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PFINGSTROSE
Paeonia - Paeoniaceae


VON PAEONIEN

 

    Es gedencket DIOSCURIDES lib. 3. cap. 159. zweyer Geschlecht der Päonien: eines ist das Männlein/ das ander aber das Weiblein. (I.)Von dem Männlein schreibet er/ daß es Blätter habe den grossen Nußbäumen Blättern ähnlich: die Wurtzel sey dick/ wie ein Finger/ und einer Spannen lang/ eines herben und zusammenziehenden Geschmacks: Es ist auch die Wurtzel auswendig etwas röthlich/ innwendig aber weiß. Der Saame ist auch etwas runder dann in den Weiblein/ sonst ist es in andern Stücken dem Weiblein fast gleich.
    II. III. Das ander Geschlecht wird genennt Päonienrosen Weiblein/ hat ein knodechte oder knöpffechte Wurtzel/ welche sich etwas den Eicheln vergleicht/ oder aber der Affodillwurtz/ welcher sie gantz und gar verwandt seyn/ auswendig schwartzlecht/ innwendig aber weiß und lück/ eines schwären Geruchs: Aus der Wurtzel wächst ein glatter Stengel zweyer Schuh hoch/ an welches Gipffel schöne runde Köpff herfür kommen/ wann dieselbige aufgehen/ so werden schöne rothe Rosen daraus/ deren etliche gefüllt seyn/ [und deren offt eine bey 500. Blätter klein und groß hat] etliche auch ungefüllt/ innwendig mit gelben Zaseln besetzet: Die Blatter seyn der schwartzen Nießwurtzblättern fast gleich/ seyn erstlich braunroth/ darnach werden sie grün/ und endlich aschenfarb. Wann die Blätter an den Blumen verfallen/ so wachsen zwey oder drey kleine/ rauhe/ weiche Schöttlein/ wie Mandelknöpff/ in welchen man/ wann sie sich aufthun/ schöne rothe Körner find/ wie der Granatkörner/ welche mit der Zeit gar schwartz werden/ innwendig aber bleiben sie weiß/ und seyn eines süssen Geschmacks. [Aber die gefüllte bringet gar selten Saamen/ dieweil die Krafft alle in die Blumen verzehret werden.]
    IV. Das folgende Geschlecht ist dem andern gantz und gar gleich/ allein daß seine Blumen von Farben von Farben schön weiß seyn.
    [Sonst findet man under den Weiblein eine die gantz schön weiß ist: wie dann auch eine gefunden wird die grosse Blätter und dergleichen leibfarbe Blumen hat/ die aber noch so groß sind als an den andern. Noch ist eine mit harten kleineren dunckelgrünen Blättern/ so nit hoch wächst/ und ist die Blume viel kleiner dann an der gemeinen und dunckelbraunen. Es ist auch eine/ die Blätter hat fast als die gefüllte/ mehr zertheilet als die ander/ die Blum ist schön Zinober farb/ die man BYZANTINAM nennet: von andern soll in unserm lateinischen HERBARIO, geliebts Gott/ weitläuffiger/ wie dann auch von diesen geredt werden.]
    Sie werden allesamt in den Gärten gezielet: [wiewol das Männlein und Weiblein auch wachsen in den hohen Gebürgen bey Como/ wann man in das Schweitzerland will auff dem Monte Generoso genannt/ auch in Saffoy und Barbona auf dem VEGANIO. Die weisse aber in Creta auff dem Berg Ida/ wie BELLONIUS schreibt.] Blühen im Mayo.

Von den Namen.
    Paeonien oder Benigenrosen/ wird auch genennt Pfingstrosen/ Gichtrosen/ Königblum/ Griechisch und Lateinisch PAEONIA, DULCISIOLA.

Von der Natur/ Krafft und Eigenschafft der Päonien.
    FERNELIUS schreibt/ die Päonien seyn warm und trucken im andern Grad. Sie seyn etwas süß/ ziehen auch zusammen/ und haben eine Schärpffe/ die ein wenig bitter ist.
[Die Blumen sollen im Mäyen: der Saamen im Augstmonat gesammlet werden: aber die Wurtzel soll man zu Anfang des Frühlings/ ehe sie die rothen Zapffen stossen/ oder im Herbst/ so der Stengel verwelcket ist/ graben un behalten/ so zwey oder drey Jahr gut bleibt.]

Innerlicher Gebrauch
    Es wird die Päonien sehr gerühmt wider die Gebresten des Haupts und des Hirns/ fürnemlich aber wider die Fallendsucht/ wie GALENUS, bezeuget. [Aber bey den Alten findt man nirgends/ daß sie die Päonien innerhalb den Leib wider diese schwäre Kranckheit gebraucht haben: jedoch so gibt die lange Erfahrung/ daß nicht allein diese Wurtzel und Körner gut seyn/ sondern auch der Safft und Wasser aus den Blumen darzu dienstlich seyen. Daher pflegt man den Kindern mit Kirschenwasser ein Milch aus dem Saamen zu machen/ und mit anderen nothwendigen Dingen vermischen/ welche wider das Fraißlich kräfftig ist. Ander nehmen die Körner/ säuberens fleißig von der äussersten Rinden und machen mit Zucker oder Honig ein Latwerge/ und brauchens für ein Präservativ wider gemeldte Kranckheiten.
    Es soll aber die Wurtzel gegraben werden im Frühling in abnehmenden Mond: andere grabens/ wenn die Sonn im Löwen ist/ darzu am Tag und Stund der Sonnen/ in abnehmendem Mond.]
    Wider das Fräsel der jungen Kinder/ soll man nehmen der Wurtzel und Saamen der Päonien jedes ein Quintlein/ Eichenmistel ein Quintlein/ diese Stuck soll man zu einem subtielen Pulver machen/ mit Zucker vermischen/ und den Kindern ein Quintlein schwär mit Milch eingeben.
    So aber den Kindern das Fräsel von Würmern herkäme/ welches dann offt geschicht/ soll man nehmen der Wurtzel und Körner der Päonien jedes 2. Quintl. Wurmsaamen zwey Quintlein/ des besten RHABARBARI 2. Scrupel/ weissen Zucker zwey Untzen/ darvon soll man auch ein subtieles Pulver machen/ und den Kindern in der Wochen ein mal oder zwey mit einem Löffel darvon eingeben/ entweder mit Milch oder einem andern Brühlein/ sonderlich wenn der Mond abnimmt.
    Es beschreibet auch MERCURIALIS ein Pulver wider das Fräsel der jungen Kinder/ so noch an der Mutter Brust hangen/ nemlich also: Man soll nehmen der Päonienkörner ein halben Scrupel/ Stechasblumen und Bethonienblumen ein halben Pugillum/ Galgant ein Scrupel/ die Stuck soll man allzumal zu einem subtielen Pulver machen/ darvon soll man etwas in ein Löffelein thun/ und dem Kind in Mund bringen/ darnach soll man es alsobald darauf saugen lassen/ darmit das Pulver in Leib komme.
    Wenn in den erwachsenen Kindern das Fräsel nicht wolte nachlassen/ so soll man das Frantzosenholtz in Bethonienwasser sieden/ und ein paar Quintlein/ oder mehr nach Gelegenheit Päonienkörner darzu thun/ deßgleichen auch Eichenmistel und Coriander/ und einen Syrup daraus sieden/ darvon man den Kindern geben soll. Es geben etliche für/ es muß diese Wurtzel zu einer gewissen Zeit gegraben werden/ in einer sonderlichen CONSTELLATION des Himmels/ wenn die Sonn im Löwen sey/ darzu auch am Tag und in der Stund der Sonnen: Uber das so sey das Männlein viel kräfftiger dann das Weiblein.
    Es meldet MATTHIOLUS, wenn man ein halb Loth Bibergeil und drey Handvoll Päonien in vier Pfund weissen Wein siede/ und alsbald ein Kind aus Mutterleib komme/ dasselbige so bald in diß Bad lege/ und an dem gantzen Leib wasche/ so soll es für der Fallendsucht sicher seyn: Und meldet daß diese Kunst an acht Kindern [einer Mutter] seye bewährt worden/ aus welchen die 2. erste am Fräsel gestorben seyn/ an welchen man diese Artzney nit gebraucht hat: Die andere aber/ denen diese Artzney ist gethan worden/ seyen alle vor dem Fräsel gefreyet gewesen. In summa es wird die Päonia gelobt und gerühmet/ daß sie TOTA SUA SUBSTANTIA wider das Fräsel oder Fallendsucht gut und nutzlich sey.
    Es schreibet auch GALENUS, daß die Wurtzel an Krafft habe die verstandene MENSES wiederum zu erholen/ einer Mandel groß zu Pulver gemacht und in Honigwasser getruncken/ [mit Wein in der Grösse einer Kesten eingenommen/ reiniget die Weiber nach der Geburt: lindert auch den Wehetagen des Bauchs.]
    Er meldet auch/ daß sie die verstopffte Leber und Nieren eröffne/ dieweil sie etwas scharpff und bitter sey/ daher auch PLINIUS und ander schreiben/ daß sie nutzlich gebraucht werde wider die Geelsucht. DIOSCURIDES saget/ daß zehen oder zwölff der rothen Körner in herben schwartzen Wein getruncken/ stopffe den übrigen rothen Monatfluß der Weiber: und seyen dieselbige Körner gut den Magensüchtigen/ so nicht bey sich behalten können/ was sie essen oder trincken.
    Mit süssem Wein getruncken/ seyn sie gut wider die Schmertzen der Nieren und der Blasen. [So man die Körner den Kindern zu essen oder zu trincken gibt/ lassen sie den Stein in ihnen nicht wachsen.]
    FERNELIUS schreibt/ daß sie zu gebrauchen seyn wider den INCUBUM, das ist/ wenn einer meynt/ daß er im Schlaff von jemmand getruckt werde/ und kein Athem haben kan: Darfür man fünffzehen der schwartzen Körner in Wein trincken soll/ wie DIOSCURIDES meldet. Es meldet auch FERNELIUS, daß die Wurtzel oder die Körner [I. Quintleins schwär] im Wein getruncken/ gut seyen wider das auffsteigen der Mutter/ darvon die Weiber in Ohnmacht fallen.
    GALENUS sagt/ wenn man die Wurtzel in saurem Wein siede/ und davon trincke so stopffe sie den Bauch. [So man der Körner dreissig nimmt/ dieselbigen schelet/ zu Pulver stösset/ und im Wein zu trincken gibt/ bringen sie die verlegene Sprach wiederum/ dienen auch wider das Gifft.]

Eusserlicher Gebrauch.
    Es seyn viel Leut der Meynung/ daß wenn man den Kindern die Wurtzel oder die Körner an den Hals hencke/ sollen sie von dem Fräsel frey seyn / welches auch FERNELIUS bezeuget/ und auch GALENUS ein Exempel erzehlt mit einem jungen Knaben/ welcher gantz und gar von der Fallendsucht ist gefreyet gewesen/ wenn er die Wurtzel am Halse getragen hat/ so bald er aber dieselbige von sich abgeleget/ ist er gleich in die Schwachheit gerathen/ welche nicht nachgelassen/ biß man ihm die Wurtzel wieder angehangen. Es sollen auch diejenige/ so mit der Fallendsucht beladen/ statigs an diese Wurtzel riechen/ darzu sie auch ein wenig Bibergeyl und Rauten nehmen sollen.
    [Solche Wurtz auch am Hals getragen/ vertreibt alle nachtliche Gespenst/ so im Schlaff unruhig machen/ etlichebrauchen die Körner darfür.]
    HOLLERIUS schreibt/ man soll nehmen Bertram/ Veyelwurtzel und Päonienwurtzel jedes 2. Scrupel/ daraus ein Pulver machen und denjenigen in die Nasen blasen so die Fallendsucht haben/ so werden sie durch das Niessen widerum erwecket.
Man saget auch/ so jemand die Wurtzel under der Zungen halte/ so verstelle sie das Nasenbluten.

Von Päonienwasser.

    Es wird auch aus der Päonien ein Wasser gebrandt/ nemlich von den Rosen und Wurtzeln/ welches auch zu allen erzehlten Gebrechen kan gebrauchet werden.
    Fürnemlich aber bekommt es den jungen Kinderen wol/ so mit dem Freißlich beladen seyn/ man kan auch ein wenig Schwalbenwasser darzu thun/ doch also/ daß man nehme drey Untzen Päonienwasser/ und ein Untz Schwalbenwasser/ doch nach Gelegenheit der Personen etwas mehr/ solche miteinander vermischet/ und den Kindern ein wenig eingebe.
    Es gibt auch diß Wasser eine gute Hertzstärkung/ wendet die Ohnmacht/ und sonderlich in den Weibspersonen/ so von wegen der Mutter dahin fallen/ als wenn sie todt wären.
    Es wird auch von etlichen auff eine künstliche Art diß Wasser distilliert/ und nennen es AQUAM EXTRACTIONIS PAEONIAE, welches zu oberzehlten Gebresten viel stärcker und kräfftiger ist/ dann das gemeine gebrandte Wasser.

Extract von Päonien.

    Aus den Pfingstrosen wird auch ein herrliches EXTRACT in den Apothecken zugerichtet/ so man EXTRACTUM PAEONIAE nennet/ welches sonderlich gut und kräfftig ist wider die Fallendsucht in den erwachsenen Personen.
    Es kan auch zu andern Gebrechen mehr gebraucht werden/ als nemlich wider die Verstopffung der Leber/ wider die Geelsucht und Verstopffung der Nieren.
    Es ist auch gut den Weibern/ so OB SUFFOCATIONEM UTERI darnieder fallen.

Von Päoniensaltz.

    Aus den Päonienwurtzeln kan man auch gar wol ein Saltz PRAEPARIREN/ so zu ermeldten Schwachheiten der Leber/ und der Mutter/ fürnehmlich aber wider die Fallendsucht/ gar nutzlich und dienstlich ist/ wie dann der hochgelehrte und berühmte MEDICUS DOCTOR JOHAN. WOLFFIUS Fürstlicher Leibartzt zu Marpurg/ in unsers G. F. und Herren Landgraffen Ludwigs Apothecken/ so ihre F. G. den armen schwachen Underthanen zum besten/ mit grossen Unkosten haben auffrichten lassen/ solch Saltz PRAEPARIEREN läßt.
    Man soll aber dieses Saltz nicht den jungen Kindern / sondern alten erwachsenen Personen eingeben/ auch nicht über zwey oder drey Gran schwer.

Von Päonienblumenzucker.

    Es werden auch die Blumen von der Päonien in den Apothecken mit Zucker eingemacht zu einer Conserven/ so man CONSERVAM PAEONIAE nennet/ und wird also zugerichtet. Nimm die Blätter von den Päonienblumen/ zerhacke oder zerstosse sie klein/ und zu einem Pfund der Rosen nimm vierthalb oder drey Pfund Zuckers/ stoß sie zusammen/ thu sie in ein Gefäß/ stelle es drey Monat an die Sonnen/ und rühre es täglich um: Dieser eingemachter Zucker ist fürnemlich gut wider die Fallendsucht/ darvon man den erwachsenen Kindern/ so mit dieser Plag beschwäret seyn/ jederzeit geben soll: Darnach ist er gut für die Nachtforcht und Fantasey/ wider den Schwindel und andere Gebrechen des Hirns/ so von desselbigen Blödigkeit herkommen/ dann es haben die Päonien eine sonderliche Art das Hirn zu stärcken und zu kräfftigen. Er treibt auch die verstandene Zeiten der Weiber/ und reiniget sie nach der Geburt/ eröffnet die verstopffte Leber und Nieren/ ist gut wider die Gelbsucht/ treibt den Harn und Grieß aus/ [benimmet das Leibwehe und stillet den Bauch/ ist gut für den Todt des Magens/ und lasset den Stein bey den jungen Kindern nicht wachsen.]
    Welche Weibspersonen stätigs in Ohnmacht fallen/ wegen Auffsteigens der Mutter/ die sollen sich fleissig an diese CONSERVAM halten/ dann sie bekommt ihnen gar wol.
    Man soll den jungen Kindern diesen Zucker in dem Wasser zertreiben und eingiessen.
    Es sollen auch die Saugammen diesen Zucker stätigs gebrauchen/ zu einer Vorsorg/ damit die Kinder etwas befreyet werden von solcher Schwachheit.

Von Päonienwein.

    Aus den Pfingstrosen oder Päonien/ kan man auch einen nutzlichen guten Wein machen/ welcher nicht allein zu der Fallendsucht/ wider den Schwindel/ und andere kalte Gebrechen des Haupts sehr gut ist/ sondern zu alllen andern Gebrechen/ darvon bey der CONSERVEN ist Meldung geschehen.
    Wie man aber diesen Wein bereiten soll/ darvon kan man lesen bey dem Wermuthwein.