossen unnd in Wasser gesotten/ folgends ubergeschlagen wie ein Pflaster/ legt den
schmertzen der Stirnen.
Schellwurtzsafft an die Ort zum offtermal mit Baumwollen gerieben/ da man nicht gern Haar hat/ vertreibt das
Haar und reutet es auss.
Schön geel Haar zu machen: Nimb Schellkrautwurtzel sauber gereiniget/ und Ferberrötwurtzel/ jedes gleichviel/
nach deinem gefallen/ stosse sie zu einem subtilen Pulver/ und behalts. Darnach nimb Baumölen ein Becherlein voll/ thu darein
frisch Schellkrautwurtzel/ geschaben Buxbaumenholtz/ jedes ein loth/ Römischen Kimmel ein halb loth/ Saffran ein quintlein/ guten
weissen Wein zween Löffel voll: Lass diese Stück mit einander sieden/ biss der wein eingesotten ist/ alsdann seihe es durch ein
Tüchlein. Mit diesem Oele temperier das obgemeldte Pulver/ dass ein Sälblein werde/ unnd schmiere oder salbe darmit die Haar
wol/ lass es also ein Tag unnd Nacht bleiben: dess Morgens zwag das Haupt mit einer Laugen die von Kölkraut stengeln Eschen unnd
Gerstenspreuwer gemacht seye. Oder nimb gesäubert Schellkrautwurtzel zwey theil/ Argemonerössleinwurtz/ geschaben
Buxbaumenholtz/ jedes ein theil/ der Wurtzeln ANCHUSAE, ein halb theil/ thue solche stück in ein Laugen Zuber/ der unden wol mit
Haberstroh beleget seye/ die wurtzeln lege darnach darauff/ unnd auff die wurtzeln Rebenäsch drey theil/ und Aschen von
Haberstroh gebrannt ein theil/ so viel genug ist/ darüber giess dann ein heiss Wasser darinnen Haberstroh gesotten worden ist/
und lass etlich mal durchlauffen wie ein ander Laugen/ und zwag dich darmit/ unnd lass die Haar wider von sich selbst trucken
werden.
Schellkrautsafft mit rein gepülvertem Pfeffer vermischet/ heylet die Geschwer der Zungen/ dieselbige offt
darmit gesalbet.
Schellkraut gestossen/ unnd mit schweinenschmaltz unnd Honig temperiert/ vertreibet die Kröpff wie ein
Pflaster ubergeleget.
Schellkrautwurtzel klein geschnitten ein handvoll mit einer halben handvoll dürrem Ysop/ unnd so viel klein
geschnittener Violenwurtz in Wasser gesotten/ dass ohngefehrlich auff die anderthalb pfundt ubrig bleibe/ und darinn vi.loth dess
sauren Honigsyrups von der Meerzwibel bereitet (OXIMELLIS SCILLUICI) zertrieben/ und offt darmit warm gegurgelt/ ist ein gewisse
Artzeney zu dem abfallenden Zäpfflein.
Schellwurtzsafft mit Wein und Oele jedes gleichviel durch einander vermischet/ vertreibet den Erbgrindt/ das
Haupt zum offtermal darmit gesalbet. Oder nimm Schellwurtzsafft/ Mangoldtsafft/ jedes vier Loth/ weiss Niesswurtz gepülvert
dritthalb Loth/ Schweinenschmaltz sechs Loth/ solches temperier durcheinander/ dass es ein Sälblein werde/ unnd salbe dich
darmit. Ein anders: Nimm Schellkrautwurtzel drey Loth/ weiss Niesswurtzel ein Loth/ stoss sie zu reinem Pulver/ und thu darzu
ii.Loth Essig/ und vier Loth Schweinen Schmaltz/ temperiers durcheinander zu einer Salben/ und brauch es wie gemeldet.
Schellkrautwurtzel gepülvert und mit Essig temperiert wie ein Sälblein/ vertreibt das Zahnwethumb/ die Zähn
und Biller damit zum offtermal gesalbet. Oder siede die Wurtzeln klein zerschnitten in Essig/ und behalt denselben so warm du es
leiden kanst im Mundt/ es hilfft gleichwol. Du musst es aber offt thun dann so baldt es kalt worden/ unnd ein wenig schleim
gezogen/ musst du es erfrischen. Solche Artzeney tödtet auch die Würm in den Zähnen. Das Pulver von der Schellwurtz in den Zahn
gethan/ tödtet gleichfalls die Würm.
Den aussgepressten auffgetrückneten safft in ein holen Zahn gethan/ macht denselben ohne schmertzen
aussfallen.
Schellkrautwurtzel in Essig gesotten/ darnach durchgesiegen/ vertreibt das Halssgeschwer ANGINAM, so man den
Halss offtermals warm damit gurgelt/ so trucknet es die zufliessende Feucht auss/ und reinigt auch also genützt das Haupt.
Frisch aussgepresst Schellkrautsafft/ heylet die abschewliche schädigung und gifftige Zitterschen dess Kinns
(MENTAGRAM) damit offtermals bestrichen.
Schellkraut mit der Wurtzel zerschnitten/ unnd in Wasser gesotten/ vertreibet das Zittern der Händt/ die
Hände darmit gebadet.
Schellkraut mit der Wurtzel zu Pulver gestossen/ und dess Pulvers genommen sechs Loth/ gemeines Saltz zwey
Loth/ Essig drey Loth/ und Schweinenschmaltz sechzehen Loth: Solches alles wol durcheinander zu einer Salben temperirt/ heylet
allen Grindt/ die beschädigten Ort dess Tags zweymal darmit gesalbet.
Ein köstliche Salbe/ die allen Grindt in kurtzer Zeit heylet: Nimm Schellwurtzsafft vier Loth/
Menwenwurtzelsafft/ starcken Weinessig/ jedes zwey Loth/ Schweinenschmaltz vier Loth/ Rosenöl zwey Loth: Lass diese Stück mit
einander uber einem linden Kolfewrlein sieden/ biss die Säfft und der Essig verzehret sind/ darnach seihe es durch ein Tuch/ und
lass ferner darinn zergehen Lerchenhartz/ oder gemeinen Terpentin zwey Loth/ Wachs ein halb Loth/ und rührs sittiglich biss es
kalt wird/ darnach thue weiter darzu gepülvert Cristallin saltz ein halb Loth/ lebendigen Schwebel reyn gepülvert/ Quecksilber/
jedes zwey drittentheil eines quintleins/ gepülvert Christwurtzel ein halb quintlein/ vermische solches wol in einem Mörser
durch einander/ und brauchs wie oben gemeldet.
Schellkraut klein gehackt und gestossen/ heylet die Zitterschen und schwartzen Flecken dess Angesichts/
Pflastersweiss darüber gelegt/ und dess Tags solches zweymal erfrischet.
Schellkrautsafft heylet alle Zitterschen/ dieselben offtermals damit bestrichen/ dessgleichen auch die
Muselsucht.
Schellkraut iiii.Handtvoll/ gestossener Lorbeeren ii.Handtvoll/ unnd ein loth klein geschnitten Bibergeyl inn
ein Leinin Säcklein eyngerigen/ unnd in wein gesotten/ darnach mit zweyen Tellern aussgetruckt/ und warm uber den Bauch gelegt/
stillet das Grimmen gewaltiglich.
Schellkraut uber die Brust gelegt/ stillet den unmässigen Fluss der Weiber.
Ein Schweissbad von Schellkraut gemacht/ fürdert den Schweiss gewaltiglich/ unnd führet viel kalter
Feuchtigkeit auss/ ist derowegen den Wassersüchtigen ein gute Artzeney.
Schellkraut gestossen unnd mit altem Schweinenschmaltz vermischt/ und zu einem Pflaster temperirt/ reyniget und
heylet die alten faulen Schäden/ auff ein Tuch gestrichen und ubergelegt. Die Wurtzel auch von Schellkraut zu Pulver gestossen/
und dareyn gezedelt/ thut dessgleichen/ und heylet alle kriechende/ umb sich fressende Schäden/ Ja auch die/ die zuf Fistel
worden seynd. Andere legens mit Honig wolgestossen uber/ zu gemeldten Schäden und Fisteln/ welches dann auch der alte Artzet und
Poet QUINCUS SERENUS mit nachvolgenden Versen confirmirt/ da er spricht:
At si tam veteri succedit fistula morbo,
Herba Chelidonia fertur cum melle mederi.
Der frisch aussgepresst Safft dess Schellkrauts dess Tags zweymal in die Fistel
gespritzt/ und das gestossen Kraut wie ein Pflaster darauff gelegt/ heylet die Fistel. Dessgleichen thut auch wann man die Wurtzel
von diesem Kraut mit roten Rosen in Wein seudet/ und die Fistel dess Tages zweymal mit der durchgesigenen Brühen ausswäschet.
Die Wartzen und Kreenaugen dess Tags offtermal mit frischem Safft von Schellkraut angestrichen und gesalbet/
vertreibt sie in kurtzer zeit.
Schellwurtz mit Wein gesotten/ und wie ein Pflaster ubergeschlagen/ heylet die Ameyssen Bläterlein unnd den
Haarwurm. Trucknet auch also genützet die alten flüssigen Schäden/ und heylet sie.
Schellwurtz mit Rauthen/ Saltz und Essig gestossen/ und damit die Solen unden an Füssen gerieben/ ist sehr ein
gute Artzeney wider die Geelsucht. Man soll auch den Krancken Schellwurtz in die Schuch legen/ unnd jhn den gantzen Tag darauff
gehen lassen/ und soll alle Tag wiederumb frisch kraut nehmen. Es hilfft in solchem fall auch sehr wol wann man Schwalbenkraut in
Essig stösset/ und solches wie ein Pflaster unden auff die Solen bindet.
Schellkraut mit seiner Wurtzel gestossen/ und darnach in Chamillenölen geröschet/ und wie ein Pflaster warm
uber den Nabel gelegt/ ist ein wunderbarliche hülff wider das Därmgegicht/ dess Tags etlich mal erfrischet. Diese Artzeney dient
auch gleichfalls wider den Schmertzen der Mutter/ auff den understen Bauch gelegt wie ein Pflaster. Gleicher gestalt gebraucht/
legt es auch den Weibern die schmertzen nach der Geburt.
Schellkrautwurtzeln gestossen und gekocht/ darnach Pflastersweiss uber die Wartzen und Brüst gelegt/ macht den
Seugerinnen die ubrige Milch verschwinden.
Schellwurtzkraut mit Rauthen/ Knobloch und gebranten Wein in einem steininen Mörser wol gestossen/ unnd den
Safft darnach hart durch ein Tuch aussgetruckt/ unnd in einem Glass auff gehaben/ ist ein Edel Präservatiff vor die Pestilentz/
dess morgens nüchtern ein Löffel voll darvon eingenommen.
Schellkrautwurtzeln drey oder vier mit einem halben händlein voll Pappelen/ ein wenig Saltz und
Schweinenschmaltz gestossen und zu einem Pflaster temperirt/ unnd uber die Pestilentzbeulen gelegt/ zuvor auff ein Tuch
gestrichen/ verzehret dieselben in sieben stunden.
Schellkrautwurtzeln zwey loth klein zerschnitten mit einem loth Alaun/ in einer mass Essig/ und einer quart
frisch Brunnenwasser zween zwerch Finger eingesotten und durchgesigen/ ist ein herrliche gute Artzeney vor die innerliche Geschwer
der heymlichen Glieder der Männer unnd der weiber/ mit einer Spritzen etliche mal dess Tages hineyn gespritzt. Es dient auch zu
den eusserlichen Geschweren der Mannsruten.
Schellkraut zwo Handvoll mit den öbersten Gipffeln dess Wegerichskrauts wann es Blümlein oder Samen hat einer
Handvoll und ein wenig Weinessig gestossen/ dient wider die Geschwulst der Beyn und Schenckel der Rossz oder Pferdt/ dess Tages
zweymal wie ein Pflaster ubergelegt/ biss die Geschwulst gar vergehet.
Wann ein Pferd gebrochen ist/ so zedel reyn gepülvert Schellkraut in den Schaden/ es heylet bald.
Schellkraut groblecht gepülvert zwey theil/ mit einem theil weissen Weyrauch/ der auch ein wenig zerstossen
sey/ vermischt/ dienet wider den Aussgang dess Afftern/ so man von dem Pulver auff ein Glut wirfft/ und empfahet den Rauch durch
ein heimlich Gemachstuel in den Hindern.
Schellwurtzel safft trücknet die verborgenenunnd innerlichen Feygblatern/ so sie offtermal damit gesalbet
werden.
Von Schellkrautwasser
AQUA CHELIDONII STILLATITIA
Die beste zeit die Schellwurtz zu distilliren ist im anfang dess Meyens/ wann es am vollkommenlichsten blühet/ das Kraut/ Wurtzeln/ unnd Blumen von stengeln abgestreiffet/ gesäubert/ klein gehackt/ und darnach IN BALNEO MARIAE gedistillirt ohn allen Zusatz/ folgendts in der Sonnen/ wie zum offtermal gemeldet/ rectificirt unnd zum gebrauch auffgehalten.
Jnnerlicher Gebrauch dess Schellkraut Wassers
Schellkrautwasser ist ein köstlich Wasser den Krebs unnd Fistel zu heylen/ alle Morgen und Abendt
vier oder fünff loth getruncken/ und die Schäden auch darmit aussgewäschen. Jst auch fast dienlich die verstopffte Leber unnd
Miltz zu eröffnen/ und die Geelsucht durch den Harn ausszuführen/ die faulen Fieber zu vertreiben/ und andere dergleichen
Kranckheiten/ die jhren Ursprung von der Verstopffung der Leber unnd dess Miltzes haben.
Vor die Geelsucht ist folgend Wasser offtermals erfahren: Nimb Schellkraut mit den Wurtzeln vier Pfundt/
spitzen Wegrich ii.Pfundt: Hacke diese Kreuter klein durcheinander unnd distillier ein Wasser darvon IN BALNEO MARIAE, das
rectificier an der Sonnen wie gebreuchlich/ und gieb dem Geelsüchtigen morgen und abendts jedesmal v.loth zu trincken zehen Tag
lang nach einander.
Eusserlicher Gebrauch dess Schellkraut Wassers
Schellkrautwasser ist ein treffentliche Artzeney/ das tunckel Gesicht zu erläutern/ unnd zu
scherpffen/ die Flecken unnd Masen derselben zu vertreiben/ die Flüss und das trieffen zu trücknen/ die Versehrung unnd Fisteln
der Augenwinckel zu heylen/ unnd das Gesicht bey Kräfften zu erhalten/ unnd zu stärcken/ die Augen offtermals darmit bestrichen/
oder etliche Tröpfflein darein getraufft/ unnd die Beschädigung der Augenwinckel darmit gewäschen/ auch Tüchlein darinn
genetzt und in die versehrung gelegt. Jst auch dienlich den roten Augen/ Morgens unnd Abends jedesmal etliche Tröpfflein darein
gethan.
Schellkrautwasser warm gemacht/ unnd also lang in dem Mundt gehalten/ auch offtermals erfrischet/ stillet den
schmertzen der zähn.
Die gifftigen Zitterschen oder Flechten dess Kindes (MENTAGRAM) offtermals mit Schellwurtzelwasser bestrichen/
oder Tüchlein darinn genetzet unnd darauff geleget/ heylet dieselbigen Es vertreibt auch dieses Wasser die Flechten dess
Angesichts/ damit gewäschen oder bestrichen/ und folgends von sich selbst lassen trucken werden.
Auffgetruckneter Schellwurtzsafft
CHELIDONII SUCCUS EXICCATUS
Wir haben hiebevor dess auffgetrückneten Saffts von der Schellwurtzel meldung gethan/ wie derselb von den Alten zu den Kranckheiten der Augen zugerichtet und bereit worden seye/ derwegen wir hie an diesem Orth nichts weiter darvon anzeigen wöllen/ dann dass man denselben von dem grünen oder dürren Kraut füglicher zu den gemelten Gebresten zurichten könde/ allerdings auff die Weiss/ wie wir im anfang dieses Buchs von dem wermuthsafft denselben zu bereyten gelehret haben.
Schellkrautsaltz
CHELIDONII SAL
Auss dem Schellkraut macht man auch ein nützliches Saltz/ das Kraut mit der Wurtzeln und seiner gantzen substantz gedörrt unnd zu Aschen gebrand/ darnach das Saltz wie eben vom Beyfuss und Wermuth gelehrt worden ist/ fein künstlich aussgezogen. Solch Saltz wird heylsamlich vor die Wassersucht und andere mehr Gebresten/ mit wein gebraucht. Solches werden auch erfahrne Medici mit andern Artzeneyen nützlich zu vermischen wissen.