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LUNGEN-FLECHTE
VON LUNGENKRAUT
Dass Lungenkraut ist jederman wol bekannt/ wächst mit weychen gerümpfften löcherechten [uber einander geschossen] Blettern/ oben grün/ unten aber weiss oder gelblecht/ mit vielen Mackeln besprengt/ vergleicht sich fast einer Lungen.Wächst an Eychenbäumen/ [unnd Buchbäumen] wie auch an den Steinfälsen.
Von den Namen
Lungenkraut heist in Latein PULMONARIA.
Von der Natur/ Krafft/ und Wirckung dess Lungenkrauts
Lungenkraut ist ein wenig wärmer unnd truckner Natur/ wiewol es etliche für kalt achten möchten.
Jnnerlicher Gebrauch
Es hat dieses Kraut ein sonderliches Lob uberkommen/ zu den Gebresten der Lungen/ wann dieselbige schwürig
worden seyn/ so soll man das Pulver mit Honig vermischen/ unnd wie ein Latwerglein gebrauchen/ oder aber das Kraut in Wein oder
Honigwasser sieden/ unnd darvon trincken. [Die Viehe Aertzte brauchens auch dem Viehe zur Lungensucht gepulvert unnd mit Saltz
vermischet.]
Es dient diss Kraut auch wol wider den Husten/ dessgleichen wider die Enge Brust/ wenn man Alandtwurtzel/ Eysop
unnd Fenchel darzu nimpt und in Honigwasser abseudet/ [oder das gebrandt Wasser getruncken. Das Pulver macht man also: neme
Lungenkraut gedörrt/ Anissamen/ Fuchslungen in Lufft gedörrt/ Fenchelsamen/ Süssholtz/ Alantwurtzel/ Jngber jedes gleich viel/
und besonder gestossen/ durch gereden/ darzu genommen dess besten Zuckers so viel die andere Species wiegen/ durch einander
gemischt/ und wie ein Träseney Abends und Morgens gebraucht/ vertreibt das Keichen/ öffnet Lung und Leber/ und ist fast gut zu
dem rahen Husten.]
Es wirdt auch sonsten diss Kraut gebrauchet wieder allerley Bauchflüsse/ und unmässige Weiberzeiten
dieselbige zu stillen. [Es wirdt auch gelobt wann nach dem hefftigen purgieren der Mensch sich bricht und gar zu viel Stühl hat.
Eusserlicher Gebrauch
Etliche streuwen das Pulver in die frische Wunden/ dieselbige bringt es geschwindt wider zusammen/ und heylet
sie.
Stillet das Bluten innen unnd aussen/ dess Pulvers ein wenig in Wasser eingenommen.
Das Kraut zerknitschet und ubergelegt/ ist nutz den frischen zunemmenden Bewlen/ aber denen so vollkommentlich
auss geschlagen ist es schädlich.
Mit Wein gesotten darunter Honig vermischet/ unnd durch ein Tuch gestrichen/ an der Sonnen gedörretdass es
hart wird/ darnach gepulvert/ und diss Pulver auff hitzige Geschwär mit Gersten meel gestrewet/ hilfft.]