1 / 356-363

SCHAFGARBE
Achillea millefolium - Compositae


VON DEN SCHAFFGARBEN ODER SCHAFFRIPPEN

    Der Garbenkräuter oder Schaffgarben haben wir fünff Geschlecht/ unangesehen/ daß DIOSCURIDES LIB. 4. nur eines beschreibet/ das von ihm STRATIOTES CHILIOPHYLLUS genannt wird. Dieweil aber diese fünff Geschlecht alle mit einander wahre MILLEFOLIA TERRESTRIA sind/ und gleiche Krafft und Würckung haben mit dem MILLEFOLIA TERRESTRI DIOSCURIDIS, welches wir nun viel Jahr her durch den täglichen Gebrauch erfahren/ können sie mit nichten von dem Garbenkraut Dioscoridis abgesöndert werden/ und das darum/ dieweil sie auch so viel die Form und Gestalt belangt/ dem wahren TERRESTRI MILLEFOLIO durchaus gleich sind/ daran uns dann die Grösse/ dergleichen auch die Farb der Blumen gar nicht hindern soll/ sintemal die Natur mit ander mehr Gewächsen auch also zu spielen pflegt.
    I. Das erste und grösser Geschlecht/ hat eine lange/ schwartze/ und hin und wider fladernde/ zasechtige Wurtzel. Die Blätter dieses Gewächs/ ehe dann es Stengel gewinnet/ sind zinnelechtig/ zerspalten/ kleiner dann das Fenchelkraut/ welche dem Krottendill ähnlich sehen/ außgenommen daß sie schwartzgrüner sind. Ein jegliches Blat des Gewerbs vergleichet sich einer Rippen. Gegen dem Brachmonat gewinnet es runde/ hole Stengel bey anderthalb Elen hoch/ mit den jetztgemeldten Blättern bekleidet/ biß oben aus. Je höher die Blätlein die Stengel hinauf wachsen/ je schmäler und kleiner sie werden/ allerdings vast anzusehen wie die Augbrauen oder wie die Flügel der jungen Vögel. Am Oberntheil der Stengel wachsen schöne Cronen/ mit weissen Blumen an langlechtigen Stielen/ die sind den Blumen des wilden Berthrams ähnlich/ wann die vergehen/ wächst in dem innern Apffel ein Saamen/ der sihet wie der Saamen der Chamillen. Die Blätter und das gantze Gewächs haben ein bitterechtigen zusammenziehenden Geschmack mit einer Truckne. Es ist dieses Kraut allenthalben genugsam zu bekommen/ darum es keiner sonderlichen Pflantzung bedarff. Die natürliche Statt aber seiner Wachsung ist an dürren harten Orten/ wird gemeiniglich in dürren Wiesen/ Graßgärten/ und an graßechtigen Rechen gefunden/ neben den Wegstrassen.
    II. Das ander Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzeln/ Blättern/ Stengel und Blumen durchaus allerdings gleich/ allein daß es kleiner und nur halb so groß wird. Es wächst in rauhen Ackern/ sonderlich aber neben den Wegstrassen/ welches mit der Form/ Gestalt/ und allen Kennzeichen mit dem MILLEFOLIUM TERRESTRI STRATIOTE, oder CHILIOPHYLLO DIOSCURIDIS übereinstimmet.
    III: Das dritte Geschlecht ist dem jetztgemeldten auch allerdings mit aller seiner Gestalt gleich/ außgenommen/ daß die Blumen Leibfarb oder Putpurroth sind/ und auch lieblicher riechen als die anderen beyde Geschlecht. Dieses wächst im Wormsergau an etlichen Orten und an den Rechen und in gebaueten Feldern/ wird auch in Wälden gefunden/ fürnemlich aber in den Rödern/ da zuvor Frucht innen gewachsen ist. Dieweil aber dieses nicht so gemein ist wie die vorigen zweye/ so pflegt man es auch in den Lustgärten zu pflantzen/ dan es ein sehr schönes und lustiges Gewächs ist.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ hat ein kleine Wurtzel mit vielen Zaseln/ die Stengel werden nicht viel über Spannen lang/ die Blätter sind viel schmäler/ kleiner und subtiler/ dann an den obgemeldten Geschlechten/ oben an den Stengeln wie auch an den Nebenästlein/ gewinnt es schöne zusammengedrungene geele Blümlein auff Crönlein. Das gantze Gewächßlein hat einen bitterechtigen/ trucknenden und zusammenziehenden Geschmack. Es wird dieses Kraut selten gefunden/ dann es nicht gemein ist wie die gemeinen Garbenkräuter/ wächst in feisten Gründen und Wiesen/ es wird auch zum theil von seiner Seltzamkeit willen/ und auch von wegen der schönen Blumen in den Lustgärten gepflantzet/ und blühet im Brachmonat. [Zwischen diesem und dem andern Geschlecht der Sonnen Goldblum/ oben am 25. Cap. halten wir kein Unterscheid zu seyn.]
    V. Das fünffte Geschlecht ist das allerkleinste/ dann es wird selten gefunden daß es einer Spannen lang erreichen möchte/ ist sonst mit seiner gantzen Gestalt dem zweyten Geschlecht durchauß gleich/ außgenommen/ daß es allerdings kleiner ist/ und schöne Leibfarbe und purpurbraune Blümlein hat/ ist ein sehr lustiges und anmühtiges Kräutlein/ das auch nit allenthalben gefunden wird. Es wächst im Ostwald wann man die Hirtzhörnersteig hinauff komt/ auff der Ebne/ zwischen beyden Flecken/ Hirtzhorn und Beyerfelden in grosser menge zwischen dem Heidenkraut/ an sonnreichen Orten.

Von den Namen der Garbenkräuter.
    Es haben unsere Vorfahren/ und sonderlich die unerfahrne Calendermacher/ und in der Erkandtnus der Kräuter unerfahrne Gesellen/ das Kraut ACHILLEAM, welches DIOSCURIDES LIB. 9. CAP. 28 darnach den STRATIOTUM AQUATICUM, samt dem STRATIOTE CHILIOPHYLLO C. 87 und dem MILLEFOLIO oder MYRIOPHYLLO CAP. 89. gemeldtes Buchs/ also durcheinander vermischt und verwirret/ daß man schwärlich sich daraus wickeln kan/ so man nicht fleissig des DIOSCURIDIS Schrifften lieset/ und die gemeldten Kräuter mit ihren Namen unterscheidet/ die die gemeldten Gesellen alle unserm gemeinen MILLEFOLIO, das ist/ dem STRATIOTI CHILIOPHYLLO DIOSCORIDIS fälschlich zugeschrieben und gegeben haben/ deren man dann heutiges Tages noch viel findet/ die nicht geringe MEDICI wollen geachtet seyn/ die noch in dieser verstockten Blindheit stecken/ und mit sehenden Augen nichts sehen können. DAmit man aber sich vor solchem schären Irrthum hüten könte/ so haben wir hiebevor angezeigt/ erstlich von dem Wasserfenchel/ was MILLEFOLIUM oder MYRIOPHYLLUM DIOSCORIDIS und anderer alten Lehrer seye: so haben wir auch in dem nächstgemeldten Capitel angezeiget/ was ACHILLEA oder ACHILLEA SIDERITIS seye/ hier an diesem Ort haben wir nun von dem STRATIOTE CHILIOPHYLO zu handeln/ was das vor ein Kraut seye/ hernach wollen wir den STRATIOTEM POTAMUM oder AQUATICUM auch an seinem Ort anzeigen/ daß männiglich sehen soll/ wie fälschlich diese Kräuter mit einem Namen/ nemlich dem MILLEFOLIO genannt/ vermischet worden seyn. Was dann den STRATIOTEN CHILIOPHYLLUM anlangen thut/ so ist das gemein klein Garbenkraut an der zweyten Stell beschrieben/ das wahre und rechte STRATIOTES CHILIOPHYLLUS DIOSCURIDIS, doch wie auch in der Description gemeldet/ daß die andern vier Geschlecht darvon nicht können abgesöndert werden/ die man doch der Grösse und der der Gestalt der Blumen halben unterscheiden muß/ dan ausserthalb desselben Unterscheids/ ein jedes mit der Beschreibung DIOSCURIDIS zustimmet. Was dan ferner ihre Krafft un Tugend anlangen thut/ wird keines demselben weichen/ sintemal wir durch die tägliche Erfahrung gewiß/ ja auch überzeuget sind/ daß sie gleiche Krafft und Würckung haben/ und je eins des andern Statt vertretten/ und auch darfür kühnlich mag gebrauchet werden.
    Daß wir aber nun zu den Namen kommen/ so wird das Garbenkraut Lateinisch/ STRATIOTES CHILIOPHYLLUS, Stratiotes millefolium, millefolium terrestre, supercilium veneris. Von den Kräutlern/ LUMBUS VENERIS, von MARCELLO EMPIRICO, HERBA MILLEFOLIA, und von den gemeinen Aertzten und Apotheckern/ MILLEFOLIUM genannt/ so doch DIOSCUR. durch das MILLEFOLIUM oder MYRIOPHYLLUM, den Wasserfenchel verstehet/ davon wir in genugsamen Bericht geben haben. Hochteutsch/ Tausendblatt/ Garb/ Garbenkraut/ Gerbel/ Gerwel/ Schabab/ Kelick oder/ Kelcken auch Sachsisch/ und Schaffripp/ das ist/ COSTA OVINA.
    I. Das erste und groß gemein Garbenkraut/ wird von den Kräutlern MILLEFOLIUM VULGARE und MILLEFOLIUM MAJUS genannt. Hochteutsch/ groß Garbe/ oder groß Garbenkraut.
    II. Das zweyte Geschlecht/ wird von den Kräutlern MILLEFOLIUM VULGARE MINUS, und MILLEFOLIUM TERRESTRE DIOSCURIDIS genannt. Hochteutsch/ klein Garb/ oder klein Garbenkraut.
    III. Das dritte Geschlecht wird von den Kräutlern MILLEFOLIUM PURPUREUM. Hochteutsch/ Purpurroht Farb und Leibfarb Garbe.
    IV. Das vierdte Geschlecht/ wird von den Kräutlern MILLEFOLIUM LUTEUM genannt.  Hochteutsch/ geel Garbe.
    V. Das fünffte Geschlecht ist das allerkleineste unter den andern obgemeldten Garbenkräutern. Dieweil nun aber dasselbige wenigen bekandt/ habe ichs MILLEFOLIUM PURPUREUM MINUS genandt/ und zu Teutsch/ klein Purpurroht Garbe/ zu dem Unterscheid des dritten und grösseren Geschlechts.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Garbenkräuter.
    Alle Geschlecht der Garbenkräuter trucknen und ziehen zusammen/ derowegen sie alle frische Wunden heilen/ und dieweil sie auch von ihrer Bitterkeit eine temperirte Wärme mit einer Kühlung haben/ so legen sie nieder und vertreiben alle hitzige Geschwulst und Entzündung/ ohne einige hintersich Treibung.

Innerlicher Gebrauch der Garbenkräuter.
    Es haben alle obenerzehlte Garbenkräuter viel würckungen gemein mit dem edlen Garbenkraut hiebevor beschrieben/ derowegen auch etliche Ursach genommen/ beyde diese unterschiedliche Kräuter zu vermischen/ was aber aus solcher Vermischung folget/ das haben wir nun zum offtermal angezeiget. Uber die obgemeldten Tugenden aber des edlen Garbenkrauts/ haben wir auch an den gemeinen Garbenkräutern nachfolgende Würckung/ durch den täglichen und langen Gebrauch derselbigen erfahren/ also daß man deren Tugenden kaum beschreiben kan.
    Wider die fallende Sucht oder die grosse Kranckheit/ ist nachfolgende Artzney von dem gemeinen Garbenkraut offtermals mit grossem Nutz versucht worden: Nimm des gemeinen Garbenkrautblätter mit den Blumen/ 12. Loth/ thue die in ein bequemes Geschirrlein/ schütte darüber 36. Untzen frisch Brunnen-Wassers/ laß sittiglich mit einander sieden/ biß das Wasser schier eingeseudet/ also daß man auf die 8. Untzen darvon haben möge. Darnach seihe es durch ein Tuch/ und drucke das Kraut und Blumen hart aus/ thue darzu frisches ausgedrucktes Weinrautensafft/ und gutes verschäumtes Honigs/ jedes 3. Loth/ laß wiederum ein wenig mit einander sieden/ darnach seihe es durch/ und gib dem presthafftigen Menschen nach einer gebührlichen Purgation/ allen Morgen nüchtern eine Untz zu trincken/ und beharre das täglich so lange der Tranck währet.
    Garbenkrautblätter gestossen/ den Safft darvon außgedruckt/ und dessen 4. oder 5. Loht getruncken auf einmal/ stillet das unmäßige Nasenbluten/ und andere Blutflüß.
    Ein gemeinen Tischbecher voll des gemeldten frischen Safts warm getruncken/ vertreibet Zahnwethum.
Des gemeldten Saffts Morgens und Abends/ jedesmal 4. Loht getruncken/ vertreibet das Blutspeyen. Das aufgedrucknet Kraut zu Pulver gestossen/ und eines Quintleins schwär mit drey Untzen gedistilliertem Wallwurtzwasser/ oder aber mit breit Wegerichwasser etliche Tage nacheinander des Morgens nüchtern getruncken/ ist auch eine treffenliche gute Artzney wider das Blutspeyen.
    Oder/ nim des gemeinen Garbenkrautsblätter und Blumen/ 4. Handvoll/ des purpurrothen Garbenkrauts mit den Blumen 2. Handvoll/ Tormentillwurtzel und Kraut/ der kleinen Welschen Bibernellen/ jedes 1. Handvoll. Die gemeldte Stück schneide klein/ thue sie in eine Kante und noch darzu 4. Untzen rothen Rosenzucker/ schütte darüber gedistillirt Wallwurtzwasser und breiten Wegerichwasser/ jedes 32. Untzen/ Tormentill-Wasser und welsch Pimpernellen-Wasser/ jedes 16. Untzen/ verlutier darnach die Kante wol/ stelle die in ein Kessel mit siedendem Wasser/ laß zum wenigsten fünff Stunden also in der Kanten sieden/ dann thue die heraus/ und wann sie kalt worden ist/ so seihe den Tranck durch ein Tuch/ bewahre ihn wol vermacht an einem kühlen Orte/ und gib dem Krancken alle Morgen und Abend fünff oder 6. Loht warm davon zu trincken/ das vertreibt nicht allein das Blutspeyen/ sondern heilet auch alle Versehrung der Lungen/ und die Lungensucht: und so ein Lungensüchtiger von diesem Tranck nicht gesund wird/ demselben ist gewiß nicht mehr zu helffen.
    Wider das Blutspeyen so von einer zersprungenen Ader der Lungen herkomt: Nim des frischen außgepresten Garbenkrautssaffts/ 5. Loht/ zertreib darinn ein halb Loht gebranten und klein geriebenen Blutsteins/ und gibs dem Krancken auff einmahl kalt zu trincken/ dann die warme Artzney hilfft nicht in solchem Fall/ wann das Blutspeyen von einer zerbrochenen Ader seinen Ursprung hat.
    Garbenkraut zu Pulver gestossen/ und eines Quintleins schwär mit einem Trüncklein Essigs zertrieben und warm getruncken/ hilfft wider den Husten/ und auch so einem etwas im Magen und Leib zerbrochen wäre.
Garbenkraut mit wild Weinrebenblüht in Wein oder Wasser gesotten/ und die durchgesigene Brühe warm getruncken/ stillet das Kotzen und Erbrechen des Magens. Das thut auch der außgepreßte Garbensafft/ mit kaltem Wasser vermischt getruncken.
    Wann einer unlustig ist/ und nicht essen oder trincken mag/ der nehme Garbenkraut und sied es in Wein/ seihe es durch/ und trinck alle Morgen nüchtern ein gemeines Tischbecherlein voll warm.
Garbenkraut zu Pulver gestossen/ und eines Quintleins schwär davon mit einem Trüncklein rothen Weins zertrieben/ vertreibet das Reissen und Grimmen im Leibe/ von der Ruhr oder Bauchflüssen verursachet.
    Garbenkraut zu Pulver gestossen/ und 1. Loht mit 10. Untzen Garbenkrautsafft oder Wegerichssafft zertrieben/ darnach durch ein Clistierzeug zu sich gethan/ heilet die Darmruhr. Wann man das Safft aber nicht haben könte/ soll man der gemelten Kräuter eins oder sie beyde in Regen- oder gestäheltem Wasser zum halben Theil einsieden/ und der durchgesigenen Brühen so viel mit dem Pulver vermischen/ und auch also gebrauchen. Der Safft des Garbenkrauts auff 4. Loth mit so viel Wein vermischet und getruncken/ hat gleiche Würckung die Rotheruhr zu heilen und zu vertreiben. Das thut auch das gestossen Pulver von Garbenkraut/ eines Quintleins schwär mit Wein getruncken.
    Garbenkrautsafft frisch außgepresset/ und 4 oder 5. Loht mit so viel Weinessig vermischt getruncken/ treibet gewaltig fort den verhaltenen Harn. Ein Quintlein des Garbenkrautpulvers mit einem Trüncklein Essigs zertrieben hat gleiche Würckung.
    Wider das schwärlich harnen und den Stein: Nim Garbenkraut/ Eisenkrau/ jedes 4. Loht/ guten Honig/ 8. Loht. Zerschneid die Kräuter/ thue sie in eine Kante/ schütte darüber 1. Maß frisch Brunnenwasser/ verkleibe den Ranfft der Kanten wol/ und stelle sie in einen Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse vier Stunden in einem stäten Sud darinn sieden/ und wann der Tranck kalt worden ist/ so seihe den durch ein Tuch/ und trinck davon alle Morgen und Abend/ jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll/ so lang der tranck währet.
    Garbenkraut in Honigwein oder Weinmeht (VINO MULSO) zum halben theil eingesotten/ darnach durch ein Tuch gesigen/ und alle Morgen und Abend ein Becherlein voll warm davon getruncken/ treibet aus das Grieß und den Lendenstein. Des außgepreßten frischen Garbenkrautssafft 4. oder 5. Loht mit gutem weissen fürnen Wein getruncken/ hat gleiche Krafft.
    Garbenkrautsafft frisch außgepreßt 4. oder 5. Loht/ und 1. quintlein der Lattwergen PHILONII PERSICI darinn zertrieben/ dann warm getruncken/ vertreibet das Blutharnen. Das thut auch gemelter Safft/ wann man sein 3. oder 4. Loht nimmt/ und vermischt damit zwey Loht Myrtensyrup/ und trincket es warm/ oder seude Garbenkraut in Essig über den dritten Theil ein/ seihe es dann durch ein Tuch/ und trinck Morgens und Abends/ jedesmal auf die drey Untzen warm davon.
    Garbenkraut mit den weissen Blumen zu Pulver gestosssen und eines Quintleins schwär mit 6. Loth Garbenkrautwasser/ oder einem Trüncklein frischer Geißmilch getruncken/ vertreibet den Saamenfluß.
    Garbenkrautsafft frisch außgepresset/ und 4. Loht mit ein wenig Zucker getruncken/ stillet den unmäßigen Blutfluß der Weiber. Das Kraut und Blumen in Wein oder Wasser gesotten/ darnach durchgesiegen/ und Abends und Morgens/ jedesmal 4. Untzen davon getruncken/ hat gleiche Würckung. Oder stoß das auffgetrucknete Kraut zu einem subtilen Pulver/ und zertreibs mit dem Wasser/ darinn Granatenblumen und der Safft HIPOCISTIS gesotten sind worden/ und gib es zu trincken.
    Frisch Garbenkraut gestossen und ein Mutterzäpfflein darauß gemacht/ vertreibet den weissen Mutterfluß/ so ein Weib dasselbige zu sich thut.
Garbenkrautsafft frisch außgepresset/ und 5. oder 6. Loht getruncken/ vertreibet die unmässige Flüß der Feigblateren und Güldenadern/ und stillet darneben grossen Schmertzen derselben.
    So einer von der Höhe gefallen wäre/ und darvon Blut speyet/ so gib ihm 1. Quintlein gepülvert Garbenkraut mit gutem starcken Weineßig zu trincken.
Wider das Quartan-Fieber ein Experiment: Nim des außgepreßten Garbenkrautssafft/ 6. Loht. Zertreib darinn fünff oder sechs Salbeyenblätter zu einem subtilen Pulver gestossen/ und gibs dem Krancken zuvor/ ehe ihn das Fieber anstösset/ warm zu trincken/ und laß ihn niderligen und schwitzen.
    Die Feigwartzen zu vertreiben und zu heilen: Nim Garbenkraut/ Bachmüntz/ jedes 4. Handvoll/ Wegerichkraut 3. Handvoll. Stosse diese Kräuter wol/ und presse den Safft darvon aus durch ein Tuch/ und thue darzu Mastixkörnlein/ und vier Pfefferkörner zu einem subtilen Pulver gestossen/ vermischs wol durcheinander/ und gib dem presthafftigen neun Tag nach einander alle Morgen nüchtern 4. Loht zu trincken.
    Garbenkraut gibt auch ein edlen Wundtranck für sich selbst/ oder mit anderen Kräutern in gutem weissen Wein gesotten/ den darnach durchgesiegen und getruncken. Dieser Tranck heilet allerley Wunden/ treibet aus das gerunnen Blut/ deßgleichen die Spülwürm/ und was gifftiges im Leibe ist/ stillet auch das reissen und Schmertzen im Bauch und den Därmen/ so von der Ruhr und den Bauchflüssen erreget werden.
    Ein edler Wundtranck/ der alle frische Wunden von Grund herauß heilet: Nim der weissen Garben mit den Blumen/ rohte Garben mit den Blumen/ Buchspick/ Prunellenkraut/ heidnisch Wundkraut/ Engeltranckblätter/ Benedictenkraut mit den Wurtzeln/ Tormentillkraut mit den Wurtzeln/ Schlangenzüngleinkraut/ jedes 1. Handvoll/ roht Müntz/ Pfersingkraut mit den Flecken/ wild Hirtzpastenachblätter/ Meisterwurtzkraut/ Lindenblüht/ die äusserste Juncken von der Brombeerhecken/ die Rinden von den wilden Eglentierrosenhecken/ Monrauten/ jedes 1. halbe Handvoll. Alle gemeldte Stück soll man klein schneiden/ wol durcheinander vermischen/ und in zween gleiche Theil abwiegen/ darvon ein Theil in eine Kante thun/ darüber schütten 1. Maß Weins oder alt Bier/ den Ranfft der Kanten dann sauber verlutieren/ und in einen Kessel mit Wasser setzen/ und darinn vier Stunden in einem stäten Sud sieden lassen/ darnach laß kalt werden/ und zum Gebrauch durchseihen. Davon soll man dem Verwundten alle Morgen und Abend vier oder fünff Loht zu trincken geben.

Eusserlicher Gebrauch der Garben-Kräuter.
    Garbenkraut frisch gestossen/ und den Safft darvon außgepresst/ darnach Tücher darinn genetzet/ und wieder ein wenig außgetrucket/ daß sie nicht trieffen/ dann also warmlechtig über die Schläff und Stirn geleget/ vertreibet das Haubtwehethum.
    Die Blumen von Garbenkraut/ und die Blumen der Specklilgen oder Geißblats/ jedes gleichviel gestossen/ darnach den Safft darvon außgedruckt/ und mit Frauenmilch temperirt/ ist eine edle Artzney die Flecken in den Augen zu vertreiben/ jederweilen 1. Tröpfflein oder 3. darein getrauffet.
Oder/ nim Garbenkrautblumen/ Fenchelkraut und Weinrauten/ jedes 1. Handvoll/ seude sie klein zerschnitten in einer ächtmaß Weins zum halben Theil ein/ darnach seihe es durch ein sauber Tuch. Von diesem Wein thue jederweilen 1. Tröpfflein oder 3. in die Augen/ wie ein ander Augenwässerlein.
    Garbenkraut gestossen zu subtilem Pulver/ und in die Nase gethan/ stillet den Blutfluß der Nasen. Dieses Kraut ist einer widerwärtigen Natur/ wie der hochberühmte HIERONYMUS TRAGUS mein PRAECEPTOR sel. solches wahrgenommen/ also wann man das Kraut stösset oder zerknitschet/ und es auf die blutigen Wunden leget/ so stillet es das Blut/ herwiederum wann einer ein Blättlein in die Nase thut/ so folget über eine leine weil das Blut hernach.
    Garbenkraut mit Eßig gestossen/ und den außgepreßten Safft davon in die Nase zu sich gezogen/ stillet den Blutfluß der Nasen von Stund an. Solches thut auch das frische Kraut/ gestossen und wie ein Pflaster über die Stirn gebunden.
    Die Wurtzel oder das Garbenkraut nüchtern im Mund gekäuet/ vertreibet das Zahnwehe. Das thut auch so man das Kraut in gutem Weineßig seudet/ und die durchgesigene Brühe warm im Mund haltet.
    Garbenkraut mit frischem Butter gestossen/ und durcheinander wie ein Pflaster temperirt/ folgends auf ein Tuch gestrichen/ und warm über den Kinbacken geleget/ auf der Seiten da der Schmertzen der Zahn ist/ leget und vertreibet das Zahnwehethum/ das von hitziger Ursach seinen Ursprung hat.
    Garbenkraut und breiten Wegerich/ mit den Wurtzeln mit Wein gestossen/ vertreibt den Schmertzen und Flüß der Zähn/ warm wie ein Pflaster über den Kinbacken der schmertzhafftigen Seiten übergelegt.
    Garbenkraut frisch gestossen/ und ein Mutterzäpfflein davon gemacht und zu sich gethan/ das Kraut auch also gestossen/ wei ein Pflaster ober über die Scham gelegt/ stillet den unmäßigen Blutfluß der Weiber. Das Kraut in Wasser gesotten/ ein Lendenbad davon gemacht/ und darinn gebadet/ hilfft auch.
    Garbenkraut von seinen Stielen abgestreiffet/ in die Schuh geleget und darauff gegangen/ stillet den weissen Mutterfluß der Weiber.
    Garbenkraut von seinen Stengeln abgestreiffet mit den Blumen/ sechs Handvoll genommen/ deßgleichen Hartheu/ die Blätter und Blumen von Stengeln abgestreiffet 4. Handvoll/ und 2. Handvoll Granatenblumen/ BALAUSTIA ganannt/ ein wenig groblecht zerstossen/ darnach mit den Kräutern und Blumen vermischet/ folgends in ein Säcklein gethan/ und mit einem Faden gerigen/ daß die Kräuter nicht zusammen lauffen mögen/ dann in halb rothen Wein und Eisenlöschwasser ein wenig gesotten/ und hart mit zweyen Brettlein außgetruckt/ daß das Säcklein nicht mehr trieffe/ darnach so warm als mans leiden kan/ über den Bauch geleget/ und offermals wiederum in der vorigen Brühe gewärmet/ ist ein heilsame artzney wider die Ruhr und alle andere Bauchflüß. Solches thut auch das Garbenkraut/ allein vor sich selbst in rothem rauhen Wein gesotten/ und gleichfals über den Bauch gelegt.
    Die Blumen von dem Garbenkraut gestossen/ und über die frischen und blutende Wunden gelegt wie ein Pflaster/ sitllet das Blut derselbigen. Das Garbenkraut gleicher weiß gestossen und übergelegt/ vertreibt und leget nieder die Geschwulst der Wunden.
    Garbenkraut mit Schweinenschmaltz gestossen/ und wie ein Pflaster temperirt/ reiniget und heilet alle Wunden/ welches auch der Poet SERENUS mit folgenden Versen bezeuget:

 
    Garbenkraut frisch oder dürr gestossen/ und mit Essig temperirt/ behütet die frischen Wunden vor aller hitziger Geschwulst und Entzündung/ wie ein Pflaster übergeleget.
    Garbenkraut/ SAnickel/ heydnisch Wundkraut/ jedes gleichviel/ darzu thu Böckenunschlit und Schweineschmaltz/ so viel der Kräuter sind/ stosse diese Ding wol durcheinander/ thue ferner darzu Baumöl/ halb so viel als des Unschlits und des Schmaltzes ist/ seude sie darnnach mit einander über einem linden Feuer/ so lang biß sich der Safft in den Kräutern verzehret/ das presse darnach hart aus durch ein Tuch/ zerlaß ferner darinn halb so viel Wachs als des Baumöls gewesen ist/ und wieder halb so viel Terpentins als des Wachs gewesen ist/ und auch so viel rein gepulverten Fonigreck/ vermische es durcheinander/ so wird es eine herrliche Wundsalb oder Pflaster/ welches alle Wunden und alte faule Schäden heilet.
    Ein ander herrlich und gut Wundpflaster/ welches Wunden und Schäden heilet/ wie die Namen haben mögen/ das bereite also: Nim frisch Garbenkraut 4. guter Handvoll/ heydnisch Wundkraut/ Sanickel/ Wasserbetonienkraut/ sonst mit einem andern Namen Bachschaum genant/ jedes 2. guter Handvoll/ Stosse die Kräuter wol in einem Mörser/ thue darzu Böckenunschlit/ Mäybuttern/ Schweinenschmaltz/ Baumöl jedes 8. Untzen/ vermische solche Stück wol mit den gemeldten Kräutern in einem kupfferin Kesselein/ setze es auf ein linde Gluht/ laß sittiglich miteinander sieden/ biß der Safft in den Kräutern sich verzehret/ alsdann preß miteinander durch ein Tuch. Wann das geschehen/ so zerlaß darinn frisch und gut geel wachs/ Kubelhartz/ Terpentin/ jedes 4. Untzen/ darnach thue es vom Feuer/ und wann es ein wenig überschlagen ist/ so rühr folgende Stück darein/ als da sind/ Siebengezeitsaamen/ 3. Lothd/ Spanisch grün/ 1. Loth/ beyde zu einem reinen Pulver gestossen/ das rühr biß es kalt wird.
    Ein ander gut Wundpflaster vor den Armen und gemeinen Mann: Nimm der grossen Schaafgarben zu einem reinen Pulver gestossen/ 4. Loth/ frischen und gesaltzenen Butter/ grün Siegelwachs/ jedes 6. Loth. Zerlasse den Butter und Siegelwachs sittiglich durcheinander über eine Gluht/ thu es darnach vom Feuer/ und wann es überschlagen ist/ so rühre das Garbenpulver darein/ so hast du ein gut Pflaster zu Wunden und zu Schäden.
    Wider die geschwollen Adern des Hindern/ oder die Feigadern/ und den Fluß der Güldenadern: Nimm Garbenkraut und Ruprechtskraut/ jedes gleichviel/ stosse die und legs über wie ein Pflaster. Man mag auch die gemeldten Kräuter in Wasser sieden/ und ein Lenden-Bad davon machen und darinn baden.
Oder/ nimm 1. gute Handvoll frisch Garbenkraut/ stosse das wol mit genugsamen Schweinenschmaltz/ lasse darnach über einer linden Gluht sieden/ biß daß sich der Safft im Kraut verzehret/ darnach drucke es durch ein Tuch/ und salbe die geschwollenen Ader oder Feigblattern damit.
    Ein ander gut Sälblein wider den Schmertzen der Feigblattern: Nimm frischen ausgepreßten Garbensafft/ Rosenöl/ jedes 2. Loth/ der gemeinen Bleyweißfalben/ Alberbroß oder Poppelsalbe/ jedes 1. halb Loth. Diese Stück soll man in einem bleyern Mörser mit einem bleyernen Stösser auf ein halb Stund wol vermischen/ darnach die Feigblattern damit salben.
    Garbenkraut mit frischem ungesaltzenem Butter zerstossen/ und wie ein Pflaster temperirt/ zertheilt und vertreibet alle Geschwulst/ übergelegt.
Garbenkraut vor sich selbst gestossen/ und wie ein Pflaster übergelegt/ heilet einen jeden Bruch.
    Garbenkraut gestossen/ und mit Unschlit temperirt wie ein Pflaster/ heilet die alten Schäden/ und die Fistel/ welche Artzney dem Poeten SERENO auch nicht unbekannt gewesen ist/ wie er in nachfolgenden Versen bezeuget:
 
    Es machen die erfahrne Wundärtzte ein herrlichen Wundbalsam aus dem Garbenkraut/ wie folget: Nim Garbenkrautblätter und die Blumen/ 4. Handvoll/ stosse die in einem Mörser/ und thue sie in ein bequem Violglaß/ schütte darüber 4. Pfund alt Baumöl/ vermache das Glaß beheb zu/ und stelle es zehen Tage an die Sonne/ darnach drucke das Kraut und Blumen hart aus durch ein Tuch/ und thu wieder 4. Handvoll Garbenkraut und Blumen in das außgepreßte Oel/ stelle es wol vermacht neunzehen Tage in die Sonne/ alßdann preß das Oel aus durch ein Tuch wie zuvor/ und thue die nachfolgenden Stück darzu/ als da sind Dillenöl/ Cyprischen Terpentin/ jedes 8. Untzen/ Mumien/ Aloes und Paradeißholtz/ Mastix/ Myrrhen/ Epheugummi/ jedes 3. Loth/ gerectificirten gebrannten Wein/ 8. Untzen/ Dannenhartz/ 3. Untzen/ Saffran/ 1. Loth/ Näglein/ Muscatnüß/ Zimmatrinden/ jedes 3. Quintlein. Alle truckne Stück soll man zu einem reinen Pulver stossen/ darnach mit den andern Stücken wol vermischen/ in ein Kolbenglaß thun/ dasselbige beheb verstopffen/ daß nichts außriechen mag/ und sezte das Glaß in BALNEUM MARIAE, lasse drey Stunden lang in stätem Sud darinn sieden/ darnach thue daß Glaß heraus/ und stelle es zehen Tag lang wieder in die Sonne/ und hebe das Oel fleißig auf zu dem Gebrauch. Dieses Oel heilet alle alte und frische Wunden/ deßgleichen alte Schäden/ Fisteln/ Krebs und den Bresten NOLI ME TANGERE. Es vertreibet auch den Schmertzen der Ohren/ warm darein getraufft. Den gantzen Rückgrad vor dem Ankunfft der Fieber mit diesem Oele gesalbet/ mildert das Schaudern und die kälte des Fiebers.
    Garbenkraut gestossen und wie ein Pflaster übergelegt/ heilet die Biß der gifftigen Viperschlangen.
    In Wein oder Wasser gesotten/ und damit die alte Wunden und flüßige Schäden gewäschen/ und das gesotten Kraut wie ein Pflaster übergebunden/ säubert/ trucknet und heilet dieselbigen.
    Wider die Lähmde und Contraction der Glieder/ mach nachfolgende Salb: Nimm grün Garbenkraut mit den Blumen und den Saamen/ drey Handvoll/ Beyfuss mit den Saamen/ Bilsenkraut mit der Wurtzel und Saamen/ die öbersten Gipffel der grossen brennenden Nesseln mit den Saamen/ jedes 2. Handvoll. Stoß alle gemeldte Kräuter in einem Mörser zu Muß/ vermisch damit alt Schweinenschmaltz/ Baumöl/ Hirtzenunschlit/ guten alten Wein/ außgepreßt Küttensaft/ jedes 4. Untzen. Thu alle gemeldte Stück in ein Pfann oder bequemes Kesselein/ lasse sittiglich miteinander sieden/ biß der Wein/ Küttensafft/ und der Safft in Krautern gar eingesotten ist/ alsdann preß es hart durch ein Tuch/ zerlaß ferner darinn neues Wachs 6. Loth/ Biberschmaltz/ Terpentin/ jedes 3. Loth/ gerectificirten gebrannten Wein/ 2. Loth/ darnach hebs vom Feuer/ und wann es überschlagen ist/ so rühr 3. Loth Bibergeil auf das aller reinste gepülvert darein/ biß die Salb kalt wird und gestehet/ alsdann verwahre sie in einer Percellanen Büchsen. Mit dieser Salbe soll man die Glieder alle Morgen und Abend bey einem warmen Ofen oder Gluth wol salben/ und dann warme leinine Tücher darum winden und sie warm halten/ so kommen die Glieder zu recht/ wann sie schon schlagsüchtig wären.
    Wider die Geschwulst der Mannsruthen und der Hochbelg oder Klöß/ ein Experiment: Nimm Garbenkraut/ Korbfeygen klein zerschnitten/ roth Rosen/ Geyßbohnen/ jedes gleichviel klein zerstossen/ thue sie in ein Säcklein/ und seude es in Wein/ und lege das Säcklein so warm man es leiden kan über/ das wird alle Geschwulst bald zertheilen und hinweg nehmen/ und ist ein besonders erfahrnes SECRETUM.
    Daß sich ein Wein nicht verkehre/ nicht breche/ noch ungeschmackt werde: Wann der Most verjähren ist/ so nim ein gut Theil Saamen von dem Schaafgarbenkraut/ und hencks in einem Säcklein in Wein.

Garbenkraut gedistillirt Wasser.
 MILLEFOLII TERRESTRIS AQUA STILLATITIA.

   Aus der weissen oder purpurbraunen Garben/ distillirt man auch ein heilsames Wasser. Die beste Zeit aber ist am Ende des Mäyens/ das Kraut mit den Blumen und aller seiner Substantz gehackt/ und sänfftiglich in BALNEO MARIAE abgezogen/ darnach zu jeder Maß Wassers 5. Untzen des auffgetruckneten Krauts mit den Blumen groblecht gestossen/ vermischt/ und vier und zwantzig Stunden in einem warmen BALNEO MARIAE digerirt/ darnach in der Sonnen gerectificirt/ und zum Gebrauch aufgehaben.

Innerlicher Gebrauch des Garbenkraut-Wassers.
    Garbenkraut-Wasser ist ein heilsamer und guter Wundtranck/ nicht allein die äusserliche Wunden/ sondern auch alle innerliche Versehrung und die Brüche zu heilen. Es treibet auch das gerunnen Blut/ stillet den unmäßigen Blutfluß der Weiber/ deßgleichen den weissen Mutterfluß/ führet aus dem Leibe die Spülwürm/ alle Morgen und Abend/ jedesmal 4. oder 5. Loth getruncken.
    Den jungen Kindern soll man jederweilen die Würme auszutreiben 2. biß 3. Loth zu trincken geben.
    So auch einer sich verblutet und seine Farb davon verlohren hätte/ der soll eine Zeitlang alle Morgen und Abend 5. oder 6. Loth des gemeldten Wassers trincken/ und auch seinen Wein damit vermischen/ so komt ihm seine natürliche FArbe wiederum.

Ein köstliches AQUA VITAE oder Güldenwasser von dem Garbenkraut.

    Nim Garbenkraut und Blumen/ 4. Untzen/ Venushaar/ Scharlachwurtzel/ Brackendistelwurtzel/ Fenchelwurtzel/ Peterleinwurtzel/ Spargenwurtzel/ Endivienwurtzel/ jedes 3. Untzen/ zerschneide diese Stück klein/ und stosse sie groblechtig/ thue die Stück alle in ein Kolbenglas/ schütte darüber einen guten gebrannten Wein/ daß er zween zwerch Finger darüber gehe/ darnach distilliers sänfftiglich in BALNEO MARIAE ab. Nim darnach weiter Römischenkümmel/ Zimmatrinden/ jedes 3. Untzen/ weissen Ingber/ Pfefferkörner/ jedes 2. Untzen/ Näglein/ 3. Loth/ Spicanarden oder Lavanderblumen/ Bergmüntz/ jedes 2. Loth. Stoß gemeldte stück zu einem groben Pulver/ und thue sie in das vorige gedistillirt Wasser/ und schütte noch ferner darzu 32. Untzen des besten rohten Weins/ laß acht Tage wol vermacht miteinander beitzen/ darnach distilliers zum andernmal/ Wann das geschehen/ so nim weiter Galgan/ Cubeben/ Liebsöckelsaamen/ jedes 2. Loth/ Zimmatrinden/ Näglein/ Indianisch Spicanarden7 Muscatenblüht/ Süßholtz/ langen Pfeffer/ jedes 1. Loth. Diese Stück stosse auch groblecht/ und thue sie in die vorige Destillation/ laß wiederum acht Tag erbeitzen/ darnach distilliers wie zuvor zum drittenmal. Nim darnach weiters Alexandrinischen Balsam/ und gerechten ungefälschten Amber/ jedes 12. Grän/ binde diese in ein rothen Zendel/ und hencks in das gemeldte AQUA VITAE, so ist es gerecht.
    Mit diesem edlen Gülenwasser den Wein vermischet/ und allwegen zwey Tröpfflein in ein Becherlein Weins gethan/ stärcket das kalt Hirn/ und macht ein gut Gedächtnuß/ ist sonderlich dienlich den alten betagten Leuten. Die jungen Menschen aber die unter dreissig Jahren/ die sollen über den vierten Tag des Wassers/ des Morgens nüchtern eines Gülden schwär trincken/ das Haupt/ Hirn/ und Memori zu stärcken. So ein alter betagter Mensch dieses Wasser wie gemeldet/ über die Mahlzeit gebrauchet/ und darneben alle Morgen nüchtern 4. Tröpfflein mit einem Löffel v oll gutes fürnen Weins/ der lebet die Zeit die ihm von Gott aufgesetzt ist/ und behütet ihn vor aller Kranckheit/ biß zu seinem aufgesetzten Alter. Es schärpffet die Vernunfft/ vertreibet die Melancholey/ und Traurigkeit/ stärcket die natürliche angebohrne Wärme/ erquicket die leblichen Geister/ und verhütet vor dem Schlag und Parlyß. Es ist auch dieses edel Wasser gut vor vergifft und bösen stinckenden Nebel/ die Naßlöcher und Schläff damit bestrichen/ und ein Schwämlein damit besprenget und daran gerochen. Das Angesicht mit diesem Wasser bestrichen/ machet es hübsch und schön.

Eusserlicher Gebrauch des Garbenkraut-Wassers.
    Garbenkrautwasser heilet die Mundfäule/ die Geschwär des Zahnfleisches und des Halß/ den Mund zum oftermal damit gespühlet und ausgewäschen/ oder den Halß wol damit gegurgelt.
    Das gemeldte Wasser heilet auch alle Verwundung und Versehrung der heimlichen Glieder/ der Manns- und Weibspersonen/ offtermals damit gewäschen/ und leinene Tüchlein darinn genetzt und darein gelegt.
    Ein edel Augenwasser vor die Thränen und Flüß der Augen: Nimm die frischen Blätter und Blumen des Garbenkrauts/ 3. Untzen/ gepülverten Mastix/ gepülverten Weihrauch/ jedes 3. Loth/ guten weissen Wein/ 6. Untzen. Vermisch diese Stück wol durcheinander/ und distilliere es mit sanfften Feuer in BALNEO MARIAE, und behalts zum Gebrauch. Von diesem Wasser thue jederweilen ein paar Tröpfflein in die Augen/ es trucknet die Flüß/ und machet ein hell klar Gesicht.

Garbenkrautwein.
MILLEFOLII TERRESTRIS VINUM.

    DIOSCURIDES, PLINIUS, oder andere alten Lehrer gedencken des Garbenkrautweins nicht/ ausgenommen der MARCELLUS EMPIRICUS, der lobet diesen Wein wider die Bauchflüß/ und das Grimmen und Reissen im Leib/ das von den Durchläuffen verursachet wird. Diesen Wein möchte man aus dem dürren Garbenkraut bereiten/ und in dem Herbst zurüsten wie den Wermuthwein/ und zu solchen und auch allen obgemeldten erzehlten innerlichen Kranckheiten gebrauchen/ wie von dem Gebrauch des Krauts erzehlet worden sind.
    Wider den unmäßigen Blutfluß der Weiber/ bereitet man ein nutzlichen WEin mit einem Zusatz also: Nimm des aufgetruckneten Garbenkrauts mit den Blumen/ 8. Untzen/ Saurampffersaamen/ 2. Untzen/ rothe Rosen/ anderthalb Untzen/ Wegerichkraut/ Wegerischsaamen/ der inneren Häutlein von den wilden Haselnüssen/ jedes 2. Loth/ Mastix/ anderthalb Loth/ Burtzelkrautsaamen/ 1. Loth/ bereiteten Coriander/ ein halb Loth. Alle gemeldte Stück soll man zerschneiden und groblechtig zerstossen/ darnach mit Hanbüchen Spähnen in ein zehenmäßiges Fäßlein einschlagen/ das Fäßlein mit einem guten Most zufüllen und über Jahr verwahren/ wie wir von dem Wermuthwein genugsamen Unterricht gegeben haben.

Garbenkraut-Meth.
MILLEFOLII TERRESTRIS AQUA MULSA.

    Der Meth des Garbenkrauts wird gemacht/ wie aller anderer Meth so von Kräutern bereitet wird/ der ist ein gesunder Tranck wider das Grimmen und Reissen im Leibe/ von der Ruhr und andern Bauchflüssen herkommende. Er dienet auch denen wol die mit Noth harnen/ dann er treibet den Harn gewaltig/ reiniget die Nieren/ Harngäng und Blasen/ und heilet alle innerliche Versehrung.
    Ein anderer Meth mit einem Zusatz/ der ist gut wider das schwärlich harnen/ führet darneben aus das Grieß und den Lendenstein: Nimm Garbenkraut mit den Blumen/ 4. Untzen/ Eisenkraut/ der Wurtzel von den kleinen Brombeeren die auf den Aeckern wachsen/ jedes 2. Untzen. Solche Stück soll man klein zerschnitten in 18. Maß Wasser sieden/ biß 12. Maß überbleiben/ dann soll mans durch ein Tuch seihen/ und darzu thun anderthalb Maß Honig/ und gemächlich über einem linden Feuer sieden lassen/ biß es halber eingeseudet/ im sieden aber soll man es stätig verschäumen/ darnach durchseihen/ in ein Fäßlein thun/ und damit vermischen 1. Löffel Bierhöfen/ damit es desto eher verjähren möge/ und darnach zum Gebrauch verwahren. Diesen Meth aber soll man nicht brauchen vor ein gemeinen Tranck/ sondern vor eine Artzney/ und einen Tag nicht über 4. Becher voll trincken/ des Morgens nüchtern einen/ im Anfang des Mittag-Imbiß einen/ Nachmittag um zwey Uhren einen/ und zum Nacht-Imbiß auch einen.