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CHRYSANTHEMEVON DEN GESCHLECHTEN DER THUNIS BLUMEN
Diese folgende frembde Blumen seynd nicht lang in EUROPA bekannt gewesen/ unnd seynd
allererst zun Zeiten dess Sieghafften Keysers CAROLI QUINTI, als er in AFRICAM gezogen/ und die Statt Thunis erobert und
eyngenommen hat/ mit andern mehr frembden Gewächsen auch zu uns in Teutschlandt/ unnd andere Länder EUROPAE gebracht worden/
Unnd findet man heutiges Tages in unsern Gärten fünff Geschlecht/ die seyndt fast mit Stengeln unnd Kraut einander gleich/
allein dass einer grösser unnd kleiner ist als der ander/ So blühet auch eines später dann das ander.
l. Die Stengel an diesem Kraut seyndt rund/ an der Farben Braunrote wie der Beifuss/ auff anderthalben Elen
hoch/ mit vielen Nebenästlein: Die Bletter vergleichen sich dem wilden Baldrian oder dem Reynfahrn/ auff beyden Seiten zerkerfft/
doch etwas tieffer dann dess Reynfahrns/ daher auch etliche diss Kraut vor ein Geschlecht dess Reynfahrns oder Beyfuss gehalten/
doch nicht ohn ein kleinen Jrrthumb. Oben am end der Stengel und Nebenzweiglein kommen von den zarten/ runden/ langen Hälmern
herfür die schönen Blumen/ auss langlechten Knöpffen oder Häusslein/ welche rings herumb mit fünff oder sechs Riplein
erhaben/ die seynd von Farben gantz schwartzroth/ wie ein schöner Sammat/ und das erstlich/ so sie aber etlich Tag stehen
bleiben/ werden sie Bleychgeel/ sonderlich auff der seitengegen der Erden. Nach verwelckung und abfallung der Rösslein oder
Blumen/ folget der lange schwartz Samen (welcher sich dem Samen der Alantwurtz vergleicht) gantz getrungen in jetzgemelten
Knöpflein verschlossen. Die Wurtzel ist kurtz/ nicht tieff in der Erden/ drausselecht mit vielen Nebenzincken. Diss Gewächs kann
den Winter nicht erleiden/ verdirbt bald von der Kält und den Reiffen: Muss alle Jahr von dem Samen wider auffgezogen unnd
gezielet werden. Das Kraut reucht starck unnd unlieblich/ ist am Geschmack bitter/ an den Blumen ist nichts lieblichers dann die
Farb/ dann sie haben gar keinen Geruch.
ll. Das ander Geschlecht ist dem jetztgemelten mit Kraut und Stengeln durchauss gleich/ die Blumen aber seyn
schön gefüllt und rund auffgetrungen/ wie ein lieblichs Rösslein. Diese beyde Geschlecht bringen jhre Blumen zeitlich im ende
dess Meyens.
lll. Die andern drey Geschlecht seynd den jetztgemelten mit Stengel/ Blettern und Wurtzeln durchauss gleich/
seynd aber grösser/ unnd auch in den Blumen underscheiden: die stengel werden fast dreyer Ehlen hoch. Das erst under diesen hat
grosse einfache blechgeele Blumen von acht oder neun Blettern/ am Rand herumb ein wenig gekerfft. Man findet auch dieses Gewächs/
das schöne goldtgeele Blumen bringet.
lV. Die andern zwey Geschlecht seynd schön rund/ mit vielen doppeln Blumen gefüllt/ das eine mit hüpschen
bleichgeelen/ und das ander mit schönen Goldtgeelen Blumen/ einer schönen gefüllten runden Rosen gleich/ die stincken gleich
ubel wie das Kraut.
Alle Geschlecht dieser schönen Blumen halten sich lang/ und sonderlich die grossen und gefüllten/ die etwan
einer Faust gross werden: die fahen an zu blühen im end dess Junij/ auch bissweilen zeitlicher/ die werend biss in Herbst hinein.
Wann man sie aber abbricht/ unnd stellts in ein Wasser/ kann man sie wol drey oder vier Monat frisch unnd schön mit jhrer Farb
biss in Winter hinein behalten. Wann diese schöne Blumen nicht so ein ubelstinckenden Geruch hetten/ so ubertreffen sie alle
Blumen mit jhrer schöne. IN APHRICA wachsen sie allenthalben vor sich selbst/ aber bey uns müssen sie jährlich/ wie gemeldet/
von dem Samen aufferzogen werden. Es wachsen alle diese Gewächss gern in feystem und feuchtem Grund/ so aber der Samen in ein
andern Grund gesäet wird/ muss sein wol mit giessen gepflogen werden/ wo man den fortbringen will. Man findet kaum under allen
Gartenkräutern eins das gerner wächst/ als diese Gewächs/ sonderlich aber das klein/ dann so man die Zinchen oder Nebenästlein
abreisst/ unnd wider in den Grund stecket/ fahen sie bald an zu wachsen/ unnd werden eigene besondere Stöck darauss/ welches zum
offtermahl versucht ist worden.
Von den Namen dieser Kräuter
Es haben viel gelehrter Männer diese Kräuter vor wahre Geschlecht dess Beyfuss gehalten/
derowegen/ wie sie auch dem Reynfahrn/ welcher ein Geschlecht dess Beyfuss ist/ nachsetzen wöllen/ wiewol sie dem Reynfahrn weder
an Krafft oder Wirckung zu vergleichen. Der hochgelerte MEDICUS, ANDREAS LUCANA, helt das gross Geschlecht vor das OTHONNAM
DIOSCORIDIS, dieweil aber OTHONA IN ARABIA TROGLODYTICA wächst/ auch die Beschreibung DIOSCORIDIS mit der grossen Thunis Blumen
nicht durchauss uberein schlegt/ können wir solches Gewächs nicht vor das wahr OTHONNAM halten/ wie weiter angezeigt werden
wird.
VALERIUS CORDUS nennet die Thunis Blum TANACETUM PERUVIANUM, andere nennens CHRYSANTHEMUM TUNETANUM. Von den
Kräutlern wird es genant CARYOPHYLLUS INDICUS, FLOS TUNETANUS, FLOS APHRICANUS, FLOS INDICUS, TAGETUS INDICA, und von CONRADO
GESNERO, CALTHA APHRICANA, welche Namen diesem Gewächs sich wol ziemen/ allein ist deren Meynung gar zu verwerffen/ die da
vermeinen/ dass dieses Gewächs Geschlechter dess Reynfahrns oder Beyfuss seyen/ und sie von wegen der schönen Blumen/ vor
unschädliche Kräuter halten/ sintemal die tägliche Erfahrung Zeugnus gibt/ dass sie schädliche und gifftige Kräuter/ und
derowegen in der Artzney zu meiden seynd.
Dass ich aber auch meine Meynung von diesen Gewächsen anzeig/ so halt ich gänzlich darfür/ dass die gross
Thunis Blum sey das ware und recht LYCOPERSIAM, welches GALENUS LIB.4.DE SIMPL.MEDICAM.FAC. gedenckt/ und der CENTURIO wider die
schmertzlich Gliedsucht gebraucht hat/ GALENUS auch dasselbige von wegen seines starcken und unlöblichen Geruchs nicht hat
dürffen kosten/ sintemal er es vor ein gifftig Kraut gehalten hat. Unnd wiewol GALENUS an demselben Ort die Form oder Gestalt
dess LYCOPERSII nicht beschreibet/ und doch der und doch der unliebliche starck Geruch/ der dem Schirling gleich ist/ gnugsam
Anzeigung gibt/ dass es/ wie das LYCOPERTIUM, gifftig unnd schädlich im Leib zu gebrauchen ist/ so will ichs auss folgenden
Ursachen vor das LYCOPERTIUM halten/ sintemal es demselben an Krafft und Tugendt gleich ist/ und gleiche Wirckung mit dem
LYCOPERSIO hat. LYCOPERSIUM heisset auff Hochteutsch/ Sammat Blum/ Sammat Rösslein/ und werden aber die kleinen Geschlecht also
genant/ dieweil sie dem Sammat gleich seynd: Sonst nennet mans auch Jndianisch Neglein/ Jndianisch Blum/ und die grossen
Geschlechte/ gemeiniglich Thunis Blumen/ wiewol man auch die kleinen/ zum underscheid der grossen/ klein Thunis Blumen nennet.
Von der Krafft/ Eygenschafft und Wirckung der Sammat Rösslein und Thunis Blumen
Dess Krauts ubelriechender und stinckender Geruch/ der sich fast dem Schirling vergleicht/ geben
Anzeigung/ dass es gifftige unnd schädliche Kräuter seynd/ wie der Schirling/ seynd auch gleicher Krafft/ und sollen von wegen
jhrer grossen Kälte in Leib nicht gegeben werden: Eusserlich aber hitzige schmertzen der Glieder zu legen/ mag man sie wol
brauchen/ unnd Pflastersweiss uberlegen. Diese Kräuter beschweren das Haupt/ unnd letzen das Hirn mercklich/ von wegen dess
gifftigen unlieblichen Geruchs/ derowegen sie so viel müglich zu meiden: Etliche wöllen/ so man diese Kreuter bey sich trage/
sollen sie den Aussatz machen/ und sol der geruch (wie ich selbst erfahren) das Hertz sehr schwächen/ derwegen zu rathen ist/
dass man in zeit regierender Pestilentz/ den Geruch dieser Kreuter vermeide/ so viel immer müglich. ADAMUS LONICERUS schreibet in
seinem BOTANICO, dass die SammatRösslein in jhrer Wirckung sind als der Beyfuss/ und dass das Wasser von gemeldten Kreutern
gedistillirt/ ein Nusschal voll darvon eingenommen/ den Weibern soll die erkalte Mutter erwärmen/ und allen Uberfluss vermeiden/
welchs ich nicht wolglauben können/ sondern den innerlichen Gebrauch allwegen widerrahten/ wie auch noch. Unnd habe ich auch
desswegen mit gemeldtem Herrn LONICERO Gespräch gehalten/ welcher mir selbst bekannt/ dass ers nie versucht/ sondern von andern
also hören sagen/ ob dem nun also seye oder nicht/ das könne er nicht wissen. Dieweil man nun dieses Kraut/ wie die gewisse
erfahrung Zeugnuss gibt/ ein Gifft ist/ Sintemal die Schwein/ so sie darvon essen/ sterben/ auch die Mäuss darmit getödtet
werden/ So widerrath ich nochmahlen den innerlichen Gebrauch aller dieser Kreuter/ wie auch andere Artzeneyen/ die darvon gemacht
werden. Es schreibet der Hochgelehrte MEDICUS REMBERRUS DODONAEUS MECHLINIENSIS, dass er die Thunis Blumen einer Katzen mit
frischem Käss vermischt/ zu essen geben habe/ die gleich von stund an auffgelauffen/ und uber ein kleine weil gestorben seye.
Welches alles gewisse Anzeigungen seynd/ dass diese Kreuter ein gifftige Eigenschafft in sich haben/ und mit dem LYCOPERSIO GALENI
ubereinstimmen/ darvor man es auch gewiss halten sol. Dieweil aber ANDREAS LACUNA die Thunis Blum vor dz OTHONNAM DIOSCORIDIS
helt/ wollen wir hernach dieselbige in diesem Capitel auch beschreiben und besehen/ was Gleichheit OTHONNA mit diesem
jetztgemeldten Kreutern habe.
Von dem Kraut OTHONNA, bey dem DIOSCORIDI
DIOSCORIDE SLIB.2.CAP.174. schreibt von OTHONNA auff folgende weise/ unnd spricht: Etliche sagen/ dass OTHONNA der Schellwurtz Safft seye/ etliche dess Krauts GLAUCII, die andern ein safft auss den Blumen dess gehörnten Magsamens: Die andern aber wöllen/ dass es ein vermischter Safft sey auss dem blauen Gauchheyl/ Bilsenkraut unnd Magsamensafft: Die andern/ dass es ein Safft sey eines Krauts in ARABIA TROGLODYRICA, wachsendt an der seiten dess Lands Egypten/ welches OTHONNA genannt wirdt. Es hat wenig Bletter/ die sich gerne zerreiben lassen/ die vergleichen sich der Rauckenblettern/ seyndt wie ein Sieb durchlöchert/ als wann sie von den Würmen durchstochen werend: Es bringet ein Blum/ die ist Saffranfarb/ mit breiten Blettern: dannenher etliche vermeynt haben/ dass es ein Geschlecht der AnemoneRösslein seye. Darauss wirdt ein Safft aussgeprest zu den Augen der Artzeneyen dienlich/ wo reinigens von nöhten ist/ dann er beisset und feget ab/ alles was die Augen und das Gesicht verfinstert: Man saget auch/ dass auss diesem Kraut ein Feuchtigkeit fliesse/ welcher so er gewäschen wirdt und von den steinlein gereinigt/ macht man kleine Kügelein darauss/ die seyndt zu allen vorgemeldten Gebresten dienlich. Es seyndt auch etliche andere/ die sagen/ dass OTHONNA ein stein seye in der Landtschafft Egypten THEBAIDE wachsend/ nicht sehr gross/ an der Farbe dem Kupffer gleich/ am Geschmack beissend/ mit einer Hitz unnd zusammenziehung.