1 / 181-182

MÖHRE
Daucus carota - Umbelliferae


VON DAUCO ODER CANDISCHEN MÖHRENKÜMMEL

    Dess M�hrenk�mmels werden von DIOSCORIDE LIB.3.C.72. drey Geschlecht beschrieben.
  
l. Das erst Geschlecht hat ein lange einzige wurtzel/ die ist Fingers dick/ reucht fast wie die Pastenach. Die Bletter seyndt dem Fenchelkraut �hnlich/ aussgenommen dass sie kleiner unnd schm�ler seyndt. Seine Stengel wachsen Spannen lang mit einer Dolden oder Cronen/ von kleinen weissen Bl�mlein wie der Coriander. Sein Samen ist weiss/ haarechtig/ am Geschmack zanger und hitzig/ eines s�ssen und lieblichen Geruchs. Er w�chst an Steinechtigem Erdtreich/ und in solchen Orten/ die den Sonnenschein allweg haben. Jn Candia oder Creta w�chset er h�uffig vor sich selbst/ dessgleichen in Italia auff dess heyligen Engelsberg Gargano/ unnd andern mehr Orten Welschlandts/ bey uns aber in Teutschlandt wirdt er mit andern frembden Gew�chsen in den G�rten gezielet.
  
ll. Dess M�hrenk�mmels ist noch ein ander Geschlecht/ dem wilden Eppich �hnlich/ am Geschmack scharpff und gitzig/ eines lieblichen Geruchs wie Gew�rtz.
  
lll. Das dritte Geschlecht/ hat Bletter wie der Coriander/ mit weissen Blumen/ K�pflein und Samen wie der Dill/ und Cronen oder Dolden wie die Pasteney/ mit einem langen Samen/ dem Pfefferk�mmel �hnlich/ am Geschmack zanger/ und scharpff.

Von dem Namen der M�hrenk�mmel.
    Der M�hrenk�mmel heisset Lateinisch/ DAUCUS oder DAUCUM. Hochteutsch/ M�hrenk�mmel. Das erste Geschlecht heisset DAUCUS CRETICUS. Von SERAPIONE SIMP.C.254.CARRITON.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess M�hrenk�mmels.
    Der M�hrenk�mmel hat eine Krafft unnd Wirckung zu w�rmen/ d�nn zu machen/ durchzutringen/ zu �ffnen unnd zu treiben. Der best aber under den obgemelten Geschlechten/ ist der erst/ der auss Candia oder Creta/ darvon braucht man den Samen am allermeisten/ und auch bissweilen die Wurtzel.

Jnnerlicher Gebrauch dess M�hrenk�mmels.
    M�hrenk�mmelsamen in Wein gesotten/ und die durchgesigene Br�h Morgens unnd Abends jedesmal ein guten Trunck warm gethan/ stillet den Schmertzen dess Magens von Winden verursachet/ dienet wider den Klux oder Heschen/ ist fast heylsam den Wassers�chtigen/ stillet das Krimmen unnd Schmertzen der D�rm/ zertheilet die Wind im Leib/ und treibet sie auss/ f�rdert den Harn/ und vertreibet das tr�pflingen harnen und treibet die Monzeit der Weiber.
  
M�hrenk�mmelsamen zu Pulver gestossen/ und i.quintlein schwer darvon mit Wein zertrieben und getruncken/ hat gleiche Wirckung mit dem obgemelten Tranck/ unnd treibet fort den verstandenen Harn/ stillet das Mutterkrimmen und die Nachwehen nach der Geburt/ treibet fort das B�rdlein oder Nachgeburt/ wehret dem Auffstossen oder Erstickung der Mutter/ und zertheilet die Wind darinn.
  
Gep�lverten M�hrenk�mmels i.quintlein mit Meth getruncken/ vertreibet die Undauwung dess Magens.
  
Die Wurtzel dess M�hrenk�mmels gep�lvert/ und i.quintlein oder anderthalb mit Wein getruncken/ dienet wider alle Besch�digung der gifftigen Thier.
  
Den Samen dess M�hrenk�mels in Wein gesotten/ oder aber das Pulver desselben mit Wein zertrieben und getruncken/ dienet wider die Bissz der gifftigen Erdspinnen/ die man PHALANGIA nennet.
  
M�hrenk�mmel mit Feigen in Wein oder Wasser gesotten/ je nach gelegenheit der schwachheit/ und etliche Feigen darzu gethan/ darnach durchgesigen und getruncken/ vertreibet den langwirigen Husten.
  
M�hrenk�mmel gep�lvert/ unnd ein quintlein mit einem halben quintlein gep�lverten Peterlein Samen in einem Tr�ncklein Weins zertrieben unnd warm getruncken/ treibet fort die verstandene Monatblumen der Weiber/ dann dieser Samen von seiner gantzen Eygenschafft die Weiblichen Blumen zubringen pfleget.
  
Vor den Schmertzen und Wehthumb der Mutter: Nimb gep�lverten M�hrenk�mmel i.quintlein/ vermischs mit vier Loth Rosenessig/ und gibs der schwachen Personen auff einmal eyn/ so offt sich der schmertzen erzeiget/ hilfft baldt.

Eusserlicher Gebrauch dess M�hrenk�mmels.
    M�hrenk�mmel zu Pulver gestossen/ und wie ein Pflaster ubergelegt/ vertreibet die Geschwulst.
  
M�hrenk�mmel mit Pappeln unnd Bingelkraut in ein S�cklein eingeriegen/ in Wein und Wasser gesotten/ darnach mit zweyen Bretern hart aussgetruckt/ und so warm es zu leiden uber den Nabel und Bauch gelegt/ vertreibet den Schmertzen der D�rm.
  
M�hrenk�mmel Samen und Wurtzel gestossen/ zeucht auss Dornen und Spreissen/ wie ein Pflaster ubergelegt.

Gedistilliert M�hrenk�mmel Wasser.
DAUCI AQUA STILLATITIA.

    Wiewol das M�hrenk�mmelwasser wenig im gebrauch der Artzeney ist/ weil er heutigs tags wenig PRACTICIS bekannt ist/ so ist doch dasselbig erfahrnen MEDICIS in den Mutterschwachheiten f�rnemlich n�tz befunden worden. Die beste Zeit aber dasselbig zu distilliren ist/ wann es in voller Bl�t ist/ soll man das Kraut mit der Wurtzeln und aller seiner Substantz klein hacken/ darnach mit sanfftem Fewer IN BALNEO MARIAE distilliren/ und wie gebr�uchlich an der Sonnen rectificiren/ darnach wol verwahret zum Gebrauch bewahren. Unnd so man das Wasser kr�fftiger haben wil/ soll man vier Untz dess Samens groblecht stossen/ eine Mass dess gedistillirten Wassers dar�ber sch�tten/ darnach vier und zwantzig Stunden IN BALNEO MARIAE digeriren lassen/ und folgends wie zuvor/ zum andern mal sittiglich mit einem linden Fewerlein abziehen/ und zum Gebrauch behalten.

Jnnerlicher Gebrauch dess M�hrenk�mmel Wassers.
    Das gedistilliert Wasser dess Morgens unnd Abends jedesmal iii. oder iiii. Auch biss in f�nff loth getruncken/ ist eine f�rtreffenliche gute Artzeney die windigen Bl�st im Leib und der Mutter zu zertheilen/ ausszutreiben/ und die Schmertzen die darvon verursacht werden/ zu stillen und zu miltern. Es treibet gewaltig den Harn/ wehret das tr�pfflingen harnen/ und f�rdert die Monatblumen der Weiber.
  
Die Weiber die mit dem Auffstossen unnd Erstickung der Mutter beladen seynd/ diesen Zufall zu verh�ten/ nachfolgends Tr�ncklein darvon gebrauchen. Man soll nemmen dess gemelten Wassers iiii.Loth/ und darinn zertreiben zwey drittheil eins quintleins gep�lverten Bibergeils/ unnd zu vierzehen Tagen zum allerwenigsten einmal warm getruncken/ das verhindert den gemelten Zufall.

M�hrenk�mmelwein.
DAUCITES.

    Der M�hrenk�mmelwein wird Lateinisch/ DAUCITES genannt/ der wird nach der Meynung DIOSCORIDIS LIB.5.CAP.51. auff folgende Weiss gemacht: Man nimbt der M�hrenk�mmelwurtzeln anderthalb Loth/ st�sset sie unnd thut sie in achzig Pfund/ das ist eylff Elsasser Mass und vier Untz Mosts/ und l�sset den dar�ber verj�hren. Uber drey Monat l�sset man den wein ab/ und geust den in andere Geschirr. Dieser Wein ist gut wider die Schmertzen der Brust/ dess Zwerchfells und der Beermutter. Er treibet den Harn und Monzeit der Frawen/ machet r�psen/ und ist gut wider den Husten/ vertreibet den Krampff/ und ist heylsam denen/ die gebrochen seynd. MARCELLUS EMPYRICUS lobet den Wein sehr/ wider das Krimmen und Schmertzen der D�rm.