2 / 260-262
LUNGENKRAUT
VON ANDERN GESCHLECHTEN DESS LUNGENKRAUTS
Es werden noch vier Geschlecht der Lungenkräuter/ beneben dem gemeinen fürgestelt/ auss welchen das (I.)
erste einen ecketen/ rauhen purpurfarben Stengel hat/ fast eines Schuchs hoch/ an welches Gipffel kleine langlechte rauh/ und
purpurbraune Knöpfflein oder Hülsslein wachsen mit kleinen Kerblein/ auss welchen kleine Blümlein mit fünff Blettlein herfür
schlieffen/ an Gestalt der gemeinen Borragen fast ähnlich/ erstlich ehe dann sie gantz auffgangen seyn/ schön purpurrot/ darnach
werden sie gesehen gantz schön himmelblaw gar lustig und lieblich/ aber ohn einigen Geruch: Wenn sie gantz zeitig worden/ fallen
sie auss jhren Hülsen gleich wie die Borragenblumen: Der Same ist schwartz gleich wie an der wilden Ochsenzung. Seine Bletter
seyn gar spitzig und rauch/ den wilden Ochsenzungen fast gleich/ aussgenommen dass sie weicher seyn/ auch nicht mit so harter
raucher Woll besetzt/ Sie haben auch keine Stiel daran sie hangen/ sondern stehen umb den Stengel herumb: Die unterste Bletter so
unten am Stengel stehen/ seyn auch rauh/ spitzig und schmal/ fast einer Spannen hoch: Die Wurtzel ist in viel dicke feyste Faseln
zertheilet/ welche erstlich weiss ist/ darnach schwartz wirdt/ eines süssen Geschmacks.
II. Das ander Geschlecht hat eine dicke/ braune/ feiste Wurtzel/ welches dicke grobe Faseln eines lieblichen
Geschmacks/ die Stengel seyn weych und härig/ wachsen anderthalb Spannen hoch/ an welches Giepffel rauhe wollechte Hülsslein
erscheinen/ darauss die schöne blauwe oder Purpurbraune Blumen herfür kommen/ gleich wie an etlichen Schlüsselblumen/ oder an
den gemeinen Hundtszungen/ die Bletter seyn breyt/ rauh und härig/ mit weissen und schwartzen Mackeln besprenget/ wann die Blumen
verfallen/ so folget ein schwartzer Same hernach.
III. Das dritte Geschlecht Hirschmangoldt Weiblein genent/ ist dem vorigen dem Männlein/ mit Wurtzeln/
Stengeln/ Blettern und Blumen fast gleich/ allein/ wie auch CLUSIUS meldet/ dass es bissweilen mit weissen Blumen erfunden wirdt.
IV. Das vierde Geschlecht bey nahe gleich sey/ allein dass es einen dickern und grösser Stengel/ und auch
breytere Bletter habe/ und uberkomme schöne rote Blumen. Von bemelten Geschlechten kan man weiter lesenC. CLUSIUM IN OBSERVAT.
PANNON.LIB.4.S.9.
Sie werden in tunckeln Heckbüschen unnd schattechten Wälden funden/ wie CLUSIUS bezeuget.
Von den Namen
Was die Namen belanget/ seyen dieselbige bey einem jeden auffgezeichnet. Das erste wird genennet
schmalblettericht Lungenkraut wegen seiner schmahlen Bletter/ Lateinisch PULMONARIA ANGUSTIFOLIA.
Das ander wird genennt Hirschmangolt/ weil es die Hirsch gern essen (oder blaw Schlüsselblumen/ Lateinisch
PULMONARIA MACULOSA, wegen seiner bemackelten Bletter/ oder PULMONARIA PLINIJ MAS.
Das dritte wirdt genennt Hirschmangolt Weiblein/ Lateinisch PULMONARIA PLINIJ FOEMINA.
§Das vierdte heisst schmalblettericht Hirschmangolt/ Lateinisch PULMONARIA ANGUSTIFOLIA.
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft dessHirschmangolts/ und Lungenkrauts
Was die Natur unnd Krafft dieser Kreuter anlanget/ werden dieselbige zu den Gebrechen der Brust unnd der Lungen
angewendet/ dann es schreibet LOBELIUS von dem andern Geschlecht/ dass es mehr von wegen seiner krafft/ so es in sich hat/ die
Gebrechen der Lungen zu heylen/ zu den Lungenkreutern gerechnet werde/ dann von wegen seiner eusserlichen Form unnd Gestalt.
So schreibet auch MATTHIOLUS dass er die PULMONARIAM MACULOSAM in Wasser gesotten [mit Tosenzucker abbereitet/
unnd die Brüh frühe zu trincken geben] unnd wider das Blutspeyen gar nützlich und wol gegeben habe: Was jhre Tugenden mehr
seyn/ ist mir noch unbewust.