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VOM ROSSZFENCHEL
Dess Rossfenchels haben wir drey underschiedtliche Geschlecht/ wiewol DIOSCORIDES LIB.3.CAP.62. nur zweyer
gedenckt/ und beschreibet.
l. Das erste Geschlecht hat eine grosse/ lange/ dicke Wurtzel/ die ist ausswendig schwartz/ und innwendig
weiss/ unnd luck eines ziemlichen guten Geschmacks und scharpff/ der Stengel ist gleychechtig/ doch weniger als der Fenchel/
ohngefehrlich anderthalber Elen hoch/ die Cronen bl�hen geel wie der Fenchel/ die Bletter seynd gr�sser unnd breyter als dess
Fenchelsbletter: Wann die Bl�het vergehet/ folget ein breiter Samen wie der Samen dess Bergpeterleins/ der ist am Geschmack
r�ser und sch�rpffer als der Samen dess Fenchels. Dieses Gew�chs findet man viel auff den Wiesen zwischen dem Gebirg gelegen
als zu Cronweissenburg/ Bergzabern/ bey M�mpelgart unnd andern mehr dergleichen Orten/ unnd auff den grassechtigen Rechen
daselbst herumb.
ll. Das ander Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzeln/ Stengel und Blettern fast durchauss gleich/ alein
dass es weisse Blumen auff seinen Cronen bringt/ wie das ander geele/ und ist auch das gew�chs in allem vollkommenlicher als das
erste. Dieses w�chst allenthalben in Engellandt vor sich selbst/ aber bey uns muss es in G�rten getzielet werden/ unnd nimmet
unser Erdtrich und Lufft gern an. Am Geschmack und Greuch ist es unserm Rossfenchel auch gleich/ wie dann auch so viel die Gestalt
der Wurtzel belanget/ gar kein unterscheidt under diesen beyden ist/ unnd kann man keine vor der andern erkennen/ zu dem bleibet
auch die wurtzel im Winter in der Erden unversehren/ und schadet jhr keine K�lte nicht/ wie auch der unseren. Der Hochgelehrte
und f�rtreffliche PHILOSOPHUS WILHELMUS TURNEUS, hat mir erstlich dieses Gew�chs mitgetheilet/ unnd hernachmals auch den Samen
auss Engellandt tzgeschickt/ welchen ich ges�et/ und mir gl�cklich und wol auffgangen ist.
lll. Rosszfenchel und der ll. wildt Fenchel DIOSCORIDIS
HYPPOMARATHRUM lll. DIOSCORIDIS ll.
lll. Das dritt Geschlecht dess Rosszfenchels/ welches das zweyte DIOSCORIDIS ist/ beschreibet er DIOSCORIDES an vorgemeldtem Ort alsoFenchelund spricht: Es ist noch ein Kraut dass man Rosszfenchel nennet/ mit langen/ d�nnen/ schmalen Blettern/ das hat einen runden Samen/ der sich dem Samen dess Corianders vergleichet/ derselb ist zanger und scharpff am Geschmack/ eines guten Geruchs/ und hat eine Krafft damit er erw�rmet.
Von dem Namen dess Rosszfenchels
Es sindt etliche die halten unsern Rosszfenchel vor ein Geschlecht dess Zirmets oder SILESIOS, aber sie jrren
sich nicht wenig/ dann die Beschreibung/ wie dann auch die Kraft und Wirckung dess HIPPOMARATHRI, das ist dess Rosszfenchels/ mit
diesem Gew�chs gar wol uberein stimmen/ derowegen wir es auch von dem HIPPOMARATHRO nicht w�llen absondern.
l. Der Rosszfenchel heist Lateinisch HIPPOMARATHRUM, FOENICULUM SYLVESTRE,
FOENICULUM ERRATICUM, FOENICULUM EQUINUM, FOENICULUM CAPRINUM, FOENICULASTRUM, bey HIERONIMO BRUNSVVICENSI, FOENICULUM RABALLINUM,
bey THEODORO GAZAE EQUIFOENICULUM, bey dem DIOSCORIDI MIUM und MARATHRIS, bey dem PLINIO MYSINEUM, unnd auch wie etliche
EXEMPLARIA haben MYRSINEUM, und bey den MAGIS THYMARNOLIUM. Hochteutsch/ wilder Fenchel/ Rosszfenchel und Geyssfenchel.
ll. Das zweyte Geschlecht dess Rosszfenchels/ wirdt von den Kreutlern unnd Simplicisten HIPPOMARATHRUM ALBUM,
HIPPOMARATHRUM ANGLICUM, unnd SAXIFRAGIA ANGLICA genannt/ sintemal es die Engell�nder vor ein steinbrech oder SAXIFRAGIAM halten/
unnd es auch davor brauchen. Teutsch/ Englischer Rosszfenchel/ weisser Rosszfenchel/ und Englischer Steinbrech. Unnd kann aber
auch dieses Gew�chs von dem ersten Rosszfenchel nicht abgesondert werden/ sintemal es ein wahres Geschlecht dess HIPPOMARATHRI
ist.
lll. Das dritte Geschlecht dess Rosszfenchels/ welchs das zweyte HIPPOMARATHRUM DIOSCORIDIS ist/ das heist
Lateinisch/ HIPPOMARATHRUM ALTERUM, und FOENICULUM
ERRATICUM ALTERUM. Bey uns Teutschen hat es keinen Namen/ dieweil es noch unbekannt ist.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Rosszfenchels
Der Rosszfenchel wie auch die Englisch Steinbrech/ seind warm im dritten und trucken im andern Grad/ haben eine
Krafft zu w�rmen/ zu �ffnen/ d�nn zu machen/ abzul�sen und zu zertheilen. Seindt darin kr�fftiger als der gemein und zam
Fenchel. Der dritte Rosszfenchel/ hat eine gleiche Krafft mit den jetzgemeldten/ aber nicht also kr�fftig.
Jnnerlicher Gebrauch dess Rosszfenchels
Die Wurtzel dess Rosszfenchels Sam und Wurtzel getruncken/ stopffen den Stuelgang/ heylen die gifftigen Bissz
der Schlangen/ brechen den Stein/ und vertreiben die Geelsucht. Deren giebt man eines G�lden schwer eyn/ zu einem reinen Pulver
gestossen mit Wein zertrieben.
Rosszfenchelkraut oder Bletter in Wasser gesotten/ und die durchgesigene Br�he getruncken/ machen den
seugenden Weibern viel Milch/ und reinigen die Kindbetterinnen nach der geburt. Die Bletter in Wein gelegt und stetig davon
getruncken/ haben gleiche Krafft und Wirckung.
Eusserlicher Gebrauch dess Rosszfenchels
Der Rosszfenchel mit Kraut/ Stengel unnd Blumen in Wasser gesotten/ unnd den warmen Dampff durch ein heimlich
Gemach Stuel in die Mutter durch ein Rohr oder Trechter empfangen/ f�rdert und reitzet die Monatzeit der Weiber.
Gleicher gestalt gesotten/ unnd ein Schweissbad darvon gemacht/ f�hret alle b�se Feuchtigkeit so sich
zwischen Fell unnd Fleisch gesamblet durch den Schweiss auss/ und treibet gewaltiglich auss die Geelsucht.
Die Bletter von Rosszfenchel genommen/ und in einer pfannen mit ein wenig Weins unnd Buttern ger�schet/
darnach zwischen zwey leinen T�chern gelegt/ unnd warm oben uber die Gem�cht gelegt/ treibet fort den verstandenen Harn. Es
werden auch die Bletter n�tzlich gebraucht zu den Lendenb�dern in Mutter Kranckheiten/ unnd vor den Stein. Das zweyte Geschlecht
dess Rosszfenchels Englischer Steinbrech genant/ hat gleiche Krafft unnd Wirckung/ unnd mag derowegen je eins an dess andern statt
gebraucht werden.
Gedistillirt Wasser von Rosszfenchel
Auss dem Rosszfenchel distillieret man auch ein heylsames Wasser/ wie auss der Englischen Steinbrech. Die beste Zeit aber seiner Distillierung ist/ wann es bl�het/ das Kraut mit aller Substantz klein gehackt/ unnd IN BALNEO MARIAE gesistilliret/ Darnach wie offtermals angezeiget/ in der Sonnen gerectificiret/ darnach zum Gebrauch der Artzeney auffgehaben.
Jnnerlicher Gebrauch dess Rosszfenchels Wassers
Rosszfenchels Wasser dess Morgensunnd Abendts/ jedes mal vier oder f�nff Loth getruncken/ treibet den Harn und
Griess/ f�hret auss den Stein/ f�rdert die Weiber Zeit/ reiniget die Nieren/ Harng�ng und Blasen/ unnd reiniget die
Kindtbetterinnen nach der Geburt/ verh�tet sie vor Mutterkrimmen/ und vertheilet die Windt im gantzen Leib.