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KROTTENKRAUT
Herba botryos
VON DEM TRAUBENKRAUT ODER TÜRCKISCHEN BEYFUSS
Dieweil das Traubenkraut/ beyde von den alten und newen Aertzten/ vor ein Beyfuss Geschlecht gehalten wirdt/ haben wir demselben hie auch ein Platz einraumen wöllen. Traubenkraut hat ein weiss aussgebreite Wurtzel/ mit vielen Zaseln oder Nebenwurtzeln behenckt/ auss deren kompt im Früling herfür ein einziger runder/ rotlechter/ gekrümpter unnd rauher Stengel eines Kinds Fingers dick/ und drey und vier Spannenlang/ mit vielen Nebenästlein/ einem Stäudlein gleich. Unden an den Aestlein wachsen herfür langlechte Bletter/ die sind gekerfft und tieff eingeschnitten/ der Wegwartenbletter/ oder viel mehr dem Eychenlaub ähnlich/ die seynd klebrechtig oder hartzechtig. An den Stengeln unnd Nebenzweyglein wachsen oben zwischen den Blettern viel kleiner geeler Blümlein herfür/ der Trauben oder Weinrebenblüt nicht ungleich/ darauss wird viel kleiner Saamen/ wie der Magsamen/ doch kleiner/ der hanget im Augst und Herbstmonat so dick in einander/ wie die Trauben/ ist Geelfarb/ wie auch das gantz Gewächs/ eines starcken/ unnd doch lieblichen anmütigen Weingeruchs und bittern Geschmacks. Wann der Samen zeitig wird/ so werden die Bletter gar fahl/ und fallen ab. Ist ein sommer Gewächs/ und muss Jährlich widerumb vom Samen auffgezielet werden: Wiewol/ wo es einmal hingepflantzet wird/ wächst es vor sich selbst wider von dem aussgefallenen samen. Es wächst gern bey Wassergräben/ Regenbächen unnd andern feuchten Orthen. Bey uns in Teutschland wird es in den Lustgärten gepflantzet/ aber in Franckreich/ Italien und Böhmerland/ wächst es vor sich selbst.
Von dem Namen dieses Krauts
Es ist dieses Gewächs bey dem DIOSCORIDI LIB.3.CAP.117. Wie auch bey dem PLINIO LIB.27.CAP.8. Dessgleichen
auch von PAOLO AEGINETA, auch wie zu unsern Zeiten under die Geschlecht dess Beyfuss gezehlet worden. Dann es gemeiniglich von den
Kräutlern heutiges Tages ARTEMISIA TURCICA, unnd Türckischer Beyfuss genant wird. THEODORICUS DORSTENIUS in seinem BOTANICO,
macht auss dem BOTRI der Alten/ und AMBROSIA ein ding/ und das nicht ohn ein kleinen Jrrthumb/ dann es zwey underschiedliche
Kreuter seynd/ unnd von den Alten auch ein jedes besonder beschrieben worden: Unnd wiewol DIOSCORIDES und PLINIUS LIB.17.CAP.4.
schreiben/ dass das Kraut AMBROSIA, auch von etlichen BOTRYS genant wird/ folget darumb nicht darauss/ dass AMBROSIA BOTRYS seye.
Noch ein grössern Jrrthumb begehet DORSTENIUS, in dem/ dass er die wilde Salbey vor BOTRYM und AMBROSIAM (wie er diese beyde
Kreuter confundirt) haltet/ welche dann mit deren genanten Kräutern gar kein Gleichnuss hat/ welches ein jeder leichtlich ab
beyden Beschreibungen der Kräuter BOTRYOS und AMBROSIAE, bey dem DIOSCORIDI abnemmen kann/ der sie gegen denselben examiniret.
BOTRYS heisset Lateinisch/ HERBA BOTRY, QUERCULA PEREGRINA, oder QUERCULA TURCICA, und auch von dem DIOSCORIDE, AMBROSIA
CAPPADOCIA, damit er dieses Gewächs von dem waren AMBROSIA underscheidet. Hochteutsch aber Traubenkraut/ Schabenkraut/
Krottenkraut/ und Türckischen Beyfuss. Etliche nennens von wegen der Gestalt der Blettern/ so es mit dem Eychenlaub hat/ Welsch
Eychenlaub.
Von der Krafft/ Eygenschafft und Wirckung dess Traubenkrauts
Das Traubenkraut ist warm und trucken im andern grad/ es hat ein Krafft unnd Eygenschafft/ zu erwärmen/ zu
trücknen/ durch zutringen/ zu säubern und öffnen/ und wird heutiges Tags mehr in der Artzney/ dann bey den Alten gebraucht.
Jnnerlicher Gebrauch dess Traubenkrauts
Etliche Apotecker oder Materialisten brauchen den Samen dieses Krauts vor das AMOMUM, unnd geschicht solches
zum theil auss Unverstand/ zum theil auch auss falschem Betrug.
DIOSCORIDES, PLINIUS unnd PAULUS AEGINETA, an den hiebevor angezogenen Orthen melden/ dass das Traubenkraut mit
Wein getruncken/ dienlich seye wider den kurtzen Athem/ und sonderlich denen/ die nicht Athmen können/ sie sitzen dann oder
stehen auffrecht. Welches ich offtermals warhafftig unnd gut befunden/ so man das Kraut im Wein oder Bier seidet/ unnd mit Honig
süss machet/ und von diesem Tranck Morgens unnd Abends jedesmal ein gemeinen Tischbecher voll warm trincket.
Ein Meth uber diesem Kraut verjehren lassen/ und darvon getruncken/ ist ein heylsam Artzeney zu gemeldten
Gebresten.
Traubenkraut mit Peterlen Wurtzeln unnd weisser Bibernellen/ in Wein und Wasser gesotten/ und darvon Morgens
und Abends ein guten Trunck warm gethan/ öffnet die Verstopffung der Lebern und Nieren/ vertreibet die Geelsucht/ und verhütet
die Wassersucht.
Traubenkraut mit Wein gesotten/ und dess Tags dreymal/ jedesmal ein Becher voll warm getruncken/ nemlich dess
Morgens nüchtern/ umb zwo Uhrn nach Mittag/ und dess Nachts wann man will schlaffen gehen/ treibt den Harn gewaltig/ und fürdert
die Monatblumen der Weiber/ stillet den Schmertzen der Mutter.
Eusserlicher Gebrauch dess Traubenkrauts
Traubenkraut wird auch nützlich gebrauchet/ die erkalte Mutter zu erwärmen/ deren Schmertzen zu stillen/ unnd
die Monatblumen flüssig zu machen/ so man ein Lendenbad darvon macht.
Solch Kraut in ein Leinen Säcklein eingemacht und gerigen/ darnach in halb Wein und Wasser gesotten/ folgends
mit zweyen Bretlein hart aussgeprest/ und also warm ubergelegt/ vertreibt allen jnnerlichen Schmertzen dess Magens/ Bauch und der
Mutter.
Die Bletter von Traubenkraut/ sampt den abgestreifften Blümlein/ in einer Pfannen mit Baumöle geröscht/ und
eusserlich wie ein Pflaster uber geschlagen/ ist vor die jetztgemelten Wehethumb ein fürtreffliche Artzney.
Das Traubenkraut in die Truhen zwischen die Kleyder gelegt/ macht dieselbigen nicht allein wolriechend/ sondern verhütet sie/
dass sie von den schaben nicht beschädiget werden. Und ist solches sehr gemein in den Niderlanden und in Franckreich/ da man das
Kraut uberflüssig gepflantzet/ unnd vor sich selbst wächst: Wie man das dann in den Stätten/ sonderlich aber zu Pariss in allen
Gassen zu verkaufen herumb tregt/ mit einem grossen geschrey/ PYMEN,PYMEN,PYMEN. Bey uns in Teutschland fengt mans auch
gleichfals an/ zu den Kleydern zu legen/ dieselbige vor den Motten zu verhüten.
So man den Samen dieses Krauts mit Korn oder andern Früchten vermischet/ und in die Felder säet/ soll die
Frucht vor den Kornmilwen verhütet werden. Dessgleichen mit andern Gartenfrüchten gesäet/ soll es das Kraut und Zugemüss/ oder
alle Hülsenfrücht/ wie auch alles ander Gemüsskraut verhüten/ dass es nicht von den Erdflöchen gefressen werde. Es halten es
auch etliche vor gewiss/ so man das Korn unnd andere Frücht auff den speichern mit diesem Kraut bedeckt/ soll es sie verhüten
unnd wehren/ dass die Wibeln nicht darein kommen.
Traubenkraut in Laugen gesotten unnd darmit gezwagen/ vertreibt die Milwen im Haar.
Trauben auffgetruckneter Safft und Extract
Von dem gedistilirten Traubenkrautwasser
Traubenkrautwein
Conserven Zucker von Traubenkraut
Traubenkrautsaltz
Traubenkrautöle
Gedistillirt Traubenkrautöle