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KUHSCHELLE, KÜCHENSCHELLE
VON DEN KÜHESCHELLEN ODER KÜCHENSCHELLEN
Dieweil die Küchenschellen Kräuter von den Gelehrten auch under die Anemone oder Windtrösslein gerechnet werden/ haben wir dieselben hie nach wöllen setzen/ und sie/ dieweil sie beyde mit den Blettern und Wurtzeln den Anemone Rösslein ungleich seynd/ besonders wöllen beschreiben. Deren findet man bey uns in Teutschlandt underschiedlicher Geschlecht.Von dem Namen der Küchenschellen
Die Küchenschellen Kreuter werden von den Gelehrten vor Geschlecht der Windt oder Anemone
Rösslein gehalten/ dieweil aber die Wurtzel derselben nicht rundt wie Oliven/ oder knorrechtig und gleichechtig sind/ wie alle
Geschlecht der Anemone Rösslein/ haben wir dieselben darvon absondern unnd in einem besondern Capitel wöllen beschreiben.
Etliche vermeynen sie seyen Geschlecht der Hanenfüss/ von wegen jhres hitzigen unnd scharpffen brennenden Geschmacks auff der
Zungen/ aber wie ein greifflicher Jrrthumb das seye/ können alle die in Erkantnuss der Kreuter nur ein wenig geübet seyn/
leichtlich erkennen. Wie solche Kreuter aber bey den Alten genennet seyndt worden/ hat noch niemandt angezeigt/ dann dass etliche
sie vor die Windtrösslein der Alten gehalten haben/ welches wir auss obenerzehlten Ursachen nicht passiren lassen können/
wöllen derwegen solche Kreuter bey jhren gemeinen Namen/ die jhnen von den Kreutlern unserer Zeiten gegeben worden/ auch bleiben
lassen. Zu unserer Zeit heissen die Küchenschell bey den Kreutlern und MEDICIS, PULSATILLUS und PULSATILLA, in den Apotecken
HERBA VENTI, CANDA VULPIS und NOLA CULIMATIA.
Von der Krafft/ und Eygenschafft der Küchenschellen
Alle Küchenschellen Kreuter seyndt hitziger Natur in dem vierdten Grad/ sonderlich aber das Kraut
mit den Stengeln/ also dass sie auch die Haut brennen unnd auffetzen gleich dem Hanenfuss/ sol derwegen nur ausserhalb dess Leibs
gebraucht werden. Die Wurtzel aber dieser Kreuter ist milter und temperirter/ also dass sie ein Krafft zu trücknen unnd zu
wärmen hat/ biss in zweyten Grad/ und mag nützlich innerlich und eusserlich in der Artzeney gebraucht werden.
Jnnerlicher Gebrauch der Küchenschellen Wurtzel
Es wirdt zu unsern Zeiten die Wurtzel der Küchenschellen höchlich wider die Pestilentz und alle
andere Gifft gelobt/ wie wir dann solches auch durch den täglichen gebrauch warhafftig befunden/ derowegen wir es nicht ohne
Ursach in unser Latwerg das gülden Eye genannt/ mit andern bequemlichen stücken vermischt haben/ wiewol sie auch vor sich selbst
allein gebraucht/ der Pestilentz gewaltigen widerstandt thut: Dann ein quintlein schwer/ diese Wurtzel zu Pulver gestossen/ unnd
mit halb Wein unnd halb Essig/ so einen die Pestilentz angestossen hette/ warm eyngenommen/ und zwo oder drey stundt nach
vermögen der kräfften darauff geschwitzet/ treibet alle pestilentzische vergifftung gewaltig auss.
Küchenschellen Wurtzel gepülvert/ unnd dess Morgens nüchtern einer Haselnuss gross mit Wein getruncken/
verhütet den Menschen vor der Pestilentz. Den Kindern soll man täglich ein wenig mit Rosen oder Nägleinblumen Zucker eyngeben.
So man die Wurtzel zerschnitten/ in Wein beytzen lasset/ und täglich ein Trunck darvon thut/ hilfft
dessgleichen/ dass der Mensch vor dieser Sucht bewaret wirdt. Dient auch also genützt wider alle andere Gifft unnd vergifften
Thier stich unnd Bissz.
Eusserlicher Gebrauch der Küchenschellen
Die Bletter von dem Küchenschellenkraut gestossen/ und auff das Haupt geleget/ doch dass zuvor
die Haar abgeschoren seyen/ ist ei heylsame Artzeney wieder die Flüss die zu den Augen fallen/ welche man sonst mit anderer
Artzeney nicht vertreiben oder stellen kann.
Gleicherweiss hilfft diese Artzeney auch wider das schmertzliche Hüfftwehe: Man nimpt die frischen bletter
dieses krauts/ stösset und leget sie uber die Hüfft/ lasset sie vier oder fünff biss in sechs stunden darauff ligen/ oder so
lang biss sie Blasen ziehen/ dardurch dann die schädliche unnd böse scharpffe Feuchtigkeit zu der Haut wirdt gezogen: Darnach
zerschneidet man die blasen auff mit einem scherlein/ so fleusset die Feuchtigkeit herauss. Darnach bestreicht man das
schmertzhafftig Ort zu heylen und schmertzen zu miltern/ mit frischem ungesaltzenem buttern. Etliche/ welches dann auch besser
ist/ die nemmen ein frisch Kölkraut Blat/ wärmen es auff einem heissen Ziegelstein/ schmieren es mit ungesaltzenem buttern/ und
legens also uber/ das lindert den schmertzen und heylet baldt.
Dieses Krauts Bletter etzen auch ab die Runtzeln von den Nägeln an den Fingern: Dessgleichen die Wartzen/
Zittermäler und die Flecken der Haut/ gleichfalls gebraucht.
Küchenschellenkraut gepülvert/ unnd in die alten Wunden und faulen Schäden gezedelt/ reiniget sie und
verzehrt das faul Fleisch darinnen. Solches thut auch der aussgetruckte Safft von diesem Kraut.
Die Wurtzel von Küchenschellen gepülvert/ und davon in die Nasen gethan/ macht niesen/ und reiniget das Haupt
und Hirn.
Jnnerlicher Gebrauch dess Küchenschellen Wassers
Küchenschellen Wasser ist ein heylsame Artzeney/ zu dem viertägigen Fieber/ so ein Mensch
dasselbig anstösset/ vier oder fünff Loth getruncken/ und darauff wol geschwitzet/ dann es treibet den Schweiss gewaltig. Man
muss aber das thun/ so offt den Menschen das Fieber ankommet/ so verhütet es die Wassersucht/ unnd andere Zufälle/ die
gemeiniglich auff das QUARTAN folgen/ unnd verschaffet dass das Fieber nicht lang weret.
Gemeldt Wasser gleicher gestalt getruncken/ erweychet den Bauch und machet Stulgäng.
Küchenschellen Wasser mit gutem Andromachischen Theriack eyngenommen/ also dass dess Wassers seye vier oder
fünff Loth/ und dess Theriacks ein Quintlein/ macht gewaltig schwitzen/ vertreibet die Pestilentz/ unnd vertreibet alle
Vergifftung durch den Schweiss auss.
Eusserlicher Gebrauch dess Küchenschellen Wassers
Küchenschellen Wasser in die Nasen eyngesupt/ reiniget das Haupt unnd Hirn gewaltig/ von allen
zähen schleim und unreinigkeit.
Die Wunden und Schäden mit diesem Wasser gewäschen säubert und fürdert sie zur heylung.
Küchenschellen Wassser erwärmet die erkalten Contracten unnd lahme Glieder kräfftiglich/ unnd bringt sie
widerumb zu recht/ dieselbigen zum wenigsten zweymal/ das ist/ dess Morgens unnd Abendts darmit gerieben. Ist derogen den
Zitterenden unnd Paralitischen unempfindlichen Gliedern/ solches Wasser ein edel unnd heylsame Artzeney/ so man dasselbige ein
Zeitlang/ biss dass man gute Besserung empfindet/ beharret.