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DILL
VON DEM DILLKRAUT ODER HOCHKRAUT
Das Dillkraut ist zu unser Zeit auch wie bey den Alten ein bekannt Kraut/ ist allen Krautgärten gemein. Die Wurtzel dieses Krauts ist klein/ kurtz/ weiss und holtzechtig. Es hat zerspaltene Bletter wie der Fenchel/ sie seind kleiner/ schmäler und kürtzer dann der Fenchel. Der Stengel ist rund mit vielen Gleychen/ der ist auch viel kleiner dann der Fenchel:oben am Ende bringt der Stengel mit seinen Nebenzweiglein/ schöne geele gekrönte Blumen eines lieblichen und süssen Geruchs. Wann die abfallen unnd vergehn/ folget hernach ein dünner Samen breiter dann der Fenchel/ je zwey Sämlein zusammen gesetzet/ wie fast in allen gekrönten Kreutern solches zu sehen ist/ aussgenommen der Coriander. Wann der Dillsamen aussfellt/ verdörret das gantz Kraut mit Stengel/ Bletter unnd Wurtzeln/ unnd erjüngt sich Jährlich selbst von dem aussgefallenen Samen/ dann es ein recht Sommer Gewächs ist. Wann der Samen im Frühling gesäet wird gehet er am vierdten Tag auff und lasset sich sehen. So man diss Kraut schön und gross haben will/ muss man es offt begiessen: wiewol es Jährlich von dem Samen wider auffgezielet werden muss/ so wächst es doch lüstiger von dem fortsetzen.
Von dem Namen dess Dillkrauts
Das gezänck das etliche mit dem Dill und Aniss haben/ will ich als ein unnütz Fabelwerck beruhen lassen/ will
also Dill Dill/ und Aniss Aniss lassen bleiben. Lateinisch heist der Dill ANETHUM, ANICETHUM, GENITURA, CYNOCEPHALI und CAPILLUS
CYNOCEPHALI nach der Meynung DIOSCORIDIS. Bey dem PAULO AEGINETA heisset er ANEMIUM, unnd von JOHANNE BRUYERINO wirdt er ESCARLATA
und HERBA THOLOSANA genannt. Hochteutsch/ Dill/ Dillkraut/ Dyll/ Till und Hochkraut.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eigenschafft dess Dills
Es hat der Dill ein Natur/ Krafft unnd Wirckung zu erwärmen/ zu eröffnen/ zu kochen und digiriren/ zu
seubern/ dünn zu machen und zu zertheilen. Er ist warm und trucken im Anfang dess dritten Grads/ unnd trucken im ersten. Die
Wurtzel aber ist hitziger dann das Kraut oder Samen/ die ist heiss im dritten/ und trucken im Anfang dess andern Grads.
Jnnerlicher Gebrauch dess Dills
Es haben die Alten wie der Poet CIRGILIUS IN ALEXI bezeuget/ ein Salsen von Dillkraut/ Quendel und Knoblauch
under einander gestossen/ gemacht/ und solche den Schnittern zu essen furgestellt. Und ist zwar das Dillkraut unnd sein Samen noch
heutigs Tags in unsern Küchen dess Teutschlandts sehr gemein/ unnd den Armen ein nützliche Würtz. Das grün Kraut wirdt in
Suppen und Gemüss nützlich gebraucht/ und gibt denselben ein guten Geschmack. Mit dem Samen macht man die jungen Cucummern eyn/
so brauchen jhnen auch die Weiber zum Kappesskraut/ wann sie das uber Jahr zu brauchen eynsaltzen/ welches jhm nicht allein ein
guten Geschmack gibt/ sondern er benimpt jhm auch die Windigkeit/ und machet es dester verdaulicher. Dessgleichen wirdt der Samen
nützlich gebraucht das Fleisch damit eynzumachen/ und zu den Würsten/ darvon dann alle solchen speisen ein anmütigen geschmack
bekommen/ und auch dester verdäulicher werden. Jn summa/ unsere Weiber unnd Köch können dess Dills in jhren Küchen keines wegs
entberen.
Alle die jenigen so mit stetigem Leibwehe/ Krimmen/ Därmgegicht/ Mutterwehe beladen/ und ein Widerwillen zur
Speiss haben/ auch die jenigen so gern ein keusches Leben führen wolten/ die mit der befleckten Franzosen Kranckheit inficirt/
die da nicht schlaffen könnten/ die stetig auffröpffen dess Magens haben/ und die Speiss nicht wol abdäwen können/ die sollen
in allen jhren Speisen Dillkraut und Samen gebrauchen/ dessgleichen auch die Weiber so Kinder seugen/ dann sie viel Milch davon
bekommen.
Die jenigen aber die ein blödes Gesicht haben/ unnd mit anderen Augen-Kranckheiten beladen seyndt/ auch die so
Kinder zu zeugen begehren/ unnd auch sonsten zu den Ehelichen Wercken ungeschickt sind/ die sollen dess Dills müssig gehen/ und
in jhren Speisen nicht gebrauchen/ dann der Dill dem Gesicht schaden thut unnd es dunckel macht/ so trucknet der ubermässig
Gebrauch desselben den Natürlichen Samen auss/ wie der Poet Macer mit folgenden Versen beschreibet:
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Dillsamen zu Pulver gestossen/ unnd ein quintlein dess Abendts wann man schlaffen will gehen/ mit einem
Trüncklein Weins getruncken/ hilfft denen so jhren Natürlichen schlaff nicht haben können.
Denen die den Heschen oder Klux haben/ sollen so offt es jhnen von nöten ein quintlein geröschten Dillsamen
zu Pulver gestossen mit warmem Wein trincken/ dann der ein besondere Eigenschafft hat diesem zu wehren.
Denen so die Brust mit Eyter von der Lungensucht oder einer Apostemen gefüllet ist/ und das nicht ausswerffen
kann/ dem mach diese Artzeney: Nimb Dillsamen/ Pinhartz/ jedes gleich viel/ stoss zu einem subtilen Pulver/ und vermischs mit
Gänss oder Hünerschmaltz so viel genug ist/ unnd gib dem Krancken Morgens nüchtern und dess Abends wann er zu Beth will gehen/
jedes mal drey Löffelvoll/ das wirdt hjm wunderbarliche hülff thun.
Das erbrechen dess Magens zu stillen/ seud Dillsamen mit Mastix in Wasser/ und trinck
alle morgen und Abendt einen guten Trunck darvon: du magst auch wol dieses Wasser zum Speisstranck/ den Durst damit zu leschen/
trincken.
Den seugenden Weibern viel Milch zu machen: Nimm frisch Dillkraut unnd frisch Fenchelkraut/ seud es in
Gerstenwasser/ mache es süss mit Zucker/ und lass die Weiber nach Durst darvon trincken.
Dillsamen in Wein gesotten/ den durchgesiegen/ unnd Abendts und Morgens/ jedes mal ein guten Becher voll warm
darvon getruncken/ stillet das Magenwehe/ unnd das Krimmen im Leib/ und reissen in den Därmen. Den Samen zu Pulver gestossen/
unnd mit warmem Wein getruncken/ hat gleiche Krafft unnd Wirckung. Diese Artzeney zertheilet auch die Bläst im Leib/ unnd führet
sie auss/ treibet den Harn/ hilfft der Däuwung/ stillet den schmertzen der Mutter/ unnd wehret dem auffstossen derselben.
Vor die Krimmen unnd schmertzen im Leib und Därmen von windigen Blästen verursacht: Nimb die Cronen unnd
öbersten Gipffel vom Dillkraut/ zwo Handvoll/ Steinklee/ Camillenblumen/ Weinrauthen/ jedes ein Handvoll/ Lorbeern ein wenig
gestossen/ Mattkümmel/ Römischenkümmel/ jedes ein halb Loth. Lass diese Stück in drey Pfundt Wassers den halben theil
eynsieden/ darnach seihe es durch ein Tuch: Nimb der gesottenen Brühen auff ein gemein pfund zertreib darinn Biterheylig die
Latwerg/ unnd der Latwwergen von Lorbern gemacht/ jedes ein Loth/ ein frischen Eyerdotter/ ii.Loth Saltz/ Speisszucker/ und ein
halb loth Saltz/ vermischs wol durcheinander/ und thu ferner darzu vi.Loth Baumöle/ und gibs dem Krancken warm durch ein
Clistirzeug/ und lass jhnen das zum wenigsten ein stundt bey jhm behalten.
Vor das Krimmen und schmertzen der Mutter/ Nimb vii. Dillsamenkörnlein/ die stoss klein/ thue darzu ein halbs
quintlein dess besten Andromachischen Theriacks/ unnd ein drittheil eines quintleins des besten Methridats/ vermisch diese stück
durcheinander/ unnd zertreib sie mit einem Trüncklein weissen fürnen Wein/ und gibs der Frawen warm zu trincken.
Dillsamen in Wein gesotten/ unnd den Tranck mit Zucker süss gemacht durch ein Tuch gesiegen/ unnd darvon
Morgens und Abends/ jedes mal ein Becher voll warm getruncken/ erwärmet die erkalte Brust/ treibet den Harn/ unnd hilfft den
Harnwinden. Solches thut auch das Kraut unnd Samen in der Speiss gekocht unnd gessen/ das vertreibt auch das Krimmen nach der
Ruhr.
Dillsamen mit Feigen und ein wenig Ritersaltz in Wasser gesotten/ unnd darvon ein Bechervoll mit ein wenig
Buttern warm getruncken/ treibet auss das eingenommen Silberglet durch das oben aussbrechen.
So einer dess auffgetruckneten Monsaffts OPIUM gessen oder getruncken hette/ der siede Dillsamen in Meth/ unnd
nemme ein Becher voll der gesottenen Brühen/ zertreib darinn i.Loth oder zwey Sesamölen mit einem halben Loth Jndianischen
Eusserlicher Gebrauch dess Dills
Die öbersten Gipffel oder Kronen dess Dills mit den Blumen klein zerschnitten unnd gestossen/ in
Baumölen gekocht/ und wie ein Pflaster ubergelegt/ legt den Hauptschmertzen wunderbarlich/ und ist ein Experiment. Jn mangel der
Kronen unnd blumen soll man frisch Dillkraut nemmen/ und wie gemeldt bereiten und brauchen.

Etliche machen auss der Aschen dess Dillkrauts ein lindes Sälblein/ vermischens mit Honig/ unnd streichen
die Löcher und Geschwer zum offtermal mit an: Aber nichts besser ist/ dann Fäselein von leininem Tuch geschabet/ unnd dieselben
mit dem gemeldten Sälblein in die Löchlein eingelegt/ das sol man dess Tags zweymal thun/ und zuvor den Schaden allwegen
wäschen und reinigen mit Wasser darinn Myrthenbletter gesotten seind. Mit dieser geringen Artzeney hab ich vielen geholffen die
sich an ungesunden Weibspersonen verunreiniget haben/ und solche umb sich fressende Löcher bekommen/ dass wo man denen nicht zu
hülff kommen/ man jhnen das Männlich Gliedt hette müssen hinweg schneiden/ wie dann etlichen geschehen/ die sich unseren
unerfahrnen vermeynten Wundärtzten und Bartscherern vertrauwet haben.

Dill Aschen/ und sonderlich die von der Wurtzeln dess Dillkrauts gebrandt wirdt/ heylet die spalten unnd
rissz im Hindern und heimlichen Orten/ dessgleichen die schwerenden Feygblattern/ und auch die Feygwartzen/ zum offtermal darein
gesträwet/ und allwegen zuvor mit dem Wasser darinn Myrthenbletter gesotten seynd wol abgewäschen.
Dill zu Pulver gestossen und mit Sesamölen unnd zerlassenem Wachs ein Salben darauss gemacht/ die heylet die
Rissz/ Spalten unnd Schäden der Händ unnd Füss die von grosser Winterkält entsprungen seyndt. Das Dillkraut zu Pulver
gebrandt/ unnd dasselbig in die gemeldten Schäden gezedelt/ thut dergleichen. Das bezeuget auch MACER, als er spricht:

Dillkraut gestossen und mit Essig vermischt/ vertreibt die geschwulst der Schenckel unnd Füss der
schwangern Weiber$Pflastersweiss warm darumb geschlagen/ und so offt es trucken wirdt/ wider erfrischet.
Vor die Blattern an den Schienbeynen: Nimb Dillkraut das frisch und grün ist zwo Handvoll/ gescheelte und
geschnitene Zwiebeln ein Handvoll/ stosse diese Stück wol mit frischem Buttern ongefärlich auff die acht untz: seuds wol bei
einem linden Fewerlein/ biss der Safft im Kraut unnd Zwibeln sich verzehrt hat/ darnach seihe es durch ein Tuch und trucks hart
auss/ zerlass darnach darin ii.loth Griechisch Bech/ und rührs biss es schier kalt wirdt/ als dann thue weiter darzu rein
gepülverten und gewäschenen Silbergleth ii.loth/ gepülverten Weyrauch i.loth/ Myrrhen/ Mastix/ alles gepülvert/ jedes ein halb
loth/ vermischs und rührs wol durcheinander zu einer Salben oder Pflaster/ das streich wie ein Pflaster auff ein Tuch/ und legs
uber die Blatern.
Dillkrautwasser
ANETH AQU
Es ist zwar das gedistilliert Wasser von dem Dillkraut sehr wenig in dem täglichen brauch/ dieweil es aber auch nützlich in etlichen Leibsfählen mag gebraucht werden/ haben wir nit underlassen wöllen/ damit diesem unsern werck nichts mangel/ auch dieses Wassers tugendt zu beschreiben. Und ist aber die beste zeit dasselbig zu distilliren im ende dess Mayens/ oder anfang dess Brachmonats/ wann es in seiner vollkommenen Blühet ist/ das Kraut/ Stengel und Blumen klein gehackt/ und dann mit sanfftem Fewer IN BALNEO MARIAE gedistillirt und sänfftiglich abgezogen/ folgendts wie gebräuchlich in der Sonnen auff viertzig Tag rectificirt. So du aber dieses Wasser kräfftiger haben wilt/ so nimb ein vierling Dillsamen/ den stoss zu einem groben Pulver/ thu den in ein Cuvurbit/ schütte darüber ein mass Dillwasser/ setz darnach ein blinden Helm/ das ist ein Helm ohn ein Schnabel darauff/ lass es xxiiii. Stunden also IN BALNEO MARIAE mit einander beytzen/ darnach setz ein Helm mit einem Schnabel darauff/ und ziehe es sänfftiglich ab/ so hastu ein edel Wasser/ das beyde den Geruch und Geschmack dess Dillkrauts hat/ das ist auch zu den hernach benandten Gebrechen kräfftiger als das vorig.
Jnnerlicher Gebrauch dess Dillkrautwassers
Dillkrautwasser dess Morgens und Abends/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ gibt den seugenden
Frauwen viel Milch/ zertheilet die Wind im Magen unnd Därmen/ wehret dem Klux oder Hesch/ hilfft wohl däwen/ reiniget die Blass
und Nieren/ fürdert den Harn/ und vertreibet das tröpfflingen harnen und die Harnwinde.
Dillkrautwasser dess Abendts getruncken auff vier oder fünff loth/ wann man
will zu Beth gehen/ und die Schläff und Nasslöcher damit bestrichen/ fürdert die Ruhe/ und macht wohl und sanfft schlaffen.
Eusserlicher Gebrauch dess Dillkrautwassers
Dillkrautwasser vertreibt das Zahnwethumb warm im Mundt gehalten/ und zeucht die bösen flüss herauss/
die das Zahnwehe verursachen.
Dillkrautwasser eusserlich mit darinn genetzten Tüchern uber die Stirn und Schläff gelegt/ auch die Nasslöcher damit bestrichen/ legt das Hauptwehethumb/ und macht schlaffen. Diese Artzeney wird kräfftiger wann man nimbt i.loth oder anderhalb weissen Magsamen/ und ein loth gescheelter bitter Mandeln/ diese Stück in eim Mörser klein gestossen darnach mit viii.loth Dillkrautwasser durch gestrichen/ und gebraucht.
Dillwein
ANETHITES oder ANETHA CUM VINUM
Der Keyser CONSTANTINUS lehret den Dillwein/ AGRIC.LIB.7.C.1. auff folgende weiss zu machen/ und spricht:
Man soll Dillsamen in ein Tüchlein binden/ unnd in Wein legen/ derselb macht dann wohl schlaffen/ treibet den Harn unnd hilfft
dem Magen die Speiss verdäwen. Diesen Wein kann man also allzeit bereyten.
So man aber den Dillwein will von newem frischem Most bereiten/ dass derselb
darüber verjähren möge/ soll mann den machen wie wir oben von dem Römischenkümmelwein zubereiten angezeigt haben. Dieser Wein
legt die schmertzen unnd Krimmen im Magen und Därmen/ stärcket den Magen/ hilfft wol däwen/ zertheilt unnd vertreibt die Bläst
im Leib/ stillet die Mutterkrimmen/ und die Nachwehen der Kindtbetterinnen/ macht den seugenden Weibern viel Milch/ vertreibt den
Heschen oder Klux/ fürdert den Harn/ reiniget die Nieren/ Harngeng und die Blasen/ treibt den Harn/ und vertreibt die Harnwinde
unnd tröpfflingen harnen.
Dillsamen Meth
ANETHINA MULSA
Auss dem Dillsamen macht mann ein herrlichen guten Meth vor den alten Husten/ unnd die erkalte Brust zu
erwärmen: Jst denen fast dienlich/ den die Brust unnd Lungen unnd derselben Rhörlein mit kaltem zähem Schleim verstopfft ist/
darvon sie keichen müssen und den Athem schwerlich holen/ den bereyt also: Nimb Dillsamen vi.loth/ Pfefferkörner ii.loth/ die
müssen ein wenig groblecht gestossen seyn/ die seude miteinander in genugsamem Wasser uber das drittheil ein/ seihe es darnach
durch/ und nimb dieses gesotten Wasser/ unnd noch frisch Brunnenwasser darzu/ dass es sechzehen Mass zusammen seind/ darzu thue
ferner zwo mass Honigs/ lass es miteinander uber einem linden Fewer sittiglich sieden/ so lang biss es halber eingeseud/ und
verscheume es im sieden fleissig und wol: Wann es gesotten ist so seihe es dann durch ein Tuch/ und fülle es in ein bequem
Fässlein/ lass es verjähren/ darnach brauchs zu obgemeldten Gebrechen/ dess Morgens und Abends/ jedesmal auff ein Quärtel/ dann
dieser Tranck sol nur auff Artzeneyen gebraucht werden.
Ein andern Dillen Meth vor das Krimmen im Leib/ Därmgegicht und das
grewlich reissen und schneiden in den Därmen/ den mach also: Nimb Dillsamen vier loth/ seude den in genugsamem Wasser/ das seihe
durch ein Tuch/ unnd thue noch ander frisch Wasser darzu dass es vier mass seye/ und zwo und dreissig Untz gutes Honigs/ unnd
zwölff Untz dess besten fürnen Weins/ Lass diese Stück darnach miteinander sittiglich sieden/ unnd verscheum es wol/ wann es
halber eingesotten ist/ so seihe es durch/ unnd lass den Krancken also frisch hinweg trincken/ unnd das so offt er den schmertzen
fühlet/ so soll er allwegen ein guten trunck thun: Wann aber der schmertzen nachlasset/ soll er dess Morgens frühe nüchtern
darnach zu Mittag/ unnd dess Nachts vorm Nachtessen/ jedesmal ein guten Trunck thun/ ohngefährlich auff einen gemeinen
Tischbecher voll/ oder ein halb quart.
Gesotten Wasser vom Dillsamen
AQUA DECOCTIONIS SEMINIS ANETHI
Von dem Samen dess Dillkrauts seudet man auch ein Wasser/ das braucht man in den Krimmen/ Därmgegicht/ unnd schwerlich harnen/ in verstopffung der Nieren und Blasen/ in Mutterkrimmen unnd dergleichen/ solches trinckt mann vor sich selbst allein/ sonderlich wann mann den Wein nicht wohl leiden nach Notthurfft/ oder vermische den Wein zum dritten oder vierdten theil darmit. Diss Wasser muss man sieden/ in einer verschraubten Fläschen oder verlutierten Kannten/ allerdings wie wir oben das Fenchelwasser zu sieden gelehrt haben.
Dillöle
ANETHIUM OLEUM
Das Dillöle ist im Gebrauch der Artzeney fast gemein/ unnd wirdt in allen wolgerüsten Apotecken bereit
funden/ unnd wirdt auff folgende weiss gemacht: Nimb die abgestreifften Bletter dess Dillkrautssampt seinen wolriechenden Blumen/
so viel du wilt/ thue die in ein Violglass/ unnd giess darüber wol zeitig alt Baumöle/ dass die bedeckt seyn/ vermachs wol unnd
stells fünffzehen Tag in die Sonn/ oder ein ander warm Orth/ lass darnach in eim besonderen doppel geschirr in Wasser sieden/
darnach truck das Kraut und Blumen hart auss/ und thue die hinweg/ und füll wider frische darein/ lass widerumb sieden/ und
trucks auss/ das thu zum drittenmal/ als dann behalts wol vermacht zum gebrauch.
DasDillenöle ist warm im ersten Grad/ hat ein krafft zu erweichen/ zu
befeuchtigen/ zu kochen/ zu solvieren/ zu zertheilen/ subtil und dünn zu machen/ unnd zu evacuiren/ unnd ist ein rechtes
ANODYNUM, denn es stillet das Krimmen/ Leibwehe/ Därmgegicht/ Magenwehe/ und alle andere innerliche und eusserliche schmertzen/
warm darmit gesalbet. Legt die Geschwulsten und entzündungen mit ungewäschener Schaffwollen ubergelegt/ es eröffnet die
Schweisslöchlein unnd fürdert den Schweiss/ den gantzen Leib damit gesalbet. Es zertheilet die Beulen/ Apostemen/ Geschwulst
unnd harte Knollen/ miltert die schudern der Feber/ den Rückgrad darmit gesalbet. Treibet den Harn/ den understen Bauch umb die
Blasen und das Gemächt darmit warm geschmieret. Es vertreibet den Schmertzen der Ohren/ und das sausen darinn/ legt die
geschwulst und entzündung der Mandeln/ warm in die Ohren getraufft/ und mit ungewäschener Wollen umb den Halss eusserlich warm
auffgelegt. Es fürdert den Schlaff/ eröffnet die verstopffung der Leber von Blästen verursacht/ und stillet den schmertzen
derselben. Es vertreibet die Harnwind unnd das tröpfflingen harnen/ mit ungewäschener Lambwollen warm auff den understen Bauch
unnd uber die Gemächt gelegt/ und legt den schmertzen der Nieren und Blasen/ der von dem Stein erzeugt wird/ und zertheilt die
Bläst der Nieren/ dienet den kalten Geschweren derselben. Es treibet auch fort den Lendenstein/ die Nieren und Scham warm darmit
gesalbet. Es miltert dz Keichen/ unnd erwärmet die erkalte Brust/ dieselbig warm darmit geschmieret. Es vertreibet auch den
Krampff/ so von verwunden verursacht wird/ und legt den Schmertzen der zerstossenen und zerquetschten Nerven. Es miltert das
stechen und schmertzen der Seiten und Lenden. Es vertreibet den Heschen und Klux der jungen Kinder/ das Mägelein darmit gesalbet.
Den jungen Kindern so Schmertzen und Leibwehe haben/ soll man ungewäschen Lambwoll in Dillenölen netzen/ unnd also warm uber die
Bäuchlein binden.
Dillenölen ein theil/ mit fünff theil Weinessig vermischt und wol
durcheinandergeschlagen/ dienet wider das Hauptwehethumb in den Febern/ zwyfache leinine Tüchlein darinn genetzt und ein wenig
aussgetrucket/ und warm uber die Stirn unnd Schläff gelegt.
Dillenölen mit gebrantem Wein vermischt/ eines so viel als dess andern/
vertreibt das scharpff Hauptwehe auff einer Seiten/ den Hauptnagel genennet/ ein ungewäschen Lambwoll darinn genetzt/ und warm
darüber gelegt.
Dillenölen mit Lattichsafft jedes gleich viel durcheinander vermischt/ unnd
leinine Tüchlein darinn genetzet/ den jungen Kindlein uber die Stirn und Schläff gelegt/ und die Nasslöchlein darmit
bestrichen/ bringet jhnen den Schlaff.
Vor das Krimmen und Därmgegicht ein fast heylsame Artzeney: Nimb
Dillenölen zwölff Untz/ Genssschmaltz vier Untz/ Hirschen Unschlitt zwo Untz/ zerlass diese Stück durcheinander/ und zertreib
darinn i.quintlein gepülvert Bibergeyl/ unnd thue es durch ein Clistirzeug zu dem Krancken/ und lass jhn bey sich behalten so
lang er kann/ dann es stillet den Schmertzen wunderbarlich.
Vor die Schmertzen dess Bauchs von Kälte und Blästen: Nim Dillölen vi.
Untz/ gepülverten Keuschbaumsamen/ gepülverten Rautensamen/ jedes iii. Loth/ rein gepülverten Zimmet iii. quintlein/ vermischs
wol uber einer Glut/ darnach legs uber wie ein Pflaster.
Vor die Geschwer und entzündung der Nieren: Nimb Dillölen xii. Untz/
Gensschmaltz iii. Untz/ frischen ungesaltzenen Buttern ii. Untz/ Hünerschmaltz/ Hirschenmarck/ jedes ein Untz/ zerlass solches
durcheinander/ und thue es zu dem Krancken durch ein Clistierzeug/ wann der Leib vorhin durch ein bequeme Purgation gereyniget
worden ist/ und lass jhnen bey sich behalten so lang er kann.
Dillölen x. Loth mit dem Gummi EUPHORBIO, und Zeidelbastblettern/ jedes i.
Loth gesotten/ und darnach durchgesiegen/ verzehret die Geschwulst der Wassersüchtigen/ die geschwollenen Oerter damit gesalbet.
Vor das Auffstossen und Erstickung der Mutter: Nimb zween Sträng
ungewaschens Garn/ und netz je einen umb den andern in warmen Dillölen/ und trucks hart auss/ darnach legs warm uber den
understen Bauch unnd uber die Gemächt.
Vor die Harnwind und das tröpflingen Harnen: Nimb Dillölen x. Loth/
Bibergeyl i. Loth/ dess Gummi GALBANI, dess Gummi OPOPANACI, jedes ein halb Loth/ lass mit einander uber einer Glut sieden/ biss
sich die Gummi mit dem Oele vermischen/ darnach seihe die durch ein Tüchlein/ und schmiere dich darmit umb die Schloss und das
Gemächt.
Vor den zwang TENASMUM, schmiere den understen Bauch/ die Brück und die
Gemächt/ mit warmem Dillenölen/ es hilfft sonderlich wann der Gebresten von Kälte seinen Ursprung hat.
Vor die Geschwulst und entzündung der Hoden und Gemächt: Nimb Dillenölen/
Narcissenrösslein oder Hornungsblumenölen/ Wachs/ Pinhartz/ jedes x. Loth/ gepülverten Pfefferkümmel drey Loth/
auffgetruckneten und gepülverten Eselsdreck zwey Bällelein. Zerlass die Oelen/ Wachs und Hartz sittiglich uber einer Glut/
darnach rühr die Pulver darein/ so lang biss es kalt wird/ und sich alle ding wol durcheinander vermischt haben/ so hast du ein
edel Pflaster zu obgemeltem Gebrechen/ darvon streich auff ein Tuch/ unnd legs uber den Schaden.
Dillsalb
ANETHINUM UNGUENTUM
DIOSCORIDES LIB.L.CAP.48 beschreibet ein fast nützliche Salb von Dillen/ die nennet er ANETHINUM UNGUENTUM, und wird also bereytet: Nimb viii. Pfund/ xviii. Loth Baumöls/ Dillkrautblühet xi. Pfund/ xvi. Loth/ vermisch die Dillen under das Oel/ und lass sie einen Tag stehn beytzen/ presse sie darnach mit den Händen hart auss/ und stelle die Salb zum Gebrauch verwarlich hin. Wiltu die Salb kräfftiger haben/ so thu widerumb so viel frisch Dillenblühet darzu/ und lasse sie wie vorgemeltet beytzen. Diese Salb erweichet die härtigkeit der Beermutter/ und eröffnet die Lufftlöcher der Adern/ und ist gut wider das schaudern/ so mit dem anfang der underlassenden Feber kommen: Diese Salb hat ein Krafft zu erwärmen/ es vertreibet die Müdigkeit/ und ist gut wider den Schmertzen der Gliedsucht.
Gedistillirt Dillöle
ANETHI OLEUM STILLATITIUM SEU CHYMICA ARTE EXTRACTUM
Auss dem Samen dess Dillkrauts macht man auch ein köstliches Oele/ welches durch die Destillation künstlich aussgezogen wird/ wie das Kümmelöl. Das wird jnnerlich zu allen denen Gebrechen gebraucht/ darzu der Dillsamen dienstlich ist/ wie dann solches oben in dem jnnerliche Gebrauch dess Dillens erzehlet ist. Darvon gibt man auff die iii. Tröpfflein mit Dillkrautwasser oder mit Wein/ oder aber einem andern bequemen Safft/ je nach gelegenheit dess Gebrechens oder Kranckheit. Es wird auch heylsamlich mit Pilulen/ Conserven/ Mixturen/ Syrupen und andern bequemen Artzeneyen gebraucht. Eusserlich wird es zu Salben/ Pflastern unnd dergleichen gebraucht/ und wird auch das gemein gebräuchlich Dillenöl darmit gestärcket.