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KREUZKÜMMEL
VON DEM WILDEN KÜMMEL UND HORNKÜMMEL
DIOSCORIDES beschreibet nur zwey Geschlecht dess wilden Kümmels/ Unsere Kreutler aber zeigen uns derselben
vier underschiedlicher Geschlecht/ von welchen das vierde Geschlecht hiebevor in dem Capitel von der Rittersporen/ beschrieben
worden ist.
l. Das erste Geschlecht hat ein kleine/ lange/ weisslechtige Wurtzel mit wenig Zaseln/ darvon wachsen viel
kleiner/ krummer und gebogener Stengel/ die seynd schmal/ nicht viel uber Spannen oder anderthalben lang. Die Bletter seynd
zerkerfft und mit tieffen schnitten zertheilt wie das Körbelkraut/ zu öberst auff jedem Stengel wachsen v. oder vi. weiche/
runde/ weisse/ wollechtige Häuptlein oder Knöpfflein/ die vergleichen sich so viel die gestalt belangt/ den Knöpflein dess
Herrgottsbärtleins/ darinnen der Samen behalten wird/ welcher sich dem Samen der Spanischen Chondrillen etlicher massen
vergleichet. Dieses Gewächs/ wächst in der Provintz Franckreich von sich selbst/ aber bey uns muss es von seinem Samen in den
Gärten gezielet werden.
ll. Das zweyte Geschlecht dess wilden Kümmels/ hat auch ein kleine/ untüchtige/ geelfarbe Wurtzel/ die
Stengel seynd glatt und lenger/ dann dess jetztgemelten/ in viel Nebenästlein abgetheilet/ die Bletter vergleichen sich der
Rauthen und dem Taubenkropff/ seynd weich. Die Blumen am Obertheil der Stengel seynd geel/ von sechs ungleichen Blätlein/ nicht
wie andere Blumen/ Wann die abfallen/ so wachsen hernach lange/ krumme Schötlein/ gekrümmet wie die Bockshörner/ die seynd mit
Gleychlein underscheiden/ darinnen ist der Samen verschlossen/ der vergleichet sich dem Geyssrauthensamen oder wilden Foenigreck/
ist doch schwartzfarber und langlechter. Dieses Gewächss findet man uberflüssig in Hispanien/ daher es auch Herr Henrich von
Wildberg/ der Königlichen Würden in Hispanien Rath und Diener/ erstmals zu uns in unser Teutschland geschickt hat/ das wir
insonderheit jhm zu dancken haben.
lll. Dz dritte Geschlecht dess wilden Kümmels/ hat wie die andern ein kleine untüchtige wurtzel/ die
Blätlein seynd klein/ dem Mattkümmel oder Nadelkörbel nicht ungleich/ die Stengel seyn dünn und schmal/ nicht uber spannen
lang. Die Blumen seynd geel von sechs Blätlein/ die vergleichen sich den Rauckenblümlein/ seynd aber kleiner. Dieses Gewächss
wird auch bey uns/ wie einander frembd Gewächss/ in den Gärten gezielet/ aber in der Provintz Franckreich und Languedock/
wächset es wie ein ander Unkraut von sich selbst.
Von den Namen der wilden Kümmel
l.Das erste Geschlecht ist der warhafftige wilde Kümmel/ den DIOSCORIDES in der ersten Stell
beschrieben hat/ dann alle Noten durchauss/ wie auch die Krafft und Wirckung/ mit der Beschreibung DIOSCORIDIS uberein stimmen.
Der heisset Lateinisch/ CYMINUM AGRESTE, CYMINUM ERRATICUM, CYMINUM SYLVATICUM, SEU SYLVESTRE, und CYMINUM THEBAICUM. Hochteutsch/
wilder Kümmel/ unnd in Sachsen/ Haberkümmel/ das ist/ CYMINUM AVENARIUM.
ll.Das ander Geschlecht halt ich mit REMBERTO DODONAEO und andern Gelehrten/ vor das wahre HYPECOUM
DIOSCORIDIS. Das heisset Lateinisch/ HYPECOUM und HYPOPHEON. Bey den Kreutlern heist es CUMINUM SILIQUOSUM MAIUS, und CYMINUM
CORNUCILARUM MAIUS. Hochteutsch/ grosser Hornkümmel und Hornkümmel.
lll. Das dritt Geschlecht ist ein wahres Geschlecht dess wilden Kümmels/ mag wol dem zweyten Geschlecht dess
wilden Kümmels zugetheilt werden. Das heist bey den Kreutlern/ CYMINUM SILIQUOSUM MINUS, und CYMINUM CORNUCILATUM MINUS.
Hochteutsch/ kleiner Hornkümmel.
Jnnerlicher Gebrauch dess wilden Kümmels DIOSCORIDIS
Dess wilden Kümmels Samen zu Pulver gestossen/ ist gut vor sich selbst allein/ oder aber mit Wein
oder Wasser getruncken/ auff anderthalb quintlein/ vor das Krimmen/ und die windige auffblähung der Därm und dess gantzen Leibs.
Ein anders: Nimb Haberkümmel vierdhalb quintlein/ Weinrauthensamen/ Coriander/ Peterleinsamen/ Fenchelsamen/
Anissamen/ jedes anderthalb quintlein/ neun Pfefferkörner. Diese Stück soll man zu einem reinen Pulver stossen/ durch ein
Sieblein schlagen/ darnach mit xxviii. Untz frisch Wasser/ und xx. Untz gutem Spanischem Wein oder Malvasir zertreiben und
vermischen/ solches als dann in einem steinen Krug oder Glass behalten. Von dieser Artzeneysoll der jenig/ so das Krimmen hat/
allen Morgen nüchtern fünffthalb Untz warm trincken/ und soll darauff spaciren gehen.
Haberkümmel zu Pulver gestossen/ unnd ein quintlein mit gutem Weinessig getruncken/ vertreibt den Klux. Mit
Wein getruncken/ ist fast dienlich dem feuchten Magen/ treibt auss den Lenden oder Nierenstein. Unnd eins Gülden schwer mit gutem
weissen Wein zertrieben/ dienet wider aller gifftigen Thier verletzung/ die mit stechen und beissen den Menschen vergifften.
Eusserlicher Gebrauch dess Haberkümmels
Haberkümmel zu einem reinen Pulver gestossen/ mit Weinrauthensafft vermischt/ und warm in die Ohren
geträufft/ stillet den schmertzen derselben/ von Windt und Kälte verursacht/ auch das Sausen der Ohren.
Haberkümmelsamen im Mundt klein gekeuwet/ und mit Honig und Meertreublein vermischt und wol durch einander
temperiert/ darnach wie ein Pflaster ubergelegt/ heylet die blutigen Streychmasen/ und das undergerunnen Blut.
Haberkümmel gepülfert/ und mit Rosein oder Meerträublein wol durcheinander gestossen/ heylet die hitzige
Geschwulst der Gemächt/ auff ein Tuch auffgestrichen unnd warm ubergelegt wie ein Pflaster.