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LUNGENKRAUT
Pulmonaria mollis


VON ANDERN GESCHLECHTEN DESS LUNGENKRAUTS

 

    Es werden noch vier Geschlecht der Lungenkräuter/ beneben dem gemeinen fürgestelt/ auss welchen das (I.) erste einen ecketen/ rauhen purpurfarben Stengel hat/ fast eines Schuchs hoch/ an welches Gipffel kleine langlechte rauh/ und purpurbraune Knöpfflein oder Hülsslein wachsen mit kleinen Kerblein/ auss welchen kleine Blümlein mit fünff Blettlein herfür schlieffen/ an Gestalt der gemeinen Borragen fast ähnlich/ erstlich ehe dann sie gantz auffgangen seyn/ schön purpurrot/ darnach werden sie gesehen gantz schön himmelblaw gar lustig und lieblich/ aber ohn einigen Geruch: Wenn sie gantz zeitig worden/ fallen sie auss jhren Hülsen gleich wie die Borragenblumen: Der Same ist schwartz gleich wie an der wilden Ochsenzung. Seine Bletter seyn gar spitzig und rauch/ den wilden Ochsenzungen fast gleich/ aussgenommen dass sie weicher seyn/ auch nicht mit so harter raucher Woll besetzt/ Sie haben auch keine Stiel daran sie hangen/ sondern stehen umb den Stengel herumb: Die unterste Bletter so unten am Stengel stehen/ seyn auch rauh/ spitzig und schmal/ fast einer Spannen hoch: Die Wurtzel ist in viel dicke feyste Faseln zertheilet/ welche erstlich weiss ist/ darnach schwartz wirdt/ eines süssen Geschmacks.
    II. Das ander Geschlecht hat eine dicke/ braune/ feiste Wurtzel/ welches dicke grobe Faseln eines lieblichen Geschmacks/ die Stengel seyn weych und härig/ wachsen anderthalb Spannen hoch/ an welches Giepffel rauhe wollechte Hülsslein erscheinen/ darauss die schöne blauwe oder Purpurbraune Blumen herfür kommen/ gleich wie an etlichen Schlüsselblumen/ oder an den gemeinen Hundtszungen/ die Bletter seyn breyt/ rauh und härig/ mit weissen und schwartzen Mackeln besprenget/ wann die Blumen verfallen/ so folget ein schwartzer Same hernach.
    III. Das dritte Geschlecht Hirschmangoldt Weiblein genent/ ist dem vorigen dem Männlein/ mit Wurtzeln/ Stengeln/ Blettern und Blumen fast gleich/ allein/ wie auch CLUSIUS meldet/ dass es bissweilen mit weissen Blumen erfunden wirdt.
    IV. Das vierde Geschlecht bey nahe gleich sey/ allein dass es einen dickern und grösser Stengel/ und auch breytere Bletter habe/ und uberkomme schöne rote Blumen. Von bemelten Geschlechten kan man weiter lesenC. CLUSIUM IN OBSERVAT. PANNON.LIB.4.S.9.
    Sie werden in tunckeln Heckbüschen unnd schattechten Wälden funden/ wie CLUSIUS bezeuget.

Von den Namen
    Was die Namen belanget/ seyen dieselbige bey einem jeden auffgezeichnet. Das erste wird genennet schmalblettericht Lungenkraut wegen seiner schmahlen Bletter/ Lateinisch PULMONARIA ANGUSTIFOLIA.
    Das ander wird genennt Hirschmangolt/ weil es die Hirsch gern essen (oder blaw Schlüsselblumen/ Lateinisch PULMONARIA MACULOSA, wegen seiner bemackelten Bletter/ oder PULMONARIA PLINIJ MAS.
    Das dritte wirdt genennt Hirschmangolt Weiblein/ Lateinisch PULMONARIA PLINIJ FOEMINA.
    §Das vierdte heisst schmalblettericht Hirschmangolt/ Lateinisch PULMONARIA ANGUSTIFOLIA.

Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft dessHirschmangolts/ und Lungenkrauts
    Was die Natur unnd Krafft dieser Kreuter anlanget/ werden dieselbige zu den Gebrechen der Brust unnd der Lungen angewendet/ dann es schreibet LOBELIUS von dem andern Geschlecht/ dass es mehr von wegen seiner krafft/ so es in sich hat/ die Gebrechen der Lungen zu heylen/ zu den Lungenkreutern gerechnet werde/ dann von wegen seiner eusserlichen Form unnd Gestalt.
    So schreibet auch MATTHIOLUS dass er die PULMONARIAM MACULOSAM in Wasser gesotten [mit Tosenzucker abbereitet/ unnd die Brüh frühe zu trincken geben] unnd wider das Blutspeyen gar nützlich und wol gegeben habe: Was jhre Tugenden mehr seyn/ ist mir noch unbewust.